Die gefährlichste Frau der Welt

Schwachsinn, dein Nam‘ ist Weib (frei nach Shakespeare)

Man hat sich mittlerweile daran gewöhnt: wenn die Kanzlerin den Mund in freier Rede auftut, dann sind die Fettnäpfchen nicht weit. Den gestrigen ungeheuren Satz jedoch als Fettnäpfchen abzutun, wäre fatal.

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Frauenmangel

Im zentralen Einkaufstempel in Plauen werde ich plötzlich an alte Zeiten erinnert – an meine Armeezeit.

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Geburtsstunde des Feminismus

„Ist es nicht eben diese Hipparchia, die, schon im frühen Morgen ihres Lebens vom Licht der Philosophie angestrahlt, aus der betäubenden Dumpfheit, worin die verpuppten Seelchen ihrer meisten Ge­schlechts­schwestern ihr Daseyn ver­träumen, zum Gefühl der Würde ihrer Natur erwacht ist?“ Wieland

Fast unbemerkt vollführt sich im kynischen Mantel eine metaphysische Revolution, der Diogenes Laertius nur wenige Zeilen zu widmen weiß. Es ist die einzige Lebens­beschreibung in seinem Monumentalwerk „Leben und Meinungen berühmter Philosophen“, die eine Frau, eine Philosophin zum Gegenstand hat. Es dürfte mehr als ein Zufall sein, die erste Philosophin, von der wir wissen und die dieses Prädikat verdient, in jenem Moment zu beobachten, als sie sich entschied, die gleichen Kleider zu tragen wie Krates, der Kyniker. Von dessen Lehre und Lebensweise nachhal­tig beeindruckt, schien sie nur noch ein Ziel zu kennen, das Leben des Krates zu teilen, und um dieses zu erreichen, widersetzte sie sich nicht nur den gesellschaftlichen Konventionen – immerhin wählte sie ihren Mann selbst –, war sie nicht nur „völlig unzugäng­lich für die Bewerbungen ihrer Freier und völlig gleichgültig gegenüber ihrem Reichtum, ihrer hohen Geburt, ihrer Schönheit“, mehr noch: „sie drohte sogar ihren Eltern, selbst Hand an sich zu legen, wenn man sie ihm nicht gebe“ (DL VI 96).

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Das neue Frauenbild

Was in Ungarn sofort auffällt: es gibt keine ningelnden, nörgelnden, nervenden Kinder. Zumindest habe ich noch keines gesehen. In Deutschland jedoch genügen in der Regel fünf Minuten im Stadtzentrum oder einem Einkaufspalast, um gestressten Müttern, die ihre Kleinen anblaffen, und weinenden, schreienden, zappelnden Kindern zu begegnen.

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Trump als Inkarnation

„Unglücklicherweise ist ‚postmodern‘ heute ein Passepartoutbegriff, mit dem man fast alles machen kann. Ich habe den Eindruck, daß ihn inzwischen jeder auf das anwendet, was ihm gerade gefällt.“ (Umberto Eco)

Die sogenannte philosophische Postmoderne investierte einen großen Teil ihrer Denkenergie darein, zu erklären, was sie selbst ist, was das Wort „postmodern“ eigentlich bedeuten soll. Ein kurzes Brainstorming, ein bißchen blättern in den alten Texten und ein erst flüchtiger Verdacht erhärtet sich. Sie ist nicht tot, die Postmoderne, sie ist gerade erst wieder auferstanden und hat sich reinkarniert.

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Linke Liebe und richtige Liebe

Der aufrüttelnde – „Geschlechterrollen wurden in linken Kreisen höchstens pro forma in Frage gestellt“ – und bemerkenswert ehrliche – „ich stellte ihnen meine Vagina zur Verfügung, damit sie an und in mir ruhen und rasten konnten nach dem erschöpfenden Kampf gegen Nazis, die imperialistische Weltverschwörung und all die Bösen da draußen“ – Beitrag einer linken Feministin – ist das schon eine Platitude? – führt mich down the memory lane, weckt Erinnerungen.

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Verbieten! Verbieten! Verbieten?

Burkiniverbot, Burkaverbot, Obergrenze … Deutschland ist nach vulgärer Laissez-fair-Phase gerade auf dem Verbotstrip. Alles, was nicht paßt, gehört unterdrückt. Die Argumente fliegen hin und her, jedes einzelne für sich durchaus nachzuvollziehen.

Ich frage mich – um die unzulässige Vereinfachung wohl wissend –: Was macht das mit uns? Und was macht es mit jenen, denen man verbietet?

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Verstörendes Bild

Hitze! 30 Grad im Schatten. Gnadenlos prallt die blanke Sonne auf den Asphalt. Jedes Fleckchen Schatten unter dem Dach der Straßenbahnhaltestelle findet einen Flüchtling vor dem Feuerball.

Um die Ecke biegt ein junger Mann in weißem T-Shirt, kurze Hosen, Sandalen, Sonnenbrille. Die gegelten und nach hinten gekämmten Haare legen die Kopfhaut frei. Lässig läßt er ein Schlüsselbund in den Fingern kreisen, es scheint als pfeife oder singe er; wippend sein Schritt.

Plötzlich taucht eine weitere Gestalt auf. In gebührendem Abstand wehen schwarze Stoffetzen um ihre Beine. Eine schwarzhäutige, in mehrere Lagen schwarzen Stoffes verhüllte Frau mit einem dunklen violetten Tuch auf dem Kopf, tief in die Stirn gezogen. Sie trägt zwei schwere Lidl-Plastik-Einkaufstaschen. Sofort regt sich Mitleid bei mir und sichtbar auch bei den Wartenden. Was muß diese Frau schwitzen! Ist es nicht unerträglich heiß? Wer kleidet sich bei praller Sonne denn freiwillig schwarz?

Das Entsetzen wird noch größer, als der junge Mann die Haltestelle erreicht. Wenig später gesellt die Frau sich dazu. Erst jetzt wird deutlich: die beiden gehören zusammen, sie sind wohl ein Paar, Mann und Frau. Sie lächelt.

Ihr Lachen wirkt wie eine Provokation. Noch vor einem guten Jahr kannte kein Bürger der sächsischen Kleinstadt auch nur den Anblick einer voll verhüllten Muslimin. Heute, im Sommer 2016, wechselt man kurze Blicke, hier und da ein Kopfschütteln und senkt dann die Augen, als schäme man sich.

Burkini für alle!

Ein besonders infames Possenstück auf dem Narrenschiff der vereinigten Journaille liefert der linkspopulistische „Focus“. Die wenigen Zeilen, unter dem Titel „Burkini-Debatte: Hautkrebs-Spezialisten loben das Kleidungsstück“ (Lektüre empfohlen) könnte man ruhigen Gewissens als einen panischen Einbruch von Idiotie oder als einen schlechten Scherz abtun, doch bei genauerer Hinsicht kann er uns tatsächlich etwas lehren, wenn man zwischen den berühmten Zeilen zu lesen sich bemüht.

Bei der linkstörichten „Huffington Post“ auch als Filmchen

Die plumpe Botschaft geht in aller Kürze so: Hautkrebs wird durch Sonnenbestrahlung mitverursacht, also schütze man seine Haut, gut geeignet sei dafür der Burkini. Er lebe hoch!

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Frauen im Schutze des Islam

„… daß Frauen niemals ihre vollen Rechte, natürliche Freiheit und vollständigen persönlichen Rechte genießen werden, als unter dem SCHUTZ des ISLAM. Der Islam hat eine Menge Rechte für Frauen festgelegt und eingesetzt. Dem entsprechend hat er auch bestimmte Pflichten benannt und festgelegt, die sie einhalten und erfüllen muß. All dies aus dem Grund, weil der Islam eine Göttliche Religion ist, im Gegensatz zu den von Menschen gemachten Gesetzen.“

Ist man mit Muslimen zusammen, läßt sich die Geschlechterfrage nicht umgehen. Nachdem es einige Mißverständnisse und Konfrontationen gegeben hatte und wir darüber zu diskutieren versuchten, legte Khaled mir ein kleines Büchlein vor: „Frauen im Schutz des Islam“. Darin sei alles erklärt. Die Schrift lag in der Moschee aus und ist frei erhältlich. Sie gehört zu den am weitesten verbreiteten muslimischen Aufklärungsschriften. Tatsächlich wird man die darin versammelten Argumente im Gespräch mit Muslimen – alteingesessenen ebenso wie neu hinzugekommenen – immer wieder hören. Wir haben es hier mit außerordentlich weit verbreiteten Positionen zu tun. In Hinblick auf die Frage der Integrierbarkeit, sollte man sich dessen stets bewußt sein! Sie sind weitgehend unantastbar und diskursiv nicht zu erschüttern, weil sie ausschließlich mit dem Autoritätsbeweis (Koran, Sunna, Hadithe), und nicht mit rationalen Argumenten arbeiten. Daher gilt es, dies zur Kenntnis zu nehmen – es ist kein Diskussionsbeitrag.

Eine Diskussion wird mit Menschen dieser Denkweise nicht möglich sein, denn, wie Norbert Bolz einmal schrieb: „Wenn der Dialog beginnt, hat der Liberalismus schon gewonnen. Und dafür haben die Frommen ein untrügliches Gespür … Wenn sich die Fundamentalisten auf einen ‚Dialog‘ einlassen würden, gäbe es gar keinen Grund mehr für einen Dialog“ („Konsumistisches Manifest, 29). Daß diese Positionen auch bei in Deutschland geborenen, aufgewachsenen, ausgebildeten Muslimen dominant sind, beweist dies ebenso wie die dem Islam genial eingearbeitete Veränderungsresistenz. Sie ist der Religion und dem Koran inhärent und wesenseigen: „Der Islam ist in jeder Hinsicht genau, fehlerlos und deutlich.

Die Apologie – auch das ein wichtiges Detail – stammt aus Saudi Arabien. Ich werde sie ausgiebig zitieren, empfehle darüber hinaus aber das eigene Studium; man kann sie hier herunterladen.

Der Autor macht aus seiner scholastischen Einstellung kein Hehl, betont gleich zu Beginn, nichts Neues präsentieren zu wollen, sondern lediglich „alles, was ich an Geschriebenem zu diesem Thema finden konnte, zu sammeln“. Seine Suche ging nicht weit: die heiligen Texte und zwei, drei islamische Traktate, aus denen wiederum er alle westlichen Quellen zitiert: Schopenhauer, Gustave Le Bon, Annie Besant, Will Durant … alles kreuz und quer. Mal schreibt er Lebon oder Le Bond und zeigt, daß er keinerlei Ahnung hat, die Autoren gar nicht kennt, und ausgerechnet Annie Besant, die Theosophin zu zitieren, zeugt auch nicht gerade von Durchblick. Es werden Quellen angeführt, die es nicht gibt und sogar ein „Sankt Trotolian“ muß herhalten (Tertullian?), ein Heiliger, den es (m.W.) gar nicht gibt – nur auf islamischen Agit-Prop-Seiten, die just vorliegende Schrift zitieren.

Überhaupt ist das intellektuelle Niveau der Broschüre erschreckend niedrig, sie folgt keiner inneren Methode, enthält zahlreiche logische Widersprüche … man würde sie angewidert weglegen, wenn man nicht wüßte, daß sie den geistigen Zustand eines gewissen Teils der muslimischen Welt widerspiegelt und damit große Wirkung erzielt.

Vorab gilt: Rufe nach „Freiheit der Frau, Unabhängigkeit und gleichen Rechten … sind in Gesellschaften und Ländern annehmbar, in denen den Frauen nicht die ihnen zustehenden Rechte gewährt werden“. Es erstaunt den Verfasser also, „derartige Rufe auch aus den islamischen Gesellschaften zu hören“, denn es gibt „kein einziges Gesetz, System oder Regelwerk, das Frauenrechte bereitstellt, enthält oder schützt, wie es der Islam tut“ – auch kein Grundgesetz.

Ein beliebter wenngleich leicht zu durchschauender Trick in derartigen Debatten ist der nun folgende: Es werden historische Beispiele von Frauenunterdrückung erwähnt – vorislamische Gesellschaften, alte indische, chinesische, römische, griechische, jüdische, christliche Gesellschaften –, überall wurden Frauen unterdrückt und im Vergleich dazu seien die Offenbarungen Mohammeds ein wahrer Fortschritt. Stillschweigend werden die antiken mit den modernen Gesellschaften gleichgesetzt, daß das Alte Testament etwa ein heute fragwürdiges Frauenbild malt, wird der in dieser fernen Kontinuität stehenden modernen Sozietät nahtlos angerechnet: „Hier werden wir die Rechte, die der Islam den Frauen zugesteht, mit denen vergleichen, die Frauen in anderen Gesellschaftsformen gewährt werden“ (nicht: wurden).

Die Einstellung zur Frau hängt ganz wesentlich von ihrer Rolle und ihrer Situation ab: Tochter, Gattin, Mutter, Witwe … heiratsfähig, Braut, menstruierend, schwanger, stillend …

Es war ohne Zweifel ein Fortschritt, als Mohammed den Arabern verbot, ihre ungeliebten neugeborenen Töchter im heißen Sand zu vergraben. Der Muslim – sowohl der Koran als auch die vorliegende Schrift spricht, ohne daß man sich dessen bewußt zu sein scheint, ausschließlich zu Männern – hat seither der jeweiligen Frau mit Nachsicht zu begegnen, ihr „Freundlichkeit, Respekt, Ehre, Würde und Integrität“ zukommen zu lassen. So darf ein männliches Kind dem weiblichen nicht bevorzugt werden. Auch „schätzt der Islam die Meinung der Tochter, wenn es um ihre Heirat geht“.

Und um Heirat geht es vor allem. Alles ist bis ins Kleinste durchreglementiert, weshalb die Frau als Gattin besonders ausgiebig behandelt wird. Sie hat das Recht auf eine Brautgabe. Später wird ihr diese negativ verrechnet, wenn sie nur halb so viel erben darf, wie ein Mann. Sie darf auch nicht „über alle Maßen mißhandelt“ werden. Nur eine Frau, „die Unzucht treibt oder Ehebruch begeht, darf streng behandelt werden und der Mann darf ihre Brautgabe zurückverlangen“. Rechte und Pflichten, Freiheiten und Gesetze werden hier gern verdreht: „Der Islam vergißt auch die seelischen und emotionalen Rechte der Frauen nicht … Frauen müssen vom Mann, vor allem vor unsittlichen Menschen, beschützt werden. Sie dürfen keinen Orten des sittlichen Verfalls, Nachtklubs oder ähnlichem ausgesetzt werden.“

Besonders wertgeschätzt wird die Mutter. Die Sorge um die Eltern soll sogar dem Djihad vorgezogen werden.

Daß das Frauenbild des Islam keinen guten Leumund hat, ist dem Verfasser nicht entgangen. Er widmet sich folglich ausgiebig den „Mißverständnissen“. Ganz oben auf der Agenda das Thema „Mehrehe“. Wieder wird der historische Dreh genutzt; es werden polygame Gesellschaften ebenso angeführt wie westliche Denker, die die Notwendigkeit der Vielweiberei begründet haben sollen. Bedingung für eine Mehrehe ist die Gleichbehandlung aller Frauen, sowohl materiell als auch sexuell – der Muslim scheint sich gern als Frauenglück zu sehen – und die Fähigkeit, einen großen Haushalt zu führen. Wann sollte der Mann über eine Zweit/Dritt/Viertfrau nachdenken?

  1. „Wenn eine Frau steril ist, und der Ehemann möchte gern Kinder haben; was ist das beste für eine Frau: geschieden zu werden, ohne daß sie eine Sünde oder ein Verbrechen begangen hätte, oder im Haushalt ihres Gatten gemeinsam mit seiner anderen zu verbleiben?“ Hier scheint die Logik wunderbar durch. Einerseits wird ein schwierig zu akzeptierendes Gegensatzpaar konstruiert – die Möglichkeit einer Mediation oder eines Verzichtes wird gar nicht erst erwogen –, andererseits ist die gesamte Argumentation nur sinnvoll in einer Welt, in der eine Scheidung per se als Urschande begriffen wird.
  2. „Wenn die Frau unheilbar krank ist und sie kann ihre ehelichen Pflichten nicht erfüllen; was ist in ihrem Fall besser: geschieden zu werden oder daß eine andere Frau hinzukommt …“ Man könnte die Frau ja pflegen – aber das ist (auch) Aufgabe der Neuen …
  3. „Manche Männer sind sexuell fordernd. Eine Frau könnte nicht in der Lage sein, das erlaubte Verlangen ihres Gatten zu erfüllen. Oder wenn ihre Menstruation oder ihre Wochenbettzeit beträchtlich länger als normal ist, oder sie besitzt kein sexuelles Verlangen, das dem des Gatten entspricht; was ist für beide, Ehemann und Ehefrau, in einem solchen Fall besser? Ist es besser für den Mann, irgendwo anders, außerhalb der Ehe, auf unerlaubte Weise sein sexuelles Verlangen zu befriedigen, oder eine zweite rechtmäßige Frau zu nehmen, die ihn rein hält?“ Erneut wird ein Scheinkonflikt aufgebaut und die zeitweise sexuelle Enthaltsamkeit, die Triebbeherrschung als zivilisatorische Errungenschaft, nicht erwogen – der Mann hat demnach ein Naturrecht auf dauerhafte sexuelle Befriedigung.
  4. Kriege und Bürgerkriege führen zu Frauenüberschuß. Ein valides Argument in kriegsfreudigen Gesellschaften – dies dürfte der eigentliche Grund sein, weshalb der Koran die Vielweiberei ermöglichte. Mohammed führte laut Ibn Ishaq innerhalb von 10 Jahren 27 Feldzüge persönlich an und initiierte 47 Raub- und Eroberungszüge, zudem war die weitere kriegerische Verbreitung des Islam systematisch angelegt. Daraus musste sich ein demographisches Ungleichgewicht ergeben (das im Übrigen durch ausgedehnten Sklavenhandel für Muslime teilweise kompensiert wurde) … Für Mohammeds Zeit, die Jahrhunderte der islamischen Expansion, die zudem die männlichen Gegner vornehmlich töten ließ, mag die Vielehe eine logische Konsequenz gewesen sein.
  5. „Eine andere Konsequenz der Kriege ist das Vorhandensein von vielen Witwen, Geschiedenen und alten Jungfern in den Gesellschaften. Was ist für Frauen in ihren Situationen besser: allein zu bleiben und unter Schwierigkeiten des Lebens und seinen fordernden Bedürfnissen zu leiden oder eine Ehe als zweite Frau mit einem ehrlichen, beschützenden, ehrbaren und reinen Ehemann anzunehmen?“

Aus alldem ergibt sich natürlich die Frage der Gleichberechtigung: „Wenn wir die Mehrehe für Männer erlauben, warum ist sie dann nicht auch für Frauen erlaubt? Die Antwort ist folgende: Völlige Gleichheit zwischen Mann und Frau in der Polygamie ist aus natürlichen und körperlichen Gründen nicht möglich, wie wir erläutern werden: Körperlich: In den meisten Gesellschaften der Welt besitzt der Mann die Autorität über den Haushalt. Nur zur Diskussion: Wenn eine Frau zwei oder mehr Ehemänner hätte, wer hätte dann die Autorität und die Führung im Haus? Und wessen Verlangen sollte die Frau erfüllen, das des ersten oder das des zweiten Mannes? Es ist für eine Frau zweifellos unmöglich, all die Begierden, Bedürfnisse und Verlangen der Männer zu erfüllen. Wenn die Frau den einen vor dem anderen bevorzugen würde, wären alle ärgerlich und entsetzt. Natürlich: Eine Frau kann nur einmal im Jahr schwanger werden, wenn überhaupt. Und sie kann nur von einem Mann schwanger werden. Der Mann andererseits kann jedoch von verschiedenen Frauen mehrere Kinder in demselben Jahr bekommen, wenn er mehr als eine Frau hat. Wenn der Frau darüber hinaus erlaubt wäre, mehr als einen Mann zu heiraten, wer wird denn dann im Fall der Schwangerschaft der wirkliche Vater ihres Kindes sein und wie würde das ermittelt?“

Nach diesen Kapriolen ist die Konklusion wenig überraschend: „Wenn wir fair und gerecht sein wollten, könnten wir sehen, daß die Polygamie im Islam die Frauen beschützt, ehrt, erhält und respektiert. Polygamie ist besser als die westliche Prostitution …“ und der Seitensprung. Daraus entstünden uneheliche Kinder und das ist die größte vorstellbare Schande.

Aus den natürlichen Gegebenheiten ergibt sich auch das verminderte Recht der Frau, vor Gericht auszusagen. Laut Koran muß eine Straftat von zwei Männern bezeugt sein oder von zwei Frauen und einem Mann, was der Halbierung der Gültigkeit der Frauenaussage gleichkommt. „Göttliche Weisheit gab den Frauen im Allgemeinen sehr sensible Emotionen, sanfte Gefühle, Fürsorge und Liebe. Dies befähigt die Frau zu ihrer natürlichen Aufgabe, Kinder zu bekommen, zu stillen … Aufgrund dieser emotionalen Eigenschaften der Frau kann sie sehr leicht ihren gefühlsbetonten Eingebungen folgen und von der Wirklichkeit abschweifen, weil sie sich in einen Fall sehr stark hineinversetzt. Die Liebe einer Frau und ihre Gefühle können über sie und das, was sie bezeugt hat, kommen und dadurch die Geschichte ihrer Zeugenaussage und das Zeugnis zerstören. Daher wurde eine göttliche Vorsichtsmaßnahme getroffen, um jegliche emotionale Betroffenheit der Frau, im Falle einer Zeugenaussage in ernsten, kritischen und extrem gefährlichen Fällen, wie Morde, ernste Verbrechen und Angriffe, auszuschließen. Wenn eine Frau bei einem Verbrechen anwesend ist, wenn ein Mord geschieht, dann könnte sie ihre Augen schließen.“ „Trotzdem akzeptiert der Islam aber die Aussage einer einzelnen Frau, wenn es um die Feststellung der Jungfräulichkeit, die Geburt eines Kindes, die Klärung von weiblichen, sexuellen Fehlern oder andere Dinge geht, die aufgrund eines Streits einer Untersuchung der Intimsphäre einer Frau bedürfen.“ Auch macht man sich um die Sicherheit Sorgen: „Ein Ergebnis der Zeugenaussage und Bezeugung können finanzielle und körperliche Lasten sein. Ein Zeuge könnte in manchen Einzelfällen ermordet werden. Der Islam beabsichtigt deshalb, viele dieser Schwierigkeiten, die die Zeugenaussage miteinschließt, den Frauen abzunehmen.“

Abnehmen will der Islam den Frauen auch die Bürde der Verantwortung. „Die finanzielle und moralische Verantwortung eines Haushaltes benötigt eine starke Persönlichkeit, Präzision und Entschlossenheit beim Treffen von Entscheidungen, usw. Die Haushaltsangelegenheiten führen, leiten und bewegen ist im Islam die Verantwortung des Mannes, und nicht die der Frau. Die körperliche und geistige Beschaffenheit des Mannes befähigt ihn dazu …“ Umgekehrt sind es die Schwächen der Frau, die sie davon ausschließen: sie menstruiert – der Islam ist menstruationsbesessen –, sie gebiert, sie stillt, sie ist körperlich schwach, sie mangelt der Rationalität, sie ist zu emotional, ihr Nervensystem ist anders organisiert, selbst ihr Gewebe ist ein weicheres. „Daher sind Männer von Natur aus schon dazu ausgestattet und qualifiziert, die Rolle des Führers über den Haushalt im allgemeinen und über die Frauen im besonderen zu übernehmen.“

Auch das Erbrecht sieht Unterschiede vor: Koran: „Auf einen männlichen Geschlechts kommt gleichviel wie auf zwei weiblichen Geschlechts“ (4.11). In der islamischen Logik wird das wie folgt erklärt: Der Mann bezahlt ein hohes Brautgeld, hat also bei Eheschluß ein Verlustgeschäft gemacht. Außerdem muß er bei Scheidung für die Kinder Unterstützung zahlen. „Männer und Frauen tragen nämlich im Islam nicht dieselbe finanzielle Verantwortung und Pflicht auf ihren Schultern.“ – was man ja verändern könnte – „Also wäre es unfair. Beiden dasselbe Erbe zukommen zu lassen. Allah nahm jegliche finanzielle Aufregung, Druck, Verantwortung und Pflicht von den Frauen. Zusätzlich ehrte Er die Frau, indem Er ihr das Recht zusprach, alles was sie braucht, von ihrem Ehemann, Bruder oder Sohn besorgt zu bekommen … Wenn also nach dem Islamischen Gesetz eine Frau nur die Hälfte des Anteils eines Mannes beim Erbe erhält, so ist dies wirklich fair und gerechtfertigt.“ Ein sich selbst bestätigendes System.

Dann gibt es noch ein sogenanntes Blutgeld. „Der Islam schreibt vor, daß das Blutgeld für den Mord an einer Frau die Hälfte dessen beträgt, was für einen Mann gezahlt wird.“ Eine Art Entschädigung für den Verlust eines Menschen. „In dem Fall einer unabsichtlichen Tötung ist das Blutgeld, das den Erben des Opfers halb so viel, wie das für die absichtliche Tötung eines Mannes, wegen des Schadens, den die Familie durch den Tod des Mannes erleidet.“ „Daß daher das Blutgeld für eine Frau die Hälfte dessen ist, das für einen Mann veranschlagt wird, erklärt sich von selbst.“

Diese archaischen Regeln sind für Deutschland im Moment noch wenig relevant. Spannender wird es beim Arbeitsrecht. Die Frau wurde „mit Liebe, Freundlichkeit, Mitgefühl, Fürsorge und Zuneigung begabt, damit sie ihre schwierigen Pflichten mit einem Lächeln im Gesicht und Stolz und Würde erfüllen kann.“ Es ist „die natürliche Aufgabe der Frau, die Arbeiten im Haus zu erledigen und im Allgemeinen für seine Bedürfnisse (sic!) Sorge zu tragen.“ „Der Islam beraubt die Frau aber trotzdem nicht des Rechtes, zu arbeiten. In der Tat erlaubt ja der Islam der Frau, sich persönlich um ihre Geschäftsverträge und finanziellen Transaktionen zu kümmern.“ Sollte sie trotzdem aus unerfindlichen Gründen das Bedürfnis spüren, für den eigenen Unterhalt zu sorgen, so sind folgende Regeln zu beachten:

  • „Die Arbeit der Frau außerhalb des Hauses, darf ihren Pflichten und Verantwortlichkeiten ihrem Ehemann und ihren Kindern gegenüber nicht entgegenstehen.“
  • „Eine Frau muß zusammen mit anderen Frauen arbeiten. Sie darf nicht in einer Umgebung arbeiten, in der sie in körperlichen Kontakt mit Männern gerät.“ Das bringe nur uneheliche Kinder und damit Katastrophen hervor.
  • Sie muß ihren Körper „anständig bedecken“, darf keine „anziehende, kurze, verführerische Kleidung tragen“, denn es laufen viele „schlecht gesonnene Männer“ mit „natürlichen Bedürfnissen“ herum, die sie dann an diesen Frauen bedauerlicher- aber verständlicherweise befriedigen könnten.
  • „Die Arbeit muß eine erlaubte Tätigkeit sein, die zur Natur der Frau paßt.“

Das alles ändert nichts an der Verwunderung: „Warum arbeitet die Frau eigentlich? Wenn die Frau für ihren eigenen Unterhalt arbeitet, so hat der Islam sie doch davor bewahrt“, sprich: ganz gleich ob Mutter, Tochter, Witwe, Schwester, Schwägerin … immer verpflichtet der Islam einen Mann, für die Frau zu sorgen.

Die Frau darf auch geschieden werden, aber „die Kraft der Scheidung liegt beim Mann“, der schließlich das Brautgeld bezahlt hat, besser in der „Lage ist, seine Launen, Gefühle und Reaktionen zu kontrollieren“, und also ist es „der natürlichste und logischste Weg, den Mann die Kontrolle über den Scheidungsprozeß haben zu lassen.“ Hochzeit und Scheidung sind ungültig „ohne einen (männlichen) Vertreter für die Frau“

Schwierig wird auch das Reisen ohne männliche Begleitung. „Der Islam verbietet der Frau (ob verheiratet oder nicht), allein, ohne die Begleitung eines nahen, nicht zu heiratenden Verwandten als Reisebegleiter zu reisen. … Solch ein Verwandter muß einer von denen sein, die ihr zum Heiraten durch die direkte Blutsverwandtschaft verboten sind.“ Umgekehrt sagte der Prophet auch: „Kein Mann darf das Haus einer Frau betreten, wenn kein männlicher Verwandter im Haus ist.“ Natürlich gibt es dafür auch gute und leicht einsehbare Gründe: „Frauen sind von Natur aus zumindest körperlich schwächer als Männer. Das sind sie aufgrund von Schwangerschaft, Menstruation, Stillen und Kinderbetreuung. Frauen sind auch gefühlsbetonter als Männer. Sie sind leichter geneigt, ihren Gefühlen eher als den Tatsachen zu folgen. Frauen werden ebenfalls leicht von der Umgebung und dem Milieu beeinflußt“, sprich, sind leicht verführbar. Daher muß sie in einer Welt des Mißtrauens vor sich und vor Männern geschützt werden: „Eine Frau stellt für Männer mit schlechten Hintergedanken durch ihre körperliche und emotionale Beschaffenheit ein leichtes Ziel und ein leichtes Opfer dar. Eine Frau benötigt einen Mann, der ihr hilft, ihren Bedarf zu sichern, auf sie aufpaßt und die benötigte Fürsorge, Sicherheit und Aufmerksamkeit entgegenbringt, damit sie nicht in Verlegenheit gerät, einen Fremden um Hilfe bitten zu müssen, der dann aus ihren Bedürfnissen einen Vorteil zieht.“

Das würde zwangsläufig zu Strafen führen. Darf man eine Frau auch schlagen? Die Antwort ist eineindeutig: „Tatsächlich untersagt der Islam das Schlagen der Frauen und warnt ernsthaft davor. Und zwar aus dem Grund, weil die Frau in ihrer körperlichen Beschaffenheit schwächer ist als der Mann. … Obwohl Schlagen verboten ist, erlaubt es der Islam in eingeschränkten und begrenzten Gelegenheiten.“ Es ist wie eine bittere Medizin, die scheußlich schmeckt, aber doch heilt. Zuerst muß die Frau ermahnt und gewarnt werden, dann meidet man das Bett der Frau und hungert sie sexuell aus und wenn das alles nichts hilft, als „dritte und letzte Stufe: Schlagen ohne zu verletzen, Knochen zu brechen, blaue und schwarze Flecken auf dem Körper zu hinterlassen und unter allen Umständen vermeiden, ins Gesicht zu treffen.“ „Diese Behandlung hat sich für zwei Sorten von Frauen als sehr wirkungsvoll erwiesen“: „Die kontrollierende und führende Frau“ und „die unterwürfigen Frauen. Diese Frauen genießen es, geschlagen zu werden.“ Das alles freilich nur „in absoluter Privatsphäre“, als „Disziplinierung und Erziehung“, so, wie der Vater dem Sohn einen Klapps gibt oder der Lehrer dem Schüler.

Es sind vor allem diese letzten Zeilen, die vor sechs Jahren, als man noch einen kritischeren Blick auf den Islam haben durfte, zu Razzien und Beschlagnahmungen in Moscheen, die diese Broschüre verteilten, führten. Heute liegt sie wieder öffentlich aus und den darin geäußerten Meinungen und Lebensweisen begegnet man in dieser oder jener Form aller Orten.

Schwarzer sieht schwarz

Auweia, Alice Schwarzer, die Ikone der Emanzipation, hat ein Islamproblem. Und sogar mit viel Tamtam ein Buch darüber veröffentlicht. Das sieht man gar nicht gern im Feuilleton. Apostasie wird auch im Milieu der Gerechten nicht goutiert. Da muß die große Keule raus: für DITIB schreibt sie „belletristischen Genre Horror-Fiction„, die dauerbedeckte Hübsch-Ahmadiyya sieht das Wasser auf den Mühlen der AfD, die TAZ den Kulturkampf zwischen Rassismus und Sexismus, andere, durch die Kölner Ereignisse zur taktischen Milde gestimmt, sehen nur „äußerst streitbare Thesen“ usw.

nicht nur in Köln © KiWi

nicht nur in Köln © KiWi

Wer mag Alice Schwarzer eigentlich? Niemand, soweit ich weiß, außer zwei – und die leben mit mir unter einem Dach. Trotzdem: Objektivität!

Der Schock – die Silvesternacht von Köln“ ist wirklich ein Schock, zumindest wenn man nur Schwarzers Beitrag liest. Zuerst schocken die Beschreibungen einiger weniger Szenen und die bildliche Vorstellung, was hunderte Frauen an diesem Abend durchgemacht haben müssen und übrigens nicht nur durch die grapschenden Männer, sondern auch durch die Polizei und die spätere mediale Verarbeitung: eine mehrfache Demütigung. Aber dann schockt auch gleich die hanebüchene Argumentation der Schwarzer, obwohl sie zu begreifen scheint, daß das Phänomen vielfältig beschreibbar ist und sich archaische mit hypermodernen Erscheinungen mischen. Sie traut sich zu, die Frage zu beantworten, wer die Männer sind, und beginnt auf anderthalb Seiten eine Tour de Force, die von „Arabern“ über „Muslime“, „Arbeits- und Perspektivlose“ zu Kolonialismus, Scharia und Gotteskriegern, „Dschihadismus“ und Islamisten in einem Atemzug nichts ausläßt. Das ist weder seriös noch durchdacht und zumeist schlicht Unsinn, an Differenzierungsverlangen scheint die Femme fanal nicht zu leiden. Ein Blick in Gustave le Bon, Canetti, Freud und Reich, Broch und Mann oder Ortega y Gasset, um nur die Klassiker der Massenpsychologie zu erwähnen, hätte manch übereilte Unterstellung, die außerdem mit keinerlei Material belegt wird, verhindern können. Leider fällt mir zum Thema keine namhafte Autorin ein, was Frau Schwarzer sicher den Zugang erleichtert hätte.

Zum Glück hat Alice Schwarzer auch ein paar ältere Arbeiten ausgegraben und vor allem andere Autoren ins Boot geholt. Liest man die alten Schwarzer-Texte zum Islam, zur Verschleierung, zum Machismo etc., dann kann einem schon schwummrig werden. 25 Jahre wurden mindestens vertändelt – hätte man damals auf die noch luzide Feministin gehört und sie nicht schon damals als „RassistIn“ verschrien, Kölner Frauen hätten vielleicht nicht geschockt werden müssen. Dankbar ist man auch für erhellende Sätze wie: „Die meisten Konvertiten kommen, laut dem Mitbegründer des Zentralrates der Muslime und Konvertit Murad Wilfried Hofmann, aus den Kreisen der Grünen“.

Kamel Daoud verleiht der Debatte einen philosophischen Anstrich: „Man erkennt im Flüchtling nur seinen Status, nicht aber seine Kultur; er ist das Opfer, das eine Projektion oder ein Gefühl von menschlicher Pflicht oder ein Schuldgefühl beim westlichen Menschen hervorruft. Man sieht nur den Überlebenden und vergißt, daß der Flüchtling aus einer Kultur-Falle kommt, die vor allem von seinem Verhältnis zu Gott und zur Frau bestimmt wird.“

Necla Kelek geht den theologischen Fragen nach und erforscht, in aller Eile – die sämtliche Artikel kennzeichnet – die koranischen Wurzeln des Frauenverständnisses, um sozialpsychologisch zu enden: „Es wird nicht reichen, diesen verlorenen Söhnen die Sprache zu lehren oder wie Formulare ausgefüllt werden. Sie müssen die eigene Freiheit lernen, um die der anderen zu respektieren.“

Besorgniserregendes bringt Rita Breuer zu Tage, die sich mit der Rolle der Islamverbände beschäftigt. Dort werde laviert und getäuscht und abgewiegelt und, wenn alles nichts hilft, die Rassismus-Karte gezogen und vor allem ein Ziel verfolgt: „die Deutungshoheit über den Islam in Deutschland zu erlangen, die Geschwister im Glauben mit Dogmatismus zu gängeln und von der Politik wahrgenommen zu werden, um immer mehr Interessen und Normen der Muslime in Deutschland durchzusetzen.“

Bassam Tibi sieht in Köln den Versuch des muslimischen Mannes den europäischen Mann zu demütigen, indem, wie in islamischen Ländern verbreitet, die Frauen der anderen (Männer) geschändet werden. Der Text ist als Vorabdruck hier zu lesen.

Und damit das Ganze nicht in falsche Hände gerät, darf auch ein Quoten-Linker (Florian Klenk) das Wort zum Schluß ergreifen, der die üblichen Floskeln und Beschwichtigungen vorträgt.

Fazit des Buches: Kann man, muß man nicht lesen, erst recht nicht, wenn man diesen Satz gelesen hat.

Der verweigerte Handschlag

Hussain begrüßt mich immer schon im Haus, geht die Kellertreppen mit hinunter, an deren Geländer das Fahrrad verzurrt wird. „Bist du allein?“, frage ich, denn mir war, als hätte ich Stimmen gehört. „Ich habe Besuch, Besucher“, sagt er in gesuchtem, aber perfektem Deutsch. „Mohammed, Salim und die Frau sind da.“

Freundliche Begrüßung, wie jedes Mal. Handschlag, Kuß links, Kuß rechts. Mohammed in langer Unterhose. Salims Frau, ganz in schwarz – nur das helle Gesicht leuchtet – sitzt auf dem Bett in der Ecke und starrt auf ihr Handy. Was tun? Sie ebenso begrüßen, wie es sich gehört oder ihr nur zunicken und sie möglicherweise beleidigen? Irgendwie denke ich auch schon im muslimischen Kontext. Aber dann sage ich mir: hier ist hier und gehe selbstbewußt auf sie zu und strecke meine Hand aus.

Sie schreckt zurück, zieht den Arm eingeschüchtert an ihre Brust. Noch einmal biete ich meine Hand an, lächle, aber sie kann nicht. Die Männer lachen, nun schmunzelt sie auch, ohne mich anzusehen, und auch ich versuche die Situation durch ein Lachen zu entschärfen.

Hussain weiß schon, was kommt, als wir sein Zimmer betreten, und entschuldigt sich, bevor ich ein Wort gesagt habe. Schon sind wir in der Diskussion. Dann kommt Salim dazu und sagt auf Arabisch, daß das nun mal so Sitte sei, dort, wo sie herkommen. „Klar, kein Problem.“ Trotzdem, ich hake nach. Nun steht auch Mohammed am Tisch, durch seine Finger gleiten die Perlen einer Gebetskette. Vier Männer unterhalten sich lautstark, lächelnd, freimütig, die Frau sitzt brav im anderen Zimmer auf dem Bett und gibt keinen Laut von sich. Nicht der verweigerte Handschlag ist das Problem – das sind kulturelle Idiosynkrasien, die man vorerst respektieren sollte -, sondern die Selbstverständlichkeit des weiblichen Ausschlusses, den der verweigerte Handschlag nur symbolisiert. Starrt sie drüben an die Wand, auf ihr Handy, während die Männer reden, schaltet sie ab, verfällt sie in diese seltsame Dumpfheit der Gewöhnung?

Ich frage Salim, ob es für ihn ein Problem gewesen wäre, wenn seine Frau mich berührt hätte? Nein, es ist eben nur so Brauch, meint er. Und hat er selber Probleme, deutsche Frauen per Handschlag zu begrüßen, seine Lehrerin zum Beispiel? Auch das habe er schon gemacht und während er das sagt, vollführt er die Bewegung vor meinen Augen. Es sieht aus, als hätte er einen Elektrozaun berührt. Tut nicht wirklich weh, muß man aber nicht öfters haben. Spielt mein Nicht-Muslim-Sein eine Rolle? Nein, auch Hussain gibt ihr nicht die Hand und noch nicht mal Mohammed, Salims Bruder. Es ist das Mann-Sein, nichts sonst.

Nachdem die Brüder das Zimmer verlassen haben, uns Tee und Kuchen bereiten, kann ich mit Hussain offen drüber reden. Warum? Sollten Männer und Frauen nicht in jederlei Hinsicht gleich sein? Aber Hussain sieht keine Benachteiligung. Beide, Koran wie die Natur schreiben das vor. Das ist normal. Männer und Frauen entscheiden genauso, „but women less“. Der Islam verlange von den Menschen ihre Begierden zu beherrschen und Frauen sind nun mal attraktiv, wecken Lüste im Mann. Daher sollten sie sich bedecken und Kontakt zu anderen Männern meiden.

„Meinst du“, bohre ich, „daß irgend jemand sexuelle Lüste entwickelt hätte, wenn Salims Frau zusammen mit uns Männern über diese Frage diskutiert oder wenn sie uns die Hand gegeben hätte? Und wie erklärst du, daß ausgerechnet Saudi-Arabien die höchsten Vergewaltigungsraten hat?“

Hussain ist klug und es arbeitet sowieso in ihm. „Ihr müßt uns Zeit geben. Wer nach Deutschland will, der muß die Regeln hier beachten. Aber es ist nicht immer einfach. Gebt uns Zeit.“

Wenn’s nach mir ginge …

Die unsichtbare Frau

Bedenkt, daß ihr eure Frauen immer gut behandeln sollt. Gott hat es euch zur Pflicht gemacht, für sie zu sorgen. Eine Frau ist schwach und kann nicht ihre eigenen Rechte beschützen. Als ihr heiratetet, ernannte Gott euch als die Bürgen dieser Rechte. Ihr brachtet eure Frauen unter dem Gesetz Gottes zu euren Häusern. Ihr dürft deshalb nicht das Pfand, das Gott in eure Hände gelegt hat, beleidigen. (Mohammed, der Prophet nach Tabari)

Wir spielen Schach, Hussain und ich. Da klingelt es und Salim tritt ein. Wir haben uns lange nicht gesehen. Vor einigen Wochen, nachdem seine Frau nebst Kindern nachgezogen war und er seine Asylbescheinigung in der Tasche hatte, zog er in eine eigene Wohnung. Er stattet Hussain einen Besuch ab. Neben ihm sein kleiner Sohn Walid, acht Jahre alt, aber schmal wie ein Strich. Man würde ihn auf nicht älter als fünf Jahre schätzen.

Die Begrüßung fällt herzlich aus, Handschlag, Kuß auf die Wange. Der Kleine steht selbstbewußt daneben und nimmt sich, ohne zu fragen, von den Chips.

Draußen im Hausflur höre ich Stimmen. Weiblich. Vorsichtig steckt Salims Tochter den Kopf herein und zieht ihn sofort erschrocken zurück, als sie meinen Blick bemerkt. Sie ist 12 Jahre alt. Salims Frau und Mutter beider Kinder steht neben ihr. Ich höre nur ihre Stimme, sehe sie nicht. Wie selbstverständlich warten sie draußen, bis der Vater und der kleine Sohn sich verabschieden.

Walid ist ein Goldjunge, zählt schon bis 20 und kann gar nicht anders, als sich den Frauen überlegen zu fühlen, ohne daß auch nur ein einziges Wort gesagt werden muß.