Ich bin auch ein Prepper

Weil wir gerade beim Thema waren: man sollte immer vorbereitet sein, auf alles, vor allem auf das Eine und Endgültige. Aber das Leben braucht mehr als diese Sorge.

Es ist gut, ein paar Vorräte in der Kammer zu haben, ein bißchen Wasser, ein paar Haferflocken, Vitamine, Konserven etc. Und warum nicht auch Jodtabletten. Streichhölzer, Kerzen, Batterien. Man sollte halbwegs fit sein und den Körper hin und wieder daran erinnern, wie sich ein Dreißigkilometermarsch oder das Durchschwimmen eines Flusses anfühlt, wie man 10 Tage ohne Nahrung zurechtkommt …, das gehört zum Standard.

Mein Preppern sieht allerdings anders aus. Weder haben wir einen Bunker noch ein Notstromaggregat und auch keine Wasserfilteranlage, kein Funkgerät und keine Kalaschnikow oder einen Operationstisch im Keller … Auch kein Brot, das sich tausend Jahre hält.

Stattdessen lerne ich zwei Sprachen, die lebensrettend sein können. Auch mit Arabisch hatte ich mal begonnen, das schien mir in vielerlei Hinsicht nützlich zu sein, ist aber nicht weit gediehen und die jüngere Geschichte deutet auch an, daß Arabisch nicht zu den Überlebenssprachen zählt, daß die damalige Panik übertrieben war. Ich kann die Al Fatiha relativ akzentfrei in voller Länge und künstlerisch wertvoll aufsagen – das muß genügen, sollte der Glaubenstest gefordert werden. Die anderen beiden Sprachen gehören in Länder, die – sollte es nicht zum Armageddon kommen –  brauchbar sein können, um andernorts Fuß zu fassen, Länder, in denen noch ein Rest an Normalität und Wertestabilität herrscht.

Sollte die Rakete eines Tages hier einschlagen, dann – so stelle ich mir das etwas romantisch vor – werde ich wie einst Sándor Márai auf die Trümmer steigen in der Hoffnung, noch ein brauchbares Buch herauszufischen – bei Márai war es der Wunsch nach  Spenglers „Abendland“ oder Mark Aurel oder „Goethes Gespräche mit Eckermann“ –, aber mit allem als Erinnerung Vorlieb nehmen und sei es – wie in Márais zerbombter Budapester Bibliothek – ein Titel wie: „A polgári kutya gondozásának könyve“, „Das Buch über die Aufzucht des Hundes des Bürgers“[1]. Danach geht es dann ins neue Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Nur die Sprache sollte man beherrschen.

So wichtig und richtig es ist, sich der Daseinssorge zu widmen, so wenig taugt dies für ein tragendes Fundament des Lebens. Es braucht auch eine Zuversicht, ein Vertrauen in das Geschick – und die notwendige Vorbereitung, dieses zu beeinflussen.

[1] Sándor Márai: Föld, Föld! … 2. Abschnitt, Kapitel 15

5 Gedanken zu “Ich bin auch ein Prepper

  1. Zorn Dieter schreibt:

    Höre ich ins Volk hinein, also den Leuten zu, die im Parkett sitzen, spüre ich viel Besorgnis wegen des Krieges um die Ukraine. Und wenig Kriegslust. Sollte man das nicht positiv sehen? –

    Ganz im Gegensatz zu den Menschen auf der Galerie: Eliten, Journalisten, Politiker, Meinungsmacher, Fernsehmacher, Herausgeber,…, sie lassen ihren Affekten vollen Lauf. Aufrüstung, Waffenkäufe, Sondervermögen, Sanktionen, …, sind die Losung. Ob sie auch die Lösung sind? –

    Aufgeführt wird ein weiteres Stück Geopolitik. Hinter den Rauchschwaden der Propaganda. Geopolitik ist eine weiche Umschreibung für eine harte Sache: Die Schaffung von Imperien, inklusive tributpflichtiger Vassallenstaaten, von Absatzmärkten und die Sicherung von Rohstoffquellen. Mit Hilfe von Lügen, Falschbehauptungen, Waffen und Propaganda. Auf jeder Seite. Was sich die Betreiber erhoffen ist klar: Noch mehr Macht & Geld. Was erhoffen sich die Claqueure? Eine Villa neben dem Wärterhäuschen? –

    Putin der Agressor. Putin der Kriegsverbrecher. Pfände ich dein Vermögen, zerrst du an meinem. Sanktion und Gegensanktion. Waffen in die Ukraine. Zur Verlängerung des Schmerzes, der ja nicht unserer ist. Ein zynisches Spiel, welches das Volk der Ukraine bezahlt.

    Vergessen Afghanistan. Und die schmähliche Flucht des Westens. Vergessen der Irak, Libyien, Syrien, …. Alles vergessen. Kein Toter starb umsonst. Wir bringen die Demokratie. –

    EU und NATO und G7 wollen nun den totalen Krieg gegen Putin, den Aggressor. Koste es was es wolle. Zwingt ihn in die Knie! Energieboykott! Schadenfrohe Botschaft derer, denen die moralinsauren Zurechtweisungen der Deutschen schon immer auf die Nerven gingen. Keine Verhandlungen!-

    In Bergedorf, einem wohlhabenderen Stadtteil Hamburgs, versammelten sich heute, wie immer am Dienstag, Donnerstag und Samstag, 200 Menschen in der Stadtkirche und holten sich ihre kostenlose Suppe ab. Am Schlosspark entlang standen ca 100 Flüchtlinge aus der Ukraine wegen der Registrierung an. –

    Wenigstens schien die Sonne.

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  2. Zorn Dieter schreibt:

    Die drei Bücher, die ich mitnehmen würde sind schnell gegriffen. Goethes „Faust“. Plus der wunderbare Bildband zur Aufführung von Stein anlässlich der Expo 2000. Von Nietzsche „Menschliches Allzumenschliches“. Weil keiner den Irrsinn dieser Welt so wortmächtig und zeitlos auf den Punkt gebracht hat. Aber in diesem Band auch so viel Versöhnliches steckt. Und den „Ulysses“ von James Joyce. Weil ich abends auch was zu lachen haben will. Alle anderen Bücher müssen zuhause bleiben, weil sie nicht „letztgültig“ sind. Auch ein Schopenhauer gehört dazu. –

    Dass der menschliche Irrsinn nach dem Großen Blackout nicht enden würde, dessen bin ich sicher. Und die Irrsten wären wieder die sog. Intellektuellen. Die mit Worten und Moral ihr Geld verdienen. –

    Ist es nicht herrlich zu sehen, wie diese Wort-und Moral-Akrobaten nach Corona ihr neues Thema finden? Dem sie mit demselben Starrsinn und derselben Parteilichkeit wie immer zu Leibe rücken. Nur diesmal vielleicht andersherum gedreht: Tichy & Reitschuster sind nun die großen Einpeitscher gegen Putin. Tichy, der Transatlantiker, will auf keinen Fall „Putinsklave“ werden. Und Reitschuster flehte gestern seine treuen Fans an, ihn doch in seiner Abneigung gegen Putin zu verstehen, er habe schließlich fünfzehn Jahre im „Reich des Roten Zaren“ gelebt. Liest man die Artikel von der FAZ bis Reitschuster zum Ukraine Konflikt, dann schleudern täglich alle ihre Wunschträume oder Verwünschungen aufs Parkett, meistens fernab der Realität. –

    Von Nietzsche soll übrigens der Satz stammen: „Noch einhundert Jahre Journalismus und jedes Wort ist beschmutzt.“-

    Da ich nicht zwischen die Mühlen der Bekenner geraten will, poste ich nur noch hier. Und schmunzle beim Lesen der „Bekennerbriefe“ all derer, die sich noch gestern gegen jede Art von „Bekenntnis-Journalismus“ gewandt haben. –

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  3. Michael B. schreibt:

    Ist man nicht mit weitergehenden materiellen Mitteln gesegnet, sollte man natuerlich zuerst einmal sicherstellen, dass man seine Broetchen verdienen kann.

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