Linkes oder rechtes Ruder?

Schon vor drei oder vier Jahren, als die Grünen einen ersten und scheinbar irrationalen Höhenflug hatten, schrieb ich, daß man sie nur regieren lassen müsse, um sie langfristig zu erledigen. Zumindest als Partei, die Regierungsmacht zu übernehmen droht. Als Ideologie sind sie freilich längst ins Mark dieser Gesellschaft eingesickert. Das Problematische an diesem Gift ist die Mischung aus absolut notwendigen Grundeinsichten und Vorhaben, deren Essenz zu bewahren und zu nutzen ist, und einer hochtoxischen Ideologie, Aktionsextremismus gepaart mit politischer Selbstverdummung.

War 2015 ein Schock, der noch immer tief im eigenen Gewebe sitzt, so spüre ich nun zunehmend die Wiederholung dieser Ohnmacht. Fassungslos schauen wir dabei zu, wie verbohrte und inkompetente Politiker ein ganzes Land in vollem Bewußtsein an die Wand fahren, nicht irgendein shithole-country, sondern einen wirtschaftlichen und kulturellen Zentralort der letzten 300 Jahre.

Mehr noch als der Verfall – er ist einer jeden Entwicklung eingeschrieben und immer nur eine Frage der Zeit – ist es die Arroganz und Idiotie der Macht, mit der dieser aktiv vorangetrieben wird. Die menschlichen Schäden sind noch nicht absehbar. Sie können von zehntausenden Individualdramen bis hin zum kompletten Systemkollaps reichen und zwar innerhalb weniger Jahre.

Wir befinden uns in einer globalen Akzelerationsspirale, in der alle Verfallsprozesse sich synergetisch verstärken und auf einen Crashpunkt zurasen. Zu den langfristigen unlösbaren Problemen wie Erderwärmung, Umweltkatastrophen, Ressourcenknappheit, Überbevölkerung, destruktiven Marktzyklen, Aporien der Demokratie und Globalismus, also sinnlosen gegenseitigen Abhängigkeiten usw., kommen etwa politische, epidemische und kriegerische Fehlentscheidungen hinzu. Alles ist miteinander verwoben und beschleunigt sich gegenseitig.

Zum ersten Mal lese ich in einem führenden Blatt über die wahren Ausmaße des Desasters. Im Focus werden ein paar wesentliche Effekte beschrieben; man wagt sogar den Morgenthau-Plan anzuführen – das war bisher vermintes Gebiet. Nur ist nicht Putin der primär Verantwortliche – er ist es sekundär – für die Deindustrialisierung Deutschlands, sondern unsere links-grün-indoktrinierte Polit- und Medienelite.

Man könnte die Grünen damit entschuldigen, daß keine Macht der Welt das Ende der Epoche aufhalten kann. Dennoch ist es die Aufgabe der Politik, dies wenigstens zu versuchen, die Schäden zu vermindern, den Prozeß zu verlangsamen, ihn – soweit als möglich – sinnvoll zu steuern und die kulturellen Errungenschaften zu retten. Man muß ihnen daher viel eher vorwerfen, eine Beschleunigung anzustreben. Diese wird nicht, wie sie vielleicht der eine oder andere erhofft, zum grünen, ökologischen Rückbau führen, sondern vielmehr zum Kontrollverlust.

Die Rechte setzt nun Hoffnungen auf ein eigenes Erstarken. Schon glaubt man, die Erfolge der Schwedendemokraten oder der zu erwartende Sieg der Fratelli d’Italia wären Wenden. Ein fataler Irrtum. Es ist kein Platz und keine Zeit mehr für Wenden, weder grüne noch konservative.

Vor ein paar Tagen hatte ich mir eine Rede Giorgia Melonis angehört. Bei allem im Detail Richtigen was sie sagte, lautete der Subtext doch: Ohnmacht. Sie wird – in Italien zumal – genauso kläglich scheitern – wenn auch anders – wie Salvini oder jede andere Regierung in aussichtsloser Lage. Jede Radikalmaßnahme wird schon aufgrund dessen scheitern, gar nicht mitgerechnet, daß Medien und große Teile der Öffentlichkeit nicht mitziehen werden.

Es gibt für die globalen Probleme keine politischen, also keine kleinen Lösungen mehr. Wir treiben in einem Boot mit zerbrochenem Ruder auf einen Wasserfall zu, schneller und schneller. Mit dem letzten Paddel hektisch hin und her rudern macht die Sache nur noch schneller. Allein ein überlegener und gelassener Steuermann – ein Metapolitiker – könnte durch gekonntes Einsetzen des Paddels als Ruder das Boot immerhin noch in Randgewässer lenken – langsam und mit viel Zeit, und dennoch nicht vor Sofortmaßnahmen zurückschrecken.

Eine aktivistische Rechte wird das Chaos nur verschlimmern.

Mit dem Bild des auf den Schlund zulaufenden ruderlosen Bootes beginnt Albert Wass‘ Roman „Die Spur verliert sich“. Dort sitzen sechs hilflose Knaben darin. Aber dann, unmittelbar vor dem Abgrund stoppt das Boot. Weder ein Pfahl, noch ein Stein werden an der Stelle gefunden, das Ganze bleibt ein Mysterium.

Nur noch ein Gott kann uns retten.

siehe auch: Nur noch ein Gott?

6 Gedanken zu “Linkes oder rechtes Ruder?

  1. Ricardus Maximus schreibt:

    „Das Problematische an diesem Gift ist die Mischung aus absolut notwendigen Grundeinsichten und Vorhaben, deren Essenz zu bewahren und zu nutzen ist, und einer hochtoxischen Ideologie, Aktionsextremismus gepaart mit politischer Selbstverdummung.“

    Danke, Herr S. Das bringt es auf den Punkt. Die Grünen haben die richtigen Fragen und die Bereitschaft vieler Menschen gekapert, neue Wege zu gehen. Es gab eine Sehnsucht nach „dritten Wegen“ – und die Grünen boten sich an: „Wonach immer Du Dich sehnst – hier findest Du es.“ Und wenn man es auch nicht findet, so fällt zumindest ein Job ab: Von der Kreisgeschäftsführerin bis zum Staatssekretär, hunderte, tausende, zehntausende Jobs (man rechne alleine die Fraktions- , Partei- und Ministeriumsmitarbeiter; Beauftragte, NGOs, Windenergie-Profiteure…). Qualifikationen können helfen, es geht aber auch ohne. Das – diese Selbstbedienung und Inbesitznahme – muss maskiert werden, will man doch nicht einfach als Vorteilsnehmer vom System dastehen. Also ist man Ganz-Gut-Mensch. Der Glanz der Heiligkeit der Themen lässt sogar die Teilzeit-Kreisgeschäftsführerin noch etwas mitglänzen. Dann noch eine ordentliche Injektion Schuldkult, Kinder durch Masken zu angepassten Verhaltens- und Empfindungskrüppeln gemacht und den politischen Gegner als Feind markiert: Schon läufts. Wer wäre nicht gerne auf der Seite des Guten – vor allem, wenn die Alternativen zum schlechthin Bösen gehören.

    Die Grünen haben sogar die Volksentscheide aus ihrem Programm gestrichen – jetzt, wo ihre Einführung eine programmatische Mehrheit gehabt hätte. Aber der Raubzug soll nicht gestört werden…

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  2. Konservativer schreibt:

    Gewisse desaströse Entwicklungen laufen seit einiger Zeit beschleunigt ab, sozusagen wie im Zeitraffer. Ich sehe dabei nicht, daß in Deutschland konservative/rechte Aktivisten an diesen furchtbaren Entwicklungen direkt beteiligt sind, sie sind derzeit nicht in politischer Verantwortung.
    Inwiefern können aktivistische Rechte/Konservative das gegenwärtige Chaos verschlimmern, für das sie nicht verantwortlich sind?
    Sicher, wenn ein Auto mit Vollgas auf eine Mauer zufährt, dann rettet es die Insassen nicht, wenige Sekunden vor dem Aufprall für den Fahrer auf die Bremse zu treten, wenn der es nicht tun will.
    Thomas Hoof hat unser energetisches Problem vor 10 Jahren in dem Beitrag „Der Tanz auf der Nadelspitze“ anschaulich analysiert:
    https://sezession.de/37860/der-tanz-auf-der-nadelspitze

    Für die Zuspitzung der energetischen Krise, mit der wir es zu tun haben, gibt es Verantwortliche.
    Dazu Garland Nixon …

    Wenn es der Hausherr gestattet, etwas Musik zum Ausklang …

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    • Konservativer schreibt:

      Wenn es der Hausherr gestattet, hier eine Ergänzung meines Beitrags. Ich verfolge täglich das Narrativ der Mainstreammedien (Öffentlich-Rechtliche, Online-Beiträge der Welt, FAZ, etc.pp,), dazu Tichy, Achse des Guten, Reitschuster u.s.w., gegenwärtig vor allem in bezug auf den Ukrainekonflikt.

      Zu mir nur kurz dies: ich habe ca. 20 Jahre SPD und Grüne gewählt (bis einschließlich 2002), davor nur die Sozis. Studiert habe ich in einem explizit linken Studiengang (ca. 20% der Professoren waren -ebenfalls explizit- prosowjetisch). So war es.
      Anschließend habe ich, bis zur Rente, im Bereich Rehabilitation/Resozialisation gearbeitet.
      Gewisse Aha-Erlebnisse Anfang der 2.000 Jahre bewirkten meine sukzessive Wandlung zum Konservativen/Rechten. Meine Kollegen (und Vorgesetzten) auf der Arbeit waren durchweg Linke, zumeist Grüne. An der Pinwand im Teamraum hing der bezeichnende Spruch „Rote Karte gegen Rechts“. Dies nur zur Erinnerung, denn ich hatte es bereits in einem früheren Beitrag erwähnt.

      „Lebe selbst so, daß dein Leben das Menschenleben überhaupt wertvoll erscheinen läßt. Die Geschichte wird den Wert deines Lebens messen, durch sein Wollen und Wirken.“
      (Oswald Spengler, Urfragen, in: Fragmente aus dem Nachlaß, postum, S. 339)

      Als so etwas wie ein Gegengift gegen das hierzulande vorherrschende Narrativ: „Russland/Putin böse, die Ukraine und der Westen gut, Waffen an die Uraine liefern gut (je mehr, desto besser) und Deutschland als Kriegspartei auch gut, dagegen Friedensverhandlungen schlecht, Atomkrieg: Putin blufft nur, seine Atomwaffen sind veraltet“
      noch einmal ein Beitrag Garland Nixon, der mehr ins Detail geht (gewürzt mit einer Prise Humor):

      musikalischer Ausklang:

      Retreat From Moscow – „Constantinople“

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  3. Pérégrinateur schreibt:

    Ein Gott hilft uns sicher nicht, aber die Wunderwaffen unserer journalistischen Anführer aus Hameln gewiss:

    Der stromliefernde Fernseher
    Der Stromspeicher aus der Privatdieselforschung

    Die Vollständigkeit gebietet es zu erwähnen, dass es schon seit längerem journalistische Energiewenderettungsentdecker-EntdeckerInnen gibt. Vor einigen Jahren war in einem großen Medium – ich meine es war die Zeit, bin aber kein Entdecker und will es deshalb nicht selbstgewiss behaupten – zu lesen, wie man dem Problem des fehlenden nächtlichen Solarstroms ganz einfach abhelfen könnte. Man müsste nämlich nur ganz billig große hohle Glaskugeln produzieren und mit Wasser füllen, die dadurch als Brennglas für das Mondlicht dienen würden, das man so hinreichend konzentriert auf Solarzellen werfen könnte.

    Auffälligerweise haben vor allem Journalistinnen die Eier des Kolumbus im hellen Köpfchen. Daraus kann man nebenbei auch ersehen, wie überholt heute so ein alter weißer Mann wie Jonathan Swift ist, in dessen Akademie der Projektemacher nur Männer saßen. – Nun gut, zwar waren auch bei den obigen zwei Beispielen die eigentlichen Projektemacher Männer, aber das in allem viel wichtigere Marketing betreiben eben Frauen.

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  4. Andreas aus E. schreibt:

    Ach, wie schön ist es doch, morgens um kurz vor Fünf derartig entmutigenden Text lesen zu dürfen…
    Gleich, wenn es hell wird, werde ich einen Waldgang unternehmen, auf dem Rückweg beim Kolonialwarenhändler meines Vertrauens Aufwartung machen, mir Tetrapack köstlichen Rebentrunks und eine Büchse feinster Hopfenkunst anschaffen, um dann im Bette liegend darauf warten, daß der böse Russe kommt.
    Schönen Tag allseits 😉

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    • Pérégrinateur schreibt:

      Empfehlung, um Sie aufzumuntern:

      Gehen Sie auf der Rückweg, zur Vorbereitung auf den Winter, noch bei einem Eisenwarenhändler vorbei und dazu stibitzen Sie dann noch etwas aus einer ethnologischen Sammlung. Letzteres kann nicht als Diebstahl gelten, da man damit ja doch nur die Verbreitung falscher Narrative über edle Wilde verhindert; schlimmstenfalls wird die gute Tat mit einer Stunde Sozialarbeit bei der Berliner Humbug-Universität für geistig Andersbegabte geahndet, und die leistet man doch ohnehin gerne ab.

      Mit dem gekauften Eisendraht spannen Sie im Garten Stolperdrähte. (Die nötigen Holzpflöcke bitte nur mit einem glutenfreien Beil zuspitzen.) Es werden nämlich diesen Winter die grünen Blockwartinnen umgehen, um zu lauschen, ob nicht jemand heimlich duscht oder Fleisch isst oder unwertschätzend von den edlen Geschlechtern redet oder Feindsender hört. Das Beutegut stecken Sie mit dem eingesparten Duschwasser in den großen Kannibalentopf und kochen es dank aus dem Wald mitgebrachtem Holz zu einer schmackhaften Hühnersuppe . Ganz wichtig: Nicht aufwallen lassen, sonst wird die Suppe so trübe wie der dunkelste Novembertag. (Zugegeben, das ist schwierig bei diesem Kochgut.) Und die Beute unbedingt vorher köpfen, denn wenn Sie das Hirn mitessen, stecken Sie sich mit der mitteleuropäischen Mad chick disease an.

      Die Umsetzung darf natürlich erst dann stattfinden, nachdem der hochweise Bundestag des Mangels halber diese Ernährungsumstellung gesetzlich genehmigt hat, damit kann man allerdings sicher rechnen. Wer weiß, vielleicht darf man dann auch noch der EZB in Frankfurt den mitgefangenen roten Hahn schenken. Sonst läge Kevin allein zu Haus.

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