Mein Kriegstagebuch II

Endsieg: Biden will „vernichtende Sanktionen“, Baerbock will Sanktionen, die „Rußland ruinieren“ … es ist exakt diese Rhetorik, die den Konflikt anheizt. Sie zeigt das wahre Ansinnen des „freien Westens“: die Ausschaltung Rußlands als globale Macht. Das ist seit eh und je amerikanische Staatsdoktrin – die Deutschen sind nur belanglose Vasallen in diesem Spiel. Putin war dumm genug – so zumindest nehme ich das wahr –, den Amis nun den Vorwand zu geben, wenn schon Rußland nicht in die Steinzeit zu bomben, so es doch dahin zu sanktionieren. Psychologisch ist der Versuch, sich aus dem sich immer enger schließenden Schlangengriff zu befreien, durchaus verständlich, offensichtlich aber führte die – eingebildete? – Luftnot zu irrationalen Entscheidungen, die den Griff letztlich verstärken könnten. Es könnte nun sogar ein Regimechange in Moskau zur Debatte stehen. Damit hätte sich der Regimechange in der Ukraine hundertfach bezahlt gemacht. Selenykyj sprach in seiner Mutrede auch vom Mut, in Gesprächen mit Rußland über die Neutralität der Ukraine zu verhandeln – ein klares Signal des Eingeständnisses, das vermutlich Grund der jetzigen Verhandlungen ist –, der Westen hingegen denkt offen über EU- und NATO-Mitgliedschaft nach: ein sicheres Rezept für Konfrontation – solange das Putin-Lager an der Macht ist. Erst mit einem Regimechange wäre Rußland gefügig zu bekommen. Bis dahin jedoch müßte noch manche Abschußrampe unschädlich gemacht werden. Wie dem auch sei: offen ausgesprochene Vernichtungsphantasien können schwerlich hilfreich sein!

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Mein Kriegstagebuch

Innerhalb weniger Stunden ist das Wolkenkuckucksheim der links-grünen Politikblase in großen Teilen zusammengebrochen. Scholz verspricht 100 Mrd. für die marode Bundeswehr, die Heimstatt des ewigen Nazis sendet Waffen an den Gegner jenes Landes, dem man den Großen Krieg aufgezwungen hatte, schon wird die Wehrpflicht wieder diskutiert, das große energetische Umpolungsprogramm steht vor unlösbaren Problemen und wird wohl fallen müssen, die Einforderung politisch korrekter, feministischer und gendergerechter Sprachformen erscheint plötzlich als absurd … und das alles haben wir Putin zu danken.

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Komplettversagen?

Gerade geht ein kurzer Videoausschnitt herum, über den man nachdenken sollte.

Der Reporter des öffentlich-rechtlichen Senders fragt: „Hat tatsächlich unsere Regierung, hat Deutschland in den letzten Jahren komplett versagt, was ein militärisches Aufstellen betrifft in so einem Konflikt?“

Der Professor oder Experte antwortet: „Da ist die Antwort einfach. Ja! Dieser Zustand der Bundesregierung hat einen Namen und die Namen sind Merkel, Steinmeier, Gabriel, Scholz, plus die dazugehörigen Verteidigungsminister – und Ministerinnen.“

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Darf der Putin das?

Vermutlich wird es vielen Lesern so gehen – wenn man morgens erwacht und sich die Nachrichten anschaut, dann stets mit einem gewissen Erwarten oder einer Furcht vor dem nächsten großen Ereignis. Wir werden immer öfter befriedigt, die Einschläge von welthistorischer Dimension nehmen scheinbar zu. Das kann einerseits ein Wahrnehmungsproblem sein, geschaffen durch die komplette und globale Durchmedialisierung der Aufmerksamkeitssphäre – deshalb zählen auch größere Naturereignisse dazu – , zum anderen handelt es sich um „menschengemachte“ Katastrophen, also um Phänomene der allgemeinen historischen Akzeleration.

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Die Arroganz des Westens

Was ich im Folgenden sage, sage ich ohne Autorität und ohne tiefere Kenntnis der komplexen Zusammenhänge und ganz ausdrücklich nur auf der Spitze meines Nicht-Wissens – als Meinung, die man gern ignorieren kann.

Als Joe Biden zum Präsident gewählt worden war, da unkten einige Kommentatoren, daß man nun in kürzester Zeit mit Krieg rechnen könne. Sie sollten Recht behalten. Die Feststellung mag absurd erscheinen, denn immerhin sind nicht die Amerikaner die Aggressoren, sondern die Russen. So zumindest lesen wir es an allen Fronten und man müßte schon Arabisch beherrschen, Russisch oder Chinesisch, um etwas anderes lesen zu können. Dennoch ist die hypothetische Frage berechtigt: Hätte es zur jetzigen Eskalation kommen können, wenn Trump – der Vielgescholtene – eine zweite Regierungsperiode bekommen hätte? Man darf die Frage im vermutenden Gestus wohl mit „Nein“ beantworten und Trump selbst stellte diese These in „wirren Worten“ auf.

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Das Denunziationsparadox

Manche Menschen haben die Gabe, das unsichtbare Offensichtliche greifbar zu machen.

Vor einiger Zeit hatte ich die Gelegenheit, ein paar Worte mit Kubitschek zu wechseln. Da sprach er diesen Gedanken aus, der mich aufschrecken ließ. Alles war mit einem Male so evident – warum habe ich das bisher nicht gesehen? Für ihn war das ein Nebensatz, vielleicht nicht mal sonderlich betont, wahrscheinlich seit Langem eine Standarderkenntnis[1], für mich ein Augenöffner.

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Mit vierzig weiß man alles

Sándor Márai: Das Kräuterbuch XVIII

Darüber, daß man mit vierzig Jahren alles weiß

Mark Aurel sagt, daß ein Mann, der auch nur einen Funken Verstand besitzt, im Alter von vierzig Jahren, alles erlebt hat und alles weiß, was vor seiner Zeit mit den Menschen geschehen ist und was nach seiner Zeit mit ihnen geschehen könnte.[1]

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Denkanstöße – Sloterdijk VII

Wenn wir im folgenden von „Gesellschaft“ sprechen, bezeichnet der Ausdruck weder (wie im virulenten Nationalismus) einen monosphärischen Behälter, der eine abzählbare Population von Individuen und Familien unter einem politischen Wesensnamen oder einem konstitutiven Phantasma einschließt, noch (wie für manche Systemtheoretiker) einen unräumlichen Kommunikationsprozeß, der sich in Subsysteme „ausdifferenziert“.

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Bernd Zeller – das Interview

zu Bernd Zeller siehe: Das Phänomen Zeller

S: Kommen wir gleich zur Sache! Sie sind 1966 in Gera geboren, heute ein Ort der Renitenz, wie so viele Städte in Sachsen, Thüringen und im Rest des Ostens. Wie viel DDR steckt in Ihren Arbeiten?

Z: Nein, DDR steckt gar nicht drin, ich trachte vielleicht etwas mehr als Westhumoristen danach, dass das so bleibt, wobei auch hier „Westhumorist“ eine mentale Angelegenheit ist und keine geographische. Wie mir scheint, ist die Wahrscheinlichkeit, dass jemand mit einer Abneigung gegen Totalitarismus ostdeutsch ist, größer als fünfzig Prozent, also überproportional, weil man da eben wissen kann, wie es funktioniert, und es wiedererkennen kann. Wenn man das will.

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Die woke Woge

Die Woge des Wokismus schwappt wie das steigende Meer tagtäglich an unsere Küsten, läßt die Ränder des festen Landes erodieren und verschlingt immer mehr unschuldige Opfer.

Relativ unschuldige zumindest, denn die Vergehen sind meist klein, die Strafen dafür gigantisch. Ich fürchte, so stellen sich Future-Friday-Kinder – „Keine Zeit für Kompromisse“ –  die Zukunft vor: du hast deinen Joghurtbecher im Glasmüll entsorgt! Verflucht sei dein Name bis ins zehnte Glied, besiegelt dein Schicksal und in die ehernen Tontafeln des Wikipedia-Gerichts eingehauen.

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Digitaler Waldgang

Beim Waldspaziergang begegnete mir heute gleich drei Mal ein junger Mann in immer gleicher Pose. Vögel zwitscherten (zu früh) ihr Liebeslied, ein Schwarzspecht hämmerte wie verrückt am Baum und flog immer wieder aufgeschreckt mit seinem typischen Flügelschlag weiter, der Wind wehte die letzten Blätter herab, … aber der junge Mann bekam davon nichts mit, denn er hatte weiße drahtlose Stöpsel in den Ohren und starrte myopisch und mit gekrümmtem Rücken auf sein Mobiltelefon.

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Heimo Schwilks weiches Herz

Tagebuchveröffentlichungen müssen sich rechtfertigen: der Verfasser sollte historisches Gewicht mitbringen, von Bedeutung sein und die von ihm notierten Ereignisse und Gedanken sollten selbstredend erzählens- und erhaltenswert sein.

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Die sich in Gesellschaft hervortun

Sándor Márai: Das Kräuterbuch XVII[1]

Über jene, die sich in Gesellschaft hervortun

In Gesellschaft sollte man sich vor jenen Menschen hüten, die nie zu ihrem Tischnachbarn, sondern immer nur zur gesamten Gesellschaft sprechen, die wollen, daß jedes ihrer Worte von allen Anwesenden gehört wird, penibel achten sie darauf, daß keines ihrer Worte unter den Tisch fällt, ununterbrochen erzählen sie Geschichten, halten Vorträge, um ihre Vortrefflichkeit zu beweisen und die Gesellschaft zu verzaubern.

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