Volkes Stimme

Die meisten Presseartikel enttäuschen – dafür wird man durch manchen Kommentar versöhnt. Nachfolgend – roh –  eine kleine Sammlung gelungener Leser-Bonmots.

Wir leben doch nur noch in einer Ich Gesellschaft. Haben Sie doch mal eine Autopanne. Früher blieben die Leute stehen um zu helfen. Heute schaffen sie nicht einmal eine Rettungsgasse.

Die SPD hat überall ihre Finger drin und kann deshalb auch keine Faust mehr machen.

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Habermas‘ liberale Auslegung

In der „Rheinischen Post“ hat Jürgen Habermas ein kurzes aber sehr prägnantes Statement zum Thema „Leitkultur“ abgegeben. Die Bündelung der Mitteilung gestattet es, seinen Gedankengang Satz für Satz zu erläutern und kritisch zu kommentieren:

Leitkultur: Das sagt Jürgen Habermas zur Debatte Weiterlesen

Lehrstunde für Marxianer

(…) Um sowohl das Wesen der Beziehungen zwischen der türkischen Regierung und den geistlichen Gewalten der Türkei zu begreifen als auch die Schwierigkeiten, in die die erstere gegenwärtig verwickelt ist, wo es sich um das Protektorat über die christlichen Untertanen der Pforte handelt, um die Frage also, die den gegenwärtigen Wirren im Orient offenkundig zugrunde liegt, muß man einen Rückblick auf die frühere Geschichte und Entwicklung der Pforte werfen.

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Follower – ins Nirgendwo

Kürzlich bin ich über einen Blog gestolpert, mit philosophieaffinem Namen, der an nichtssagendem Gerede kaum zu übertreffen ist. Eine junge Studentin gibt Tips, wie man zu leben hat, fit wird, Streß vermeidet, seine Zeit nutzt …

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Eine andere Perspektive

Ein alter Werbefilm aus England macht in weniger als 30 Sekunden ein uraltes Problem unmittelbar einsichtig: ein Ereignis, aus nur einer Perspektive betrachtet, gibt einen bestimmten Eindruck, aus einer anderen Perspektive, einen ganz anderen, aber erst, wenn man den Gesamtkontext kennt, versteht man, was tatsächlich passiert ist. Das gilt umso mehr, wenn klischeebehaftete Personen, wenn Stereotypen involviert sind.

An einem aktuellen Artikel des „Spiegel“ kann man das wunderbar durchexerzieren. Er behandelt das Haschischproblem des Kopenhagener Szeneviertels „Christiania“. Dort hatte es vor ein paar Tagen einen ernsthaften Zwischenfall mit einem Todesopfer, einem lebensgefährlich verletzten Polizisten und zwei Schwerverletzten gegeben.

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Burkini für alle!

Ein besonders infames Possenstück auf dem Narrenschiff der vereinigten Journaille liefert der linkspopulistische „Focus“. Die wenigen Zeilen, unter dem Titel „Burkini-Debatte: Hautkrebs-Spezialisten loben das Kleidungsstück“ (Lektüre empfohlen) könnte man ruhigen Gewissens als einen panischen Einbruch von Idiotie oder als einen schlechten Scherz abtun, doch bei genauerer Hinsicht kann er uns tatsächlich etwas lehren, wenn man zwischen den berühmten Zeilen zu lesen sich bemüht.

Bei der linkstörichten „Huffington Post“ auch als Filmchen

Die plumpe Botschaft geht in aller Kürze so: Hautkrebs wird durch Sonnenbestrahlung mitverursacht, also schütze man seine Haut, gut geeignet sei dafür der Burkini. Er lebe hoch!

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Nicht Mord nicht Bann noch Kerker

Nicht Mord, nicht Bann, noch Kerker
nicht Standrecht obendrein
es muß noch stärker kommen
soll es von Wirkung sein.

Ihr müßt zu Bettlern werden
müßt hungern allesamt
Zu Mühen und Beschwerden
verflucht sein und verdammt.

Euch muß das bißchen Leben
so gründlich sein verhaßt
daß Ihr es fort wollt geben
wie eine Qual und Last.

Erst dann vielleicht erwacht noch
in Euch ein besserer Geist
Der Geist, der über Nacht noch,
Euch hin zur Freiheit heißt.

(Heinrich Hoffmann von Fallersleben)

Ästhetik des Schrecklichen

Das Scheußliche darf also niemals Selbstzweck sein; es darf nicht isoliert werden; es muß durch die Notwendigkeit herausgefordert sein, die Freiheit in ihrer Totalität zu schildern, und endlich muß es ebenso idealisiert werden wie alle Erscheinung überhaupt. Franz Rosenkranz: Ästhetik des Häßlichen

Gelb scheint die helle Abendsonne in die Gesichter der Männer. Golden läßt sie die Kuppel der Moschee erglühen. Einige schirmen sich mit erhobenen Händen die Augen vor dem gleißenden Licht der schon rötlichen Sonne ab.

@ Dabiq

@ Dabiq

Sie nehmen teil am Schauspiel des Abends. Gegeben wird kein Bühnenstück – alles an diesem Drama, an diesem Theater der Grausamkeit ist echt, kein Kunstblut fließt, keine Schauspieler mimen den Tod … wir sind Zeuge einer wahrhaftigen Enthauptung.

In allen Ausgaben der „Dabiq“, dem Glanzmagazin des IS, finden sich Bilder dieser Art: extreme Grausamkeit serviert auf  hochästhetischem Tablett. Mit den raffinierten technischen Mitteln der Moderne wird eine antiquierte Glaubens- und Lebeweise in unglaublicher Präsenz kredenzt – wie dem Herodes das Haupt Johannes des Täufers auf silberner Schale.

Der Mann kniet noch, der Körper aufrecht. Vier Ströme hellen Blutes schießen aus dem Stumpf des Halses hervor. Dicke Blutstropfen hängen in der Luft wie in Eis eingefroren.

BlutSenkrecht fällt der Kopf zur Erde und schlägt in diesem Moment gerade auf – Blutspritzer am Boden bezeugen den Augenblick. Gerade eben, vor Sekundenbruchteilen, lebte jener Mensch noch, litt Todesängste und es ist nahezu unvorstellbar, daß nicht noch ein Rest Bewußtsein in diesem Körper sein soll. Das Photo fängt das Mysterium des Todes ein. Der aufrechte, kniende Körper zeigt das Leben, das Aufbäumen, Standhalten gegen das finale Ende, der mit dem Kinn aufprallende Kopf – exakt im Winkel, noch in der natürlichen Stellung – weist den Tod. Es ist präzise dieser Moment des Übergangs, den alle Menschen fürchten.

KörperAber Kunst ist nicht nur das Bild, Kunst ist auch das Handwerk des Henkers. Ein sauberer Schnitt, mit einem Hieb. Stünde das Opfer, der Kopf, so könnte man sich vorstellen, säße noch immer auf den Schultern. Scharf wie eine Rasierklinge muß das Schwert gewesen sein, an dem fast kein Blut haftet. Ein Anatom könnte mit Leichtigkeit die offengelegten Körperteile erklären – dunkel und nicht weiß sticht die Wirbelsäule hervor. Der Schlag, präzise und kraftvoll, das Werk eines Meisters. Keine Guillotine hätte  eine bessere Arbeit leisten können. Nur lange Übung kann einen Menschen zu solcher Virtuosität führen. Und doch entlädt sich die Konzentration des Scharfrichters just in diesem Zeit-Punkt in einer diabolischen Fratze.

Henker

Mit dem Photo könnte man jeden Wettbewerb gewinnen!

Seine Botschaft ist so machtvoll wie subtil, komplex wie einfach. Erst der artistische Schnappschuß  enthüllt uns die Fülle, die den Live-Betrachtern weitgehend entwischen muß. Das Bild feiert eine lebendige Nekrophilie, eine tiefe Liebe zum Toten. Aber es feiert auch das Leben, das richtige Leben. Es sind die Männer in Schwarz, die darüber entscheiden, was falsch und richtig ist.

Den westlichen Betrachter soll es einerseits schockieren und die alte Botschaft der Unbesiegbarkeit übermitteln: die Botschaft des Scaevola, die Botschaft Tamerlans, die Botschaft der Assassini. Wer zu solchen Dingen fähig ist, mit dem lege man sich besser nicht an. Sie zeigt ihm auch, daß man mit den Waffen des Feindes, den Waffen der Kunst und Ästhetik zurückschlagen kann. Alles kommt dabei auf das richtige Timing an. Dann wird Krieg und Kampf zum erhabenen, zum inneren Erlebnis.

Die eigenen Reihen soll es abhärten und schulen. Das Bild lädt zu makabrer Meditation ein. Die eingefrorene magische und zur Ruhe gekommene Zeit enthält eine seltsame Gelassenheit.

Dem Mitkämpfer suggeriert sie Überlegenheit. Wir sind die Todesengel, unser Gott gibt uns das Recht, über Sein oder Nichtsein zu entscheiden.

Anmerkung: Das Bild kann auf Seite 80 der „Dabiq“ Nr. 15 in Gänze angeschaut werden. Quelle: https://azelin.files.wordpress.com/2016/07/the-islamic-state-e2809cdacc84biq-magazine-1522.pdf
Warnung: Es ist in seiner expressiven Brutalität wahrscheinlich nicht für jedermann geeignet.

Die Welt im August

"Die Welt" vom 11.8.2016

„Die Welt“ vom 11.8.2016

Dieser Screenshot zeigt den Mittelteil der „Welt“ online vom 11.8.2016, einem ganz normalen Tag der neuen Zeitrechnung, an dem nichts Besonderes passiert ist: kein Attentat, kein Bootsunglück, kein Putsch, keine Demonstration …

Die „meistgelesenen Artikel“ beschäftigen sich mit einer Scharia-Polizei in Hamburg, einer Studie über die Meinung der Deutschen zur Grenzschließung, die Provokation Erdogans in Richtung USA, den Tumult von 30 Bürgern mit Migrationshintergrund gegen eine legitime Polizeiaktion.

Darüber hinaus sinniert der Innenminister über Terrorabwehr und die Aberkennung der doppelten Staatsbürgerschaft, ereifert sich Buschkowsky über die Burka und spricht Wendt über Parallelgesellschaften, arabische Großfamilien und einen weiteren Fall von Zusammenrottung nach einem Routine-Polizeieinsatz.

Das sind auf einer halben Zeitungsseite sieben Artikel, die sich direkt oder indirekt mit ISLAM, ISLAMisierung, ISLAMismus, Terrorismus, Migration und Parallelgesellschaften beschäftigen.

ISIS verstehen II

Fortsetzung von: ISIS verstehen I

Die Geschichte einer finnischen Konvertitin – aufgrund des Insiderwissens wohl authentisch –, die ins Kalifat reist, wird nur an einer Stelle wirklich interessant, dort, wo sie vom Märtyrertod ihres Sohnes schreibt und dies als „blessing“ versteht. Von Trauer kein Wort. Sie nennt sich Umm Khalid al Finlandiyah, also Mutter des Khalid aus Finnland und ein schönes Bild zeigt zwei glückliche blonde spielende Kinder in Kaftan und Hijab – ob das der kleine Märtyrer war? Ansonsten ist es die übliche Geschichte der religiös Wurzellosen, die die einfache Lösung findet und nun Werbung für die Reise ins Kalifat macht.

© Dabiq - glückliche Kinder im Land des Islam

© Dabiq – glückliche Kinder im Land des Islam

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ISIS verstehen I

Was den einen der „Playboy“ ist den anderen das IS-Magazin „Dabiq“. Beide Zeitschriften haben einiges gemeinsam: Mit hoher ästhetischer Perfektion wird der Zeitgeist eines Milieus eingefangen und beide lieben Oben-Ohne-Bilder. Die einen ohne BH und die anderen ohne Kopf. Wie dem auch sei, beide Magazine lohnen die Lektüre. Zwar: kennt man eines, kennt man alle, aber eines sollte man eben kennen. Warum nicht Nummer 15 – die neue „Dabiq“ ist da!

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Die Stuhlprobe: Scheiß Deutsche

Ich behaupte nicht, daß andere Völker nicht auch ein gesundes Interesse an diesem Bereich zeigen, sondern vielmehr, daß die Deutschen von diesem Thema in Besitz genommen zu sein scheinen. (Alan Dundes)

Heute geht es um Scheiße. Darf man so klipp und klar sagen, denn das Wort ist längst gesellschaftsfähig. Das zeigt auch ein Artikel in der „Welt“, bei dem es um künstlerische Umsetzung mit besagtem Material geht. Das war mal aufregend, langweilt nun aber nur noch. Alles schon tausend Mal dagewesen: Blut, Menses, Sperma, Scheiße … schocken uns nicht mehr.

Trotzdem, so besagen diverse Studien, sind die Deutschen besessen vom Thema. Till Eulenspiegel, Luther, Grimmelshausen, Mozart … waren alle bejahende Meister der Fäkalien und der Aufklärungsphilosoph Carl Julius Weber hat in seinem vielbändigen „Demokritos“ die Sache zur philosophischen Chefsache erklärt: „Ohne das Emana­tions­system der Posterio­ra könn­ten wir gar nicht existie­ren; und eine Stö­rung darin könnte unsere ganze Philosophie über den Haufen wer­fen…“

Gemessen daran erscheint Slavoj Zizeks Beobachtung, die die „Welt“ genüßlich wiedergibt, weniger originell: „Auch der Star der Gegenwartsphilosophie, Slavoj Zizek, wird nicht müde zu betonen, wie sich die drei großen europäischen Denkströmungen anhand der Bauart von Kloschüsseln analysieren lassen. In Frankreich flutscht alles sofort weg, weil die Franzosen gerne verdrängen. Die Deutschen dagegen blicken gerne zurück und untersuchen daher sorgfältig, was sich da im Becken offen vor ihnen ausbreitet. In England schwimmt die Notdurft im Wasser herum, man ist eben pragmatisch. Philosophisch kann man also einiges aus dem im Alltag so unliebsam weggespülten Stuhlgang ziehen – von der Charakterstudie bis zur Kulturgeschichte.“

Da ist was dran! Nur: Warum bleibt Zizek auf halbem Wege stehen? Wäre es nicht hilfreich, einen Blick über den europäischen Kloschüsselrand zu werfen? Wenn die Stuhlprobe kulturelle Aufschlüsse liefert, sollte man im multikulturellen Bereich auch die anderen Kulturen befragen. Zum Beispiel die islamische.

Der Begriff der „Besessenheit“ erhält hier neue Bedeutung – im negativen Sinne. Muslime haben ein sehr distanziertes Verhältnis zu ihrer eigenen Natur. Von Kleinauf wird Kindern eingetrichtert, Nacktheit zu vermeiden und insbesondere momentane Ausscheidungs- und spätere Fortpflanzungsorgane schamvoll zu verstecken.

Das Verrichten des Geschäftes in Richtung Mekka – in beiderlei Verlängerung – gilt als gotteslästerlich. Auch benutzen Muslime keine Urinale, da das Pinkeln im Stehen mißbilligt wird, makruh ist. Das Ausscheidungsorgan sollte danach sorgfältig mit Wasser gereinigt werden: „Während bei der Frau das reinigende Wasser über die Scheide fließt, muss der Mann zudem den Harnleiter von den letzten Tropfen befreien und den Penis derart halten, dass die äußere Öffnung der Harnröhre geöffnet und somit ein Teil der Röhre ebenfalls mit Wasser gereinigt wird.“ Das alles mit der linken Hand, die im Islam als unrein gilt, und für derartige Prozeduren prädestiniert ist. Überhaupt wird die Nutzung von Toilettenpapier nur in jenen Fällen befürwortet, wo keine Wasserreinigung möglich ist. Der Prophet nahm stets einen Lederbeutel mit Wasser auf die Toilette mit.

Während der Verrichtung ist es angeraten, sein Geschlechtsteil nicht zu betrachten und nicht zu berühren. Erfolgt sie im Freien, sollte man sich nicht in Richtung Sonne oder Mond – als „wichtige Zeichen Gottes in seiner Schöpfung“ – positionieren und möglichst den Blick in den Himmel vermeiden.

Im Idealfall handelt es sich um eine „französische Toilette“. Einige Muslime bevorzugen die Hockstellung auch bei Sitzklos und erklettern dann den Porzellanrand.

Die Toilette sollte man mit dem linken Fuß betreten und mit dem rechten Fuß verlassen, wobei man jeweils eine Gebetsformel murmelt: Beim Betritt: „Ich suche Zuflucht bei Allah vor dem verfluchten Satan. Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen. Oh Allah, ich suche Zuflucht bei dir vor dem Bösen und den Satanen, und ich suche Zuflucht bei Dir, oh mein Herr, vor ihrer Anwesenheit“, beim Abtritt: „Oh Allah, ich suche deine Vergebung“.

Der Koran darf das Licht des Aborts nie erblicken, auch andere Schriften, die den Namen Allahs beinhalten, sind verboten. Sogar arabisch-grün gestrichene Toiletten sollen schon zu kulturellen Verstimmungen geführt haben.

Zumindest beim finalen Händewaschen nähert man sich den europäischen Gepflogenheiten wieder an.

Nun bedarf es freilich eines hellsichtigen und tapferen Denkers wie Slavoj Zizek, um diese „außereuropäische Denkströmung“ von „der Charakterstudie bis zur Kulturgeschichte“ und besser noch bis zur sozialpsychologischen Studie zu anal-ysieren.

Quellen:
Handbuch Islam
Islam-Pedia
Enzyklopädie des Islam
Dundes, Alan: Sie mich auch! Das Hinter-Gründige in der deutschen Psyche.
Weber, Carl Julius: Demokritos oder die hinterlassenen Papiere eines lachenden Philosophen.