Bautzen ist überall

Die Vermutung darf man zumindest aussprechen. Denn was in Bautzen der Kornmarkt, sind in Plauen der Tunnel, der Klostermarkt und der Altmarkt …

Das Stadtbild vieler ostdeutscher Kleinstädte ähnelt sich. Zentrale Plätze wurden nach der Wende umgestaltet, nicht selten wurde alte Struktur entfernt, um Raum für den Fortschritt zu schaffen – in Form von Konsumpalästen, Einkaufspassagen, ganzen Kaufländern. In Plauen trägt das Schmuckstück den euphemistischen Namen „Stadt-Galerie“ und wird im Volksmund „UFO“ genannt.

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Drei auf einen Schlag

Besser kann man die Differenz der Welten nicht auf den Punkt bringen: „Forscher brauen Bier aus Urin“. So die Botschaft einer kleinen Zeitungsnotiz, die man früher überlesen hätte, bei der man heute sofort einhakt. Eine Zeile, die den Westen – man mag von ihm halten, was man will – positiv definiert, wie sie den islamischen Osten  negativ kennzeichnet.

img287Bier – Alkohol ist natürlich verboten im Islam, harām und unrein. In sehr seltenen Auslegungen wird das Verbot nur für Alkohol aus Trauben in Anspruch genommen. So hat ein Gelehrter der Al-Azhar Universität Kairo kürzlich das Brauen und den Genuß von Bier erlaubt, wenn es nicht zur Bewußtseinstrübung genutzt wird.

Urin – Während man vor ein paar Jahren in Deutschland den Urin als Heilmittel wiederentdeckte – Titel wie „Urin, ein ganz besonderer Saft“ oder „Lebenssaft Urin“ waren Bestseller, Hunderttausende versuchten sich daran, ihren eigenen Morgenurin zu trinken – gelten die Körperausscheidungen im Islam traditionell als unrein, najāsa. Laut Bukhari wählte Mohammed folgendes Beispiel, als er über die Peinigung der Sünder in den Gräbern befragt wurde: „Als der Prophet an zwei Gräbern vorbeiging, sagte er: ,sie werden gepeinigt! Aber sie werden nicht wegen schwerwiegender Verfehlungen gepeinigt.‘ Dann sagte er: ‚Doch, sicher! Der eine der beiden hat üble Nachrede (namiimah نميمة) verbreitet, während der andere sich von seinem Urin-Rest nicht gereinigt hat.‘“

Forscher – laut dem Arab Human Developement Report von 2002 exportierte die gesamte arabische Welt weniger Industrieprodukte als die Philippinen, lag die Zahl der angemeldeten Patente bei 2% deren von Südkorea, und die Zahl der ins Arabische übersetzten Bücher entsprach einem Fünftel der ins Griechische übersetzten (Pinker). In einem Jahr werden mehr Titel ins Spanische übertragen als in den letzten 1000 Jahren ins Arabische (Steyn). Das Trinity-College in Oxford hat drei Mal mehr Nobelpreisträger hervorgebracht als die gesamte arabische Welt (Dawkins). Der britische Historiker David Starkey faßte das so zusammen: „Nothing has been written in Arabic that matters for at least the last five centuries.”

Man kann es drehen und wenden wie man will und es mag viele Ursachen haben, aber die islamische Welt ist bis heute wesenhaft bildungs- und forschungsfeindlich, von punktuellen militärischen Interessen abgesehen. Der Großteil der geistigen Energie wird in Koran- und Schariaexegese investiert. Ein Interesse am internationalen Forschungsstand in Natur- und Geisteswissenschaften ist weitgehend absent.

PS: Das alles nur idealiter – realiter gibt es selbstverständlich auch in arabischen Ländern Kläranlagen, die menschliche Ausscheidungen zu frischem Trinkwasser recyceln.

Artenschutz für den „Asylanten“!

Eine Zensur findet nicht statt §5 GG

Am Dienstag, dem 13.10.2015, erschien dieser Artikel in der „Freien Presse“

FP 13.10.15 Asylanten

Daraufhin schrieb ich einen Leserbrief folgenden Inhalts:

Artenschutz für den Asylanten!

Eine Politikerin meint, das Wort „Asylant“ sei nicht statthaft, da politisch nicht korrekt. Die Leiterin der Agentur für Arbeit entschuldigt sich daraufhin erschrocken für den Gebrauch des „Unwortes“. Schuld soll der Suffix „-ant“ sein, der, so wird ein Sprachwissenschaftler aus der Süddeutschen Zeitung zitiert, den „Asylanten“ als „Killwort“ (sic! – was ist das für eine Sprache?) kennzeichne, dem Wort also eine negative Bedeutung verleihe.

Nun ist die deutsche Sprache in den letzten Jahrzehnten und Jahren durch eine unüberlegte Rechtschreibreform, durch Jugend- und Straßensprache, durch Neologismen und Anglizismen, durch „gendergerechte Sprache“ usw. in ihrer Ausdrucksfähigkeit enorm beschnitten worden, denn alle Änderungen zielten auf Differenzierungsverlust. Einen Hegel oder Kant, einen Goethe oder Hölderlin, fein ziselierende Sprachakrobaten, kann es schon deswegen nicht mehr geben, weil das Hochpräzisionsinstrument Deutsche Sprache verdumpft und verstumpft wurde.

Und dazu scheut man auch Desinformation und Diffamierung nicht, wie in obigem Fall. Die Nachsilbe „-ant“ im substantivischen Gebrauch bedeutet nämlich – vollkommen wertungsfrei! –: eine Person oder eine Sache, die etwas tut. Freilich kann man, wenn man Wörter wie „Ignorant“, „Querulant“ und „Denunziant“ aneinander reiht, den Eindruck erwecken, als würden Wörter mit „-ant“ eine negative Konnotation besitzen. Aber man kann mit dieser „Methode“ auch das Gegenteil beweisen. Wie wäre es z.B. mit „Lieferant“, „Fabrikant“, „Gratulant“, „Komödiant“, „Musikant“ „Diamant“, „Laborant“, „Kombattant“, „Kommandant“, „Proviant“ „Hospitant“ oder sogar „Demonstrant“ – alles negativ? Im Gegenteil, wer sich die Mühe macht, die Gesamtzahl der in Frage kommenden Substantive durchzuzählen, der wird ein enormes Übergewicht an positiven oder neutralen Bedeutungen feststellen.

Das sich dahinter verbergende Problem ist dies: Menschen machen ihre Unwissenheit und Ignoranz zum Maßstab von Bewertungen. Nun, das begegnet uns tagtäglich. Unakzeptabel aber wird es, wenn diese Menschen Politiker und/oder öffentliche Personen sind, und unerträglich, wenn sie den Menschen vorschreiben wollen, wie sie zu sprechen haben, also eine Moral daraus ziehen, und skandalös wird es gar, wenn Journalisten, die eigentlich sprachmächtig sein sollten, diese Torheiten auch noch verbreiten!

Und: Der Begriff „Asylant“ ist aus der inneren Logik der Sprache heraus vollkommen neutral und sollte – wie so viele Wörter – unter Artenschutz gestellt werden. Seine Benutzung sagt über die Einstellung des Sprechers – wie im Artikel unterstellt – nicht das Geringste aus, seine Untersagung dagegen sehr viel!

Am Tag darauf bat mich der verantwortliche Journalist, Kontakt mit ihm aufzunehmen. Es entspann sich ein sehr aufschlußreiches halbstündiges Gespräch über die „Pressefreiheit“ – ein schwieriges Thema, wie mir versichert wurde, denn auch im Haus „munkelt“ und „raunt“ man viel, könne man nicht immer alles offen aussprechen, gebe es verschiedene Grundpositionen. In der Sache wurde mir recht gegeben. Leider werde der Brief – gegen seinen ausdrücklichen Willen – stark gekürzt erscheinen. Und so sieht er aus (15.10.2015)

Leserbrief FP Asyl

Von Zensur zu sprechen, wäre falsch und wohl auch größenwahnsinnig. Die Redaktion behält sich bei Leserbriefen immer das Recht auf Kürzung vor.

Trotzdem ist die „Verschlimmbesserung“ nicht ohne Bedeutung – dahinter verbirgt sich ein ebenso wichtiges Problem. Noch nie ist es mir nämlich gelungen, in der Lokalpresse einen Artikel zu veröffentlichen, in dem nicht unabgesprochen herumgestrichen, gekürzt, umgestellt wurde und noch nie waren diese Eingriffe zum Vorteil des Beitrages. Einige Artikel – Würdigungen Sloterdijks und Heideggers etwa – wurden glattweg abgelehnt, alle anderen Beiträge – komplette und auch abgesprochene Sachartikel ebenso wie Leserbriefe, ja sogar Interviews und Besprechungen meiner Bücher durch festangestellte Journalisten – wurden ohne vorherige Absprache verändert und gekürzt. Das Argument jeweils: „Das verstehen unsere Leser nicht“, „Das trifft nicht unsere Zielgruppe“, „Die Leute lesen keine komplexeren Artikel“ , „Das ist zu hoch“ u. ä.
Wegen zu hoher Qualität abgelehnt zu werden, verwundert denn doch. Es sagt viel über das Bild aus, das sich (diese) Journalisten von ihrer Klientel machen. Und selbst wenn das stimmte, wäre es nicht Aufgabe der Medien, zu versuchen, das Niveau der Leser zu erhöhen anstatt sich dem vermeintlich niedrigen sprachlichen und kulturellen Niveau der Leserschaft anzupassen?
Anpassung nach unten, in die Mitte hinein – das ist die Crux unserer modernen Gesellschaft. Sich strecken, sich aufrichten, streben, „Vertikalspannung“ (Sloterdijk) erzeugen statt sich bücken, täte Not.