Wir erschießen sie (nicht)

Soll ich mal was verraten? Ich fand den Witz dieser linken Tussi auf der Strategiekonferenz in Kassel eigentlich ganz lustig. Sie sprach dort von einer Zeit „nach der Revolution, wenn wir ein Prozent der Reichen erschossen haben“. Aber noch besser fand ich Riexingers Reaktion, der darauf erwiderte: „Wir erschießen sie nicht, wir setzen sie für nützliche Arbeit ein.“ Genau mein Humor.

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Logik der Rettung

Jeder hat so seine Untoten. Für mich ist Rudolf Bahro einer: heute vor 20 Jahren starb er – in meinem Bewußtsein ist er so lebendig wie eh und je.

Das liegt im Grunde genommen an einem einzigen Buch, der „Logik der Rettung“, das ich – würde jemand danach fragen – ohne zu zögern, als das wichtigste Buch in meinem Leben bezeichnen würde, weil es eines der ganz wenigen Bücher ist, die direkt und unmittelbar mein Leben verändert haben. Wieder und wieder habe ich es durchgearbeitet und jede Lektüre ließ mich erschüttert zurück – das letzte Mal vielleicht vor 10,12 Jahren.

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Warum der Osten?

Selbstredend sind die Gründe, weshalb der Osten so anders als der Westen wählt, vielfältiger als gestern angedeutet. Einige davon sind, in aller Kürze und ohne wertende Reihung, folgende:

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Deutsche Schizophrenie

Spätestens seit Junkers Brandrede zur Zukunft der EU sollte auch der Letzte begriffen haben, wohin der Hase läuft. Demnach sieht er die Zukunft der Europäischen Gemeinschaft in der Aufnahme Rumäniens und Bulgariens in den Schengenraum, also der  konsequenten Öffnung der Grenzen, der (Zwangs)Einführung des Euro in allen Mitgliedsstaaten außer Dänemark (was freilich in den Verträgen steht, bisher aber niemanden gestört hat) und die zügige Durchsetzung der Freihandelsabkommen. Junker gleicht einem Hochspringer, der gerade die 2,45 kläglich gerissen hat und im letzten Versuch 2,70 auflegen läßt.

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Die Weisheit der Sprache

Im Ungarischunterricht wird im Vorbeigang die Steigerungsform erörtert. Man braucht sich nicht lange aufhalten, da es eine der wenigen grammatischen Prinzipien ist, die für den Ausländer unproblematisch sind – die üblichen Ausnahmen nicht berücksichtigt. Dem Adjektiv wird in der ersten Steigerung ein –bb angehängt, wobei die Lautharmonie beim Verbindungsvokal zu beachten ist und in der zweiten Form noch ein –leg vorangestellt.

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Linke Selbstverarsche

In einem bewegenden Artikel hat eine junge hoffnungsvolle „Spiegel“-Autorin sich mehrfach selbst entblößt. Sie leuchtet nicht nur furchtlos tief in die Privatsphäre ihrer Mutter hinein, sie legt auch unfreiwillig die Crux des heruntergekommenen linken Denkens offen – natürlich nicht des ganzen linken Denkens, denn nicht alle Linken sind oder waren so …

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Die autoritäre Revolte

Vor einiger Zeit beschrieb Götz Kubitschek auf „Sezession im Netz“ in halbironischem Ton eine kleine peinliche Szene während einer Buchvorstellung, der er soeben beigewohnt hatte. Volker Weiß stellte sein neues Buch vor – „Die autoritäre Revolte. Die Neue Rechte und der Untergang des Abendlandes“ –, das ihm sogleich sehr viel mediale Aufmerksamkeit bescherte – in der Regel natürlich positiv –, nebst der Nominierung zum prestigeträchtigen „Preis der Leipziger Buchmesse“. Das Buch erschien ausgerechnet im Klett-Cotta-Verlag, der u.a. die Werke Ernst Jüngers vertreibt.

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Ich, ein anderer

Jemand fragt hier erstaunt, weshalb ich mich so ins Ungarische stürze (was ohnehin übertrieben ist), in die Sprache, aber vor allem in die Kultur und Geschichte?

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Linke Liebe und richtige Liebe

Der aufrüttelnde – „Geschlechterrollen wurden in linken Kreisen höchstens pro forma in Frage gestellt“ – und bemerkenswert ehrliche – „ich stellte ihnen meine Vagina zur Verfügung, damit sie an und in mir ruhen und rasten konnten nach dem erschöpfenden Kampf gegen Nazis, die imperialistische Weltverschwörung und all die Bösen da draußen“ – Beitrag einer linken Feministin – ist das schon eine Platitude? – führt mich down the memory lane, weckt Erinnerungen.

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Gebärmaschinen

Las ich doch letztens irgendwo in der Zeitung von einer jungen deutschen akademisch gebildeten Frau, sie wolle keine Gebärmaschine sein, wolle keine Kinder zwischen ihren Vorstellungen von Erfolg und Leben haben.

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Kognitive Störung Rot-Rot-Grün

Der große geniale Mao – den übrigens zahlreiche linke Politiker beider Schattierungen einst anhimmelten – kam auf die Idee, die Rattenplage im Lande zu lösen. Auf jede tote Ratte lobte er einen festen Gewinn aus. Die Kampagne zeitigte bald Erfolg. Schnell erkannten die schlauen, aber armen Bauern Chinas die unverhoffte Geldquelle und begannen mit der Rattenzucht.

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Betreutes Denken

Kleines erhellendes Nachspiel der Kubitschek-„Affäre“ (seidwalk berichtete).

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Rot-Grüner Gedankengang

Wenn in unseren nördlichen Breiten plötzlich ein Elefant auftauchte und alles niedertrampelte, dann sollte man nicht den Elefanten beschimpfen, sondern nach der ursächlichen Klimaveränderung fragen, die sein Erscheinen hier erst möglich machte.

Lobotomie oder: Linke Logik

Wikipedia: Die Lobotomie (von altgriechisch λοβός lobós „Lappen“ und altgriechisch τομή tomé „das Schneiden“, „der Schnitt“) ist eine neurochirurgische Operation, bei der die Nervenbahnen zwischen Thalamus und Frontallappen sowie Teile der grauen Substanz durchtrennt werden (Denervierung).

Sie wurde ursprünglich zur Schmerzausschaltung und bei extrem schweren Fällen psychischer Erkrankungen angewendet …

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Linkes Demokratieverständnis

Vom 16.9. bis 18.9. findet auf dem Rittergut in Schnellroda die Sommerakademie statt. Bei dieser teils akademischen, teils sozialen Veranstaltung des „Instituts für Staatspolitik“ werden Vorträge gehört, Diskussionsrunden veranstaltet, Bücher verkauft, Beziehungen geknüpft.

Man spricht über die „Lage 2016“, es werden Beiträge zur „Flüchtlingskrise“, zur Landwirtschaft, zum Brexit und TTIP, zu Rußland, zur US-Wahl, zu AfD und Pegida und zur Finanzkrise zu hören sein.

Der kleine Ort Schnellroda mit seinen 150 Einwohnern kennt derartige Termine und es hat ihn bisher noch nie aus dem Schlaf gerissen.

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Das Kreuz mit der Identität

Vielleicht hat Rudolf Bahro nie einen wirklichen Berg erstiegen, aber er hat einen wesentlichen Satz dazu gesagt:  Wenn du einsam eine Weile einen Gipfel erklimmst, dann fängt der Berg mit dir zu sprechen an.

Otto Barth (1876–1916), Morgengebet der Kalser Bergführer auf dem Großglockner, 1911 ©Wiki

Otto Barth: Morgengebet der Kalser Bergführer auf dem Großglockner, 1911 ©Wiki

Der marxistische und grüne Selbstdenker wollte das Mystische betonen, das tief verinnerlichte Gefühl, das Menschen beschleicht, wenn sie mit grandioser Natur konfrontiert sind, wenn sie sich ihrer Nichtigkeit unmittelbar bewußt werden. Es ist letztendlich eine religiöse Empfindung. Berge und Gott oder die Götter gehören seit jeher zusammen. Dort wohnen sie, dort wachen sie und dort glauben die Menschen, ihnen besonders nahe zu sein. Moses, Jesus und Mohammed stiegen mit ihren Gesetzesoffenbarungen alle von Bergen herunter.

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Presse nach Wahl

»Der Lügenäther ist so dicht wie seit den Tagen des Kalten Krieges nicht mehr.« Peter Sloterdijk

Man kann nur darüber spekulieren, welche Bedeutung die Medienberichterstattung für das Wahlergebnis hatte. Ähnlich Sachsen-Anhalt und ein halbes Jahr nach diesem ersten Schock, kommt die AfD in Mecklenburg-Vorpommern  auf satte 20 Prozent der Wählerstimmen. Das ergibt bereits die erste Lehre: die Blockparteien haben keine Lehre gezogen, sie sind und bleiben bildungsresistent oder aber es fehlen ihnen schlicht und einfach Mittel und Ideen, den selbstaktivierten Zauberbesen wieder in die Ecke zu befördern. Im Gegenteil, sie vermehren seine Macht durch zusätzliche Spaltungen – je weiter ihnen das Wasser bis zum Halse reicht, desto hektischer, so bleibt zu fürchten, werden sie auf ihn einschlagen.

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Der Niedergang der Presse

Es gab eine Zeit, in der man sich aus Überzeugung ein bestimmtes Blatt hielt. Politiker, Geschäftsleute, Intellektuelle, die einen umfassenden Blick haben wollten, lasen gleich mehrere Gazetten: den „Spiegel“, die „Zeit“, die „Welt am Sonntag“ als Wochenzeitungen und die „FAZ“, die „Süddeutsche“, die „Welt“ und vielleicht auch die „TAZ“ als Tageszeitungen. Das war durchaus sinnvoll, denn kein Blatt war wie das andere. Nicht nur unterschieden sie sich durch die politische Ausrichtung und einen eigenen Ton, nein, sie brachten auch unterschiedliche Nachrichten. Es gab investigativen Journalismus – befähigte Mitarbeiter mit fachlichen Kompetenzen und einer eigenen Feder recherchierten oft wochen- oder monatelang, um dann ein Knallbonbon zum Platzen zu bringen. Und was der eine brachte, war für den anderen Tabu. So garantierte Wettbewerb Qualität.

Spätestens nach der Machtübernahme des Internets sind diese Zeiten vorbei. Heute, so hat es den Anschein, besteht die Orientierung des Journalisten nicht mehr im Raum, sondern in der Zeit. Nicht Tiefe oder Labyrinth, sondern Schnelligkeit ist die Zentralkategorie. Man hat den Eindruck, als sitze man in den Redaktionsstuben nur noch am DPA-Ticker, um ja als erster, mit einem Vorsprung von wenigen Minuten oder Sekunden, die Nachricht in die Welt plärren zu können. Oft steht dann „Eilmeldung“ – man weiß noch nichts, aber man muß schon berichten. Alle berichten das gleiche.

Mit dem Willkommenskultursommer wurde zudem die inhaltliche Gleichschaltung evident. Zwar gab es noch immer vereinzelte charakteristische Stimmen – nur weil es sie gibt, kann Klonovsky (vom 15.7.2016) sie so trefflich parodieren –, die Botschaft, die sie auf verschiedene Weise verkündeten, wurde zunehmend ununterscheidbar, von einigen seltenen defätistischen und pseudo-legitimierenden Gastbeiträgen, die die Meinungsvielfalt vortäuschen sollten, unterbrochen. Nehmen wir nur die Spiegel-Kolumne: Jakob Augstein, Sascha Lobo, Margarete Stokowski, Sibylle Berg, Georg Diez – alle haben einen eigenen Stil, aber seit einem Jahr sind ihre Beiträge vorhersagbar wie der Sonnenuntergang und nur durch geringfügige inhaltliche Differenzen zu unterscheiden. An dieser Phalanx läßt sich die unsägliche Linkslastigkeit der Zentralmedien, die an anderer Stelle bereits analysiert wurde, wunderbar vorführen.

Nun fährt die Journaille die Ernte ein, die sie selbst gesät hat, nun kippt der Kahn, auf dem alle nach Backbord laufen. Die Verkaufszahlen brechen massiv ein. Das Volk traut seiner Presse nicht mehr und auch die Redakteure sind plötzlich gezwungen, das ungeliebte Spiel mitzuspielen.

Ich stelle mir vor: Ein Beitrag wie dieser – Linken-Politiker setzte sich für Bleiberecht von Syrer ein –, den alle Medien brachten, muß fürchterlich geschmerzt haben. Darin wird berichtet, daß die Abschiebung des späteren Selbstmordattentäters von Ansbach von einem Bundestagspolitiker der Linken verzögert wurde, damit Mohammed Daleel seine Therapie zu Ende führen darf.

Daran ist an sich nichts verwerflich und niemand konnte ahnen, wozu der Mann in der Lage sein würde. Darüber hinaus ist die Nachricht unbedeutend und vergleichsweise irrelevant. Aber der Beitrag heizt natürlich die empfindsame Stimmung an und stellt einen unausgesprochenen Zusammenhang zwischen linker Willkommenskultur und Terrorgefahr her, genau jenen Konnex also, den man bisher herzustellen mit allen Mitteln vermeiden wollte. Aber weil nicht mehr Raum, sondern Zeit das entscheidende Kriterium der Pressearbeit ist und weil man weiß, daß die Meldung ohnehin auf anderen Kanälen verbreitetet werden wird, und weil man auch weiß, daß ein Verschweigen der Meldung als Beweis für die „Lügen- oder Lückenpresse“ wird herhalten müssen, ist man gezwungen, zähneknirschend, wie ich vermute, diese Meldung so zu bringen.

Und damit fährt die Presse die Ernte jener Saat ein, die seit letztem Sommer von ihr ausgesät worden war. Die Presse schafft sich ab.

 Zur Vertiefung: Das rote Mehr