Sexus und Traurigkeit

Sándor Márai: Das Kräuterbuch LXXI

Über den Sexus und die Traurigkeit

Am Grund der Dinge liegt der Sexus. Vielleicht sogar im Leben der Kristalle. Aber alle Geschlechtlichkeit ist traurig.

Die Angelegenheit des Körpers wie ein Urteil betrachten. Nur die Zärtlichkeit ist menschlich. Die Leidenschaft ist unmenschlich[1] und hoffnungslos. Weiterlesen

Das Glück

Sándor Márai: Das Kräuterbuch LXX

Über das Glück

Glück gibt es natürlich nicht in dem destillierbaren, verpackbaren, etikettierbaren Sinn, wie sich das die meisten Menschen vorstellen. Als ob man nur in eine Apotheke gehen müsse, wo sie einem – für Dreisechzig – eine Medizin geben, und danach tut nichts mehr weh. Weiterlesen

Vernunft, Gnade, Demut

Sándor Márai: Das Kräuterbuch LXIX

Darüber, daß die Vernunft nicht ausreicht, um zu verstehen

Die Vernunft genügt nicht, um sich selbst oder die Phänomene der Welt zu verstehen: um das Wesentliche, das Unfehlbare zu verstehen und wahrzunehmen, braucht es etwas anderes, braucht es mehr als die Vernunft. Weiterlesen

Über das Feiern

Sándor Márai: Das Kräuterbuch LXVII

Über die Feiertage

Wenn in deinem Leben ein Feiertag ansteht, dann feiere ihn voll und ganz. Trage schwarz. Bürste dein Haar mit einer nassen Bürste. Reinige dich innerlich und äußerlich. Vergiß alles, was zu den Zeremonien und Aufgaben der Wochentage gehört. Weiterlesen

Gegen die eigenen Gesetze sündigen

Sándor Márai: Das Kräuterbuch LXVI

Darüber, daß wir nicht vor uns selbst versagen dürfen

Wenn sich in unserem Leben eine Lebensregel etabliert hat, müssen wir uns um jeden Preis daran halten; denn das Leben eines Erwachsenen besteht aus Regeln und Lebensweisen wie ein Gebäude aus fest gefügten Ziegeln, und es ist nicht ratsam, diese Struktur durch das Verschieben des einen oder anderen Bausteins ins Wanken zu bringen. Weiterlesen

Der Fanatiker

Sándor Márai: Das Kräuterbuch LXV

Über den fanatischen Menschen

Immer, überall, auf jede Art und Weise und bei jeder Gelegenheit gegen den Fanatismus kämpfen. Gegen den mundschäumenden, fallsüchtigen Jähzorn, der aus dem menschlichen Abgrund ausbricht und die Welt zerstückeln, umformen will. Den Fanatismus mit Geduld, mit Erklärung, mit Vernunft, mit konsequenter Pädagogik bekämpfen. Und auch mit Mitgefühl. Bedauere den Fanatiker. Er stürzt sich auf dich, aber in der Ohnmacht des Anfalls beißt er sich auf die eigene Zunge und zermalmt[1] sich selbst. Weiterlesen

Über das Warten

Sándor Márai: Das Kräuterbuch LXIV

Über das Warten

Wenn jemand nicht zur vereinbarten Zeit zum Treffen erscheint – sei es eine Frau oder ein Mann, ein Freund oder ein Fremder – kannst du fünfzehn Minuten warten. Dann geh fort. Weiterlesen

Warten auf die Dinge

Sándor Márai: Das Kräuterbuch LXIII

Darüber, daß man auf die Dinge warten soll

Warten, mit Engelsgeduld und der eines Heiligen, bis die Dinge – Menschen, Ideen Situationen -, die zu dir gehören, auch zu dir kommen. Keinen Schritt voreilig auf sie zu machen, keine einzige Bewegung, also auch nicht ihre Annäherung beschleunigen. Weiterlesen

Krankheit als Chance

Sándor Márai: Das Kräuterbuch LXII

Darüber, daß Krankheit Erholung ist

Im schrecklichen Wettkampf des Lebens ruhen die meisten Menschen nur dann aus, wenn sie krank sind. Die Krankheit – nach den Worten des französischen Dichters – ist nicht nur des armen Mannes Reise, sondern sie ist auch die Sommerfrische des Armen, seine winterliche Riviera, seine Tatra und sein Ägypten. Weiterlesen

Grinsemasken

Sándor Márai: Das Kräuterbuch LXI

Über jene, die nur mit dem Mund lachen

Es gibt eine Art Mensch, die nur mit dem Mund lacht. Sie sind wie die Gelähmten, wie die Tauben oder jene, deren Geruchssinn nicht funktioniert. 

Du scherzt in ihrer Gegenwart, in einer grotesken oder amüsanten Lebenssituation sagst du deine Meinung, und mit Bestürzung mußt du feststellen, daß er nicht ganz versteht und gar nicht das hört, was an dieser kleinen, gelegentlichen Geschichte urkomisch ist: er lacht, aber nur mit dem Mund. Weiterlesen

Über die Freundschaft

Sándor Márai: Das Kräuterbuch LIX

Über die Freundschaft

Es gibt keine menschliche Beziehung, die ergreifender, tiefer wäre als die Freundschaft. Bei den Verliebten, ja selbst in der Beziehung zwischen Eltern und Kindern gibt es so viel Egoismus und Eitelkeit! Nur der Freund ist nicht egoistisch; sonst ist er kein Freund. Nur der Freund ist nicht eitel, denn er will dem Freund nur Gutes und Schönes, nicht für sich selbst. Weiterlesen

Toxische Menschen

Sándor Márai: Das Kräuterbuch LVII

Über den Neid

Es gibt unheilbar verletzte Menschen, die sind so tief von Gier, Eitelkeit und Neid zerfressen, daß es keinerlei Möglichkeit gibt, sich ihrer kranken Seele zu nähern und sie zu besänftigen. Weiterlesen

Die tiefe Ordnung der Aufgaben

Sándor Márai: Das Kräuterbuch LVIII

Über die Ordnung der Bewegungen

Achte darauf, daß du nichts überstürzt und in deiner Arbeit, deinem Gesellschaftsleben, ja, in deinen tagtäglichen Handlungen die strenge Folgerichtigkeit der Tatsachen und Umstände befolgst. Weiterlesen

Über den Neid

Sándor Márai: Das Kräuterbuch LVII

Über den Neid

Es gibt unheilbar verletzte Menschen, die sind so tief von Gier, Eitelkeit und Neid zerfressen, daß es keinerlei Möglichkeit gibt, sich ihrer kranken Seele zu nähern und sie zu besänftigen. Weiterlesen

Die Angelegenheiten der Menschen

Sándor Márai: Das Kräuterbuch LVI

Darüber, daß du an den Angelegenheiten der Menschen teilnehmen sollst

Wohin du auch fliehst, in die Arbeit, in eine Rolle oder in eine Haltung, die Menschen werden dich nicht loslassen, sie greifen nach dir, sie verlangen, daß du an ihren Bewegungen teilnimmst, ihre Sorgen teilst, ihre Pläne und Hoffnungen, sie greifen nach dem Saum deines Mantels, und sie greifen dich an und verstoßen dich, wenn du dich von den gemeinsamen Aufgaben zurückziehst. Weiterlesen

Die menschliche Substanz

Sándor Márai: Das Kräuterbuch LV

Über die menschliche Substanz

Seit fünftausend Jahren, seit zehntausend Jahren hat sich die menschliche Substanz nicht verändert. Nur die Kostüme änderten sich, die Ordnungen und Bedingungen des Zusammenlebens. Das, was der Mensch ist – die Seele und der Charakter –, hat sich nicht verändert. In der Stadt Ur, in Babylon, lebten die gleichen Menschen wie im heutigen Budapest: und in ihren Seelen nahmen sie die Welt auf die gleiche Weise wahr und sie reagierten genauso auf die Welt. Weiterlesen

Über die Karotte

Sándor Márai: Das Kräuterbuch LIV

Über die Karotte

Ich habe festgestellt, daß rohe Karotten, fein gerieben und mit Zitronensaft beträufelt, nicht nur eine erfrischende Nahrung sind, sondern auch die Nerven beruhigen, insbesondere die Nerven in den Augen. Weiterlesen

Packen macht alt

Sándor Márai: Das Kräuterbuch LII

Darüber, wie das Packen altern läßt

Reise, aber mit wenig Gepäck. Reise, aber wisse in jedem Augenblick, daß es nirgendwo einen richtigen Aufenthalt für den Reisenden gibt. Vergeude nicht viel Zeit damit, deine Koffer zu sortieren, schleppe keine unnötigen Gegenstände mit auf deine Reise. Das Packen läßt nur altern. Weiterlesen