Leben im geborgten Licht

Denkanstoß – Sloterdijk XI

An der Vegetationsgrenze begegnen sich das aufsteigende Leben, das am Felsigen endet, und das Felsige, das zum Leben herabgeht. Nietzsche wagt sich in seinen Randgängen der Lebendigkeit bis an die Grenze der absoluten Mineralogie heran, indem er die „wirkliche Wahrheit“ fast ganz aus der Sphäre der organischen Empfindlichkeit hinausverlegt. Wie, wenn Empfindung, Nervlichkeit, Störbarkeit, Subjektivität und alles, was daraus folgt, nur ein „Versehen des Seins“ wäre?[1] Wenn das, was wir das Innere nennen, nur ein Epiphänomen wäre, das auf dem Mineralischen aufsitzt, ein Spiel von Botenstoffen in organischen Hypothesen namens Körpern? Indes das sachlich Wahre das Tote wäre, das sich den Luxus des irrenden, überempfindlichen, onto-allergischen Lebens leistet?

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