Der große Austausch

Das Massaker von Christchurch und die unsägliche Affäre um Martin Sellner hat den Topos des „großen Austausches“ wieder an die Oberfläche der medialen Wahrnehmung gespült. Dort wird er nahezu unisono als „Verschwörungstheorie“ behandelt. Die Art und Weise, wie die meisten Journalisten und Experten über den Begriff oder den philosophischen Überbau der „Identitären Bewegung“ schreiben, deutet darauf hin, daß sie sich weder mit dem Gründungsdokument dieses Erklärungsansatzes noch mit den zahlreichen Veröffentlichungen Sellners und anderer Identitärer – hervorzuheben ist etwa Patrick Lenart – unvoreingenommen auseinandergesetzt haben.

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15. März in Ungarn

Sándor Petőfi und das Nationallied

Er war der erste, der in den einfachen Menschen das Bewußtsein weckte, was es eigentlich bedeute, ein Volk zu sein. Was das Wort „Heimat“ bedeute. Und damit verbunden, das Wort „Freiheit“. Denn er konnte beide nicht voneinander trennen.  László F. Földényi

Schon Tage zuvor tauchen sie auf, die Nationalkokarden in den ungarischen Landesfarben. Zuerst auf den Märkten, dann in den Auslagen und Schaufenstern und schließlich an den Revers, Schals und Kragen der Menschen. Bald ist der 15. März, der Nationalfeiertag.

Ungarn hat mehrere davon, doch die Erinnerung an die Revolution von 1848 sitzt am tiefsten, auch wenn sie von allen Regimes und Regierungen immer wieder instrumentalisiert und umgedeutet wurde. Eine Umfrage Ende der 90er Jahre sah den 15. März mit mehr als 50% Zustimmung weit in Front, immerhin wollten viele noch den 20. August, den Sankt-Stephans-Tag als bedeutsamstes Ereignis sehen, aber nur 4% werteten den 23. Oktober hoch, der Tag, an dem 1956 der Ungarische Aufstand losbrach[1].

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Hotel Amerika

Es gibt in Plauen eine Bücher-Telefonzelle. Man stellt ein Buch hinein und nimmt sich eines heraus – im Idealfall. Funktioniert seit drei Jahren recht ordentlich. Deswegen gehe ich nie ohne ein, zwei ausrangierte Schwarten in die Stadt. Man fischt dort keine Edelsteine heraus, aber da es praktisch nichts kostet und für mich nur Recycling ist, kann man mal etwas mitnehmen, was man sonst nicht kaufen würde, mal was probieren.

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Der lange Marsch in die Heimat

Als ich vier Wochen später bei Frau Schadt sitze, komme ich mir wie ein Medium vor, das die beiden Frauen, die beiden Schicksale (wieder) miteinander verbindet. Als Kinder wohnten sie nur ein paar Schritte voneinander entfernt, beide saßen im Herbst 47, bei der Vertreibung nach Deutschland, im selben Zug, im Viehwaggon und hatten anfangs vergleichbare Erfahrungen gemacht, aber die eine ist in Deutschland, der späteren DDR geblieben, ist auch nominell Deutsche geworden, die andere ist zurück nach Ungarn gelangt und hat eine Doppelexistenz geführt.

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Ein Flüchtling kreuzt seine Spur

Es gibt hier, im Süden Ungarns, eine kleine Quartalszeitschrift, die „Batschkaer Spuren”. Ein ungarndeutsches Magazin, von Ungarndeutschen für Ungarndeutsche, ein Traditionsblatt, das zwar keine lange Geschichte aufweisen kann, aber an der Aufarbeitung einer solchen und dem Kampf gegen das Vergessen arbeitet.

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Gut eincremen!

Eine Petitesse, aber signifikant.

Steinmeier war auf den Galapagos-Inseln, um das Klima zu retten. Das läßt sich dort ganz besonders eindrücklich machen. Man grüßt einen Fregattvogel mit „Hi“, man läßt sich abphotographieren, man mahnt ein wenig und man steigt in seine Maschine … Schwamm drüber. Sollen sich die Moralisten drum kümmern.

Eine kleine vielsagende Szene spielte sich am Flughafen ab, die mehr ausdrückt als alles Multikulti-Gerede.

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