Wo sind wir?

Hussain muß einen sogenannten Einbürgerungstest machen. Dabei werden 33 aus 300 Fragen mit je vier Auswahlantworten abgefragt. Wir sprechen über das Parteiensystem. Links und rechts, progressiv und konservativ, eigentlich alles ganz einfach, nur daß innerhalb kurzer Zeit die gesamte Mitte weggebrochen ist und plötzlich auch die CDU/CSU eher links zu verorten sind, ist schwer zu vermitteln.

Dann klingelt es und Salim tritt ein. Er hatte gerade ein Doppelstockbett für die Kinder gekauft, aber der Tochter gefiel es nicht. „Kind deutsch“ sagt er und meint: sie beginnen langsam Ansprüche  zu stellen. Das Wort des Vaters – in Syrien Gesetz – zählt nicht mehr viel.

Ich rufe für ihn, der auch nach neun Monaten nahezu sprachlos ist, beim Möbelhaus an und storniere die Bestellung. Dort erinnert man sich gut an den Kunden und meckert gleich los. Hätte er sich auch vorher überlegen können …

Wenn er schon einmal da ist, soll er gleich am Unterricht teilnehmen. Schnell ist die Landkarte ausgebreitet. „Laßt uns die Bundesländer noch einmal wiederholen. Salim, wo sind wir?“ Hussain, mit dem ich fast nur noch Deutsch rede, muß alles übersetzen. Salim schaut auf die Karte wie die Kuh ins Uhrwerk. Er hat keine Ahnung, wo Sachsen liegt, scheint nicht mal Nord und Süd einordnen zu können. Er murmelt etwas von München, aber auch das kann er nicht zeigen. Nach zwei Minuten helfe ich ihm auf die Sprünge, aber die Art und Weise, wie er auf den kleinen Punkt schaut, beweist, daß ihm das Prinzip Karte und Gebiet vollkommen fremd ist.

Muslime in Dänemark I

„So etwas muß niemand befürchten“, versichert Angela Merkel in einem aktuellen Interview in „Bild“, auf die Frage, ob der Islam eine Bedrohung für Deutschland sei. „Deutschland, das ist und bleibt das Grundgesetz, die soziale Marktwirtschaft, Religions- und Meinungsfreiheit.“ … „Wir machen den zu uns kommenden Menschen vom ersten Tag an klar: Hier gelten Gesetze und Regeln des Zusammenlebens, die sie befolgen müssen. Nur so kann Deutschland für sie ein Ort des Schutzes sein.“
Wie gut das funktioniert, kann man an unserem nördlichen Nachbarn Dänemark ersehen. Dort werden allerdings in viel stärkerem Maße als bei uns Sprach- und Integrationskurse angeboten. Nun hat Jyllands-Posten – ein Leitmedium – zusammen mit dem Markforschungsinstitut Wilke eine Umfrage unter in Dänemark lebenden Muslimen gemacht und deren Ergebnisse mit früheren Umfragewerten verglichen. Zielannahme der Umfrage war es, die Korrelation zwischen Aufenthaltszeit im Land und sich daraus natürlicherweise ergebender verminderter Religiosität nachzuweisen.
Auf die Frage, ob die Anweisungen des Korans vollständig umgesetzt werden sollten (das meint wohl die klassische Frage nach Grundgesetz oder Koran), antworteten vor fast 10 Jahren 62,4% mit ja. Im Jahre 2015 sind es 77,2 %. Haben 2006 nur 37 % der dänischen Muslime fünf Mal am Tag gebetet, so sind es nun 50%. 2006 waren 28,6% der Ansicht, muslimische Mädchen sollten ab dem Jugendalter nur bedeckt in der Öffentlichkeit erscheinen, nun sind es 42,7%. Besonders unter den jungen Muslimen habe die Religiosität stark zugenommen.
So überrascht es nicht, daß von der im Westen viel diskutierten Reformierung des Islam über die Hälfte der dänischen Muslime (52,4%) nichts wissen will und keinen Bedarf sieht.
Die Wissenschaft gibt sich erstaunt, der Religionssoziologe Brian Arly Jacobson schlußfolgert: „Es sieht so aus, als seien die dänischen Muslime in jeder Hinsicht religiöser geworden, egal ob es sich um den Glauben oder die Praxis handelt. Prinzipiell hätten wir das Gegenteil erwartet, daß sie mit fortschreitender Zeit sich mehr und mehr den anderen Dänen, die nicht sonderlich religiös aktiv sind, angleichen“. Als Ursache macht Jacobson die 20-30 neuen Moscheen, die in den letzten 10 Jahren etabliert wurden, aus.
Imam Fatih Alev, vom „Dänischen Islamzentrum“, dem „einzigen und größten dänisch sprechenden islamischen Kulturzentrum“ (Moschee), macht hingegen die harte Rhetorik verantwortlich, der sich die Muslime in Dänemark ausgesetzt sehen. Das mache die Muslime bewußter und bestärke sie in ihrem Glauben. Außerdem gebe es zu wenig dänischsprachige Imame, was viele Jugendliche in die Arme radikaler „erzdänischer“ Muslime treibe, da sie die arabischen Predigten in den Moscheen nicht verstünden. Zur Reformierungsidee sagt Fatih Alev unzweideutig: „Man kann das, was im Koran steht und was der Prophet gesagt und zu tun befohlen hat nicht ändern. Tut man es, so ist man kein Muslim mehr.“
Zum Glück leben wir aber in Deutschland, wo, wie die Kanzlerin uns beruhigend mitteilt, allen Muslimen von Beginn an klar gemacht wird, daß das Grundgesetz gilt.

 

Quellen:
http://www.welt.de/politik/deutschland/article147483856/Frau-Merkel-wuerden-Sie-Fluechtlinge-bei-sich-aufnehmen.html

http://jyllands-posten.dk/indland/ECE8103969/Danske+muslimer+g%C3%A5r+mere+op+i+b%C3%B8n,+t%C3%B8rkl%C3%A6der+og+Koranen/

http://jyllands-posten.dk/indland/ECE8107671/Hver-anden-danske-muslim-Islam-skal-ikke-reformeres-og-tilpasse-sig/

http://denkorteavis.dk/2015/en-rystende-ny-meningsmaling-tyder-pa-at-et-stort-flertal-af-danske-muslimer-onsker-en-islamisk-stat/

http://dicenter.dk/om-dic/