Was auf uns zukommt I

In der Nähe unseres Wohnortes gibt es ein kleines Spalier wild wachsenden Weines. Nicht leicht zu finden, denn ein Elektrohäuschen steht davor. Abnehmer für den Wein gab es bisher nie, seit mehr als 10 Jahren – wir waren die einzigen. Ende August bis Ende September nahm ich jeden Tag ein, zwei Trauben ab. Wir aßen sie. Den Rest – Anfang Oktober – verarbeiteten wir zu Saft. Zuckersüß war er dann schon, die ersten Beeren begannen Rosinen zu werden.

In diesem Jahr ist es anders. Seit gestern. Denn jemand hat klammheimlich alle Trauben abgeerntet, komplett, ratzekahl.

Vielleicht ein Zufall. Vielleicht aber auch ein Bote des nun Beginnenden. In Zeiten der Not nehmen die Leute, wo sie es finden können. Rücksicht auf andere wird schwinden. Bald wird man sich auch bestehlen und alles nehmen, was nicht niet- und nagelfest ist.

Notiz an mich selbst: Die Zeit der offenen Türen, der nicht abgeschlossenen Fahrräder, der sichtbaren Holzvorräte … ist vorbei. Vertrauen heißt verlieren – vigyázz!

2 Gedanken zu “Was auf uns zukommt I

  1. Salut Seidwalk, ein wirklich feiner Witz. Anderenfalls hätte ich Ihnen diese Chuzpe gar nicht zugetraut. Sie essen jahrelang fremde Beeren – übrigens von Trauben an Reben – ohne große Gewissensbisse, aber immerhin notierten Sie Ihre Konsequenzen nur für sich und schrieben sie nicht auf ein Schild am Elektrohäuschen für den Eigentümer der süßen Früchte 😉 OT: Wissen Sie vielleicht, wie man Franz Bettinger erreicht?

    Seidwalk: Dank! Sie wollen 7000 Seiten lesen? Schreiben Sie es in den Kommentar!

    romanfidel: Genau! Ist schon eine Weile her, da hofften wir, uns an einem Lagerfeuer treffen zu können.

    Seidwalk: Aber „Der Mann ohne Eigenschaften“, den haben Sie schon gelesen? Und Proust?

    romanfidel: Sie wurden wohl von einem Fliegerpfeil gestreift? Was soll das werden? Kennen Sie die Eltern von Adam Probst, oder sind Sie gar die Mutter?

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  2. Otto schreibt:

    „Die Zeit der offenen Türen, der nicht abgeschlossenen Fahrräder, der sichtbaren Holzvorräte … ist vorbei. Vertrauen heißt verlieren – vigyázz!“ War das in D, oder in Hu?

    Seidwalk: D natürlich.

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