Faß mich nicht an!

Geht es nur mir so? Zeitunglesen macht immer depressiver. Immer öfter erwische ich mich, wie ich traurig vor einer Nachricht sitze und nicht fassen kann, was ich da gerade las. Oft sind es nur Kleinigkeiten. Fast immer stellt sich ein Gefühl des Erstickens ein. Deutschland ist ein sehr enges Land geworden! Ein Land der Verbote, des Tabus, der Schranken. Nein, ich meine nicht die Schranken an den Grenzen, die sich eine Barley nicht mehr vorstellen kann, ich meine die Schranken in den Köpfen.

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Nachwirkende Vorverurteilung

Was immer der Attentäter von Christchurch bezweckt haben mochte, das meiste dürfte gescheitert sein. Vor allem: vom unvorstellbaren und sinnlosen Leid abgesehen, das er unschuldigen Menschen bereitete, hat er der Widerstandsbewegung, deren Teil und Protagonist zu sein er vorgab, schweren Schaden zugefügt.

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Berlins Köln

Berlin hat nun sein Köln. Was am 21.3.2019 auf dem Alexanderplatz passierte, mag weniger drastisch als die Kölner Silvesternacht gewesen sein, ist aber ebenso signifikant. Es wurde ein Präzedenzfall geschaffen, der sich jederzeit wiederholen kann und vermutlich auch wiederholen wird. Wie damals steht auch heute die Presse, trotz jahrelanger Vorbereitungsmöglichkeit, ohnmächtig vor diesem Phänomen. Vor Schreck verbreitet man überall einen Einheitstext – besser keine eigene Meinung haben!

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Die Verbotskultur

Irgendwann werden wir uns wohl ein neues Auto zulegen müssen. Der 20 Jahre alte Golf fährt noch immer zuverlässig, jedoch unter gelegentlichem Stöhnen und Ächzen. Aber ein Auto, bei dem ich das Fenster nicht mehr eigenständig hoch und runter kurbeln kann, kommt für mich nicht in Frage.

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Die Satanischen Verse

Vielleicht sehen sie auch, daß die Kontroverse um die Satanischen Verse im Grunde ein Streit um die Frage war, wer die Macht über die große Erzählung, die Geschichte des Islams, ausüben soll, und um die Meinung, daß diese Macht allen Gläubigen gleichermaßen zusteht. (Salman Rushdie)
Romanfiguren werden geschaffen, damit sie auf eigene Rechnung leben. (Umberto Eco)

Vor 30 Jahren wurde die Fatwa gegen Salman Rushdie, den Verfasser des bedeutenden Buches „Die Satanischen Verse“, verhängt.

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Klassiker des Vegetarismus

Der Artikel „Warum ich kein Vegetarier bin“ wurde für eine Zeitschrift geschrieben. Dort wurde mir mitgeteilt, daß momentan „der Impuls fehle“, das ins Heft zu bringen. Das schien mir einleuchtend, bin ich mir doch der Unzulänglichkeit des Artikels bewußt. Es ist ein denkerischer Weg – ich bin noch nicht am Ende.

Die Zeitschrift unterlegt ihre Artikel mit signifikanten Randzitaten. Hiermit präsentiere ich in willkürlicher Reihenfolge die von mir vorgeschlagenen Zitate.

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Die Frage der Menge

Kürzlich wurden öffentliche Äußerungen nach einem gesetzlichen Fleischverbot laut. Dieses könne man – ähnlich wie bei der Feinstaubbelastung durch Dieselfahrzeuge – gerichtlich durchsetzen. So argumentiert etwa die „Vegane Gesellschaft“: „Wer A sagt und gerichtliche Fahrverbote durchsetzt, muß auch B sagen und Fleischverbote durchsetzen“.

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Schweinefarbene Menschen

Dieser Tage trafen wir uns mit den dänischen Freunden auf eine Tasse Kaffee. Während die Frauen Strickangelegenheiten diskutierten, plauderten die Männer ein wenig über dänische Politik. Es ging um die Neujahrsansprache der Königin und des Ministerpräsidenten. Dabei fiel der Satz – vom dänischen Gesprächspartner: „Die Dänen sind eigentlich nur Klone der Deutschen mit kleinen Abweichungen.“

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Ist es Angst?

Nur eine Hypothese. In Deutschland herrscht die Angst – in der „freien Gesellschaft“. Die einen fürchten sich vor Rechten, die anderen vor Linken, jene vor zu vielen Fremden, diese wiederum vor zu großer Homogenität. Kriminelle Flüchtlinge, aggressive Antifa auf der einen Seite, Hetzjagden und Hooligans auf der anderen. Die einen haben Angst, privat ihre Meinung zu sagen, andere fürchten den Verfassungsschutz oder irgendein anderes Netzwerk …

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Ungarn 1956

„1956 ist auch für die Nachgeborenen eine unerschöpfliche Quelle geistiger, politischer und moralischer Kraft geblieben.“ Paul Lendvai

Erst in Ungarn wird einem bewußt, was der Herbst 1956 wirklich war und was er den Ungarn bedeutet. Selten wird Engels‘ Diktum[1] von den „sich mannigfaltig durchkreuzenden“ Interessen, die stets zu einem von keinem Teilnehmer gewollten historischen Ergebnis führen, den „verschiedenen Ständen“, einer „höchst verworrenen Masse mit den verschiedenartigen, sich nach allen Richtungen, durchkreuzenden Bedürfnissen“, „bald in offenem, bald in verstecktem Kampfe“ sich befindend, so klassisch bestätigt wie in diesen verwirrenden Herbstwochen.

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Du, Ministerin!

Es ist nicht einfach, ein hämisches Grinsen zu vermeiden, wenn man manche Geschichte hört – man sollte es aber versuchen. Denn sie wissen (noch immer) nicht, was sie tun.

Da geht zum Beispiel Inger Støjberg, die „Taffe“ der dänischen Regierung, ihres Zeichens Ausländer- und Integrationsministerin, zusammen mit der Gleichstellungsministerin in einen islamischen Frauenverein und will ein bißchen aufklären. Gleichstellung und so. Die „Berlingske Tidende“ brachte die ganze Dramatik des Geschehens in einem Hinterzimmer in Bispebjerg, im nördlichen Kopenhagen, auf wunderbar naive Weise ans Tageslicht.

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Der Twitter-Tod

Es ist wieder passiert – jemand hat sich zu Tode getwittert. Eine US-Schauspielerin setzt einen „rassistischen“ Tweet ab und im Handumdrehen wird die ganze Serie eingestellt, deren Star sie ist. Die Serie hat eine große Fan-Gemeinde. Sie einzustellen, dürfte der an schwerer PC leidenden TV-Gesellschaft weh getan haben, aber der selbst erzeugte Druck war größer und wird durch derartige Entscheidungen für folgende Fälle noch größer. Er wird eine Gefahr für künstlerisches und geistiges Schaffen überhaupt.

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Demokratie – ein schönes Wort

Am 29. April 1933 schreibt Kurt Hildebrandt an Stefan George: “Ich bin gestern in ‘die‘ Partei eingetreten. Die Beamten sind in den letzten Tagen in solchen Mengen übergetreten und eingetreten, daß ein Nicht-Eintreten geradezu Widerstand und freiwillige Selbstausschaltung bedeutet. Der Universität gegenüber könnte der Eintritt eine eher positive Bedeutung haben und ich glaube, es besteht kein Grund, dieser auszuweichen.“

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Mehr zum Thema

Die Besessenheit einiger rechter Portale, jede öffentlich gewordene Straftat eines Ausländers oder Migranten zu einem gruppentypischen ethnischen Problem zu machen, ist ein großer Fehler, der von der wahren Dimension der Migrationskrise, die vor allem im unaufhaltsamen Kulturwandel und Kulturverlust zu sehen ist, ablenkt. Menschen sterben und werden geboren – Kulturen verschwinden für immer und nehmen dabei nicht selten Millionen mit einer Kelle mit.

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Gehört Merkel zu Deutschland?

Es war ihre große Chance – die idiomatische Wendung spricht von „letzter Chance“, aber Merkel hat es geschafft, den Sinn der Vokabel radikal ins Gegenteil umzudeuten.

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Der Heimatbegriff der Magyaren

Zum 15. März

Aus den beeindruckenden Wortkaskaden in Sandor Petőfis Gedicht „Europa schweigt“ („Europa csendes“) ragt in der dritten Strophe ein seltsamer Fremdkörper heraus, der den Fluß der Alliterationen und das wellenhafte Auf und Ab der Satzmelodie wie eine scharfe Zäsur seltsam zu stören scheint.

Oh hon“ heißt die Vokabel und sie kann vielleicht einiges erklären.

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Déjà-vu in Dresden

Ich mache mir Sorgen! Um meine Gesundheit. Im „Focus“ muß ich hören, daß Dauer-déjà-vus Symptom ernsthafter psychischer Krankheiten sein können.

Zugegeben, wenn der Angstgenerator „Focus“ die Wahrheit sagte, dann müßte ich schon lange an zerfressener Leber, Bluthochdruck, Diabetes 1, 2 und 3, Alzheimer, Demenz und Parkinson im Gesamtpaket, Haarausfall und 27 Krebsarten – außer Prostata natürlich! – zugrunde gegangen sein.

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Deutsch im Grundgesetz?

Deutsch ist, wessen Muttersprache Deutsch ist, wer seine wahrsten und tiefsten Gedanken in deutscher Sprache denkt, wer in dieser Sprache liebt. (Karl Jaspers)

Man mag darüber streiten, ob die deutsche Sprache ausdrücklich im Grundgesetz verankert gehört, wie die AfD gerade forderte, oder ob die bisherigen Regelungen genügen. Fakt ist, daß vor einigen Jahren ein gleichlautender Vorstoß der CDU wenig Aufregung erzeugte, während der sachlich und durchaus wohl überlegte Antrag der AfD von allen Fraktionen vehement abgelehnt wurde.

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Zorn und Thymos

„Zorn ist der Regent der Welt“
(Luther)

In der reflektierenden Rückschau auf Kirks Jesus-Roman wird sich dem Leser die hochaktuelle Frage nach dem Zorn stellen, der so prominent wie geheimnisvoll als Titel über dem Buche prangt. Welcher Zorn? Wessen Zorn? Wer ist hier der Vater, wer der Sohn?

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Das dritte Geschlecht

Das dritte Geschlecht. — „Ein kleiner Mann ist eine Paradoxie, aber doch ein Mann, — aber die kleinen Weibchen scheinen mir, im Vergleich mit hochwüchsigen Frauen, von einem anderen Geschlechte zu sein“ — sagte ein alter Tanzmeister. Ein kleines Weib ist niemals schön — sagte der alte Aristoteles. (Nietzsche: Die fröhliche Wissenschaft)

Wir lesen in den Gazetten: „Das Bundesverfassungsgericht fordert, daß künftig ein drittes Geschlecht im Geburtenregister eingetragen werden kann. Intersexuellen Menschen, die weder männlich noch weiblich sind, solle damit ermöglicht werden ihre geschlechtliche Identität „positiv“ eintragen zu lassen, entschieden die Karlsruher Richter in einem am Mittwoch veröffentlichten Beschluß.“

Was auf den ersten Blick wie ein zu begrüßender Akt der Gerechtigkeit klingt, enthält eine ganze Reihe an inneren Problemen.

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