Im Fußball sterben

Der „Focus“ treibt es auf die Spitze, wenn er schreibt: „Als Streich am DFB-Pokal vorbeiläuft, stirbt etwas in jedem Fußball-Fan“. Was für eine Anmaßung! Und welche Lüge! In mir ist jedenfalls gar nichts gestorben, als ich gestern diese Bilder sah – ganz im Gegenteil: ich habe innerlich gejubelt!

FireShot Capture 712 - Als Streich am DFB-Pokal vorbeiläuft, stirbt etwas in jedem Fußball-F_ - www.focus.de

Dafür gibt es gleich mehrere Gründe.

Zum einen ist Leipzig – mein Studienort –, Leipzig, also Sachsen, also Osten und ich freue mich über jeden Erfolg einer Mannschaft aus dem Osten und sei es der Red-Bull-Klub oder etwa der alte Stasi-Klub BFC Dynamo. Hätte – im letzteren Fall – der FC Carl Zeiss Jena das Rennen gemacht oder Lok Leipzig, wäre es noch schöner gewesen, aber der BFC ist eine alte Traditionsmannschaft aus der DDR mit einer einzigartigen Siegesgeschichte, die man anerkennen muß, auch wenn der eine oder andere Schiedsrichterpfiff helfend zur Seite gestanden haben mag. Mit Thom und Doll und Riediger und Bodo Eierkopp und vielen anderen haben sie große Spieler hervorgebracht – aber das nur nebenbei. So habe ich auch mit Aue gelitten und hoffe, daß Dresden die Klasse hält, ich freue mich über Magdeburgs Aufstieg in die zweite Liga und Unions starke Saison und selbst der Abstieg des VFB Auerbach aus der Regionalliga Nordost – die immer mehr zur Berliner Stadtliga verkommt – findet mein Bedauern.

Zum anderen ist Freiburg Freiburg, weit weg im Westen, ein Menschenschlag, mit dem ich nicht viel verbinde, und alles, was in meinem Leben aus Freiburg oder Umgebung kam, war bisher negativ. Das beginnt bei den Nachrichten, die man so aus Freiburg erhält, geht über die Bevölkerungsentwicklung bis in die Privaterfahrung. So habe ich etwa zwei junge Familienangehörige emotional verloren, die dort „Akademiewissenschaften“ (Bernd Zeller) studierten und seither weder unseren Dialekt ertragen können noch überhaupt den Osten und die alte Heimat verstehen – im Gegenteil, man merkt ihnen den inneren Ekel und den Dünkel, nun etwas Besseres zu sein, spürbar an.

Dann gibt es aber auch noch – das ist das Entscheidende – eine Aversion gegen die Vermischung von Sport und Politischer Korrektheit im Allgemeinen und den SC Freiburg im Besonderen, denn der ist in diesen Fragen führend. Neben Eintracht Frankfurt, deren Sieg im Europa-League-Finale ich deswegen ebenfalls nicht bejubeln konnte. Im Gegenteil, der alte protestantische schottische Arbeiterklub Glasgow Rangers hatte alle meine Sympathien, denn wenn man noch ehrliche Fußballarbeit und Kampf und Loyalität sehen will, dann gibt es wenig geeignetere Plätze als die im verregneten Schottland. Man sehe sich hingegen die Fanbasis Frankfurts an. Die Hälfte der Leute trägt Goldkettchen, geht nach dem Morgengebet ins Fitneßstudio oder in die Shisha-Bar und jede Woche einmal in den Barber-Shop um die Ecke. Nicht meine Welt, will ich nicht haben, schmerzt mich, in Goethes Geburtsstadt zu sehen, und muß hier im Osten im Sinne der inneren Vielfalt verhindert werden.

Die Zeiten, in denen ich deutsche Mannschaften ob ihres Adjektivs unterstützen konnte, sind leider vorbei. Frankfurts Präsident Peter Fischer ist denn auch ein Ideologe durch und durch, der nicht müde wird, seine linken Phrasen unter die Leute zu bringen und den Klub dazu mißbraucht. Nach St. Pauli – hach, bin ich froh, daß die den Aufstieg vermasselt haben! – einer der moralistischsten Klubs im Land, viel von Vielfalt faselnd, aber AfD-Mitglieder dürfen bei ihm keine Klubmitglieder sein … Übel! Wenn Spieler sich als Teil der Affenpockenrisikogruppe outen, gilt das als tapfer und wird medial bejubelt, bekennte sich aber einer zu seiner AfD-Affinität, wäre die sportliche Karriere wohl zu Ende.

Daher gilt auch: hoffentlich steigt Hertha BSC ab, ein Klub, der einen Trainer wegen politischer Aussagen entläßt, aber auch: hoffentlich steigt der HSV – noch so ein moralüberlegener Klub –  nicht auf! Und Streich ist auch so einer, der immer wieder seine politischen Überzeugungen raushängen läßt und das kann er natürlich nur, weil die Medien ihn dafür bejubeln, denn er ist einer von ihnen. Ich hingegen glaube, daß Politik und Fußball strikt getrennt sein sollten, allein schon deswegen, weil das Stadion der letzte Ort ist, wo sich rechts und links in gemeinsamer Sache begegnen können.

Wie treffend und lehrreich das Bild, daß just der Kapitän mit der Regenbogenbinde den entscheidenden Elfmeter in den Himmel schoß.

3 Gedanken zu “Im Fußball sterben

  1. Ich bin zwar Wessi ( und habe als Studentennationalspieler noch gegen die UdSSR gespielt….) Aber ich teile die Aversionen gegen die angesprochenen Vereine ( bis auf den HSV…) , ich teile die Argumentation und habe den Leipzigern den Pokal von ganzem Herzen gegönnt.

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  2. Nordlicht schreibt:

    Super. Hundertprozentig einverstanden.

    (Bin ein Wessi, ein Nordwessi. Aber da ich lange der Nähe des Stadions der Eisernen gewohnt habe, halb Ostler. Und diese linke Agitation AUCH NOCH im Fußball macht mich wütend.)

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