Die tiefe Ordnung der Aufgaben

Sándor Márai: Das Kräuterbuch LVIII

Über die Ordnung der Bewegungen

Achte darauf, daß du nichts überstürzt und in deiner Arbeit, deinem Gesellschaftsleben, ja, in deinen tagtäglichen Handlungen die strenge Folgerichtigkeit der Tatsachen und Umstände befolgst.

Versuche nicht, zwei Dinge gleichzeitig mit zwei Händen zu machen. Wenn du einen Brief schreibst, dann höre nicht auf das Telefon. Wenn du rauchst, versuche nicht zugleich deine Luftröhrenentzündung zu heilen. Wenn du liest, dann höre keine Musik. Und vor allem: Achte auf die tiefe Ordnung von Aufgaben und Umständen.

Den menschlichen Aufgaben liegt eine gewisse Fingerfertigkeit zugrunde; es schadet nicht, das zu lernen. Wenn du etwas festhältst, dann halte es mit beiden Händen fest, wenn du etwas losläßt, dann lasse es bewußt los und mit allen Konsequenzen, wenn du sprichst, dann laß dein Wort in der Zeit stehen wie einen Stein, wenn du dich über etwas freust, dann freue dich ohne Vorbehalt.

Das Leben hat auch eine handwerkliche Komponente; und die gewöhnlichen Tage haben ebenso ihren Kunstgriff. Und der Montag auch seine Plagen[1]. Achte auf deine Bewegungen. Der meisten menschlichen Unglücke Grund ist nicht die griechische Göttin des Unheils[2], sondern die Ungeschicklichkeit, Trägheit, Schlampigkeit. Erlerne dieses Handwerk, das Leben, bleibe Meister des Lebens in Bewegung und in Aktion.

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[1] Kontár – „Stümper“
[2] Ate
Übersetzung: Seidwalk

3 Gedanken zu “Die tiefe Ordnung der Aufgaben

  1. Pérégrinateur schreibt:

    Sie übersetzen das Wort für Stümper mit Plagen?!

    Seidwalk: Ungern und nach langem Hin und Her. Ich tue mich schwer, diesem Satz oder Gedanken einen wirklich reibungsfreien Sinn zu geben. Hatte dazu auch einen Dialog mit einer Muttersprachlerin, aber wir sind auf keine glatte Lösung gekommen. Deswegen die Fußnote nebst Ursprungsvokabel. „Kontár ist zudem ein eher seltenes Wort, die Wörterbücher geben es in seiner substantivischen Form mit: Pfuscher, Sudler, Dilettant, Patzer, Stümper, Schuster wieder. Sicher, diese Bedeutung würde gut zum „handwerklichen“ passen …
    Bitte gehen Sie davon aus, daß solche Passagen nicht leichtsinnig übersetzt werden – eher zu durchgrübelt, was freilich auch nicht immer hilfreich ist.
    Ich kann es nur immer wieder wiederholen: auch Muttersprachler haben offensichtlich Probleme, den Máriaschen Gedanken und Konstruktionen zu folgen.
    Sie halten den „Stümper“ also für passender? Wie wäre das zu verstehen?

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    • Fuzzer schreibt:

      Der Satz ist ja fest in einer Klammer anderer Sätze eingebettet, die den Substandardcharakter ebenso betonen wie die absolute Überzahl der genannten Wörterbuchbedeutungen. Vielleicht gibt’s ja im Ungarischen auch ein Sprachbild wie das deutsche „Montagsgerät“, eine Affinität dieses Tags zur Fehlerhaftigkeit menschlichen Verhaltens?

      Seidwalk: Für Interessenten – vielleicht findet jemand eine bessere Lösung:

      Vigyázz arra, hogy soha ne kapkodj, s munkádban, a társaséletben, igen, a köznapi cselekedetekben is engedelmeskedj a tények és helyzetek szigorú következetességének. Ne akarj két kezeddel kétféleképpen cselekedni ugyanabban a pillanatban. Mikor levelet írsz, ne hallgasd a telefonkagylót. Mikor dohányzol, ne akarj egyidejűleg meggyógyulni légcsőhurutodból. Mikor olvasol, ne hallgass zenét. És főként: figyelj a feladatok és helyzetek mély rendjére.
      Van egyfajta kézügyesség az emberi feladatok alján; ezt nem árt megtanulni. Ha megfogsz valamit, fogd két kézzel és erősen, ha elengedsz valamit, engedd el tudatosan és minden következménnyel, ha szólsz, álljon szavad az időben, mint a kő, ha örülsz valaminek, örülj fenntartás nélkül. Van valamilyen kézművességi része is az életnek; s a köznapoknak is van mesterfogása. S a hétfőnek is van kontára. Figyelj mozdulataidra. A legtöbb emberi szerencsétlenség oka nem is a görög balsors, hanem az ügyetlenség, tunyaság, lomposság. Tanuld meg ezt a mesterséget, az életet, maradj az élet mestere mozdulattal és cselekedettel is.

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    • Pérégrinateur schreibt:

      Ich weiß gar nichts, da ich gar nichts verstehe.

      Ins Blaue geschossen: Könnte es sein, dass der letzte Satz in der Passage „Das Leben hat … . Und der Montag auch seine Plagen.“ sich irgendwie auf die (Luther-)Bibelstelle „Sorget nicht für den morgigen Tag; es ist genug, dass jeder Tag seine eigene Sorge habe“ (aus dem Gedächtnis zitiert) bezieht?

      Wenn man beim Herübersetzen eine Partie gar nicht versteht, ist es zuweilen eine Anspielung auf ein einem selbst unbekanntes Sprichwort, eine Fabel, allgemein einen Bildungstext in der Fremdsprache, den selbst ihre ungarischen Muttersprachler mangels Máraischen Bildungshintergrunds vielleicht nicht verstehen.

      Gibt es vielleicht ein ungarisches Sprichwort über Schuster und Montage? Pfuscht man gern an Montagen und leidet dann darunter? Sie sehen, ich suche schon diffus.

      Seidwalk: Eben mit der Bibel im Sinn, hatte ich hier versucht durch die „Plage“/“Sorge“ – je nach Übersetzung – auf ein Sprichwort zu rekurrieren. Wenn es dieses Sprichwort im Ungarischen geben sollte, dann ist es meinen Kontakten unbekannt und auch das Internet gibt nichts her. Auch der biblische Rückbezug funktioniert nicht.
      Matthäus 6.34: “ Elég minden napnak a maga baja.“ – baj – Leid, Not, Plage
      Die Frage ist vielmehr, ob man so eine Passage – wenn man sie gar nicht lösen kann – einfach wegläßt oder stillschweigend „korrigiert“. Das klingt zwar empörend, ist aber Usus im Übersetzungsbusineß. Terézia Mora z.B. scheint das zu machen.

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