Über das Gewissen

Sándor Márai: Das Kräuterbuch XL

Über das Gewissen

Allein das Gewissen kann dein Richter, dein Henker und dein Patron sein, sonst niemand! Wenn du schreibst, dann bist du nur deinem Gewissen Rechenschaft schuldig, sonst niemandem. Ganz gleich, was sie von dir erwarten, ganz gleich auch, womit sie dich bedrohen, wenn du ihnen nicht das gibst, was sie sich von dir erhoffen oder was sie gerne hören wollen! Weiterlesen

Magische Donau

Man mag noch so dicke und gescheite Bücher lesen – manchmal sind es die einfachen Sätze, die inmitten des Lebensstromes herausragen und dort auch bleiben. Sie sind oft von einfachen Menschen und nicht von großen Philosophen ausgesprochen worden. In meinem Leben hat sich ein kleines Repertoire an solchen Sätzen angesammelt, die mich immer wieder lehren und leiten – gerade durch ihre Banalität, Einfachheit und Offensichtlichkeit. Weiterlesen

Der Schmerz der anderen

Sándor Márai: Das Kräuterbuch XXXIX

Über die Schande und den Schmerz der anderen

Der Mann, der sich gepanzert und des Menschen Stand entsprechend im grausamen Lebenskampf behaupten will, handelt richtig, wenn er sich selbst nicht nur zur Unparteilichkeit und vollkommenen Gerechtigkeit, sondern zum Stolz ohne Angst, zur Verachtung aller Arten menschlicher Kabalen und Gefahren, zu einem überlegenen Blick auf jederart menschlicher Lagen erzieht. Weiterlesen

In Ungarn leben

Im Ausland leben, bedeutet immer beides: Gewinn und Verlust. Gewohnte Sicherheiten etwa gehen verloren und müssen sich in langfristigen Prozessen zurückerobert werden. Man sollte wissen – egal, wohin es einen zieht: man wird nicht vollkommen dazugehören, zumindest nicht für eine lange Zeit. Weiterlesen

Heimat, Land und Staat

Sándor Márai: Das Kräuterbuch XXXVIII

Über die Heimat[1] und den Staat

Können wir jemanden zur Heimatliebe erziehen? Das ist, als würde man sagen: „Mit Geißel und Stachelpeitsche zwinge ich dich, dich selbst zu lieben.“

Die Heimat, das sind nicht nur die Erde und die Berge[2], die toten Helden, die Muttersprache, die Gebeine unserer Ahnen auf den Friedhöfen, Brot und Land[3], nein. Die Heimat bist du, mit Haut und Haar, in deiner ´körperlichen und seelischen Beschaffenheit; sie gebar, sie begräbt, du lebst sie und drückst sie aus in allen elenden, großartigen, flammenden und langweiligen Augenblicken, deren Gesamtheit dein Leben ausmachen. Weiterlesen

Über den Feind

Sándor Márai: Das Kräuterbuch XXXVI

Über den Feind

Es gibt die Gleichgültigen, die Freunde, die Gegner, die auf das Befehlswort einer Idee, einer Überzeugung oder eines Interesses hin gegen dich kämpfen. Das ist die Ordnung des menschlichen Lebens, nur so gibt es im Leben eine schöne Spannung: zwischen Freunden und Gegnern, in der großen Menge der Gleichgültigen. Weiterlesen

Saubere und schmutzige Waffen

Albert Wass’ größte Romane – „Gebt mir meine Berge zurück” und „Die Hexe von Funtinel” gehören zur Weisheitsliteratur, in der ewige Wahrheiten mit großer Selbstverständlichkeit und in ganz einfachen Worten vorgetragen werden. Die große Kunst dabei ist es, nicht ins Triviale abzurutschen. Wass gehört neben einigen Skandinaviern – allen voran natürlich Hamsun – zu den Meistern dieses Metiers. Weiterlesen

Wahre Bedürfnisse

Sándor Márai: Das Kräuterbuch XXXV

Über das wahre Bedürfnis

Viel, viel mehr mit Kräutern, mit Pflanzen, mit Obst leben. Weniger, viel weniger mit fettem und mit schwarzem Fleisch! Viel Fisch essen, und jeden Tag Roggenbrot. Tagsüber nie etwas trinken, keinerlei alkoholisches Getränk, und wenn du schon trinkst, dann nur abends, nur nach dem Essen, nur reinen Wein, niemals zu einer anderen Zeit und nie etwas anderes. Wenn du an einem Tag Wein getrunken hast, berühre vierundzwanzig darauffolgende Stunden das Weinglas nicht. Weiterlesen

Auch der Weise muß sterben

Sándor Márai: Das Kräuterbuch XXXIV

Darüber, daß auch die Weisen sterben

Jede Lektüre, die einen Standpunkt und eine Haltung dem Tod gegenüber lehrt, hat einen demütigenden und entmutigenden Nachgeschmack. All diese „ars beatae moriendi“, die antiken heidnischen und die christlichen mittelalterlichen Weisen, die Stoiker, die Bekenner, die Humanisten, die Naturwissenschaftler der modernen Zeit, bemühen sich, uns davon zu überzeugen, daß man den Tod überhaupt nicht fürchten muß. Weiterlesen

Freiheit gegenüber den Mächtigen

Sándor Márai: Das Kräuterbuch XXXIII

Darüber, daß wir frei sind

Wenn du den Mächtigen gegenüberstehst, dann denke immer daran: Von wem bekamen diese Menschen ihre Macht verliehen? Und was können sie überhaupt gegen dich tun? Können sie dir deine Güter, deine Freiheit oder dein Leben nehmen? Und dann? Weiterlesen

Eine Reise in Deutschland

Es ist Jahre her, seit ich das letzte Mal mit dem Zug eine längere Reise gemacht habe. Nun geht es in die ungarische Provinz, wo man hoffen darf, nur wenige Deutschsprachige zu treffen. Die Verbindung schaut vernünftig aus. Es wird auch nichts Spektakuläres passieren – aber gerade in den kleinen Beobachtungen mag man das neue Deutschland erkennen und begreifen. Weiterlesen