Ungarisch sprechen

Im Laufe der Jahre habe ich den Satz „Ich spreche Ungarisch“, meist von Deutschen ausgesprochen,  einige Male gehört oder sogar in der Zeitung gelesen. Selbst die „Paprikantin“[1] behauptete nach einigen Monaten Praktikum, Ungarisch gesprochen zu haben. Was aber bedeutet das? Es gibt offenbar ganz unterschiedliche Vorstellungen.

Den jungen Mann, der dies in der Presse in einem Interview über seine drei Jahre in Ungarn verkündete, traf ich unverhofft auf einem Traditionsball in Ungarn. Wir kannten uns einst, aber er erkannte mich nicht. Ich sprach ihn Ungarisch an und erntete blankes Entsetzen. Weder konnte er mir antworten, noch bemerkte er überhaupt, daß ihn hier kein Einheimischer ansprach. Im Nachhinein stellte sich heraus, daß er sich ein dünnes Repertoire an mehr oder weniger korrekten Phrasen angeeignet hatte, die ihn auf dem Marktplatz oder im Kaufmannsladen überleben ließen.

Umgekehrt lernte ich auf einem Sprachkurs – mein bisher einziger, drei Wochen – einige Leute kennen, die im Kurs für Fortgeschrittene saßen. Sie lernten respektive bereits acht, elf und zwölf Jahre Ungarisch und man kann gern noch welche drauflegen, denn Menschen neigen in dieser Frage meist zur Untertreibung.

Einer der Teilnehmer, ein junger Iraner, lebte zu diesem Zeitpunkt bereits elf Jahre in Budapest, arbeitete dort in irgendeiner Bank – Verkehrssprache Englisch – und ging seit anderthalb Jahren jeden Tag an diese Schule und auch wenn er lockerer und flüssiger war als ich, besser spontan reagieren konnte, war sein Ungarisch doch nicht wesenhaft besser als meines nach dreieinhalb Jahren.

Der andere, ein Schweizer Sprachlehrer, der endlich eine finnisch-ugrische Sprache lernen wollte, mühte sich seit acht Jahren ab und hatte sich immerhin einen vergleichsweise großen Schatz an Redewendungen angeeignet. Ich fragte ihn nach seiner Methode und er gestand, als Rentner jeden Tag zwei Stunden zu arbeiten und empfahl die Lektüre der „Egypercesek“ István Örkénys, die man als „Einminutengeschichten“ auch auf Deutsch lesen kann.

Eine ältere Dame mit magyarischer Verwandtschaft im Land, die bereits 12 Jahre investiert hatte, verfolgte eher den grammatischen Weg, was zu einer langsamen und sehr abgehakten Redeweise führte – immerhin konnte sie bei den grammatischen Ausfüllblättern immer brillieren.

Und so geht es weiter. An unserer Schule in Ungarn gab es immer wieder Leute, denen der Ruf vorauseilte, gut Ungarisch zu sprechen, aber wenn es darauf ankam, dann erschien mir das Ergebnis stets dürftig. Man sagte mir, ich hege zu hohe Erwartungen und verlangte zu viel …

Es gibt eine untrügliche Methode, herauszufinden, ob ein Ausländer tatsächlich gut Ungarisch spricht oder nicht. Wenn ich ihn verstehe, dann kann er es nicht, verstehe ich ihn aber nicht – was mir noch nie untergekommen ist –, dann ist er entweder wirklich gut oder redet kompletten Unsinn. Überhaupt gibt es den kuriosen Effekt, daß Deutsche, die sich miteinander Ungarisch unterhalten, sich ausgezeichnet verstehen, wohingegen die beistehenden Ungarn ratlos zurückbleiben. Der Grund ist einfach: wir sprechen deutsche Struktur mit ungarischen Vokabeln und das ist vom Ungarischen etwa so weit entfernt wie dieses vom Finnischen.

Das aber ist die traurige Realität. Ich bin jetzt im sechsten Jahr meines Ungarisch-Lernens, vielleicht kann man die ersten beiden noch relativieren, denn die benötigte ich, um einfach nur zu begreifen, welche massive Aufgabe vor einem liegt und nutzte sie noch nicht zur eigentlichen Arbeit. Mit jedem kleinen Erfolg, den man feiern durfte, weitete sich die Perspektive und man begriff allmählich, daß man auf einem Maulwurfshügel vor dem Himalaja steht. Einen dieser Riesen ersteigen, bedeutete – nach meiner Definition – flüssig und natürlich Ungarisch sprechen zu können.

Ich gehe davon aus, daß dies die Erfahrung der meisten Lernenden ist, sofern sie sich nicht selbst betrügen oder eine altmagyarische Inkarnation sind. Man kann nicht ausschließen, daß es Genies gibt oder daß der eine oder andere, aus welchem Grund auch immer, eine besondere Affinität zu dieser Sprache hat und sie sich ihm besonders leicht erschließt, aber es dürften seltene Ausnahmen sein.

Gut Ungarisch können, heißt für mich: Jedwedem natürlichen, unverstellten Gespräch folgen, daran ungezwungen teilnehmen zu können, heißt, sich problemlos in der Literatur aller Art – von der Gebrauchsanweisung über die Propaganda und Politik bis hin zu Zsigmond Móricz und Mor Jókai bewegen zu können, nicht gänzlich ohne Wörterbuch, aber doch so, daß dieses nicht konstitutiv ist, heißt auch die ganz eigene Sprache der Presse, der Medien, der Nachrichten situativ zu verstehen … und davon bin ich genauso weit entfernt, wie alle, die ich kenne.

Aber vielleicht kenne ich nicht alle? Youtube ist eine schier unerschöpfliche Quelle neuer Inspiration und eine perfekte Ausrede, das Lernen durch Hinweise über das Lernen zu umgehen.

Dort produzieren sich immer wieder meist junge Sprachenlerner auch im Ungarischen. Viele nennen sich „Polyglott“, ein modernder Euphemismus für Mehrsprachigkeit und einige davon sind wirklich beeindruckend. Sie scheuen – als Europäer – auch schwere und exotische Sprachen nicht: Chinesisch, Japanisch, Koreanisch gehören dort zum guten Ton. Die meisten beherrschen natürlich mehrere latinische, germanische und slawische Sprachen und hin und wieder wagt sich auch jemand an Ungarisch. Oft wohl als eine Art Trophäe. Man steht natürlich verblüfft da, wenn diese jungen Hochbegabten scheinbar problemlos von einer in die andere Sprache wechseln. Ihr Tagalog, Hindi oder Arabisch klingt beeindruckend … aber beurteilen kann ich es nicht.

Kommt dann Ungarisch an die Reihe, dann bestätigt sich meist der Verdacht: daran scheitern sie. Sie sagen was, sicher, aber die Themen sind meist einfach und immer die gleichen, nämlich, wie schwer die ungarische Sprache ist, die Sätze wirken oft auswendig gelernt und ich kann sie perfekt verstehen, was der untrügliche Beweis dafür ist, daß sie kein authentisches Ungarisch reden, sondern ein ins Ungarische übersetztes Idiom.

So in etwa, wenn auch stockender, spreche ich mit ungarischen Ungarn. Der Wortschatz begrenzt, die Grammatik verquast und alles ganz langsam. Ungarischsprecher erkennt man daran, daß sie beim Sprechen die Augen verdrehen – mit jeder Augenbewegung suchen sie im Gehirnkasten nach einem Wort oder einem Suffix oder einer passenden Postposition, denn Ungarisch funktioniert nach dem Baukastenprinzip und jeder Satz muß aus vorhandenen Bauteilen neu zusammengeleimt- oder gehämmert werden. Deshalb ist Sprechen in Ungarisch als Fremdsprache meist eine holprige Sache und es bedarf sehr geduldiger und verständiger Gesprächspartner, am besten sollten diese auch noch Deutsch beherrschen, um sich in die verquere Logik hineindenken zu können. Sie selber sollten zudem in der Lage sein, langsam und einfach zu sprechen – dann kann es mit einem basalen Zeichenaustausch klappen, den man mit viel gutem Willen auch Kommunikation nennen darf. Die Themen freilich sind in der Regel einfach. Sobald es kompliziert wird und überraschend, stürzt der Kopfcomputer ganz schnell ab.

Dennoch gilt ein solcher Ausländer oft schon als jemand der „gut Ungarisch kann“ und ich fürchte, auch ich habe diesen Ruf bereits erworben. Hören mich Nichtungarn Ungarisch sprechen, sind sie meist schwer beeindruckt, denn sie können nicht wissen, daß kaum ein gerader Satz darunter ist und Ungarn machen so selten die Erfahrung, mit einem Fremden in ihrer Sprache sprechen zu können, daß sie bereitwillig die trügerische Medaille verteilen.

Man kann das an Beispielen exerzieren. Auf Youtube taucht fast jede Woche irgendein Eleve auf, der „fließend Ungarisch“ spricht.

Hier etwa wird uns ein junger Pole als „speaks FLUENT Hungarian“ vorgestellt. Fließend heißt hier: in der Lage sein, eine Reihe von Wörtern aneinanderreihen zu können. Die besprochenen Inhalte sind primitiv und wie meist sich um das Lernen des Ungarischen selbst drehend – seltsam, daß darüber alle etwas sagen können: Nehéz a magyar nyelv. Dabei muß er permanent nach Worten suchen, nutzt eine sehr vereinfachte Grammatik und diese auch noch oft falsch. Im Gespräch erfährt man dann zudem, daß der junge Mann seit langem mit einer ungarischen Freundin zusammenlebt …

Derartige Beispiele gibt es Legion, etwa dieser Argentinier, der soeben den Staatsbürgerschaftstest mit sehr wenig genuinem Ungarisch bestanden hat, oder diese Kanadierin, die von sich behauptet, gerade erst sieben Monate Ungarisch zu lernen, dann aber eingestehen muß, daß ihre ganze Familie, Mutter und Vater inklusive, Ungarn sind.

Man kann es mit der Zirkusnummer „Radebrechen auf Ungarisch“ sogar bis ins Fernsehen bringen, wie Lindie Botes – noch so eine Polyglotte mit einem Faible für asiatische Sprachen – mehr oder weniger beeindruckend unter Beweis stellte. Ihr letztes Video handelt von Burn Out.

Nur zwei haben mich bisher halbwegs überzeugt. Da gibt es zum einen einen Kolumbianer, der seit fünf Jahren in Ungarn lebt und intelligent genug war, allen spanischen oder englischsprachigen Verbindungen zu entsagen. Seine erste Lehrerin sprach keine Fremdsprache und so stürzte er sich ins Meer. Sein Ungarisch ist wirklich fließend, mit geringem Akzent, sein Vokabular ist relativ breit, problemlos nutzt er Akkusativ, Postpositionen, Suffixe und Präfixe, beherrscht die Agglutinationstechnik … und dennoch verstehe ich ihn, dennoch ist die Topik die Übliche, dennoch ist es kein ungarisches Ungarisch. Der Preis dafür war hoch: fünf Jahre Studium, fünf Tage die Woche je vier Stunden Unterricht, komplettes Eintauchen für fünf lange Jahre. Diesen Jungen halte ich für authentisch.

Man kann bei ihm sogar Stunden buchen – ich tat es und sprach mit ihm gelöst eine dreiviertel Stunde und daß ging nur, weil wir beide kein richtiges Ungarisch sprechen können.

Zum Schluß noch ein Wort zu Luca Lampariello, ein Polyglott, der 11 Sprachen fließend spricht: sein Italienisch (Muttersprache), Englisch, Deutsch, Spanisch und Polnisch – das sind die Sprachen, die ich einschätzen kann – sind als Fremdsprachen beeindruckend, sein Französisch, Griechisch, Chinesisch, Portugiesisch, Russisch klingen zumindest gut … wobei ich mir nicht sicher bin, ob er nicht abliest. Sein Ungarisch jedenfalls klingt unnatürlich und auswendig gelernt, seine Betonungen sind mitunter falsch und man merkt ihm die Anstrengung der Gesichtsmuskulatur an. Aber wenn er sich dieses Niveau innerhalb dreier Jahre angeeignet hat, dann Hut ab! Zu gern würde ich ihn einmal in einer informellen Situation Ungarisch sprechen hören, so wie hier Polnisch. Für sein beeindruckendes Polnisch hat er jedenfalls elf Jahre und unzählige Reisen nach Polen benötigt – es ist sichtlich seine Lieblingssprache.

Nun ist Lampariello ein Sprachfanatiker – er lebt von den Sprachen, von seinem Kanal, Büchern, Kursen, Talks und Konferenzen auf der ganzen Welt. Von früh bis abends beschäftigt er sich mit Sprachen, hat die besten Verbindungen, das Know How. Können wir Normalsterblichen uns mit ihm vergleichen, die wir nur eine Stunde oder vielleicht nur 10 Minuten am Tag erübrigen können? Lohnt es unter diesen Bedingungen überhaupt, sich einer Sprache wie dem Ungarischen zu widmen? Was nutzt mir etwa mein passiver Wortschatz von über 20 000 Wörtern – laut LingQ[2] –, wenn ich aktiv nur einen Bruchteil davon anwenden kann und auch diesen oft nur nach langem Suchen? Und wenn man mal zwei Wochen nichts macht, dann hat man das Gefühl, die Hälfte schon wieder vergessen zu haben. Denn eine der grundlegenden Schwierigkeiten des Ungarischen ist überhaupt das Memorieren dieser vollkommen fremdartigen Vokabeln mit ihren scheinbaren arbiträren Vokalfolgen oder Akzentuierungen, in die das europäische Hirn kaum Haken schlagen kann.

All das sollte der angehende Ungarischstudent abwägen, bevor er sich ins Abenteuer stürzt. Und auch dann wird er vor Schwellenentscheidungen stehen, so wie ich heute zum wiederholten Male: Lohnt der Aufwand bei so geringem Ertrag? Wird man je fertig damit? Wird man überhaupt irgendwann halbwegs sinnvoll und wirklich flüssig sprechen können? Hätte man in derselben Zeit und bei gleichem Aufwand nicht schon längst eine oder zwei oder drei normale Sprachen lernen können? Sollte man sich nicht lieber mit Bestandbewahrung begnügen? …

Diese Fragen gehen mir seit einiger Zeit durch den Kopf und ich habe entschieden: noch eine Runde gehe ich – wenn dann der Durchbruch nicht gelingt, dann bekenne ich mein Scheitern. Auch Lampariello gestand ein, an einer bestimmten Sprache gescheitert zu sein – Japanisch. Es lag ihm einfach nicht, er hatte es nicht in sich. Das muß man erspüren!

Mein bisheriger Weg war nicht falsch, aber er führte nicht zum Ziel. Irgendwas blockiert, irgendwo gehen mein Hirn und dieses faszinierende Sprache nicht zusammen. Es muß andere Wege – Methoden – geben …

[1] Lysann Heller: Die Paprikantin. Ungarn für Anfänger. Eines der wenigen neueren Bücher über Ungarn, die man auf dem deutschen Markt finden kann. Daß es voller Klamauk und Stereotype ist, zeigt den bedauerlichen Stand des Interesses der Deutschen an den Ungarn. Sie haben zwar starke Meinungen, aber wenig Ahnung.
[2] Steve Kaufman, Gründer von LingQ und selbst Polyglott, meinte irgendwo, daß ein LingQ-Wortschatz von 30000 Wörtern mit perfekten Sprachkenntnissen gleichzusetzen sei. Man muß dabei wissen, daß die LingQ-Technik jede konjugierte oder deklinierte Form als eine selbstständige Vokabel wertet … 30000 jedenfalls führt im Ungarischen zu noch gar nichts!

4 Gedanken zu “Ungarisch sprechen

  1. Nevem van schreibt:

    „Nevem van“ – zu diesem Pseudonym („Namen habe ich“) zum Beispiel müsste man die lustigen Bücher von Jenő Rejtő (Eugen Verstecker) gelesen haben … doch, man kann nicht alles gelesen haben, auch in der Muttersprache nicht. Lockern Sie ruhig Ihre Maßstäbe bezüglich des Ungarischen, reden Sie los ohne nachzudenken, das genau tun die meisten Muttersprachler. Großartig, dass Sie überhaupt Ungarisch können, noch dazu Sándor Márai lesen … damit sind Sie bereits den meisten Ureinwohnern in Ungarn meilenweit voraus. Bitte, nur so weiter!

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    • @ Otto @ Nevem van

      Vielen Dank für die Vorschläge. Ich habe sie ins Originaldokument eingefügt und werde während der Endredaktion darüber noch einmal nachsinnen. Das wird in zwei, drei Jahren sein – dann vielleicht mit etwas besserem Verständnis.

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  2. Stefanie schreibt:

    Kennen Sie, ggf. aus dem Auswanderermillieu, kleinere Kinder, die es geschafft haben, sich die ungarische Sprache anzueignen? Falls ja: bis zu welchen Alter, denken Sie, ist das noch über natürlichen Spracherwerb möglich, ab wann muß man büffeln? Vielleicht gibt es ein Zeitfenster, in dem das Sprachenlernen besser funktioniert und vielleicht ist dieses bei den polyglotten Youtube-Wunderkinder irgendwie ins Erwachsenenalter verlängert? Wie ein Wahrnehmungskanal, der einfach länger offengehalten wird.
    Daneben ist selbst eine unvollkommene Sprachkenntnis doch auch ein Tor in ein anderes kulturelles Universum. Selbst ganz ohne Sprachkenntnisse oder mit ein paar Brocken, kann man doch ein Gefühl für Land und Leute bekommen, wenn man kürzer oder länger dort lebt.

    Noch eine kurze Anekdote: ich war vor kurzem mal wieder in der Thalia-Filiale in der Plauener Stadtgalerie. Neben den Transgender-Mangas, lagen dort auch reichlich Kinderbücher in ukrainischer Sprache (Alice im Wunderland war dabei, aber auch ein paar genuin ukrainische). Auch im Politikregal ist die ukrainische Geschichte auf einmal gut beleuchtet und auch Ukrainische Sprachkurse waren im Angebot – Allerdings keine Russischen mehr -es gab noch nicht mal mehr ein Deutsch-Russisches Wörterbuch.

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    • @ Stefanie

      Da dürfte sich das Ungarische nicht von anderen Sprachen unterscheiden. Im frühen Alter nehmen die Kinder das spielend auf. Allerdings auch in Abhängigkeit der Eltern. Ich kenne zwei Paare mit jeweils zwei Kindern, quasi parallel. Beide Mütter sind Ukrainerinnen. In einem Falle wurde das Ungarische aktiv von den Eltern unterstützt, obwohl sie es beide gar nicht erst versuchen, im anderen probierte es der Vater und kam nach vier Jahren vielleicht auf A2, war aber der Meinung, daß die Kinder es in den vier Jahren gar nicht erst probieren brauchen, sie würden es sowieso vergessen. Familie eins war zweisprachig, Familie zwei nur Deutsch, auch zu Hause. Alle Kinder gingen ab 5 Jahre in einen deutschen Kindergarten, wo freilich dennoch fast nur Ungarisch gesprochen wurde. Tochter eins war nach zwei Jahren schon fließend und nach vieren wohl nahezu muttersprachlich – ist aber auch ein ausgesprochen helles Kind. Jüngerer Bruder vermutlich größere Probleme, aber dürfte mittlerweile auch gut sein. Familie zwei ist so einsprachig geblieben – plus A2 des Vaters – beide Kinder mit Ungarisch fast Null nach vier Jahren zurück nach D.

      Ich denke, ab ca. acht, neun Jahre wird es schwierig. Saß mal mit einem Mädchen in einem Kurs. Sie war mit 11 oder 12 gekommen und nach zwei Jahren genauso hilflos wie ich, obgleich in ungarischer Schule. Sicher schnappt sie dort Brauchbares auf, aber die Sprache als solche war ihr dennoch verschlossen.

      Thalia macht mich immer depressiv. So viele schöne Bücher – könnte man denken – und dann bei genauerem Hinsehen fast nur Schrott. Immerhin lag zuletzt Tellkamp aus. Die kleine ukrainische Ecke habe ich auch gesehen.

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