Über die Schulmedizin

Vor ein paar Jahren litt ich an einer Gastritis, die sich zu einem Magengeschwür entwickelte. Die Schulmedizin sah eine einwöchige Antibiotika-Keule aus drei verschiedenen Einzelmitteln vor: ZacPac. Gefürchtet und verteufelt von den einen, hoch gelobt von den anderen. Also entschied ich mich für die alternative Tour. Kräutertees, Rollkuren, Entspannungstraining, Heilerde, Haferschleim, Leinsaataufgüsse … Ich aß rohe Kartoffeln, lutschte Süßholz, nahm Natron zu mir und ließ sogar den unglaublich teuren Manuka-Honig aus Neuseeland in der höchsten Dosierung langsam auf der Zunge zergehen[1]. Auch zur Homöopathin ging ich – die mir bei einem früheren Problem ganz unzweifelhaft geholfen und auch diesmal zumindest für Erleichterung gesorgt hatte – und ließ 200 Euro bei ihr für ein gutes Gespräch. Am besten taten mir die vielen Liter frisch gepreßter Weißkohlsaft, die ich über Monate in mich hineingoß, täglich einen Liter – das ganze Haus roch nach Kohl wie ein russischer Soldatenschlafsaal früh morgens bei geschlossenem Fenster.

Hat es geholfen? Ja, ganz ohne Zweifel! Immer ein bißchen. Ich konnte das innere Feuer auf verdeckter Glut halten, zwei Magenspiegelungen bewiesen die Verhinderung der Verschlimmerung, aber nie bekam ich es wirklich ausgetreten. Die garstigen kleinen Helicobacter-pylori-Bakterien fühlten sich im halbsauren Medium sichtlich nicht wohl, aber sie wollten auch nicht weichen. Also entschied ich mich nach mehr als einem Jahr zur „kleinen Chemotherapie“, wie die ZacPac-Gegner das Wochenprogramm gern nennen. Von schlimmer Übelkeit wurde berichtet, von schwersten Durchfällen und dauerhaften Schäden der Darmflora, von Geschmacksverlust und was weiß ich noch alles. Dennoch: nun mußte es sein. Zwei Mal am Tag nahm ich je eine weiße, eine hellgelbe und eine gelbe Tablette und das sieben Tage lang: 42 Tabletten in sieben Tagen, das war mehr als vermutlich in fast 50 Jahren. Und was geschah? Nichts! Ich spürte nichts, keine Nebenwirkungen, alles wie normal und schon nach wenigen Tagen war auch im Bauch klar, daß das Problem erledigt ist. Ein Helicobacter-Test ein paar Wochen darauf bestätigte den Befund und seither ist Ruhe – selbst Pálinka und Paprikapaste können mir nichts mehr anhaben.

Dieser Tage nun plagte mich eine Angina oder eine Rachenentzündung oder eine Seitenstrangangina … ich weiß es nicht, es schmerzte nur fürchterlich im Hals, es fühlte sich an, als habe man mir einen rostigen Nagel – von innen! – in den Hals, gleich über den Kehlkopf, genagelt, der bei jedem Schlucken im wunden Fleisch wühlte. Wieder das ganze Programm: Gurgeln, Kräutertee literweise, Nasenspülung, Nasensprays, Inhalationen alle zwei Stunden – die immerhin als einziges kurzzeitig den Nagel etwas ölten -, Manuka, alle Sorten Lutschbonbons, Salbei, Birkenporling, Süßholz … nichts half. Am fünften Tag führte mich die Verzweiflung an einer Ibuflam 600 mg – einer Form des Ibuprofens – vorbei, die ich noch nie in meinem Leben genommen hatte, ich warf sie kurzentschlossen ein, legte mich zu Bett, schlief seit Tagen zum ersten Mal wieder durch, zehn Stunden am Stück, und wachte morgens auf und es war weg! Weg! Wie von Geisterhand: einfach verschwunden.

[1] Selbstverständlich verzichtete ich auch auf alle scharfen, alkoholischen, fetten, sauren, süßen Speisen und Getränke – das tut man von ganz allein.

2 Gedanken zu “Über die Schulmedizin

  1. Nordlicht schreibt:

    Es tut mir gut, dies zu lesen, denn ich bin ein entschiedener Befürworter der modernen Medizin. Ich hatte bis Mitte 2020 auch eine grundsätzlich positive Einstellung gegenüber Ärzten, ob niedergelassene oder in Klinikärzte; das hat sich etwas geändert.

    Die „Schulmedizin“ hat sich seit geraumer Zeit für evidenz-basierte Behandlungsmethoden festgelegt, in Krankenhäusern orientiert man sich also an bewährten Methoden. (Bei niedergelassenen Ärzten ist das Spektrum notwendigerweise grösser, und etliche machen sicherlich idiotische Therapien.)

    Seit Corona steht es schlecht um die Evidenz-Basierung. Das galt- so las ich – besonders in den ersten ca. 10 Wochen zB in den Kliniken mit dem exzessiven Einsatz von intubierten, damit notwendigerweise auch langanhaltend „schlafen-gelegten“ Patienten. Dass ein großer Teil der Alten davon nicht mehr aufwachte, ist klar.

    Die Evidenzbasierung spielte auch keine Rolle bei dem Impfwahn. Nach und nach kommen Erkenntnisse über tatsächlichen Nutzen und erlittene Schäden, die als Basis für zukünftige Impfempfehlungen in die Gremien durchsickern werden. Ich bin guten Mutes, dass die Datenlage auch für Therapien so stabil sein wird, dass sie für evidenz-basierte Empfehlungen reicht.

    Ich bin nicht gegen die sog. alternative Medizin, wer sich für diese und gegen Schulmedizin entscheidet, möge das tun. In deren „Schulen“, d.h. in der medizinischen Ausbildung, wird auch das behandelt und in vielen Uni auch gelehrt. Viele heutige niedergelassene Ärzte gehen mit den chemischen Keulen erheblich zurückhaltender um als in den 60er und 70ern. Und auch bei Krebserkrankungen wird das Vorgehen erheblich feinfühliger und menschlicher mit den Erkrankten abgestimmt als früher.

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  2. Stefanie schreibt:

    Dafür kann es laut den gängigen Immunisierungstheorien nur eine Erklärung geben: Daß Sie die chemische Keule so gut weggesteckt und ihre Malaisen so trefflich niedergerungen haben, liegt natürlich darin begründet, daß Sie sich zuvor mit Weißkohlsaft und Manukahonig geboostert hatten. 👩‍🎓🙂

    Pérégrinateur: Sie rutschen mir hier bedenklich in die gesundheitsschutzrelevante Delegitimierung des Glaubens an den allwissenden und allmächtigen Staatsgottes hinein. Bitte Proskynesis und keine Ironie.

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