Bautzen ist überall

Die Vermutung darf man zumindest aussprechen. Denn was in Bautzen der Kornmarkt, sind in Plauen der Tunnel, der Klostermarkt und der Altmarkt …

Das Stadtbild vieler ostdeutscher Kleinstädte ähnelt sich. Zentrale Plätze wurden nach der Wende umgestaltet, nicht selten wurde alte Struktur entfernt, um Raum für den Fortschritt zu schaffen – in Form von Konsumpalästen, Einkaufspassagen, ganzen Kaufländern. In Plauen trägt das Schmuckstück den euphemistischen Namen „Stadt-Galerie“ und wird im Volksmund „UFO“ genannt.

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Verbieten! Verbieten! Verbieten?

Burkiniverbot, Burkaverbot, Obergrenze … Deutschland ist nach vulgärer Laissez-fair-Phase gerade auf dem Verbotstrip. Alles, was nicht paßt, gehört unterdrückt. Die Argumente fliegen hin und her, jedes einzelne für sich durchaus nachzuvollziehen.

Ich frage mich – um die unzulässige Vereinfachung wohl wissend –: Was macht das mit uns? Und was macht es mit jenen, denen man verbietet?

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Unsichtbar macht straffrei

Ein Artikel in der heutigen „Zeit“ weckt Erinnerungen.

Schlecht bezahlt in Schwarzarbeit

Es geht um Schwarzarbeit unter „Flüchtlingen“. Nun werde sie zu einem systemischen Problem, logisch und folgerichtig, denn viele der Männer haben Schulden und brauchen Geld, mehr als die bescheidene Rundumversorgung des deutschen Staates beschaffen kann. Und da der Arbeitsmarkt aus den bekannten vielfältigen Gründen nur sehr wenigen offen steht, strömen Teile der Menge in die Löcher und Ritzen des Systems.

Im Artikel ist von krimineller „Arbeitsvermittlungen“ meist ebenfalls migrantischer Mitarbeiter der Asylzentren o.ä. die Rede. Ich erinnere mich an eine Gesprächsrunde, bei der ein anderer Weg zur Sprache kam.

Der junge Mann hatte massive Geldsorgen. Es ging nicht nur um Altschulden in Syrien, sondern auch um vergleichsweise hohe Ausgaben hier im Lande. Aus den Augenwinkeln bekam ich mit, wie er Freunde um Gaben bat. Kleine Euroscheine wechselten die Besitzer. Das sei so üblich, wurde mir berichtet, und die Ehre verlangte es, die Rückzahlung nicht zu vergessen. Fragte man nach, dann wurde schnell klar, daß es sich beim Empfänger um einen potentiellen „Vergesser“ handelte – kein Wunder, bei der unübersichtlichen Vielzahl der Darlehen. Offensichtlich fällt es Arabern trotzdem schwer, ein solches Ansinnen abzulehnen.

Jedenfalls kam er von einer Reise aus dem „Westen“ wieder und erzählte ganz ohne jegliches Schuldbewußtsein, daß er sich ein paar Euro dazuverdient habe. Ich fragte erstaunt nach dem Procedere. Der erfahrene Maurer hatte beim Hausbau geholfen. Wie das?

„Türkischmann auf Straße. Willst arbeiten? Zehn Euro.“ Zehn Euro die Stunde bot der Türke, um sein Einfamilienhaus zu renovieren und sprach dazu gezielt Asylanten auf der Straße an. Ich erläutere das Konzept „Schwarzarbeit“ und ernte erstaunte Blicke. „Illegal? Warum?“

Die Frage gibt mir die Gelegenheit zum wiederholten Male das Steuersystem zu erklären und die Arbeit von Zoll, Polizei und Bauaufsichtsbehörde. Ob es verstanden wurde, kann ich nicht sagen, daß es so nicht geht, wurde eingesehen und daß man seinen Aufenthalt riskiert oder zumindest verschlechtern kann, wohl auch. Es folgt das Versprechen, es nicht wieder zu tun.

Aber dann reibt er sich lachend die Hände – eine sehr typische arabische Geste – und sagt, daß die Behörden es gar nicht wissen konnten, denn der Türke sanierte sein Bad.

„Alles drin. Kann keiner sehen.“

Und unsichtbar macht straffrei.

Embryologie im Islam

Die Wissenschaft denkt nicht, weil sie nach der Art ihres Vorgehens und ihrer Hilfsmittel niemals denken kann – denken nämlich nach der Weise der Denker. Daß die Wissenschaft nicht denken kann, ist kein Mangel, sondern ein Vorzug. Er allein sichert ihr die Möglichkeit, sich nach der Art der Forschung auf ein jeweiliges Gegenstandsgebiet einzulassen und sich darin anzusiedeln. (Martin Heidegger)

Kennen Sie Keith L. Moore? Nein? Das ist keine Schande. Aber das könnte sich bald ändern, spätestens wenn Sie mit dem Moslem von nebenan sprechen. Unter Muslimen ist Keith Moore nämlich ein Star! Ich wurde mehrfach und aus verschiedenen Richtungen auf ihn angesprochen – also nahm ich mich der Sache an.

Keith Moore ist Embryologe. Er hat eines der größten Wunder des Korans erfunden. Entschuldigung, umgekehrt: Das Wunder war natürlich schon seit 1400 Jahren da, aber erst mit Keith Moore und der modernen Embryologie ist es aus dem Dunkel der Frauenschöße ans Licht der Welt gedrungen. Mohammed hat nämlich im Koran – in einem verkürzten Satz und in der Intonation des bedeutenden islamischen „Evangelisten“ Zakir Naik – „die Entwicklung des Fötus im Mutterleib in großem Detail beschrieben“.  Und wenn Männer wie Zakir Naik das sagen, die ein gutgläubiges Hundertmillionenpublikum haben, dann sollten wir es sehr ernst nehmen, denn heute gehört ihnen der Nahe Osten und morgen vielleicht die ganze Welt.

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Die Stuhlprobe: Scheiß Deutsche

Ich behaupte nicht, daß andere Völker nicht auch ein gesundes Interesse an diesem Bereich zeigen, sondern vielmehr, daß die Deutschen von diesem Thema in Besitz genommen zu sein scheinen. (Alan Dundes)

Heute geht es um Scheiße. Darf man so klipp und klar sagen, denn das Wort ist längst gesellschaftsfähig. Das zeigt auch ein Artikel in der „Welt“, bei dem es um künstlerische Umsetzung mit besagtem Material geht. Das war mal aufregend, langweilt nun aber nur noch. Alles schon tausend Mal dagewesen: Blut, Menses, Sperma, Scheiße … schocken uns nicht mehr.

Trotzdem, so besagen diverse Studien, sind die Deutschen besessen vom Thema. Till Eulenspiegel, Luther, Grimmelshausen, Mozart … waren alle bejahende Meister der Fäkalien und der Aufklärungsphilosoph Carl Julius Weber hat in seinem vielbändigen „Demokritos“ die Sache zur philosophischen Chefsache erklärt: „Ohne das Emana­tions­system der Posterio­ra könn­ten wir gar nicht existie­ren; und eine Stö­rung darin könnte unsere ganze Philosophie über den Haufen wer­fen…“

Gemessen daran erscheint Slavoj Zizeks Beobachtung, die die „Welt“ genüßlich wiedergibt, weniger originell: „Auch der Star der Gegenwartsphilosophie, Slavoj Zizek, wird nicht müde zu betonen, wie sich die drei großen europäischen Denkströmungen anhand der Bauart von Kloschüsseln analysieren lassen. In Frankreich flutscht alles sofort weg, weil die Franzosen gerne verdrängen. Die Deutschen dagegen blicken gerne zurück und untersuchen daher sorgfältig, was sich da im Becken offen vor ihnen ausbreitet. In England schwimmt die Notdurft im Wasser herum, man ist eben pragmatisch. Philosophisch kann man also einiges aus dem im Alltag so unliebsam weggespülten Stuhlgang ziehen – von der Charakterstudie bis zur Kulturgeschichte.“

Da ist was dran! Nur: Warum bleibt Zizek auf halbem Wege stehen? Wäre es nicht hilfreich, einen Blick über den europäischen Kloschüsselrand zu werfen? Wenn die Stuhlprobe kulturelle Aufschlüsse liefert, sollte man im multikulturellen Bereich auch die anderen Kulturen befragen. Zum Beispiel die islamische.

Der Begriff der „Besessenheit“ erhält hier neue Bedeutung – im negativen Sinne. Muslime haben ein sehr distanziertes Verhältnis zu ihrer eigenen Natur. Von Kleinauf wird Kindern eingetrichtert, Nacktheit zu vermeiden und insbesondere momentane Ausscheidungs- und spätere Fortpflanzungsorgane schamvoll zu verstecken.

Das Verrichten des Geschäftes in Richtung Mekka – in beiderlei Verlängerung – gilt als gotteslästerlich. Auch benutzen Muslime keine Urinale, da das Pinkeln im Stehen mißbilligt wird, makruh ist. Das Ausscheidungsorgan sollte danach sorgfältig mit Wasser gereinigt werden: „Während bei der Frau das reinigende Wasser über die Scheide fließt, muss der Mann zudem den Harnleiter von den letzten Tropfen befreien und den Penis derart halten, dass die äußere Öffnung der Harnröhre geöffnet und somit ein Teil der Röhre ebenfalls mit Wasser gereinigt wird.“ Das alles mit der linken Hand, die im Islam als unrein gilt, und für derartige Prozeduren prädestiniert ist. Überhaupt wird die Nutzung von Toilettenpapier nur in jenen Fällen befürwortet, wo keine Wasserreinigung möglich ist. Der Prophet nahm stets einen Lederbeutel mit Wasser auf die Toilette mit.

Während der Verrichtung ist es angeraten, sein Geschlechtsteil nicht zu betrachten und nicht zu berühren. Erfolgt sie im Freien, sollte man sich nicht in Richtung Sonne oder Mond – als „wichtige Zeichen Gottes in seiner Schöpfung“ – positionieren und möglichst den Blick in den Himmel vermeiden.

Im Idealfall handelt es sich um eine „französische Toilette“. Einige Muslime bevorzugen die Hockstellung auch bei Sitzklos und erklettern dann den Porzellanrand.

Die Toilette sollte man mit dem linken Fuß betreten und mit dem rechten Fuß verlassen, wobei man jeweils eine Gebetsformel murmelt: Beim Betritt: „Ich suche Zuflucht bei Allah vor dem verfluchten Satan. Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen. Oh Allah, ich suche Zuflucht bei dir vor dem Bösen und den Satanen, und ich suche Zuflucht bei Dir, oh mein Herr, vor ihrer Anwesenheit“, beim Abtritt: „Oh Allah, ich suche deine Vergebung“.

Der Koran darf das Licht des Aborts nie erblicken, auch andere Schriften, die den Namen Allahs beinhalten, sind verboten. Sogar arabisch-grün gestrichene Toiletten sollen schon zu kulturellen Verstimmungen geführt haben.

Zumindest beim finalen Händewaschen nähert man sich den europäischen Gepflogenheiten wieder an.

Nun bedarf es freilich eines hellsichtigen und tapferen Denkers wie Slavoj Zizek, um diese „außereuropäische Denkströmung“ von „der Charakterstudie bis zur Kulturgeschichte“ und besser noch bis zur sozialpsychologischen Studie zu anal-ysieren.

Quellen:
Handbuch Islam
Islam-Pedia
Enzyklopädie des Islam
Dundes, Alan: Sie mich auch! Das Hinter-Gründige in der deutschen Psyche.
Weber, Carl Julius: Demokritos oder die hinterlassenen Papiere eines lachenden Philosophen.

Die häßlichste Stadt Deutschlands

Selbstverständlich steht mir ein solches Urteil gar nicht zu. Aber man wird ja noch sagen dürfen …

Eine altehrwürdige, jahrtausendealte Stadt mit glorreicher Geschichte und einer ganzen Latte an großen Söhnen und Töchtern. Heute ist sie grau, dreckig, dröhnend. Unzählige Architektursünden beleidigen das Auge. Neben jedem ansehnlichen Haus steht scheinbar systematisch ein bleierner Betonklotz, als wollte ein mächtiger Gestalter alle Freude im Keim ersticken. Neu und häßlich sind hier Synonyme.

typisch Bonn

typisch Bonn

Seit Jahren wurde offensichtlich nicht mehr renoviert. Alle Asphaltwege sind mit platt getretenen Kaugummis übersät. Müllberge häufen sich an den Straßenrändern, Abfall wird achtlos auf die Gehwege geworfen, Plastiktüten fliegen durch die Luft, Uringestank an vielen Ecken und Enden.

Vor einem grauen Betonklotz am Bahnhof demonstrieren ein paar Studenten mit bunten Luftballons lautstark gegen Einfalt und für den Erhalt der Vielfalt.

Die schwarzen Regenränder an den Häuserwänden wirken wie traurige Tränen geschminkter Frauen. Die Leute schauen mürrisch drein, die Sprachen der vorbeigehenden Paare sind mir unverständlich. Lange muß ich in der Universitätsstadt nach einem Buchladen suchen, der nicht „Thalia“ heißt, und finde einen unmittelbar neben dem Frauenzugang zu einer Moschee. Während ich die schweren Taschen raus trage, treten 20 vollverschleierte Frauen auf die Straße und schnattern ein kehliges Idiom.

Milli-Görus-Moschee neben Antiquariat

Milli-Görus-Moschee neben Antiquariat

Was ist mit Bonn geschehen? Der Verlust des Hauptstadtstatus wird der einstigen Metropole arg zugesetzt haben. Es mag andere strukturelle oder regionale Probleme geben, von denen ich nichts weiß. Bonn ist in den letzten 20 Jahren erst so geworden, versichern Einwohner.

Offensichtlich aber ist, daß der soziale Zusammenhalt in Bonn sehr leidet und wie sollte es auch anders sein, beherbergt die Stadt doch gleich mehrere Gruppen an kulturell diversen Menschen. Geschätzt hätte ich 40%, laut Statistik ist es nicht einmal die Hälfte – aber das zeigt, wie wenig es eigentlich braucht, um einen Ort kippen zu lassen.

Ginge es nach den Multikulti-Propagandisten, müsste Bonn eine helle, bunte, fröhliche Stadt sein. Doch statt bunter Vielfalt graue Tristesse.

Nun verstehe ich zweierlei: Gabriels populistische Forderung nach einer Aufbauhilfe West und das seltsame Erstaunen vieler westdeutscher Besucher Plauens, die von einer wunderschönen Stadt schwärmen. Bisher konnte ich sie selbst nicht sehen.

DITIB ist auch hier - ,ist Minarett

DITIB ist auch hier – mit Minarett

Der Araber von morgen …

… ist der Titel eines Comic-Doppelbandes, der gerade in ganz Europa Furore macht. Darin beschreibt Riad Sattouf, ein syrisch-französischer Karikaturist, sensibel und hintergründig seine Kindheit in Libyen, Frankreich, vor allem aber in Syrien. Es ist ihm ein selten eindrücklicher Einblick in eine einst ferne und nun sehr nahe Welt gelungen, die kennenzulernen den meisten unter uns wohl nicht erspart bleibt. An ihrer Authentizität ist nicht zu zweifeln.

zum Glück kein Jude © Riad Sattouf/Knaus Verlag

zum Glück kein Jude © Riad Sattouf/Knaus Verlag

Auf schier magische Weise gelingt es dem Künstler, sich den Blick des kleinen Kindes zu bewahren. Es sieht oft das Nebensächliche, Kleine, Individuelle und (miß)interpretiert es in den ihm zur Verfügung stehenden Kategorien, aber gerade dadurch wird das Allgemeine unverhofft sichtbar. Was Sattouf, dem man die Liebe zu seiner Heimat durchaus anmerkt, leisten will, ist wohl dieses: dem Westen jene Menschen vorzustellen, mit denen dieser jetzt konfrontiert ist. Das läßt sich selbstredend nicht unmittelbar ins Subjektive übersetzen, doch zeigt er eine Erziehung auf, die zwangsläufig Menschen formt. Seine extraordinäre Position – halb Franzose und zudem strohblond gewesen zu sein – ermöglicht ihm einen paradox distanzierten Nahblick. (Aus meinen eigenen Begegnungen mit vielen Syrern und deren Geschichte(n) bestätigt und erklärt sich vieles, manches relativiert sich auch.)

Sattoufs Vater, ein in Frankreich zum Doktor studierter Syrer, nimmt Frau und Kind mit in die Heimat. Er ist die dominierende Figur. Die Mutter existiert und leidet nur im Hintergrund, muß sich der patriarchalen Kultur vollkommen unterwerfen. Gegensätzlicher kann man sich einen Vater nicht vorstellen. Sobald er arabischen Boden betritt, wird er eine andere Person. Gerade eben noch ein säkularer Mensch, verfällt er nun in die rituellen religiösen und patriarchalen Rituale. Alles wird zur Fassade. Rationalisierung und Selbstbetrug sind konstitutionelle Eigenschaften, ohne die man in einer wertumgewandten Welt nicht zurecht kommen kann. Einerseits sinkt er der eigenen Mutter wie ein kleines Kind in den Schoß und küßt ihr die Füße, andererseits überläßt er alle Erziehungsarbeit der eigenen Frau, wird plötzlich aber zum Angsthasen, wenn dieser einmal der Geduldsfaden reißt.

Bei seinen arabischen Verwandten beobachtet das Kind eine tief eingeprägte Bigotterie. Vorsichtig wird die Welt nach Gefahren permanent abgescannt, man beäugt sich und reagiert je nach Status. Die Großmutter etwa bekommt diesen starren Blick nach innen, sobald sie sich beobachtet fühlt – jener Blick, den streng islamisch sozialisierte fast Frauen alle eingeübt haben.

Es ist, in Stichworten, eine Welt der geistigen Enge, der Autorität und Autoritätsgläubigkeit, des Scheins und des Erscheinen-Wollens, der permanenten Gewalt und Brutalität den Menschen, Kindern und Tieren gegenüber, eine Männer- und Väterwelt, frauenverachtend, fest strukturiert, voller Intrigen, Vetternwirtschaft, Korruption, unübertretbarer Regeln und Hierarchien, eine Welt der Angst, der Verstellung und der Lüge, in der man ununterbrochen kämpfen muß und in der jeder Moment der Unaufmerksamkeit grausam bestraft werden kann. In ihr spielt die „Ehre“ der Familie eine überbordende Rolle – bis hin zum Ehrenmord. Schläge sind das täglich Brot, sei es in der Schule, unter den Kameraden oder seien es die verbalen Nackenschläge, die jeden erwarten, der einen Moment der Schwäche zeigt. Es gibt einen Waffenkult und der krudeste Antisemitismus ist allgegenwärtig. Der kleine Sattouf leidet ob seiner hellen Haare selbst unter der antijüdischen Verfolgung. Letztlich ist es eine Welt der Dummheit und des Aberglaubens, zu dem ein Volksislam unter politischer Repression verkommen ist. Hitzige Temperamente wechseln in Sekundenbruchteilen von sadistischen Machtspielen und hündischer Unterwürfigkeit, wenn es die Situation verlangt. Man kriecht und buckelt einerseits, tritt und verleumdet andererseits. …

Eine Kindheit in der Hölle? So könnte man meinen. Aber Sattouf ist nicht so eindimensional. Er selbst ist in seiner liebevollen Art ein Beispiel dafür, daß Erziehung viele Resultate zeitigen kann. Aber er warnt uns auch vor einer Generation an Einwanderern, die Resultat solcher edukativen Prozesse sein könnten. Oft sprechen die subtilen Bilder, denen man sich lange hingeben kann, eine deutlichere Sprache als das geschriebene Wort.

In der deutschen Presse wurden die beiden Bände euphorisch besprochen – doch kein Rezensent hat es gewagt, die offensichtlichen Schlüsse zu ziehen. Stattdessen ist man sich einig, Sattoufs Meisterwerk würde dazu beitragen, die „syrische Krise“ besser verstehen zu können und es bestätige den soziologischen Ansatz, daß Armut, Schmutz und Dreck gesellschaftliche Strukturen verfestige. Das stimmt – doch leuchtet dieses überraschende Werk weit tiefer: es erhellt die arabische Seele, den Araber von morgen, der nun auch der Araber – unter uns – von heute ist.

Lesen!

© Sattouf/Knaus

© Sattouf/Knaus

Eier kraulen

„James, die Eier“ – „Hart oder weich?“ – „Kraulen!“

Ein alter Witz aus meiner Jugendzeit. Längst vergessen und heutzutage auch politisch inkorrekt, „rassistisch“, englandfeindlich. Obwohl: Anglophobie ist gerade ein wenig in

Eines möchte ich zuvor klarstellen: ich habe das Thema nicht aufgebracht mit den Eiern. Es waren unsere Qualitätsmedien, die den Bundestrainer dabei beobachteten, wie er sein bestes Stück gerade rückte. Daß Löw unter einer Oralfixierung leidet, muß jedem Beobachter seit langem klar gewesen sein, nun kommt das genitale Problem hinzu. Wir kennen ihn alle, wie er sich in der Nase bohrt und auch seine Findlinge gern mal in den Mund nimmt, sich um seinen Unterarmschweiß kümmert, daran schnuppert, am Kaugummi zerrt … und das, obwohl er sich öfter in der Anzeigetafel betrachtet, das Haar zurecht rückt, als am Spielgeschehen beteiligt zu sein. Der eigentliche Skandal ist doch, daß er danach allen die Hand gibt.

Daraufhin hat der lustige Poldi jedenfalls einen lustigen Spruch losgelassen. Man könnte meinen, eine Nation, die solche Erregungen spürt, müßte friedlich und geeint sein. „Achtzig Prozent von euch krault doch auch mal an den Eiern“, warf er einer johlenden zu achtzig Prozent männlichen Journalistenschar entgegen.

Da hat er nicht ganz unrecht. Die Geste ist urmännlich, keine Frage. Richtig bewußt wurde mir das erst im Kontakt mit den Syrern. Dort ist es eine permanent auftretende Erscheinung. Alle paar Minuten wird sich unten rumgezupft, ob im Stehen oder Sitzen, ständig scheint was nicht zu sitzen. Es ist eine andere Geste als die Löwsche oder die Jacksonsche oder der Hip-Hop-big-balls-check, es ist ein Zupfen, als klebte die Hose am Gemächt und müßte gelöst werden. Und da es alle und alle ständig machen, scheint es tief verinnerlicht zu sein. Kulturell bedingt, bei vielen Arabern. Und es hat sicher was zu bedeuten.

Nur was?

Hilfe, ich bin rechtsextrem!

Jetzt ist es also amtlich, wissenschaftlich bewiesen und es steht sogar in allen Zeitungen: ich bin rechtsextrem.

Studie: Die enthemmte Mitte

Erst gestern gab es dafür den Beweis. Ich fuhr friedlich mit meinem Rad durch die Innenstadt – laut einer Befragung fühlen sich die Hälfte der Plauener dort nicht mehr sicher –, um von meinem syrischen Freund zu meiner dänischen Freundin zu radeln und „fühlte mich wie ein Fremder im eigenen Land“. Nicht durch die vielen Muslime, wie die Studie der Universität hinterlistig fragte, sondern durch die vielen fremdländischen, seltsam gekleideten, in nicht zu verstehenden Idiomen sprechenden und sich manchmal auch komisch verhaltenden Menschen, von denen freilich die meisten Muslime sein dürften. Dieses sich-Fremdfühlen erfüllt demnach den Tatbestand des Rechtsextremismus.

Was kann man tun? Laut Bundeskanzlerin soll man den Kontakt zu Flüchtlingen suchen. Nun dürfte mein Kontakt zu Flüchtlingen ungefähr – um es im Özil-Jargon zu sagen – 10000% intensiver sein als der der Kanzlerin und trotzdem bin ich noch nicht geheilt, trotzdem fühle ich mich manchmal fremd, trotzdem habe ich den Eindruck, Sinti und Roma können mitunter ein Problem sein – gerade fährt eine befreundete Mutter ihre Kinder jeden Tag zur Schule, weil diese von Sinti und Roma regelmäßig in der Straßenbahn belästigt und beklaut werden –, trotzdem glaube ich, daß ein bißchen mehr nationales Selbstbewußtsein uns nicht schaden könnte, trotzdem meine ich – nein weiß ich –, daß es eine ganze Reihe an „Flüchtlingen“ gibt, die wegen des Sozialsystems nach Deutschland kommen, trotzdem bin ich überzeugt, daß die Bundesrepublik dabei ist, sich gerade „in einem gefährlichen Maße zu überfremdem“, auch wenn mir dieses Wort nie über die Lippen käme, ich glaube sogar, daß „die Deutschen“ in mancher Hinsicht – im Guten wie im Bösen übrigens – anderen Nationen überlegen sein können, nur wäre ich nicht so perfide wie die Leipziger, das auf „die Natur“ zu gründen, ja ich bin sogar davon überzeugt, daß „der Nationalsozialismus auch seine guten Seiten hatte“ und das wäre ich sogar, wenn ich darüber gar nichts wüßte, denn als Dialektiker weiß ich, daß es nichts, aber auch gar nichts gibt, das nur schlecht oder gut ist. Laut Studie der Uni Leipzig alles Kriterien für Rechtsextremismus.

Nur mit den Juden, da muß ich mich entschuldigen, gegen die habe ich gar nichts. Im Gegenteil, ich bewundere sie kritisch.

fallende Tendenzen

fallende Tendenzen

Und jetzt mal ohne Augenbinde, ohne Pressehilfe. Was sagt die Studie mit dem tendenziös-reißerischen, gänzlich unwissenschaftlichen Titel, die gerade viel Wind produziert, denn eigentlich aus? Der Trend, verglichen mit den Nullerjahren, geht nach unten: weniger „Befürwortung einer rechtsautoritären Diktatur“, weniger „Chauvinismus“, weniger „Ausländerfeindlichkeit“, weniger „Antisemitismus“, weniger „Sozialdarwinismus“, weniger „Verharmlosung des Nationalsozialismus“, weniger „manifeste rechtsextreme Einstellung“, alles weniger! Much ado about nothing.

Nicht ganz: es gibt tatsächlich jeweils einen Aufwärtstrend im letzten Jahr, aber das wäre auch jede vernünftige Prognose gewesen und daß sich vieles in der AfD sammelt, ist ebenfalls logisch – sonst gäbe es sie doch gar nicht.

Man kann die Studie auch ganz anders lesen: Antisemitismus, Verharmlosung des NS und Sozialdarwinismus sind nahezu verschwunden und Ausländerfeindlichkeit und Chauvinismus verhalten sich vollkommen folgerichtig: sie steigen mit der Zahl der Ausländer, so wie zuckerbedingte Karies mit dem Zuckerverbrauch steigen muß.

verschwiegene Gewaltbereitschaft

verschwiegene Gewaltbereitschaft

Manchmal bringt sie auch Unerwünschtes ans Tageslicht. So ist die „Gewaltbereitschaft“ im „Rebellisch-autoritären Milieu“ deutlich höher als im „Ethnozentrisch-autoritären Milieu“ – in letzterem akzeptiert man Gewalt, in ersterem befindet man sich statistisch weit im Bereich der aktiven Anwendung von Gewalt. Es handelt sich dabei wohl um Euphemismen für links- und rechtsradikale Chaoten. Erwähnt hat das, soweit ich sehe, kein einziger Presseartikel.

Methodologisch ist die Umfrage kritisch zu bewerten: Wenn nach „Dimensionen rechtsextremer Einstellung“ geforscht wird, dann kann man nicht mehrfach nach Gefühlen fragen. Auf diese Art und Weise ließe sich etwa Misogynie durch die Frage: „Fühlen Sie sich von Ihrer Schwiegermutter bevormundet?“ ermitteln. Aus einem Entfremdungsgefühl eine „Abwertung von Muslimen“ zu generieren, ist unseriös, wenn nicht „rassistisch“. Chauvinismus mit dem „Mut zu einem starken Nationalgefühl“ zu verbinden ist ähnlich unsinnig, wie die Fragestellungen bis zur Anzüglichkeit primitivisiert und verallgemeinert sind etc.

Verwundert? Nicht, wenn man weiß, daß die Studie von der „Rosa Luxemburg Stiftung“ (Die Linke) und der „Heinrich Böll Stiftung“ (Grüne) und der „Otto Brenner Stiftung“ (IG Metall) finanziert wird. Dort weiß man sicher, was man finden will, und wenn man es nicht findet, wie die Zahlen beweisen, dann hat man seine Adressen, die es entsprechend skandalisierend präsentieren und aufbauschen können:

Deutschlands häßliche Fratze

Deutschland aus rechten Abwegen

Jeder Zweite fühlt sich vom Islam bedroht

Islamfeindlichkeit nimmt deutlich zu

Studie zeigt wachsende Ressentiments gegen Muslime

Deutschland rückt noch weiter nach rechts

Leipziger Studie warnt vor weiterer Radikalisierung

Rechtsextreme immer gewaltbereiter

Haß auf Muslime, Parolen gegen Asylbewerber

Fast jeder siebte Ostdeutsche wünscht sich eine Diktatur zurück

 

Ra Ra Ramadan

Gerade begehen Millionen unserer Mitmenschen den Ramadan. Mittlerweile wird das in der Presse gefeiert, mittlerweile klären die Medien flächendeckend auf, mittlerweile wünschen staatliche Stellen einen „Gesegneten Ramadan“, mittlerweile haben wir uns an den Mundgeruch in der Straßenbahn gewöhnt – als Ausdruck des Rechtes auf freie Religionsausübung.

Alle Religionen kennen Fastenzeiten und asketische Exerzitien. Wenn man den Begriff der Religion – religio: Rückbindung – aber modifiziert oder ihn durch einen anderen ersetzt, dann werden neue Perspektiven sichtbar, dann wird auch verständlich, weshalb der Islam – die theologisch wohl schwächste aller Weltreligionen – eine solche Ausdauer haben konnte und weshalb er gerade jetzt, verbunden mit einer demographischen Explosion, sich anschickt, die Welt ein zweites Mal zu erobern.

Der Ramadan ist eine der „fünf Säulen des Islam“:

  1. Das Glaubensbekenntnis, die Schahada
  2. Das fünfmalige tägliche Gebet
  3. Das einmonatige Fasten während des Ramadans
  4. Die Hadsch, die Pilgerreise nach Mekka
  5. Der Zakad, die Spende an die Bedürftigen

Peter Sloterdijk hatte in seinem fulminanten Großessay „Du mußt dein Leben ändern“, den umstürzenden Gedanken geäußert, den Begriff der Religion abzulegen. Es gibt keine Religionen, „es gibt nur mehr oder weniger ausbreitungsfähige oder mehr oder weniger ausbreitungswürdige Übungssysteme.“ … „Das wirklich Wiederkehrende, das alle intellektuelle Aufmerksamkeit verdient, hat eher eine anthropologische als eine ,religiöse‘ Spitze.“ Darüber hinaus sei der Begriff kulturimperialistisch, da er nur im Westen verstanden würde und Hindus und Buddhisten schon Jahrhunderte zuvor „Religion“ ausübten, ohne diesen Begriff zu benötigen, der ihnen erst durch „Religionswissenschaftler“ aufgedrängt wurde.

Mohammeds Genie liegt in der Vorwegnahme dieses Gedankens und in der Installation eines entsprechenden Regulariums. Betrachtet man unter diesem Gesichtspunkt die fünf Säulen des Islam – andere Pflichten, wie der kleine und der große Djihad, die Koranlektüre, das Auswendiglernen … kommen hinzu –, so erkennen wir ein ausgeklügeltes Hochintensivtrainingsprogramm. Bis auf die Schahada, die theoretisch nur ein Mal, bei der Annahme der Religion, gesprochen werden muß, die in der Realität aber tagtäglicher innerer Begleiter der meisten Muslime ist – etwa beim Bismillah vor jeder Mahlzeit, vor dem Geschlechtsverkehr etc. –, bis auf die Schahada also und die Hadsch, handelt es sich um Permanenzübungen.

Vor allem das Gebet entfaltet eine enorme Macht. Alle drei Stunden circa ist der Muslim angehalten innezuhalten, sich aus der realen in die spirituelle Welt zu begeben, eine „Vertikalspannung“ zu seinem Gott aufzubauen, und dabei immer wieder die gleichen Formeln zu beten und sich mindestens 17 Mal vor dem Gott in den Staub zu werfen. Die psychomotorische Ausrichtung eines Hirns, das sich diesem Exerzitium unterwirft, ist sehr wahrscheinlich. Der physische Akt des Niederwerfens – hier erkennt man, daß Mohammed ein kluger Intuitivpsychologe war – verbindet beide Ebenen und vertieft die geistige Gravur durch körperliche Repetition. Heute ist das neuester Stand der Wissenschaft, heute nutzt man das Verfahren im Profisport, bei Rehabilitation oder bei der Gehirnwäsche.

Die Hadsch war einst ein enormer Kraftakt. Sich in einen Jet zu setzen, in Mekka zu landen, sich ein Tuch umzuwerfen, ein Selfie zu machen, dieses bei Instagramm einstellen und zwei Tage später schon wieder im Trainingslager der Nationalmannschaft zu sein, dürfte an der Paradiespforte eher wenig goutiert werden. Die Hadsch war als asketisches Exerzitium gedacht, als Leidenszeit, als Zeit des Selbstrisikos. Wer einmal durch die Wüste zog, um die Kaaba zu umrunden, und dabei Hitze und Entbehrung erleiden mußte, den Tod riskierte oder den Überfall durch marodierende Banden, die gnadenlose Sonne ertrug … für den ist die Ankunft, ist das Gemeinschaftserlebnis, ist das Erreichen des Ziels wie eine Offenbarung. Man muß als moderner Mensch schon Reinhold Messner lauschen, um eine Ahnung davon zu bekommen.

Selbst der Zakad ist als Übung zu beschreiben. Es geht darum, 2,5 % bis 10 % seines Einkommens an die Armen abzugeben. Die christlichen Konfessionen kennen das als Zehnt oder Kollekte. Aber das Opfer, die Spende, das Almosen ist seit je ein stark wirkendes Gottes-Aphrodisiakum, eine Wohlfühlmaschine und eine Verbindung zum Transzendenten. Wird sie regelmäßig eingeübt, entfaltet sie ihre abhängig machende Glückswirkung.

Unter diesen Vorzeichen ist die Funktion des Ramadan evident. Sein jährlicher Wiederholungscharakter zeichnet ihn als Exerzitium par excellence aus. Der Hadsch vergleichbar, konnte Mohammed nicht ahnen, daß seine Jünger einst in allen Weltteilen sich umtreiben, bzw. war es Mohammed nicht bewußt gewesen, wie groß die Welt eigentlich ist. Es gibt Indizien dafür, daß er vom Scheibencharakter der Erde und damit ihrer Endlichkeit, überzeugt war. Seine Religion ist eine Wüstenreligion, seine Welt reichte bis an den Rand der Dürre, bis an die Berge, er konnte also nicht ahnen, daß es für einen Muslim in Norwegen Probleme geben könnte, die Mekkawanderung zu leisten oder den Ramadan ohne Kompromisse zu überleben. Man hätte von Al Alim, dem Allwissenden, möglicherweise eine konkrete Anweisung für diesen Fall erwarten können …

Auf der arabischen Halbinsel teilen sich Tag und Nacht in schöner Gleichmäßigkeit von ca. 12 Stunden (± zwei) die Zeit, sommers wie winters. Trotzdem ist der Übungserfolg bedeutend. Es ist eine 30-malige Überwindung des inneren Schweinehundes (pardon), ein zwar überschaubares Leid, durch seine Wiederholung aber ein sehr wirksames. Zudem führen die Intensivierung des Gebets, die größere Offenheit für Spiritualität während des Fastens, die Freude über die Überwindung zu einer gefühlten Gottesnähe, das täglich gemeinsame Fastenbrechen stärkt das Zusammengehörigkeitsgefühl der Umma, die Distinktion zwischen „Wir“ und „die anderen“, zwischen mumin und kuffar, und damit die Sicherheit des Dazugehörens.

Vermutlich ist der Islam das am meisten durchorganisierte – man kann von Psychodesign sprechen – „religiöse“ System, seine Anhänger sind – das muß die Intention des Gründers gewesen sein – mehr oder weniger durchtrainierte potentielle Glaubenssoldaten. Lediglich der Buddhismus kennt in einigen Spielarten ein ähnlich starkes Training, die Meditation, deren Energie freilich komplett nach innen geleitet wird, wohingegen der Islam eine extrovertierte Religion darstellt. Seine hohe Repetitivität verleiht ihm seine Macht, die er seit 1400 Jahren, trotz weitgehend kultureller Rückständigkeit, beeindruckend unter Beweis stellt. Wer all diese Entbehrungen auf sich genommen hat, für den ist es mit jedem Male schwerer, den zurückgelegten Weg kritisch zu betrachten. Es wäre dann alles umsonst gewesen …

In diesem Sinne: Gesegneter Ramadan!