Ein altes Soldatenlied

Soldatenlied

Ungarische Rock-Kultur Teil II

Dieses Lied berührt mich immer wieder aufs Neue. Vielleicht, weil die Geschichte auch Teil meiner Familienhistorie ist. Mein Großvater war sechs Jahre in russischer Kriegsgefangenschaft und kam erst fünf Jahre nach Kriegsende nach Hause. Und auch das stimmt nicht, denn seine Heimat gehörte nun nicht mehr zu Deutschland. Die Großmutter mußte 1944 allein mit drei Kindern fliehen, sie landete schließlich – wohl zufällig – in einem vogtländischen Dorf … das später meine Heimat werden sollte. Als der Großvater zurückkam, betrat er also eine fremde Gegend, die nun Heimat sein mußte. Meine Mutter lernte ihren Vater erst mit neun Jahren bewußt kennen … Weiterlesen

Was auf uns zukommt III

Daß Geschichte unverfügbar ist, zeigen die Anschläge auf beide Nord Stream-Leitungen. Daß sie dennoch eine Tendenz hat, wird davon ebenso bestätigt. Der Niedergang Deutschlands (des Westens) in kurzer Zeit ist die nun unaufhaltbare Tendenz, das konkrete Wie und Wann bleibt offen. Weiterlesen

In Deutschland muß niemand hungern!

Viele Menschen machen sich Sorgen: Was sollen wir essen, wenn alles teurer wird? Was sie nicht wissen: das Essen liegt auf der Straße, oder genauer; auf der Wiese oder hängt am Busch. In Deutschland muß niemand hungern – zumindest nicht von April bis November. Weiterlesen

Laß dich nicht erschrecken!

Sándor Márai: Das Kräuterbuch XLIX

Darüber, daß dich nichts erschrecken kann

Was kann dich erschrecken, wenn deine Seele ruhig ist? Wenn du die Eitelkeit niederringst, die Lüsternheit und die Gier? Welche Mächte können dich quälen, wenn du dich selbst nicht quälst? Was ist schon ein Gefängnis, wenn deine Seele frei ist? Was ist schon der Tod, wenn du die Welt und deine Seele kennengelernt hast und du nicht nach überflüssigen und peinlichen Dingen gierst? Weiterlesen

Linkes oder rechtes Ruder?

Schon vor drei oder vier Jahren, als die Grünen einen ersten und scheinbar irrationalen Höhenflug hatten, schrieb ich, daß man sie nur regieren lassen müsse, um sie langfristig zu erledigen. Zumindest als Partei, die Regierungsmacht zu übernehmen droht. Als Ideologie sind sie freilich längst ins Mark dieser Gesellschaft eingesickert. Das Problematische an diesem Gift ist die Mischung aus absolut notwendigen Grundeinsichten und Vorhaben, deren Essenz zu bewahren und zu nutzen ist, und einer hochtoxischen Ideologie, Aktionsextremismus gepaart mit politischer Selbstverdummung. Weiterlesen

Was auf uns zukommt I

In der Nähe unseres Wohnortes gibt es ein kleines Spalier wild wachsenden Weines. Nicht leicht zu finden, denn ein Elektrohäuschen steht davor. Abnehmer für den Wein gab es bisher nie, seit mehr als 10 Jahren – wir waren die einzigen. Ende August bis Ende September nahm ich jeden Tag ein, zwei Trauben ab. Wir aßen sie. Den Rest – Anfang Oktober – verarbeiteten wir zu Saft. Zuckersüß war er dann schon, die ersten Beeren begannen Rosinen zu werden. Weiterlesen

Für einen Analytischen Realismus

Gegneranalyse IV

Die Sorgen, die Enno Stahl – Autor bei JW und taz – umtreiben, kann man teilen. Die geliebte Literatur befindet sich in der Dekadenz, als zeitgenössische kommt sie kaum noch an die klassischen Vorbilder heran, es regieren die Egotrips, die gefühligen Ich-Erzählungen, die „narzißtischen Selbstentblößungen“, die „Bauchnabelperspektiven literarischer Pfeifenheinis und Flötentussis“, die Literatur hat ihren Status als „zentrales Instrument zur Übermittlung von Erfahrung, Weltwissen, Deutungsmustern und der Kritik am Bestehenden weitgehend verloren“, die Postmoderne hat trotz kritischer Einsätze der Analyse der Machtstrukturen zu einer „ironisch-distinktiven Haltung“ oder zu „anti-sozialistischen Säuberungen“ geführt, ist zu einem „Sidekick der neoliberalen Wirtschaft“ verkommen, kurz: es herrscht eine „literarische Anämie der Gegenwartsliteratur“ vor. Weiterlesen

Bollnow lesen!

Bollnows Pädagogische Anthropologie – die Erziehbarkeit des Menschen

Die Erziehbarkeit des Menschen – PDF

Pädagogik läßt sich weder von einem Ziel (Ethos) noch einem transzendentalen Grund oder einer weltanschaulichen Prädisposition als Wissenschaft herleiten, sondern nur aus der Konkretion, der historischen und der anthropologischen, auf dem Feld der Empirie. Es war die geisteswissenschaftliche Pädagogik (Schleiermacher und Dilthey), die diesen Begründungszusammenhang erkannte und ein methodisches Besteck zur Verfügung stellte, ihn produktiv zu bearbeiten. Weiterlesen

Verräter nicht bedauern

Sándor Márai: Das Kräuterbuch XLVII

Darüber, daß man den Verräter nicht bedauern soll

Erwirke in Verfahren gegen Menschen nach Möglichkeit Freispruch. Nur dann nicht, wenn du den Angeklagten des langsamen und kalten Verrats für schuldig befindest. Dem Mörder kann man schneller vergeben als dem Verräter. Weiterlesen

Die Maßlosigkeit im Leben der Gegenwart

Denkanstöße – Bollnow (1962)

Wir brauchen uns nicht damit aufzuhalten, den Geist dieser Maßlosigkeit in unserer Gegenwart im einzelnen sichtbar zu machen. Die Maßlosigkeit schon unserer äußeren Lebensansprüche ist oft genug, wenn auch vergeblich angeprangert worden. Ob es nun der Fernsehapparat ist, das eigene Auto oder die Ferienreise nach Mallorca: in allem strebt der Mensch über seine vernünftigen Grenzen hinaus. Dabei wendet sich die Kritik nicht gegen die Bedürfnisse als solche, deren Erfüllung gewiß das menschliche Leben in einer schönen Weise zu bereichern vermag, sondern dagegen, daß diese Bedürfnisse den Menschen versklaven und daß er in der Ruhelosigkeit der immer erneuten Anstrengung gar nicht dazu kommt, das Gewonnene auch zu genießen. Kaum ist das eine Ziel erreicht, so treibt das neue Bedürfnis den Menschen zu neuer Anstrengung weiter. Darum ist es auch hier die Frage des rechten Maßes; denn das übersteigerte Verlangen nach Lebensgenuß untergräbt notwendig die Voraussetzungen des Lebensgenusses selbst und hebt sich also selber auf. Maßlosigkeit heißt hier Ruhelosigkeit und ewige Hast. Weiterlesen

Der Polnisch-Deutsche Krieg

Polen hat uns mit seiner unsinnigen Reparationsforderung von 1,3 Billionen Euro offiziell den Krieg erklärt – dieser Satz stimmt natürlich nur unter der Annahme, daß es so etwas wie die Position Polens gibt; tatsächlich haben wir es mit Meinungen einzelner Politiker zu tun. (siehe dazu: Nationale Interessen)

Überhaupt geht die polnische Regierung zunehmend auf Konfrontationskurs mit seinem einst mächtigen Nachbarn. Das allein ist ein Hinweis darauf, wie man Deutschlands Stärke einschätzt. Weiterlesen

Ärzte in anderen Weltteilen

Sándor Márai: Das Kräuterbuch XLVI

Über die Ärzte und die Himmelsgegenden 

Im Mittelalter gab es den Irrglauben, daß die Ärzte durch ihren Beruf Krankheiten in bestimmte Regionen bringen, als Material ihrer Kunst[1]. Montesquieu wandte sich nach Jahrhunderten gegen diese Irrlehre. Nicht die Ärzte bringen die Krankheiten, sondern die Krankheiten bringen die Ärzte. Und wir können tatsächlich sehen, daß zu jeder Region ein jeweils anderer Arzt paßt.

Die Heilweise, die in Paris begeistert und kluge Anhänger hat, heilt nicht in Konstantinopel. Das Arzneimittel, das in Oslo ganz sicher wirkt, wirkt nicht ganz so sicher in Marseille oder Budapest. Der Arzt, der in London tausenden Kranken das Leben wieder schenkt, ist in Bagdad machtlos, wenn  ihn das Schicksal dahin verschlägt.

Der Mensch ist nicht nur seiner Natur und seinen Gewohnheiten gemäß krank und heilt, sondern auch in Abhängigkeit von den Himmelsgegenden. Was in Helsingfors abführend wirkt, ist in Khartum verstopfend, und der Gefäßkrampf, den in Budapest ganz sicher Pyramidon[2] löst, bleibt in China ein Gefäßkrampf, wie viel der Mandarin auch Pyramidon einnimmt. Chinin würgen wir in Budapest in Halbgrammportionen hinunter, in Sumatra nimmt man es mit Kaffeelöffeln. Der Mensch kann unter vielen Bedingungen krank oder gesund sein. Denke daran, wenn du den Arzt schiltst.

márai sándor – Idézetek

[1] mesterségük
[2] Aminophenazon https://de.wikipedia.org/wiki/Aminophenazon

Der falsche Verzicht

Sparen ist der neue Luxus. Um sich gewisse Idiotien bewußt zu machen, hilft es manchmal, sich des Erstimpulses zu erinnern. Jeder kennt das: wenn man in eine neue Arbeitsstelle kommt, dann fallen einem schnell die Unsinnigkeiten im System auf, man wagt aber als Neuling und Machtloser nicht das kritische Wort, will es sich für später aufheben, hat sich dann aber schnell eingelebt und sich an die Schwachstellen gewöhnt, partizipiert möglicherweise an ihnen oder profitiert gar. Weiterlesen