Gedankensplitter

Die Geschichte der Menschheit war ein ewiger Kampf der sich widersprechenden Eigeninteressen. Sie war blutig, aber sie hat auch das Überleben garantiert. Daß wir sind, was wir sind, haben wir dieser Geschichte zuzuschreiben. Aufklärung, Befreiungskämpfe, philosophische Ideologisierung und liberale Demokratie haben in einem komplizierten Prozeß einen neuen Aggregatzustand geschaffen. Man kämpft nun für die Interessen der Anderen: Männer für Frauen, Weiße für Schwarze, Christen für Muslime, Arme für Reiche, Heterosexuelle für Homosexuelle, Deutsche für Syrer und Afghanen … Das utopische Element daran ist der Glaube, daß damit beides erreicht werden könnte: das Blutvergießen beenden und die Fortexistenz sichern. Es könnte jedoch nur funktionieren, wenn alle Teilnehmer des Weltprozesses auf gleicher altruistischer Ebene stünden. Andernfalls werden die sich selbst Verleugnenden hinweggefegt werden – blutig.

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Flüchtige Gedanken

Ironie des Gedenkens: Die organisierte Gedenkmonokultur wird, wie alles Eindimensionale, an der Vielfalt, am Pluralismus und an der Kapitalverwurstung zugrunde gehen. Noch funktionieren die Empörungsreflexe, wenn etwa eine deutsche Eisläuferin nach Musik des Hollywood-Blogbusters „Schindlers Liste“ tanzt: daß sie es bereits ohne Hintergedanken tut, bezeugt das baldige Ende.

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Volkes Stimme

Die meisten Presseartikel enttäuschen – dafür wird man durch manchen Kommentar versöhnt. Nachfolgend – roh –  eine kleine Sammlung gelungener Leser-Bonmots.

Wir leben doch nur noch in einer Ich Gesellschaft. Haben Sie doch mal eine Autopanne. Früher blieben die Leute stehen um zu helfen. Heute schaffen sie nicht einmal eine Rettungsgasse.

Die SPD hat überall ihre Finger drin und kann deshalb auch keine Faust mehr machen.

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Sentenzen

Demokratie ist ein einfaches Spiel. Alle vier Jahre gehen die Deutschen zur Wahl und am Ende gewinnt Angela Merkel.  (Frei nach Gary Lineker) 

Viele wählen Angela Merkel, weil sie Stabilität und Sicherheit wollen, eine Konstante – dabei gab es seit 72 Jahren keinen deutschen Politiker, der die deutsche Gesellschaft so radikal irreparabel verändert und revolutioniert hat.

Wir sollten Polens Reparationsforderungen an Deutschland unterstützen – als eine List der Vernunft: das Land der Vergangenheit haucht dem Land der Zukunft seinen letzten Atem ein.

Rot-Grüner Gedankengang

Wenn in unseren nördlichen Breiten plötzlich ein Elefant auftauchte und alles niedertrampelte, dann sollte man nicht den Elefanten beschimpfen, sondern nach der ursächlichen Klimaveränderung fragen, die sein Erscheinen hier erst möglich machte.

Democracide

Face it! Die Demokratie ist am Ende.

Sie ist von innen ausgehöhlt und träge, erstickt an ihrer eigenen Wertetümelei und stolpert über die selbst geschaffenen ökonomischen und sozialen Widersprüche. Sie ist schon Posthistoire.

Sie wird von außen bedrängt

  • von zu vielen Menschen
  • vom entfesselten Markt
  • von weltumspannenden und synchronisierenden Lifestyle-Monopolen wie McDonalds, Coca Cola, Nestlé …
  • vom Islam
  • von der konservativen Revolution
  • vom Silicon Valley und der Technokratie
  • von der Natur

You have to choose!

Skylla und Charybdis

Sogar unseren bislang noch großen Blättern beginnt es allmählich zu dämmern. Die US-Wahl wird eine zwischen Cholera und Pest sein. Und selbst die Wahl der Nicht-Wahl steht als Option nicht mehr zur Verfügung: zu bedeutend ist die Entscheidung.

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Der kleine Unterschied

Mängel und Schicksale haben wir alle gemein, die Tugenden gehören jedem besonders. (Goethe: Dichtung und Wahrheit)

Was immer dir Gutes widerfährt, ist von Allah, und was immer Böses dir widerfährt, ist von dir selber. (Koran: Sure 4.79)

Glauben und Gottesbeweis

Man mißtraue allen Gläubigen, die durch Krise, Krankheit, Krieg zum Glauben finden. Sie mißbrauchen Gott und das Numinose als Psychotherapie und mißverstehen ihr kleines persönliches Unglück als ontologisches oder kosmologisches Ereignis. Es ist ihnen im Grunde genommen gleich, ob Katholizismus, Buddhismus, Islam oder New Age …, denn alles kann zum „Ausstieg“ dienen.

Man mißtraue allen Gläubigen, die in eine Religion hineingeboren wurden, denn sie hatten nie die Chance einer unabhängigen Entscheidung. Man erkennt sie an der prinzipiellen Affirmation: sie kennen den Zweifel nicht.

Man mißtraue allen Gläubigen, die sich rational für einen Glauben entschieden haben, denn sie machen die Früchte ihres bescheidenen menschlichen Räsonierens, ihrer geistigen Unvollkommenheit zum Maßstab diviner Existenz.

Man mißtraue allen Gläubigen, die durch eine Offenbarung, durch das praktische Erleben Gottes, zum Glauben finden. Ihnen ist ein persönliches Erlebnis – vielleicht nichts anderes als die Erfahrung des Fürsten Myschkin – zum Schlußstein geworden.

Nur der Skeptiker kann ein wahrhaft Glaubender werden, denn der wahre Glaube muß sich ständig und immer wieder am Zweifel erweisen, er muß permanent errungen werden, sich selbst negieren und geht im Moment der absoluten Gewißheit – die der wirkliche Glaube ist – verloren.

Aber wie ist Glauben dann noch möglich, wer kann dann noch selig werden? Es bedarf des „Sprungs in den Glauben“, wie Kierkegaard es nannte, jenen paradoxen Akt, der Bejahung und Verneinung vereint und:

„Es ist leichter, daß ein Kamel durch ein Nadelöhr gehe, denn daß ein Reicher ins Reich Gottes komme. Sie entsetzten sich aber noch viel mehr und sprachen untereinander: Wer kann denn selig werden? Jesus aber sah sie an und sprach: Bei den Menschen ist’s unmöglich, aber nicht bei Gott; denn alle Dinge sind möglich bei Gott.“ (Markus 10.25ff.)

Ist damit das Christentum als kulturkonstitutiv abgetreten? Mitnichten. Wir müssen uns im christlichen Erbe verorten, nicht weil es wahrer oder besser ist als anderes, sondern weil es unseres ist.