Menschlichkeit und Einsamkeit

„Menschlichkeit ist eine Tugend des Umgangs mit anderen Menschen“ – über diesen Satz Bollnows stolpere ich. Mehr noch: „Robinson hätte, solange er auf seiner einsamen Insel allein lebte, schlechthin keine Gelegenheit gehabt, die Tugend der Menschlichkeit zu üben“.

Stimmt das? Kann der Mensch nur im Angesicht des anderen Menschen menschlich – im Sinne der Menschlichkeit – sein?

Bollnow mußte zu diesem Schluß kommen, denn bei seinen Überlegungen über die „Wesenszüge der Menschlichkeit“ und seinem Versuch, „das Wort Menschlichkeit wieder in seiner alten tiefen Bedeutung zu heben“ – also Fehlverständnisse wie etwa die Wohltätigkeit zu überwinden – arbeitet er entscheidende Punkte heraus, wie die Milde, das Mitleid, die Gerechtigkeit, die Duldsamkeit und die oben angedeuteten Umgangsformen wie Höflichkeit, Freundlichkeit, Liebenswürdigkeit. Fast alle – von der Duldsamkeit abgesehen – zielen auf soziale Situationen ab.

Was also ist der Mensch und wann kann er es – menschlich – sein? Nur unter den Menschen?

Von Robinson wissen wir zweierlei. In Wirklichkeit ist es unmöglich, 28 Jahre allein auf einer Insel zu leben, schon nach wenigen Wochen und Monaten würde der Mensch degenerieren und deprivieren, er würde die Sprache verlernen, einen Großteil seiner kognitiven Fähigkeiten verlieren. Aber das ist die Realität, die uns hier nicht interessiert. Wir wissen zudem, daß Robinson das Schicksal, das Glück oder sonst wer ein Buch an die Küste spülte und dieses Buch war die Bibel und es rettete ihm das Leben, denn durch es erkennt er seinen Retter, der ihm bis dahin fremd war. So verstehen viele den Begriff der Vertikalspannung: es braucht einen Bezug, einen Zug nach „oben“.

Selbst in Robert Zemeckis Film „Cast Away“ mit Tom Hanks als modernem Robinson scheint Bollnows Gedanke noch Bestätigung zu finden. Gott spielt für Chuck Noland keine Rolle, aber ein Ball der Marke „Wilson“ wird sein Gefährte, ohne den er seine Menschlichkeit nicht hätte bewahren können. Im Blick des von ihm selbst angemalten Balles besteht er als Mensch, wahrt sich seine Sprache und seine Würde.

Thomas Mann hatte in seinem Roman „Der Erwählte“ die Frage an den Rand des noch Denkbaren getrieben. Sein Gregorius, der aus der Inzuchtsünde geboren wurde und später seine eigene Mutter – die zugleich seine Tante ist – ehelicht, des Tabubruches zumindest im Ahnenden bewußt, straft sich selbst mit einem 17-jährigen Aufenthalt auf einer kargen Felseninsel, ist dort Wind und Wetter ungeschützt ausgesetzt und nährt sich von „Erdmilch“.

Auch Thomas Mann wirft die Frage des Menschlichen auf: „So auch der Mensch, der nicht zufällig homo und humanus heißt, zum Zeichen nämlich, daß er aus dem Muttergrunde des humus ans Licht trat. Alles aber, was gebiert, hat auch die notwendige Nahrung für seine Kinder …“  Vertikalität wird hier nicht nur nach oben, sondern auch nach unten – „Erdmilch“. „Humus“ – gedacht, man müsse, wie Nietzsche sagte, der Erde treu bleiben. Freilich genügt auch das dem Gregorius nicht, denn er lebt in einem Nebensatz von „vorhandener Erdmilch und wärmender Ahnung von Gnade“. Allein daß er diese selbstauferlegte Strafe überleben kann, um später Papst zu werden, beweist die Gnade. Dennoch verliert er zusehends seine Menschlichkeit, zumindest als Äußerlichkeit: er wird immer kleiner, gleicht sich den Felsen an, wird unsichtbar, und war „nach fünfzehn Jahren nicht viel größer als ein Igel, ein filzig-borstiges, mit Moos bewachsenes Naturding“.

Thomas Mann lehnte seinen Roman an die Gregorius-Legende des Hartmut von Aue an; er bringt damit eine der seltsamsten menschlichen Erscheinungen aufs Tapet, die die Geschichte der Menschheit kennt: das Anachoretentum. Daß Menschen sich durch beharrliche Übung und Entbehrung zu den verrücktesten Fähigkeiten hintrainieren können, sehen wir schon im modernen Sport oder in der virtuosen Kunst. Der Anachoret jedoch macht seine gesamte Existenz zum Instrument seiner Seinsgymnastik.

Peter Sloterdijk hat diesen Extremisten der Existenz, diesen Ganzheitsathleten in seinem Buch „Weltfremdheit“ viel Aufmerksamkeit gewidmet. Jahrelang standen die Säulenheiligen auf dem Fleck, oft sich noch durch selbstauferlegte Exerzitien quälend, und wurden als Lohn mitunter zu Heiligen. Ihr Ziel war die komplette Entsagung von der Welt, die „als das Trennende zwischen Gott und Mensch“ anzusehen war. „Keine ‚Umsiedlung‘“, so Sloterdijk, „ohne Aufhebung der Triangulierung Mensch-Welt-Gott in die Dyade Gott und Mensch. Der ontologische Sinn des Anachoretentums liegt also im Angriff auf die Drittheit überhaupt.“ Sloterdijk will die Gefahren aufzeigen: „Mit der anachoretischen Revolution, die das orientalische Vorspiel zur Revolutionsgeschichte des Westens verbirgt, beginnt der Angriff des dyadischen Extremismus gegen alle Formen des triangulierenden Weltaufbaus.“ Es lohnt sich, zu bedenken, daß nicht die Gottes-, sondern die Ausklammerung der Erde zum Extremismus führt.

Ohne Erde wird es – schaut man hinter den Vorhang der Legende – nicht gegangen sein. Mitleidige, milde, freundliche, liebenswürdige und vielleicht sogar höfliche Frauen brachten den Eremiten des Nachts Essen oder aber jene stiegen selbst hinab, um sich zu versorgen – sofern man keine himmlische Honigpumpe, ein Manna vom Himmel oder eine „Säulenmilch“ annehmen will.

Wenn diese Männer menschlich – im Sinne der Menschlichkeit – waren, dann aus sich selbst heraus. Das zumindest ist meine These und wenn diese stimmt, dann bedarf die Menschlichkeit des anderen nicht zwingend. Der andere kann auch das Ich sein – wenn es stark ist.

Daher die Frage: braucht es die Transzendenz zur Menschlichkeit? Stimmt es, wie Pestalozzi meinte – den Bollnow anerkennend zitiert: „Unmensch ist der Mensch ohne Gott und ohne Liebe“? Unmenschlichkeit ist das Gegenteil der Menschlichkeit. Klammern wir die Liebe nun aus – die ja ein Platzhalter für den anderen Menschen ist – und denken wir über die Gottlosigkeit nach.

Braucht der Mensch Gott, um menschlich sein zu können? Die Frage ist enorm wichtig in Zeiten der Gottlosigkeit. Die „Losigkeit“ ist nicht mehr auf das „Lösen“ zurückzuführen. Atheismus ist heute kein Aufstand, kein Widerstand mehr, er ist noch nicht einmal mehr bewußt, denn die meisten Atheisten in heutigen Zeiten sind eigentlich gar keine – sie haben nur keinen Gott, Sie haben nie einen gekannt, nie einen gespürt, sich nie die Frage nach einem Gott gestellt, sie sind einfach in dieses vermeintliche Nichts hineingeboren worden. Darf oder kann man ihnen deshalb die Menschlichkeit absprechen?

Ich würde das nicht wagen. Aber auch der Gedanke der Spannung ist nicht von der Hand zu weisen und man kann sie auch – wie Sloterdijk in „Du mußt dein Leben ändern“ – „Vertikalspannung“ nennen, nur beschreibt dieser Terminus keinen Zug von oder nach oben als Transzendenz gedacht, und auch keine Erdverwurzelung, sondern die dauernde Übung zur inneren Spannung, zum aufrechten Gang, der das Signum des Menschen ist. So könnte auch der gottlose Anachoret Mensch bleiben, seine Menschlichkeit bewahren, wenn er sich übender Tugenden wie Ordnung, Regelmäßigkeit, Sauberkeit, Anstand befleißigt, wenn er – er braucht dazu nicht einmal ein Ziel – sich selbst, seinen menschlichen Wesenskern, als Anderer-Ersatz achtet, auf sich achtet, sich gerade hält, solange er kann. Was es braucht, sind Wille und Charakter, jene Eigenschaften, auf die Sándor Márai in seinem stoischen Regelbuch immer wieder hinweist. Der Schlüssel dazu ist kein Glaube, sondern die bewußte Einübung und die stoische Grundhaltung, gewonnen aus dem Wissen der (eigenen) Vergänglichkeit als Grundprinzip der Natur oder des Seins als Werden. Oder der Einsicht in den grundlegenden Leidcharakter des Daseins – der Satz von der Unbedingtheit der Gottesbeziehung als Vertikalspannung behauptet implizit auch, daß die strengste und erfolgreichste spirituelle Übungslehre, der Buddhismus, eine Illusion wäre.

Das hat – als Einschub – enorme gesellschaftliche Relevanz, denn in der modernen Gesellschaft leiden unendlich viele Menschen an Einsamkeit, d.h., sie können das Alleinsein als Entspannungsform vom anderen psychisch nicht mehr bewältigen. Die Vereinzelung des Menschen in der Massengesellschaft (ganz vereinfacht ausgedrückt) ist nur die eine Seite des Problems, die andere, von der hier die Rede ist, ist das meist lebenslange Verpassen der notwendigen Übungen an Daseinsresilienz und das sich habituell freimachen vom Blick, der Meinung des anderen, insbesondere, wenn diese negativ und unberechtigt sind.

Das ist der Grund, weshalb wir immer mehr Menschen sehen, denen die innere Würde abhanden gekommen ist, weil sie aus dem Alleinsein, der Funktionslosigkeit im Gesellschaftsgeflecht, in die unreflektierte und nicht eingeübte Einsamkeit rutschen, die Grundtugenden nicht trainiert haben, dann ihre Selbstachtung verlieren und schließlich ihre innere Spannung. Sie haben immer nur einem äußeren Ziel oder einer Aufgabe – die sie zudem selten selbst gewählt haben – zugelebt, ohne ihr inneres Werdeziel zu erforschen oder gar aktiv zu verfolgen.

Márai wies uns auch auf die verderbliche, die versuchende Rolle des anderen hin. Es ist stets der andere Mensch, der den Aufrechten in Versuchung führt. Man könnte fast die These wagen: Menschlichkeit ist die Tugend des Vermeidens des Umgangs mit anderen Menschen!

Quellen:
Otto Friedrich Bollnow: Maß und Vermessenheit des Menschen. Göttingen 1962
Thomas Mann: Der Erwählte. Frankfurt 1951
Sándor Márai: Füves Könyv. Budapest 1953
Peter Sloterdijk: Weltfremdheit. Frankfurt 1993
Peter Sloterdijk: Du mußt dein Leben ändern. Frankfurt 2009
Robert Zemecki: Cast Away. Film. 2000

7 Gedanken zu “Menschlichkeit und Einsamkeit

  1. Vorweg: Dieser Kommentar wird lang sein, ich bitte um Nachsicht: Angesichts zahlreicher Ereignisse – konkreter: der nahtlose Übergang von Covid-19 zu Ukraine-22 hat mich nicht unbedingt zum Schweigen gebracht, sondern eher dazu, gewisse Vorbereitungen zu treffen, die mich zur Zeit am regelmäßigeren Kommentieren – geschweige denn Diskutieren – hindern. Noch konkreter: Es erscheint mir angesichts des derzeitigen Trends ratsam, meinen derzeitigen Wohnort – in der Nähe des monströsen Zentralgebäudes, an dessen Eingängen jeweils Schilder darauf hinweisen, dass hier der Bundesnachrichtendienst sein Hauptquartier hat – zu wechseln. Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass Bosnien-Herzegowina, das Land meiner Ahnen, zur Zeit und in näherer Zukunft wohl ein vergleichsweise sicherer Ort sein wird, auch nahrungsmittelversorgungstechnisch. Ebenso nicht ohne Ironie doch völlig ernsthaft füge ich hinzu: Den Serben sei Dank!
    Zur Sache:

    Es gibt drei zentrale Weltanschauungen: die religiöse, die materialistische und eine, der ich persönlich am Nächsten stehe. Wenn man das – wie weit auch immer reichende – Spektrum der unterschiedlichsten Ideologien, Philosophien und Denksysteme von Anbeginn der Zeit bis heute gründlich analysiert, kann man es letztlich auf eine dieser drei fundamentalen Weltanschauungen zurückführen. Die erste geht von der ausschließlichen oder primären Existenz des Geistes aus, die zweite von der ausschließlichen oder primären Existenz der Materie, die dritte von der simultanen Existenz von Geist und Materie. Gibt es nur Materie, so ist der Materialismus die einzig konsequente Philosophie und Religion wäre vollkommen bedeutungslos. Umgekehrt, wenn es den Geist gibt, dann gibt es auch den Menschen, und das Leben wäre undenkbar ohne irgendeine eine Art von Religion oder Moral.

    Die mir am nächsten liegende Weltanschauung beruft sich auf ein Prinzip der Einheit von Geist und Materie, deren höchste Form das menschliche Leben darstellt. Dieses menschliche Leben ist demzufolge sich selbst gegenüber schlüssig und vollkommen, wenn es sowohl ein humanes Konzept verwirklicht, dabei jedoch die biologischen Mechanismen der Existenz nicht ablehnt, sondern sie bejaht. Vielleicht sind alles menschliche Scheitern und alle Fehlschläge im Grunde entweder auf die religiöse Ablehnung des biologischen Lebens oder auf die materialistische Verneinung des Menschen zurückzuführen. Dieser „Mittelweg“ ist etwas für Europa untypisches, mit Ausnahme selbstverständlich der Briten, und wir wissen alle, dass die dortige Tradition – das hat sie die Geschichte gelehrt – besagt, jegliche Extreme möglichst zu meiden. Nichts verdeutlicht diesen Unterschied so sehr wie ein Vergleich der Glorious Revolution vom französischen Pendant.

    Nun berufen sich die Einen auf Natur und Wissenschaft , und erklären dies zur einzig existierenden Wirklichkeit und belächeln alles andere nicht Messbare als Ammenmärchen. Die Anderen wiederum gehen vom Menschen selbst aus und entdecken – angesichts eines Universums, das sie in der menschlichen Seele (die für die Ersteren wiederum genauso wenig existiert wie der freie Wille) erblicken – eine ganz eigene wertvolle Lebensweise. Meine Wenigkeit, zur dritten Gruppe zugehörig, beruft sich auf die einzigartige Erscheinung des Menschen in der Welt, der einerseits ein Kind der Natur ist – und nicht in eine lebensfeindliche hinausgeworfen wurde und einen Erbsünde-Fluch mit sich trägt -, andererseits jedoch trotz aller genetischer Nähe zu Primaten sich durch jenes Irrationale unterscheidet, sei es durch seltsame Kulte, Initiationsriten, die weit über die auch im Tierreich zu beobachtende rituelle Abhärtung in Form von Kampfspielen hinausgehen. Oder eben durch Eremiten, die dieser Welt entsagen und nach einer anderen streben. Oder der Kunst, einer der „Hegelschen Manifestation des Göttlichen“. Ja, ich weiß. Bei Hegel muss ich immer an Bertrand Russells Worte über ihn denken (1).
    Mit anderen Worten: Nicht der aufrechte Gang, die sprachliche Artikulation oder der ziemlich geschickte Umgang mit Werkzeugen macht uns zum Menschen. Allerhöchstens zu einem besonders intelligenten Tier. Der Mensch wurde dann Mensch, als er bspw. anfing, Tiere zu malen, Jagdszenen einzufangen im Glauben, dass ihm die nächste Jagd wie auch immer gesegnet werden würde. In allen wie auch immer primitiv gearteten Kulturen finden wir irrationale Riten wie Opfergaben, Kulte, oder schlicht Kunst, die wir nicht per se als Kontinuität im Tierreich finden – egal, wie erfreut man sich über „Kunstwerke“ zeigt, die entstehen, wenn man einem Schimpansen einen Pinsel in die Hand drückt.

    In all den irrationalen Elementen finden wir diese andere Seite des Menschen. Die evolutionsbiologischen und allgemein formuliert naturwissenschaftlichen Argumente von Materialisten sind natürlich beeindruckend und überzeugend. Sie sind ebenso eine Negierung des Menschen: So wie Religion nicht zu Fortschritt führt, so führt Wissenschaft genausowenig zu Humanismus, ganz im Gegenteil.
    Dass das religiös geprägte Russland große Künstler hervorbrachte, die Sowjetunion hingegen große Wissenschaftler (man vergleiche die Maler, Komponisten und Schriftsteller beider Epochen, der Qualitätsunterschied springt einem geradezu ins Auge) ist kein Zufall.
    Gott sei Dank ist die Sowjetunion untergangen (2), im Gegensatz jedoch zur diktatorischen, „wissenschaftlichen“ Technokratie, die sich letztlich gegen den Menschen und dessen Natur richtet. Dummerweise hat die heutige Update-Version eine weitaus effizientere Struktur und Reichweite – ein Umstand der auf eine – im Vergleich zu früheren Generationen – weitgehend ungebildete Jugend trifft, bei der vor allem die Verkaufszahlen für Antidepressiva beständig Rekordwerte verzeichnen. Gott sei Dank (zum Zweiten) gibt es sowas wie Eschatologie, so dass man dem Ganzen Treiben mit einer Portion Gelassenheit (gemeint ist hier ausdrücklich nicht die stoische Gleichmut) begegnen kann, zumindest jedoch ist man im Gegensatz zum „regimekritischen“ Materialisten etwas weniger unvorbereitet. (3)

    Schon die Weisen der Antike sagten, es gäbe zwei Substanzen: den Geist und die Materie. Darunter verstanden sie zwei Anfänge, zwei Welten, zwei Ordnungen der Dinge, die verschiedenen Ursprungs, verschiedener Natur sind, die weder auseinander hervorgehen, noch aufeinander zurückgeführt werden können. Selbst die hellsichtigsten unter den spirituellen und geistigen Führern der Welt konnten dieser Unterscheidung nicht entgehen, auch wenn ihre Herangehensweise sich jeweils unterschied. Man könnte sich diese Welten als zwei zeitlich verschiedene, als „sukzessive“ Welten (die „jetzige“ und die „zukünftige“) vorstellen, oder sie aber von ihrem Wesen, von ihrem Sinne her verschieden, aber als zwei gleichzeitige, „simultane“ Welten betrachten, was dem Kern der Sache näher kommt.

    Den menschlichen Gefühlen ist der Dualismus am nächsten, er ist jedoch nicht die höchste menschliche Philosophie. Im Gegenteil, alle großen philosophischen Richtungen waren monistisch. Die Menschen leben, fühlen und nehmen die Welt dualistisch wahr, doch der Monismus liegt in der Natur jeder Philosophie und vernünftigen Denkens: Philosophie duldet keinen Dualismus. Dieser Umstand ist jedoch nicht von Belang. Denn Vorstellungen können nicht über das Leben urteilen, das über ihnen steht. Im Grunde befinden wir uns allein dadurch, dass wir Menschen sind, in zwei Realitäten. Diese zwei Welten können wir negieren oder sie nicht anerkennen, doch können wir sie nicht verlassen. Anders gesagt: Das Leben hängt nicht davon ab, wie sehr wir es verstehen.

    Es stellt sich daher nicht die Frage, ob wir gleichzeitig zwei Leben leben werden, sondern ob wir diese zwei Leben bewusst, entschlossen und mit dem Verständnis des letztendlichen Sinnes leben werden. Jedes Leben ist zweigeteilt. Nur ein Leben zu führen, ist für den Menschen „technisch gesehen“ unmöglich, zumindest seit dem Zeitpunkt, als er aufgehört hat ein Tier zu sein,seitdem – religiös ausgedrückt – „im Himmel“ ein moralisches Rätsel aufgestellt wurde, seitdem der Mensch „in die Welt“ oder „in die gesellschaftliche Wirklichkeit geworfen“ wurde. Der Mensch kann an ein Leben denken oder glauben, doch wenn er lebt, lebt er zwei Leben. Zumindest in der Regel, denn – hier wieder der Verweis auf den derzeitigen Trend- ändern sich Dinge, so z.B. auch die Vorbilder. War es für den Menschen einst der Löwe, war es danach der Schimpanse. Heute offenbar die Ameise…

    Wir haben – selbstverständlich – keinerlei rationale Beweise, dass es noch eine Welt außer der äußeren, sinnlichen gibt, allerdings haben wir das deutliche Gefühl, das Herstellen und Konsumieren nicht das einzige im Leben ist. Ein Wissenschaftler oder Denker, der bemüht ist, die Wahrheit herauszufinden, wird dieses andere, „höhere“ Leben nicht wirklich entdecken – doch in eben dieser Suche nach der Wahrheit und der Vernachlässigung des animalischen Lebens liegt diese andere, höhere Form der Existenz.

    Sich für andere Menschen zu engagieren oder zu kämpfen oder sich für Dinge wie „Wahrheit“, „Gerechtigkeit“ oder „das Gute“ einzusetzen – all das ist stets eine Verneinung der Beschränktheit und Endlichkeit des Leben. Die Opfer derer, die Leben, Freiheit und Frieden verlieren, da sie irgendwelchen moralischen Gesetzen treu bleiben, verkünden am offensichtlichsten die Unendlichkeit des Lebens und seines zweiten, höheren Sinnes. Man kann das als Atheist belächeln oder mit zynischem Humor kommentieren, weil man nun mal seinen Heidenspaß hat, frömmelnde Schafe vor den Kopf zu stoßen – Douglas Adams steht in meiner Bibliothek über Kant und das sowohl im übertragenen als auch im alphabetischen Sinne.
    Oder aber man sieht diese wie auch immer begründete und geartete Opfer- Einsatzbereitschaft, die über das tierische Nützlichkeitsprinzip hinausgeht, als Funken des Lichts sehen, die uns wie das Aufleuchten eines Blitzes in der nächtlichen Finsternis für einen Sekundenbruchteil ferne Horizonte erhellen. Selbst wenn uns weiterhin das Herumtappen und Umherrigen in der Dunkelheit bleibt: für den einen oder Anderen sind solche Ausblicke auf den Horizon, die sie uns für einen kurzen Moment auftun, keine trügerische Fata Morgana.

    Selbst unsere eigene Antwort auf die Frage, wo wir selbst hingehören, entspricht, so ehrlich sie auch ist, mitunter nicht unserer wahren Ansicht. Jeder von uns hat sich sein eigenes Weltbild zusammengebastelt, das in der Regel halbgar oder inkonsequent ist und sich nur dank unserer eigenen Kritiklosigkeit aufrecht hält. Wir nennen das Weltbild „Religion“ oder „Atheismus“, meist hat es jedoch wenig mit diesen Begriffen zu tun. Darunter fallen Gläubige, die versuchen, mit Hilfe der Wissenschaft ihren Glauben zu beweisen ebenso wie Atheisten, die das Opfern im Namen „höherer Ziele“ propagieren oder Bilder von Picasso oder Skulpturen von Rodin bewundern. Sowohl der Materialismus als auch die bloße Religion verdanken ihre scheinbar große Anhängerschaft vor allem der Tatsache, dass die Mehrheit der Menschen ihre wahre Bedeutung nicht versteht.

    (1) „Je fehlerhafter die Logik, um so interessanter die sich aus ihr ergebenden Konsequenzen.“ (Bertrand Russell, „Philosophie des Abendlandes“, S. 752)

    (2) „What can I say – it must have been the will of God.“ (M. Gorbatschow)
    Quelle: http://edition.cnn.com/2005/WORLD/europe/04/03/pope.gorbachev/

    (3) „Without Escatology there’s only scatology“ (A.H. Murad)

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  2. Stefan schreibt:

    Ich freue mich über einen Denker, der derart an die Grenze geht… das liefert Auslöser zum eigenen Weiterdenken.

    Da nun schon einmal die Bibel erwähnt wurde, gedenke ich, deren Sicht hier dagegenzustellen.

    Im Zentrum steht der Tod des Sohnes Gottes. Um einen vollständigen und nicht überbietbaren Tod zu erleiden, stürzte Jesus in eine Lage, wo er sogar von Gott verlassen wurde.

    Dies ist in jeglicher anderer menschlichen Existenz nicht möglich. Wenn man sich in die finsterste Tiefe des fernsten Alls begäbe, entkäme man der Gegenwart Gottes dennoch nicht, denn „Selbst Finsternis ist bei Gott Licht.“(einem Psalm entnommen.)

    Laut Bibel ist die Anwesenheit Gottes folgendermaßen definiert: „In Ihm leben, weben und SIND wir.“ Es gibt kein Sein außerhalb von Gott. (Nenne man es gerne Pantheismus!)

    Das ist sehr gut physikalisch herunterzubrechen. Unser Wissen reicht momentan bis zur Anschauung vom Atomaufbau. Die Elektronen sind in ihrer Bewegung durch Frequenzen gekennzeichnet. Den Unterschied in unterschiedlicher Materie machen also spezifische Frequenzen, mit denen Elektronen „schwingen“ oder in ihrer Bahn gehalten werden (und damit untersch. Elemente definieren).

    Laut dem Emtropiegesetz streben sich selbst überlassene abgeschlossene Systeme einen maximal undifferenzierten Gleichgewichtszustand an. Die „Geordnetheit“ verliert sich bis auf Null („Tod“)(„Kalt“)

    Eine höhere Ordnung in ein abgeschlossenes System zu bringen kann NUR durch Energie- und Informationszufuhr geschehen.

    Die Aufrechterhaltung eines jeden Atoms als Atom bedeutet: Energie – und Informationszufuhr (sonst: Entropie setzt ein = Entropie ist Tod -> keine Wärme, keine Bewegung, keine Struktur).

    Woher kommt die Energie und die Information? Man kann hergehen und diese Erhaltungskraft „Gott“ nennen… eine Informationsquelle, die alle Materie mittels Information in einem strukturierten Zustand erhält. („Gott schuf durch sein ‚Wort‘ -> ‚Wort‘ aka ‚Information'“).

    Es ist unmöglich, an dem Postulat eines „Letztursprunges“ und einer „Letztquelle“ vorbeizukommen. Es ist philosophisch wirksam, diese Entität als „allmächtig“, „unendlich“, „ohne Anfang und Ende“ zu definieren, als außerhalb der Zeit, außerhalb unserer vier Dimensionen, unzugänglich und NICHT erforschbar. In einem Wort/Begriff: „Gott“.

    Genau dies ist die Aussage der Bibel. Das heißt, jede Zelle existiert durch Gott und in Gott und „auf Gott hin“ (Bewegungsrichtung = Existenz ist nicht statisch, sondern dynamisch).

    Naturgesetze bestehen NUR, weil die Letztquelle sie in jeder Nanosekunde genau so aufrecht erhält, alle Naturkonstanten exakt gleichbleiben lässt etc. pp.

    (Exkurs Ende).

    Es kann also laut Bibel keine vollständige Einsamkeit geben. Vor allem kann der Mensch in sich nicht das finden, was ihm eine einsame Existenz ( ohne Gegenüber) ermöglichen würde (Willenskraft, eigenes starkes Ich).

    Ein Eremit OHNE irgendein Gegenüber würde definitiv dem Wahn vefallen und seine persona einbüßen.

    Alle in dieser Richtung gemachten Experimente benötigten ein metaphysisches Gegenüber.

    Solche Experimente hat es auch in der christlichen Kirche gegeben. Ich werde mal kurz nachsuchen und verlinken.

    PS.
    Einen gedankenlos – unreflektierten „Alltagsatheismus“, in welchen man hineingeboren wird und darin unreflektiert verbleibt, halte ich fur gänzlich unmöglich.

    Alle Evidenz spricht total dagegen.

    Eine Vielzahl von Faktoren spricht dagegen:
    spontanes Staunen angesichts von Natur – oder biologischen „Wundern“…

    …Ergriffenheit eines Vaters bei der Geburt seines Kindes und die unglaubliche (metaphysische) Zuneigung…

    …die angestengte Suche nach Deutungsmöglichen eigener und fremder Schicksale…

    …das Phänomen ‚Orgasmus“…

    …das Erstaunen von Forschern bei der Entdeckung neuer verblüffender Zusammenhänge…

    …das Unendlichkeitserlebnis „Weltall“…

    …das eigene „Riesenuniversum“ des Bewusstseins, daß jeder Mensch mit sich herumträgt (und somit jeder sein eigenes, metaphysisches Universum ist)…

    …die erstaunliche Erfahrung, daß moralische Grundbausteine absolut kulturübergreifend eine selbstverständliche Gegebenheit sind…

    …die Frage, warum nicht „nichts“ ist ….

    …die unendliche Vielzahl von „Selbstaufopferungen“die man aus der Geschichte kennt…

    u.v.a.m.

    Letztendlich sagt die Bibel allerdings, daß menschliche Ratio und der Erkenntnisweg „Wissen“ eine feststehende Blockade gegen die Erkenntnis Gottes sind und laut Gott auch sein sollen. Das heißt, je „gebildeter“ und „belesener“ und „intelligenter“ ein Mensch ist, desto unmöglicher ist es ihm, Gott zu erkennen – denn Ihm dünkte es gut, „sich den Unmündigen und den Kindern zu offenbaren“ damit Er „die Weisheit und das Wissen dieser Welt zuschanden machen“ würde und es auch macht.

    „Theologie“ ist somit KEIN Weg, sich einer Gotteserkenntnis anzunähern. 🙂

    Sela, Psalmenende. 🙂

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    • @ Stefan

      Man kann Ihnen nur wünschen, daß Pérégrinateur nach seinem morgigen Absturz keine Lust mehr verspürt, ihren quantenphysikalischen Gottesbeweis auseinanderzunehmen. Schon deswegen äußere ich mich dazu nicht.

      Daß Theologie nicht der Weg zu einem authentischen Gotteserleben – ich nehme an, das meinen Sie mit „Gotteserkenntnis“ – sein kann, ist hier im Laufe der Jahre schon mehrfach angeklungen, ja es wurde sogar die Behauptung aufgestellt, daß die Theologie der sprechende Beweis für den unausrottbare Glaubenszweifel udn also den Atheismus ist, nebst dem Ausweis der Gründe dafür, etwa Schriftverständnis, Wunder, das Unerklärliche (wie Trinität), Vorsehung etc. Sie bringen die Argumente gegen Ihre Herleitung selbst ins Spiel, etwa wenn Sie Luther zitieren … und nicht die Bibel. Es sollte genügen, ein paar Varianten aufzuzeigen, um deutlich zu machen, daß wir es zuvörderst mit einem Text zu tun haben – Apostelgeschichte 17:28.

      Neue Welt (Zeugen): Denn durch ihn haben wir Leben und bewegen uns und existieren.
      Menge: Denn in ihm leben wir und bewegen wir uns und sind wir (= haben wir unser Dasein)
      King James: For in him we live, and move and have our being. usw.

      Das verweist auch auf den „Alltagsatheismus“. Glaube ist Gnade aber diese Gnade braucht zuvor das Wort, die Sprache. Und wenn in der Sprache, in der ein Mensch aufwächst, das Wort oder der Gedanke Gottes nicht vorkommt, nicht bedeutsam ist oder eben tatsächlich fehlt, dann bleibt den Menschen nichts anderes übrig, als ihr Leben ohne Gott zu führen. Das mag Ihnen als jemand, der im christlichen Dissidentenmilieu aufgewachsen ist, als unmöglich erscheinen, allein ich kenne solche Menschen aus der unmittelbaren Erfahrung udn weiß daher, daß es möglich ist. Natürlich gibt es dort auch ein Staunen über dies und das aber das ist in der Regel „der Mensch“, „die Natur“, „der Körper“ etc. Der Gedanke an Gott erscheint diesen Menschen so fremd und absurd, daß sie sich nie der Mühe unterzogen haben, ihn in irgendeiner Form zu meditieren – und das scheint mir mehr und mehr die Norm zu sein.

      Aber selbst wenn man Philosoph ist, so bleibt die Wahrnehmung doch zeitbedingt. So glaubte Anaximenes etwa – Stichwort Unendlichkeitserlebnis „Weltall“ -, daß die Sterne Löcher in einer die Erde umgebenden Hülle seien, durch die ein Feuer scheint, jedenfalls war das kein Unendlichkeitserlebnis. usw. Das Thema ist unbeendbar, deswegen sollte man es vorerst beenden.

      Und dann noch eine Bitte: Worte wie „Denker“ lassen mich immer aufschrecken – in meinem Wörterbuch sind sie für Menschen vorbehalten, die genuin originell sind.

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    • Pérégrinateur schreibt:

      • „Unser Wissen reicht momentan bis zur Anschauung vom Atomaufbau.“ – Nein, weiter. Die Quantenchromodynamik behandelt den inneren Aufbau der Elementarteilchen.

      • „Die Elektronen sind in ihrer Bewegung durch Frequenzen gekennzeichnet.“ – Die freien Elektronen nicht. (Und ich bin übrigens auch ein freies Elektron, fern von jeder Gottesvorstellung.)

      „Eine höhere Ordnung in ein abgeschlossenes System zu bringen kann nur durch Energie- und Informationszufuhr geschehen.“ – Was ist denn eine höhere Ordnung? Übrigens kann in Teilsystemen durchaus Ordnung entstehen. Siehe etwa die Sortierung der Sandkörner am Strand durch den Wellenschlag oder das Wachstum eines Kristalls in einer Lösung.
      „Die Aufrechterhaltung eines jeden Atoms als Atom bedeutet: Energie – und Informationszufuhr (sonst: Entropie setzt ein = Entropie ist Tod -> keine Wärme, keine Bewegung, keine Struktur).“ – Atome verlottern nicht, und wenn sie zerfallen, geben sie sogar Energie ab. Zumindest früher hat man den Zustand maximaler Entropie übrigens Wärmetod genannt, und in dem Fall hat man maximal ungeordnete Bewegung. Vielleicht regt sich bei Ihnen eine Erinnerung an die alte und widerlegte Auffassung, die Elektronen in der Atomhülle würden strahlen, da sie sich auf einer Kreisbahn bewegten, und also Energie verlieren, die von irgendwoher ersetzt werden müsste. Dem ist aber nicht so. Die Physik im Kleinen ist nun mal anders als unsere makroskopisch angeleitete Anschauung uns zunächst vermuten lässt.
      „Es ist unmöglich, an dem Postulat eines „Letztursprunges“ und einer „Letztquelle“ vorbeizukommen.“ – Siehe Münchhausen-Trilemma.
      „Es ist philosophisch wirksam, diese Entität als ‚allmächtig‘, ‚unendlich‘, ‚ohne Anfang und Ende‘ zu definieren, als außerhalb der Zeit, außerhalb unserer vier Dimensionen, unzugänglich und nicht erforschbar. In einem Wort/Begriff: ‚Gott‘.“ – Was soll denn das sein, „philosophisch wirksam“? Ich fürchte, das ist nur ein argumentativer weicher Soden auf dem logischen Sumpfwege, einem Hirngespinst eine Realität zuzuschreiben.
      „Genau dies ist die Aussage der Bibel.“ – Darüber, was genau die Aussage der Bibel sei, gibt es millionenfach Literatur. Vielleicht besteht ja das große informationstheoretische Wunder darin, dass aus einem toten alten Schinken immer wieder eine riesige Büffelerde entsprießt. Nur dass diese Büffel gewöhnlich einander an den Kragen gehen.
      „Das heißt, jede Zelle existiert durch Gott und in Gott und ‚auf Gott hin‘.“ – Der alte Herr hat sicher große Mühe, denn er muss auch ganz genau abpassen, jedem der gegen 100 Millionen Menschen, die wohl jedes Jahr neu geboren werde, immer zur rechten Zeit eine unsterbliche Seele zu geben. Was für ein Leben, schlimmer als das des Obereunuchen in des Sultans Harem!
      „Naturgesetze bestehen nur, weil die Letztquelle sie in jeder Nanosekunde genau so aufrecht erhält, alle Naturkonstanten exakt gleichbleiben lässt etc. pp.“ – In dieser Vorstellung wird jedes natürliche Geschehen als Ausfluss eines einzigen, personalen Willens angesehen. Der Abgang von dieser Vorstellung und die erfolgreiche Suche nach natürlichen Ursachen der Dinge hat die Menschheit hochgebracht. Seitdem opfern wir keine Jungfrauen mehr, um bei Gewitter den supponierten Willen des Wettergottes zu besänftigen: Blitz ist Elektrizität, Donner ist eine Stoßwelle usw. Und der Mensch hat keine Seele, sondern ein Zentrales Nervensystem.
      „…das Unendlichkeitserlebnis ‚Weltall‘…“ – brachte einen Kosmologen zu der Aussage: „Die Bühne ist zu groß für diesen kleinen Spieler.“ (Er meinte Gott.)
      „…die Frage, warum nicht „nichts“ ist…“ – ist recht einfach zu beantworten: Wenn nichts wäre, gäbe es auch keine Beobachter, die sich diesen Gedanken machen könnten. Dessen Idee, die Welt, in der ein Beobachter lebt, müsse notwendig existieren, ist reichlich selbstgefällig.
      „…die unendliche Vielzahl von „Selbstaufopferungen“, die man aus der Geschichte kennt…“ – umfasst auch die 19 Selbstopferungen tapferer junger Männer vor knapp 20 Jahren in den östlichen USA. Was können wir daraus ableiten?

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      • Weil wir gerade beim Thema sind. Ich habe folgende Bücher abzugeben, kostenfrei, lediglich Versandkosten. Mehrere Bände

        Walter Greiner: Theoretische Physik. Quantenmechanik, Mechanik, Quantentheorie, Spezielle Relativitätstheorie, Klassische Elektrodynamik – alles in sehr gutem Zustand, einige wohl doppelt.
        https://ibb.co/7JdWp5p

        Dazu: Ernst Schröder: Algebra und Logik der Relative. Dritter Band – sehr schlechter Zustand
        https://ibb.co/jTrMZtd

        Das war ein Beifang bei Ebay, als ich die Werkausgabe Leonard Nelson ersteigerte. Die gehen ansonsten in die Telefonzelle.

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  3. Zorn Dieter schreibt:

    Nun gerade der Budhismus lehrt, dass es kein Menschsein ohne Bezug zu anderen, zur Gemeinschaft, geben kann. Buddhist ist jemand, der „Zuflucht zu den drei Juwelen“ genommen hat: Dem Buddha, der Dharma und der Sangha. Mit dem Buddha wird einerseits das Ziel verehrt, auf das sich alle Lebewesen hin bewegen und andererseits der geschichtliche Mensch, Siddharta Gautama, der Begründer der buddhistischen Lehre. Der Dharma bezeichnet die Wahrheit, die Buddha schaute und den Pfad, den er in seiner Lehre darlegte. Die Sangha ist die spirituelle Gemeinschaft. Nur in der Gemeinschaft mit anderen Menschen kann der Einzelne wachsen und auf der Spirale der Tugenden immer höher steigen. Er braucht dazu Lehrer und Vorbilder, solche, die schon weiter sind als er selbst. –

    Robinson ist ohne Freitag tot. Jedenfalls kein Mensch. Mensch ist nur, wer sich in der Gemeinschaft von Menschen bewegt. –

    Was nicht heißt, dass Phasen der Einsamkeit nicht helfen, sich selber besser kennen zu lernen. Der Asket ist der klassische Einsame. Aber auch er steigt wieder zu den Menschen herab, um sie an seiner Erkenntnis teilhaben zu lassen. So der Buddha nach seinen Meditationen und Entsagungen.-

    Sartre sagt: Die Hölle, das sind die anderen. Klar, könnte man sich von den anderen Fernhalten. Und damit weniger Hölle erfahren. Außer der Hölle in einem selber. Diese müsste dann durch Meditation, oder Exerzitien, bekämpft werden. Mit welchem Ziel? Ein besserer Mensch zu werden. –

    Profan gesagt: Die Mischung macht’s. Man muss Einsamkeit aushalten können, will man sich selbst erfahren. Man muss die Gemeinschaft suchen, um sein Menschsein zu erfahren und seine Erkenntnisse mit anderen zu teilen. –

    Menschenflucht ist keine Lösung.

    P.S.: Weder ist der Massenmensch zur Einsamkeit fähig, noch dazu von Lehrern zu lernen, wie man ein ausbalanciertes Leben führt. Beides zu können macht wahre Elite aus, im Sinn von Ortega Y Gasset.

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