Sinnvoller Widerstand

Seid klug wie Schlangen und ohne Falsch wie die Tauben. (Mt 10,16)

Als 1956 die Rote Armee in Budapest eindrang, um den ungarischen Volksaufstand mit ihren Panzern niederzuwalzen, da gab es für viele Ungarn kein Zögern mehr: sie griffen zur Waffe und leisteten Widerstand, ganz gleich, welcher politischen Orientierung sie angehörten. Imre Nagy etwa war Kommunist und riskierte dennoch sein Leben. Solche klaren Linien gibt es in der Geschichte freilich nicht oft – Situationen, die das richtige Handeln zweifelsfrei definieren. Wer sich am Widerstand nicht beteiligt, ist ein Schuft oder Feigling.

In unserer demokratischsten aller Welten verschwimmen die Grenzen zusehends und werden schwammig weich. Widerstand erweist sich oft als sinnlos, zumindest aber erfolglos. Jeglicher Protest wird aufgesogen, versinkt scheinbar effektlos im Gesellschaftsgewebe – trotz langer Denkarbeit hat bisher noch kaum jemand eine Protestmethode entdeckt, die wirklich etwas bewirkt. Es wäre schon ein Erfolg, wenn es eine gäbe, die das Gespinst letztlich nicht noch füttert!

Die Corona-Lage bringt diese Art des Konflikts auf eine neue Stufe.

Verzweifelt gehen Bürger spazieren, weil ihnen schon gar nichts anderes mehr bleibt, aber die Öffentlichkeit nimmt sie als Spinner und Schwurbler wahr – wenn sie Glück haben – oder als Demokratiefeinde und Rechtsextreme. Viele haben dafür bereits einen Preis bezahlt: den Schwitzkasten eines Polizisten, die Aufnahme der persönlichen Daten und damit oft der erstmalige Eingang in den großen Computer oder gar Gerichtsverfahren mit Aburteilungen und Geldstrafen. Die Spaziergänger sehen sich in der Mehrzahl selbst als Verteidiger der Demokratie, Politik und Medien machen aus ihnen das Gegenteil – die Wut ist verständlicherweise enorm, oder die Ohnmacht. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis einem die Sicherung durchbrennt. Anderseits wird die Resignation übermächtig.

Immer mehr Menschen stehen also vor der Frage: Wo ist Widerstand sinnvoll?

Ellen Kositza stellte diese Frage indirekt auf Twitter:

Bettina Gruber ist eine der klügsten Autorinnen des Milieus, von ihr hört man nie Unbedachtes. Nun ist sie auf Twitter gesperrt, weil sie eine Meinung zur Situation an der polnisch-weißrussischen Grenze geäußert hat. Ich kenne die Äußerung nicht, aber das ist auch egal. Das Sperren ist in jedem Fall ein Skandal, auch wenn es mittlerweile Alltag ist und Zehntausende betrifft.

Twitter fordert nun die Rücknahme des Tweets, dann würde man sie wieder freischalten. Ein kleiner Akt des Opportunismus wird verlangt und es kann weitergehen. Aber Bettina Gruber weigert sich, geht „in den Widerstand“ und will die Angelegenheit eventuell juristisch klären. So wird aus der Petitesse ein großer Akt, der viel Aufmerksamkeit, Energie und Geld verschlingen, auch eine juristische Niederlage zur Folge haben könnte und vielleicht eine weitere Stimme verstummen läßt. Nicht nur de facto, sondern auch psychisch – denn wie oft ist ein Mensch in der Lage, derartige Kämpfe, Sisyphus-Kämpfe, Kämpfe gegen Windmühlen, kafkaeske Kämpfe seelisch durchzustehen, bevor er resigniert? Es gibt in diesem Fall sicher viele starke Gründe, klein beizugeben, taktisch den Rückzug anzutreten, um später wieder angreifen zu können …, aber es gibt auch viele starke Gründe dagegen.

Im Moment gibt es derartige Konflikte zuhauf.

Ein Medizinstudent steht vor der Entscheidung, sein Studium – für das er brennt – abzubrechen oder mindestens zu unterbrechen, weil er ohne Impfung keine Studienzulassung bekommt. Verzweifelt hat er versucht, sich irgendwo anzustecken, um wenigstens einen zeitlichen Puffer zu erlangen, doch vergebens.

In Österreich hat eine junge Mutter – durch die Corona-Einschränkungen ohnehin schon am psychischen Limit – für sich entschieden, sich weder impfen zu lassen noch das Bußgeld zu zahlen, sondern den juristischen Weg zu beschreiten. Diese Entscheidung verschafft ihr für den Moment Seelenfrieden, aber ob das so bleibt, wird sich zeigen, denn auch hier werden seelische Ressourcen gefragt sein und wie würde sie eine Niederlage verkraften?

In diesem Komplex sind wohl auch die Stelleninserate einiger Pflegekräfte zu sehen. Daß die meisten Anzeigen nicht genuin sind, sieht man auf den ersten Blick. Dennoch ist es wohl eine Art Hilfeschrei …

Und so allerorten. Menschen reagieren instinktiv mit Widerstand gegen das, was sie als hochgradig ungerecht und gefährlich ansehen. Aber ist dieser Widerstand gerechtfertigt, ist er sinnvoll im Angesicht seines sehr wahrscheinlichen Scheiterns? Statt die erhofften Ergebnisse zu zeitigen, wird er die Leute eher auslaugen oder in die Radikalisierung und die Irrationalität treiben. In beiden Fällen wären diese Menschen für eine politische Änderung verloren, ja sie würden ihr sogar im Weg stehen, denn nichts wäre im Moment verheerender als eine medientaugliche Verzweiflungsaktion, auf die Haldenwang sehnsüchtig wartet.

Es ist also die Aufgabe jedes Andersdenkenden, seine rationale Kapazität zu sehr sensiblen Abwägungen intensiv zu nutzen, bevor er sie durch Verschleiß oder innere Explosion verliert – wohl wissend, daß diese Bedenken ein Gefälle haben. Irgendwo muß jedermann seinen Pflock einrammen! Nur: muß es wirklich am ersten Hindernis sein?

Es steht mir nicht an, Vorschläge in den genannten Fällen zu machen – letztlich werden die Entscheidungen wohl habituell bedingt getroffen – aber ich plädiere dafür, die hier dargebrachte strategische Überlegung intensiv in den Entscheidungsprozeß einfließen zu lassen.

23 Gedanken zu “Sinnvoller Widerstand

  1. Man kann vielleicht aus dem Ausland lernen: Tagelang waren in Kanada zehntausende LKWs und Fahrzeuge in kilometerlangen Konvois unterwegs. Gestern kamen die ersten Trucks in Ottawa an, um im Zentrum die Wagen zu parken und erst dann wieder abzuziehen, wenn die Impflicht fällt. Unter dem Jubel der Mensche, die bei -20 Grad Spalier stehen in den Orten, die durchfahren wurfen. Nachbarn treffen sich um gemeinsam zu kochen – die Fahrer wollen ja versorgt werden.

    Trudeau sprach – kurz bevor er schnell in Quarantäne verschwand – von einer kleinen Minderheit, die da unterwegs sei unf „inakzeptable Ansichten“ vertrete. Der Konvoi fand bis gestern in den Medien kaum statt, obwohl der bisherige Guinessrekord „laengster LKW-Konvoi aller Zeiten” (7 km, 480 Lastwagen) um ein vielfaches übertroffen wurde.

    Nächste Woche wollen die US-Kollegen nachziehen, indem es nach D.C. geht.

    Mittlerweile haben sich EU-Telegram-Gruppen gebildet, aufgeteilt nach Ländern, um hierzulande den Kanadiern nachzueifern.

    https://gettr.com/user/truckers4fredom

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  2. Test Bild schreibt:

    Desillusioniert bin ich nicht, dafür schätze ich meine politische Wirkmächtigkeit als zu gering ein. Ich gebe etwas zu Protokoll. Ich lasse mich als Nazi anschreien, weil ich mich auf ein Geschenk im fortgeschrittenen Alter freue. Nämlich der erbärmlichen, aber auch unglaublich tiefgehenden Befriedigung des Satzes: Ich habe es euch gesagt. Mehr ist für mich nicht drin.

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    • Mal was YUGO-internes:

      Daniel Kahnemann schreibt in seinem Bestseller „Schnelles Denken, Langsames Denken“, dass unser Verstand ein schnelles – intuitives – Denken hat und ein träges, analytisches, rationales.
      Verhaltensökonomen im Verbund mit Psychologen erarbeiten für die Politik (bzw für die dahinter stehenden Netzwerke) Konzepte aus, wie man den Bürger in die richtige Richtung „schubsen“ (nudge) kann, weil die Mehrheit der Leute nun mal keine rational denkenden (Econs), sondern „Humans“ sind – zwar nicht irrstional, jedoch nicht immer die richtige Entscheidung treffend.
      Dieses seit 10 Jahren zunehmend um sich greifende Konzept kam bei Covid besonders zum Tragen.
      In unserer balkanesischen Yugosphäre hingegen waren die Leute weitaus kritischer – man sieht es auch an den niedrigen Impfraten. Man sieht es auch daran, dass Kritiker – egal ob von einer medizinischen Warte – wie Dr. Branimir Nestorovic , der, da auch Biochemiker, einen ganzheitlichen Zugang hat – oder von der esoterischen wie Semir Osmanagić – dessen Pyramide in Visoko Novak Djoković gerne aufsucht, um im wortwörtlichen Sinne Energie zu tanken; man sieht es am Clickbate zu Osmanagićs Vorhersagen, die übrigens alle eintrafen (bis hin zu „es wird fünf Wellen geben, bis 2022, dann käme das nächste Kapitel der Maßnahmen – Klima) oder von der politischen Warte wie Mirnes Ajanović, der Furore machte, als er Anfang letzten Dezember all die Herstellerangaben der Genpräparate (das Kleingedruckte) anforderte von der Regierung, es tatsächlich erhielt und er es detailliert veröffentlichte und bei unabhängigen Journalisten wie Hadzifejzović (der seinen eigenen Sender erfolgreich aufgebaut) genau das vorbringen kann, und zwar detailliert.

      Man ist fast geneigt zu sagen: Gott sei Dank war das Vertrauen der Yugos in die Politik so sehr zerstört, dass sie doch lieber eher auf „Schnelles“ Denken, auf ihre Intuition hört statt sich nudgen zu lassen.
      Ich schreibe „fast“, da im Grunde alles entspannt wäre, gäbe es nicht dieses kleine Problem mit extremen Nationalismus und der drohenden Kriegsgefahr in Bosnien – wenn man den Medien zumindest glaubt. Ich weiß nicht, wie man das östlich der Drina sieht, aber ich glaube „Stell Dir vor es ist Krieg, und keiner geht hin“ ist ein realistisches Szenario.

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      • Michael B. schreibt:

        Da mich das Nudging-Problem schon laenger interessiert (das ist eine Teufelei), sind mir Erklaerungsversuche zu Unterschieden in der Anfaelligkeit immer interessant. Genau die kann ich aber hier nicht nachvollziehen. Das liest sich wie: Intuitives Denken = gut, analytisches Denken = nachteilig in Bezug auf nudging?
        Ich selbst hatte sicher zuerst und relativ schnell schnell ein entsprechendes Bauchgefuehl beim Thema C. Aber das wird dann trotzdem noch anders untersetzt (und wohl auch gespeist), das muss es, sonst schwimmt man.
        Gerade die Ablehnung inhaltlichen analytischen Denkens ist in meiner Beobachtung ein Charakteristikum ‚geschubster‘ Leute. Zwingend verbunden mit der expliziten Unwilligkeit (kein Unvermoegen!) auf eigenen kognitiven Fuessen zu stehen. Wirklich 100% Kant, Unmuendigkeit.

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        • Das ist auch etwas, womit ich mich länger beschäftige. Dass es etwas verzerrt rüberkam, liegt daran, dass ich per Smartphone schrieb – wie auch jetzt -, und das auch en passant während ich mit etwas anderem beschäftigt bin, was dem Broterwerb dient.

          Das Thema halte ich für elementar, vlt ist Covid nur die Ausprägung eines grundsätzlichen Problems oder auch Konflikts, zB was msn unter rational verstehen kann bzw: Kann die Vernunft noch vernünftig sein, wenn sie bis zum Exzess betrieben wird?
          Schnelles/Langsames Denken beschreibt ja, wie wir funktionieren. Ich werte nich zwischen gut/schlecht, sondern denke, das es darum geht, einen Mittelweg zu finden. System 1 und 2 zu verknüpfen.(1)

          Zu bahnbrechenden Entdeckungen kamen kluge Köpfe häufig per Intuition – allerdings weil das analytische die ganze Vorarbeit machte, es musste quasi nur verknüpft werden.
          Das Analytische jedoch ist vielen heute verwehrt – wenn wir uns bsp die Menge an Enthüllungen bzgl Covid anschauen, das Meiste davon kommt ja jetzt raus beinahe täglich. Wenn man dss graphisch darstellen würde (x sei Zeit, Y seinInfos (Fauci-Mails, Gain of Function, gerichtlich erzwungene Einsicht zu Pfizer-Studien, Pandemie-Netzwer (Thomas Döper) …das alles muss mal versrbeitet werden.
          Und das in einer Zeit, die vom Aufmerksamkeits-Defizitsyndrom und digitaler Amnesie geprägt ist.
          Das Nudging zielt auf das Schnelle Denken ab: Man überredet Leute zu „vernünftige Entscheidungen“ (solange Freiwilligkeit noch Option ist), die mit „Informationen“ zu allem schon seit Jahren bombardiert werden.

          (1) Und hier kommt m.Ü.n. der Erwerb der Fähigkeit, sich selbst zu analysieren, zu hinterfrsgen, in den Spiegel schauen zu können. und vlt. sich selbst zu (er)kennen. Und der Objektivismus bietet uns diese dystopische Technokratie – aber keine Ethik (unabhängig von Schlagwörtern wie Inklusion oder Klima, weil die Agenda-Betreiber wissen, das eine Gesellschaft ein Glaubensvakuum verabscheut).

          Für detaillierteres müsste auch einem Beitrag hier verfassen,…allerdings fehlt mir die Zeit, da lese ich doch lieber die lesenswerten Beiträge von Ihnen, Seidwalk und Stefanie

          Ergänzung:

          Wenn man die Enthüllungen grafisch darstellen würde, Zeit = x und Daten sei y, wäre das vlt die einzig wirklich exponentielle Funktion in Sachen Covid…

          Seidwalk: Na, da nehmen Sie sich mal die Zeit. Der Mensch lebt nicht vom Brot allein …

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        • Stefanie schreibt:

          Der Schlüssel zum Blockieren von System II war es wahrscheinlich durch die veröffentlichten Daten kognitive Dissonanz zu erzeugen. Selbst heute hantieren selbst die Kritiker noch mit den RKI-Fallzahlen und den „Mit-und-an-Covid-Toten“ herum. Der Ausweg aus dem Dilemma ist die Einsicht, daß die Daten Murks sind. Das erfaßt ein Teil intuitiv – der der sowieso schon glaubt, daß „denen da oben“ nicht zu trauen ist, ein weiterer Teil macht sich Gedanken, was denn genau damit nicht stimmt und versucht es dann recht umständlich mit Statisken oder holprigen Vergleichen an die Masse zu vermitteln (Bhakdi, wäre hier z.B. zuerst zu nennen). Auch von den „Zeugen Coronas“ gibt es daher zweierlei: diejenigen, die ohne groß nachzudenken auf die Tagesschau und den Onkel Doktor hören, und diejenigen, die sich vom alltäglichen, durch die Experten anrichteten Zahlensalat überzeugen läßt. Sie vollziehen vielleicht sogar Rechnungen nach, bemerken vielleicht ein paar Widersprüche, kommen aber irgendwie nicht zu dem Punkt, daß vielleicht die Prämissen falsch sein könnten. Die konsumieren Wissen aus zweiter und dritter Hand und kauen es im Zweifel wieder.
          Ein Beispiel : wenn die IFR bei über 70 – jährigen um die 5% liegt, betrifft das ja nur schlappe 750000 in Deutschland („wie gut für die Rentenkassen“ ). Was fehlt ist das in Beziehung setzen: In welchem Zeitraum wären diese Todesopfer zu erwarten? Wieviele dieser Altersgruppe sterben für gewöhnlich auch ohne postiven Test in diesem Zeitraum? Wo liegt die IFR anderer Atemwegserkrankungen bei dieser Gruppe? etc. Ich gehe davon aus, daß das ein Troll war (vor ein paar Tagen auf der Achse unter mehrern Beiträgen gepostet). Trotzdem bewirken solche Schlagworte ja Zweifel. Ein anderes Beispiel wäre das „Präventionsparadox“ (sie wissen schon, die rosa Elefanten, die man durchs Händeklatschen fernhalten kann).
          Ich glaube einer der ersten Beiträge zu Covid auf diesem Block handelte von der Diskrepanz der Sterbezahlen in Italien und Deutschland. Ich habe zwei bis drei Wochen gebraucht um mir einen Reim darauf zu machen (Die wichtigsten Beiträge dazu lieferten 1)Thomas Pueyo mit dem Einbringen der Dunkelziffer (auch wenn er im entgegengesetzten Sinne argumentierte 2) Hendrick Streeck mit dem erläutern von Wuhan Daten (91% mit keinen oder leichten Symptomen 3) John Ioanidis (IFR auf der Diamond Princess, umgerechnet auf die Bevölkerungsstruktur der USA) und schließlich 4) ein Signore vom italienischen Gesundheitsministerium, der aufklärte, daß 88% der Verstorbenen an mindestens einer schweren Vorerkrankung litten. Wenn ich diese Gedankenkette versuche jemanden darzustellen, können das selbst heute (und selbst die kritischen Leute) die wenigsten nachvollziehen.
          Aber zusehr auf die Zahlen würde ich der Nudgingstrategie gar nicht schauen. Ich denke das meiste erklärt sich durch Autoritätshörigkeit und Mitlaufen („wenn alle mitmachen, muß was dran sein“ => Lockstep-Szenario.)

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          • Mir ist aufgefallen, dass die Experten, die schon recht früh eine kritische Sicht eingenommen haben – weil sie sahen, dass die Prognosen des Imperial College in London nicht mit der Realität übereinstimmten -, interdisziplinäre Experten sind. Ioanidis ist sowohl Epidemiologe als auch Statistiker.
            Matthias Desmet, belgischer Professor für Psychologie – und ebenfalls Statistiker – ist auch einer davon. Und er beschreibt wie ich finde schlüssig, dass dahinter mehr steckt als Autoritätshörigkeit. Bis zum Mai 2020 – aus einem Interview mit einem anderen interdisziplinären Kritiker (Chris Martenson: Neurotoxikologie und Finanzwirtschaft) -, so sagt Desmet, habe er als Statistiker auf das Problem geschaut und keine Erklärung finden können für die Tatsache, dass – obwohl klar war, dass die Angaben und Vorhersagen falsch waren, das Narrativ aufrechterhalten wurde auch von der Bevölkerung, ganz so, als ob die Zahlen stimmten.

            Dann nahm er eine psychologische Sicht ein und stellte fest: Wir stecken in einer Massenbildung.

            Er nennt vier Bedingungen für solch eine Gruppenbildung:

            wenn viele Menschen einen Mangel an sozialen Bindungen erleben
            das Fehlen von Sinn: Bedeutungslosigkeit
            frei schwebende Angst. Dazu sagt er:

            „Es ist eine Art von Angst, die nicht mit einer mentalen Vorstellung verbunden ist, was äußerst wichtig ist, denn manchmal wissen wir, warum wir uns ängstlich fühlen. Wenn wir einen Löwen, einen Hund oder etwas anderes Gefährliches sehen und uns fürchten, dann wissen wir, wovor wir Angst haben. Das bedeutet, die Angst ist mit einer mentalen Repräsentation verbunden ist, und das bedeutet, dass wir sie mental kontrollieren können: wir wissen, wovor wir Angst haben.
            […] Doch manchmal werden Menschen mit einer Art von Angst konfrontiert, die nicht mit einer mentalen Repräsentation verbunden ist, und das ist der unangenehmste (aversivste) mentale Zustand, weil er Menschen in eine Situation bringt, in der sie sich völlig hilflos fühlen, weil sie nicht wissen, wovor sie weglaufen können.

            eine Menge an frei fließender Aggression und Frust.

            Jede Bedingung ergibt sich aus der vorangegangenen. Durch die Corona-Erzählung konnte man die frei schwebende Angst mental verknüpfen. Dazu Desmet:

            „All diese frei schwebende Angst ist jetzt mit einer mentalen Repräsentation verbunden. Das bedeutet also, dass die Menschen in dieser Situation mehr psychologische Kontrolle haben und dann wird der nächste Schritt gemacht. Es geschieht etwas auf einer anderen Ebene: weil viele Menschen dieselbe Strategie anwenden, um mit dem Objekt der Angst umzugehen, entsteht eine neue Art von sozialer Bindung, eine neue Art von Solidarität, so dass sich die Menschen wieder auf eine neue Art und Weise verbunden fühlen, und das ist eigentlich das Entscheidende. Betrachtet man die Corona-Krise und hört dem Mainstream-Narrativ zu, dann hört man, dass es bei all dem um Solidarität geht. Man muss teilnehmen. Man muss den Impfstoff akzeptieren. Man muss die soziale Distanzierung respektieren; tut man dies nicht, fehlt einem die gesellschaftliche Zugehörigkeit, zeigt man keine Solidarität. Das ist bei der Massenbildung immer das Wichtigste. Der eigentliche Grund, warum die Leute die Geschichte glauben, auch wenn sie völlig absurd ist, ist nicht, weil sie an das Narrativ glauben, sondern weil das Narrativ mit neuen sozialen Bindungen verbunden ist. Das ist der wahre Grund.
            Und dann gibt es noch einen weiteren Vorteil: Die ganze Frustration und Aggression kann auf ein Objekt gerichtet werden, und dieses Objekt sind die Menschen, die aus dem einen oder anderen Grund nicht an der Massenbildung teilnehmen wollen. Wir sehen in der Geschichte immer wieder den gleichen Prozess. Wenn eine Bevölkerung, zum Beispiel die wirklich großen Massenbildungen, wie sie sich während der Französischen Revolution ereigneten, Massenbildungen, die zur Entstehung des Kommunismus und des Stalinismus in der Sowjetunion führten und die große Massenbildungen, die zur Entstehung des totalitären Staates in Nazi-Deutschland führten; sie hatten alle die gleichen Merkmale.
            […]
            Bei der Bevölkerung waren genau diese vier Bedingungen erfüllt und es entstand eine neue Art von Solidarität und die ganze Frustration und Aggression wurde kanalisiert, indem man sie auf diejenigen lenkte, die nicht an der Massenbildung teilnehmen wollten oder konnten. Und so kommt es zu dieser sehr merkwürdigen Situation, in der die Menschen von einem sehr negativen und aversiven mentalen Zustand ausgehen, von einem Mangel an sozialer Bindung, einem Mangel an Bedeutung, der zu frei fließenden Ängsten und einer Menge Frustration und Aggression führt. Sie wechseln von diesem hochgradig aversiv-mentalen in einen symptomatischen positiven Zustand, in dem sie sich verbunden fühlen, in dem ihr Leben einen Sinn hat, weil das Leben durch diesen heroischen Kampf mit dem Objekt der Angst wieder einen Sinn zu haben beginnt.
            […]
            Der Wechsel von einem negativen mentalen Zustand zu einem positiven versetzt Menschen in eine Art mentalen Rausch. Das ist der Grund, warum die Menschen weiterhin an das Narrativ glauben, auch wenn es völlig absurd ist. Und wissen Sie, die Corona-Maßnahmen, wie z.B. die soziale Distanzierung, das Tragen von Masken, die Impfstrategien, sie funktionieren für einen bestimmten Teil der Bevölkerung, und ich spreche wahrscheinlich von etwa 30 Prozent der Bevölkerung. Es sind nicht viel mehr als das. Nur 30 Prozent der Bevölkerung sind in der Regel wirklich in diesem Prozess der Massenbildung, in diesem Prozess der kollektiven Hypnose“

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      • Michael B. schreibt:

        Noch etwas zum Nudging. V.a.D. die schiere Menge der dort genannten Organisationen sollte die Augen oeffnen dafuer, dass die grosse Menge der Manipulationen ganz bewusst schon lange geplante Verfahren darstellen und keine „Fehler der Regierung“.
        Auch bei Barucker heute ein Artikel zum ersten Versuch der mir bekannt ist, die Decke von diesen Dingen herunterzuziehen:

        https://blog.bastian-barucker.de/ethik-nudging/

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  3. Stefanie schreibt:

    Ich stimme Ihnen zu. Die Konfrontation mit Polizei, Behörden, Gerichtsvollziehern ist für die meisten wahrscheinlich eine traumatische Erfahrung. Einige werden lange daran zu knabbern haben, vielleicht sogar resignieren. Andererseits ist so ein Erlebnis auch eine Offenbahrung – zum einen im Hinblick auf den Staat, die Institutionen, die Mitbürger, vor allem aber in Hinblick auf einen Selbst. Die sozialen Medien sind in vieler hinsicht Illusionsmaschinen, aber man bekommt nicht nur virtuelle Welten vorgegaukelt, sondern wird auch selbst schnell zum Illusionisten, zum Maulhelden und Propheten (denken sie die gegenderte Form am besten mit), nicht nur andern gegenüber, sondern auch als Zerrspiegel für einen Selbst. Es gibt viele die vom Rechtsweg schreiben, den sie einschlagen wollen, wie sie die Gerichte mit all ihren Einsprüchen überlasten wollen, vors Verfassungsgericht, den EuGH, nach Den Haag oder gleich Nürnberg 2.0 ziehen wollen. Die meisten werden in der ersten Instanz einknicken, vielleicht einen Vergelich aushandeln mit einer guten Ausrede. Andere scheitern am Geld, letzten Endes an der politisch korrumpierten Justiz oder eben den eigenen Nerven. Dazu kommen die, die „nur über meine Leiche“ sich impfen lassen werden und am besten „noch ein paar mitnehmen“ wollen. Einige werden das vielleicht sogar tun. Andere schlagen in der Realität in Form des Straßenpflasters auf und erkennen ihre Ohnmacht. Bei anderen reicht schon die Aufnahme der Personalien. Kurz: es gibt einen oft schmerzhaften Realitätscheck in Hinblick auf die eigenen Fähigkeiten. – (Erkenne Dich Selbst)
    Manche haben davon schon eine ganz gute Vorstellung. Einer meinte auf die Frage, warum er nicht mitgehe: „Ich würde das nicht aushalten, zuzusehen wie andere festgehalten, eingeschüchtert und drangsaliert werden. Wenn die mich einkesseln würden, würde ich durchdrehen. Dann hätten sie mich am Wickel und könnten auch noch in der Zeitung davon schreiben.“
    Andere, die ihre eigene Ohnmacht nun einmal erlebt haben, ändern vielleicht nicht nur ihr Selbst- sondern auch ihr Weltbild. Es hegen soviele fantastische Vorstellungen, was sie in den berühmten zwölf Jahren (bei den Wessis: in der DDR) so alles hätten bewirken können, wo sie gestanden hätten und „das es eines jeden verdammte Pflicht gewesen wäre….“ – Sie wissen schon. Es gibt genug 33er Vergleiche zur heutigen Zeit – vielleicht bewirkt die Realität ja auch den Umkehrschluß, wie es damals wohl gewesen ist – welche Möglichkeiten man hatte.

    Andererseits birgt die Desillusionierung in Hinblick auf den Staat auch noch ganz andere Gefahren. Es ist ja nicht so, daß der Staat besonders stark wäre (wenn es nicht gerade um die Auflösung illegaler Kindergeburtstage und Lerngruppen geht). Bei organisierten Kriminellen, Minderheiten und Lobbygruppen zieht er schnell den Schwanz ein. Bei Puplic Private Partnership ist er in der Regel der Juniorpartner. Wenn die Polizei mit Zollstöcken Spaziergänger überwacht, das Ordnungsamt Impfpässe im Einzelhandel konntrolliert und die Gerichte sich mit den entsprechenden Verfahren dazu befaßt – wer regiert uns dann eigentlich noch? Wer verwaltet? Wenn die Parteipolitiker, die Beamten, die Richter, die Journalisten. die Wissenschaftler ihr Vertrauen bei weiten Teilen des Volkes verspielt haben – auf was stützt sich dann noch der Staat? Der zivile Ungehorsam ist eben ein zweischneidiges Schwert: es deckt die Fiktionen auf, die das Gemeinwesen tragen. Stell dir vor es ist Impfpflicht und keiner geht hin. Wer geht dann noch zum Bauamt? Zum Finanzamt? Vor´s Gericht? Findet man dann andere Lösungen, wie es sich die Libertären bzw. Anarchokapitalisten vorstellen? Oder springen dann einfach andere (supranationale) Institutionen ein? Kommte ein starker Mann wie Kai aus der Kiste? Gated Communities? Regeln die Inkassounternehmen alles weitere?
    In der Protestbewegung bildet sich tatsächlich eine Art Querfront heraus – allerdings mit sehr vagen politischen Vorstellungen. Vielen Demonstranten könnte man sowohl die Ausrufung eines neuen Kaiserreichs als auch eines Wolkenkuckucksheims verkaufen

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      • Stefanie schreibt:

        Der Konflikt liegt zwischen den primären Zielen des Protests (keine Impfpflicht, kein digitaler Identitätsnachweis, Maßnahmen aufheben) und den politischen Implikationen, die sich z.B. aus einer Regierungskrise ergeben könnten. Wer stößt dann in dieses Machtvakuum vor?
        Ich weiß nicht, ob sie schonmal was von Michael Wolski gehört haben.
        https://nuoflix.de/-mauerfall-1989–war-alles-nur-geplant-michael-wolski-im-gespraech
        Er vermutet, daß der Mauerfall bereits Jahre vorher zwischen Russen und Amerikanern ausgehandelt wurde mit der Zielsetzung weltweiter Handel (also Globalisierung).
        Ich war damals schlicht zu jung, um alles mitzubekommen, aber retrospektiv kann man feststellen, daß die Initiative den eigentlichen „Revolutionären“, d.h. den Bürgerbewegungen, runden Tischen etc. relativ schnell aus der Hand genommen und die Wiedervereinigung von den „Profis“ durchgezogen wurde (Währungunion, 2+4 Verträge, Beitritt, gesamtdeutsche Wahlen) – Und die Leute aus der Bürgerbewegung waren eine deutlich homogenere Gruppe, die sich zum großen Teil untereinander kannte, als die heutige Bewegung.
        Es gibt so einige Leute und Institutionen, die in den letzten zwei Jahren das Heft des Handelns in die Hände bekommen haben und Entwicklungen in ihrem Sinne vorantreiben konnten. Es spielt dabei keine Rolle, ob nun komplett alles inszeniert war oder man nur einen natürlichen oder künstlichen Virusausbruch genutzt hat. Irgendwelche schlauen Leute in irgendwelchen ThinkTanks haben sich im vorhinein Gedanken gemacht, was in einem solchen Fall zum eigenen Vorteil zu unternehmen wäre. Und solche organisierten Leute – sei es in der Wirtschaft, sei es in der Politik- haben sicher auch ein paar Trümpfe für Staatskrisen und andere Umbruchszenarien in petto.
        Was seidwalks Warnung vor den negativen Auswirkungen der exponierten Spaziergänger angeht: Das mag sein. Ich kenne auch eine Spaziergängerin, sogar Mitorganisatorin, die von der Behandlung durch die Polizei richtig geschockt war. Sie macht trotzdem weiter. Im Großen und Ganzen sehe ich auch relativ wenige Geschäftsleute, vor allem Ladenbesitzer oder Gastwirte, beim Protest, obwohl gerade Selbsständige besonders viel meckern. Die haben sicher Angst, es sich mit einem Teil der Kundschaft zu verscherzen. – Vielleicht zu Recht. Das ist ja gerade die Methode: jeder der seinen Kopf herausstreckt, kriegt (medial) eins übergebraten. Diese Keule funktioniert meiner Erfahrung nach allerdings nicht (mehr) ganz so effektiv, wie die Nazikeule. Wie gesagt, eine gute Möglichkeit zur Selbstbildüberprüfung: wer immer schon wissen wollte, wie er „damals“ gehandelt hätte, kann das heute ganz leicht erfahren.

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        • Michael B. schreibt:

          Um mich erst einmal selbst zu beantworten: Also eine Stefanie.

          Zwei/Quintessenz: Es hat keinen Zweck, weil die think tanks/whoever eh alles schon jahrelang mit endlos tiefen Taschen durchgerechnet hat, wie sie’s auch schon am Ende der DDR getan haben und wahrscheinlich schon Jahrhunderte vorher.
          Dann leichte Einschraenkung: Ganz klappt es so nicht, das sind aber nur untergeordnete Knirschereien im Getriebe.

          Ist mir zu wenig. Diese Leute sind nicht allmaechtig (persoenlich meine ich auch – sie koennten mit einer liberaleren Grundhaltung mehr verdienen). genau diese Meinung steht immer noch zu vielen Leuten an der entscheidenden Weggablung im Weg.

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          • Stefanie schreibt:

            Widerstand ist dann sinn- und zwecklos, wenn man sich zum nützlichen Idioten machen läßt, der z.B. ein System stürzt, um ein anderes vor die Nase gesetzt zu bekommen.
            Seidwalk meint das System absorbiert den Widerstand, den man gegen es leistet und reibt den Widerständler auf.
            Ich befürchte, das System (der Staat in Gestalt der BRD) zeigt Schwächen und denke, daß es Akteure gibt (meinetwegen als Teil eines Prozesses), die gerne das gegenwärtige System der souveränen Nationalstaaten abräumen und gegen etwas anderes ersetzen möchten.
            Ich halte den Widerstand an sich schon für sinnvoll und denke auch, daß er in Hinblick auf die Coronamaßnahmen Erfolg haben wird. Nur ist Corona eben die einzige Klammer, die diese sehr heterogene Gruppe zusammenhält. Auch denke ich, daß es nicht die Straßenproteste, Runde Tische oder irgendwelche politischen Forderungen sein werden, die hier etwas Bewirken, sondern die persönliche Verweigerungshaltung, die durch die gemeinsame Bewegung gestärkt wird (und dabei auch nach außen wirkt).
            Der Schnittpunkt zur Coronaproblematik ist wahrscheinlich der Digitale Impfpass. Der wäre das Eingangstor zu diesem ID2020 Projekt, weshalb ich dessen Verhinderung für fast noch wichtiger halte, als die Verhinderung der Impfpflicht.

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            • Michael B. schreibt:

              Aber das ist doch alles gar kein Riesenwiderspruch, Stefanie? Der einzige Punkt, den ich anders sehe ist die Wechselbeziehung zwischen Strasse und persoenlicher Verweigerungshaltung. Sie wissen doch, wie es laeuft mit Letzterer.

              Das macht man doch schon immer in der BRD elegant indirekt. Das war eines der ersten schmuddeligen Dinge, die ich gelernt habe. Zahlen Sie keine GEZ, wird irgendwann gepfaendet. Als Sebststaendiger im Geschaeftsleben kann ich mich dem durch aeusserliche Frugalitaet mit leerem Konto auch nicht entziehen. Da gibts halt ein Geschaeftskonto von dem man ziehen kann, dann wird noch etwas Stress von Creditreform draufgelegt oder andere der 1000 kleinen und groesseren Hebel, bei denen man nie an den Verursacher kommt.
              Durch die Gleichschaltung geht das nocht weiter. Sehen Sie sich Sellners Kontenodyssee an. Auch Zahlungen unbekannter Privatpersonen koennen so bewertet werden. Voll- oder halbautomatisch (vgl. die mittlerweile trivialen Konteneinsichten beliebiger Aemter – urspruenglich mit „hoechsten Anspruechen“ an Gruende vor 15 Jahren eingefuehrt).
              Das alles klappt bei Einzelpersonen, da hilft Ihnen Verweigerungshaltung nur bedingt, die halten Sie immer zwei Arme weg und lassen Sie zappeln. Beim Impfen wird man Sie genauso in Dinge einpacken, die zuallererst und oft einzig nur mit der vereinzelten Person funktionieren.

              Deswegen brauchen Sie mehr. Dieses Mehr ist die Strasse. Die Geschichten ueber die potentiellen Strippenzieher gibt es schon immer. Ob wahr oder falsch, i.M. muss ich abwaegen und da ist ihre negative pessimismusverstaerkende Auswirkung der klar kritischere Block. Ja, man weiss vieles nicht. Aber Wege entstehen beim Gehen.

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              • Stefanie schreibt:

                Sie haben ja recht, ich treibe hier letztendlich den Defätismus, den ich auf den Spaziergängen ja eigentlich entkommen will. Das liegt leider am gewohnheitsmäßigen 2-Schritte-vorausdenken-wollen: da diskutiert man dann ob nun Mütze, Mantel oder Bettvorleger aus dem Bären werden soll, der gerade noch putzmunter durch den Wald läuft.
                Allerdings beschreiben Sie hier ja sehr schön, wie Schritt 1 und Schritt 2 miteinander verknüpft sind: Es ist ja nicht so, daß die Kontrolle erst mit dem Chip im Arm, social credit points und dem digitalen Zentralbankgeld los geht, sondern wir sind auf diesem Weg bereits sehr weit fortgeschritten. Der Staat kann Konten pfänden, Lohn pfänden und selbst dem armen Hartzer noch seine Brotkrümel kürzen. Man kann dem Ganzen zur Zeit nur noch deshalb teilweise entgehen, weil man noch Bargeld unterm Kopfkissen liegen haben kann und ein informeller Sektor existiert. Und ja, es wird am Ende der Einzelne sein, der Aufforderungen und gelbe Briefe wird beantworten und notfalls klagen müssen. Und es wird die Leute geben, auf die seidwalk hingewiesen hat, die mit dem Verfahren nicht zurechtkommen werden. Hier setzt dann der Protest und die Vernetzung an. Zum einen kann man sich bei den Formalien helfen und Tipps geben. Der wichtigere Teil ist aber die moralische Unterstützung, für diejenigen, die noch nie in dieser Mühle drin waren und deshalb nachts nicht schlafen können. Das werden vor allem die sein, die jetzt, nachdem der Druck durch die Polizei zurückgefahren wurde, mit dazustoßen. Die kommen, weil sie sehen, daß der Staat nicht die Mittel hat, um gegen eine genügend große Anzahl breitgestreuter Proteste vorgehen kann und schöpft daraus die Hoffnung, daß er es bei der Durchsetzung der Impfpflicht auch nicht können wird. Wie Sie aber bereits beschrieben haben, hat er beim reinen Geldeintreiben durchaus seine Mittel und ein eingefahrenes, gut geöltes System. Man braucht keinen Gerichtsvollzieher, der von Tür zu Tür geht und einen Kuckuck auf den Fernseher klebt. Das wirksamste Mittel bleiben die massenhaften Einsprüche und ggf. Streiks an neuralgischen Punkten. Zur Zeit gehen in Sachsen 1-2% der Leute auf die Straße. Mit der Impfung hadern tun mindestens 40%. Einige wird man mit dem Totimpfstoff überreden können, andere werden sich ein Attest besorgen, den Arzt bestechen, einen falschen Impfpass besorgen oder sich eventuell freikaufen. Vielleicht beschließt man auch die Impfpflicht ab 50, 60 oder 70 – damit wäre bei vielen die persönliche Betroffenheit bei vielen weg. Der wichtigere Punkt ist meiner Meinung nach das System der Zugangsbeschränkungen, ob nun 2G oder 3G, das eben die Digitale Identität durchsetzt – egal ob mittels App, QR-Code, Chip oder biometrischer Gesichtserkennung. Wenn diese Kontrollen bleiben, auch wenn es z.B. nur beim internationalen Reisverkehr wäre, hätten die Konzern bzw. Konsortien einen wichtigen Teilerfolg erreicht, einen weiteren Fuß in der Tür, durch den eine Verschiebung der staatlichen Macht (Meldewesen) Richtung Privatpersonen/Finanzmacht erfolgt. Das spricht nicht gegen die Proteste, es soll nur die Perspektive erweitern.

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            • Michael B. schreibt:

              Ich befürchte, das System (der Staat in Gestalt der BRD) zeigt Schwächen und denke, daß es Akteure gibt (meinetwegen als Teil eines Prozesses), die gerne das gegenwärtige System der souveränen Nationalstaaten abräumen und gegen etwas anderes ersetzen möchten.
              […] Nur ist Corona eben die einzige Klammer, die diese sehr heterogene Gruppe zusammenhält.

              Weil es passt:

              https://sezession.de/65412/die-prioritaet-des-bevoelkerungsaustauschs

              Der Gegenpol, den er moechte, muss man nicht nur auf die Ebene Nation beschraenken. Dahingehend kommen die – idealerweise subsidiaeren – Ebenen darunter dazu. Wurde hier im thread glaube auch schon angesprochen. Und diese Skala beruehrt diese Demonstrationen und die Beziehungen ihrer Teilnehmer untereinander direkt. Auch Sellners nicht weiter untersetzter Volksbegriff bekommt dort einen Teilaspekt seines Fleischs.

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  4. Stefanie schreibt:

    Schwebt Ihnen etwas in der Art vor?

    https://de.wikipedia.org/wiki/Partei_für_gemäßigten_Fortschritt_in_den_Schranken_der_Gesetze

    Und das Sie davon sprechen, daß der Widerstand aufgesaugt wird und gleichzeitig dazu raten, den juristischen Kampf mit Twitter sein zu lassen, um sich mit ein paar Zugeständnissen diesen komplett konntrollierten Aktionsraum zu erhalten, ist auch bezeichnend. Direkt drollig aber ist die Furcht, durch die Personalaufnahme und ggf. durch ein Ordnungswidrigkeitsverfahren in den „großen Computer“ zu kommen, vor allem in Anbetracht dessen, wo Sie so veröffentlichen bzw. kommentieren.

    Bei uns in der Stadt kamen in den drei Wochen vor Weinachten ca. 30 Polizisten auf etwa ebensoviele Spaziergänger. Sie verteilten sich auf sieben Mannschaftswagen, die schon vor dem offiziellen Termin demonstrativ auf dem Marktplatz parkten und die Seitenstraßen abfuhren. Bußgelder hat es trotzdem nicht gehagelt. Sie nahmen ein paar Personalien auf, verhängten Platzverweise und verhinderten einen geschlossennen Spaziergang. E bildeten sich ein paar Grüppchen, die sich in den Seitenstraßen unterhielten oder ein Runde ums Karree liefen. Die Polizisten liefen in ebensolchen Grüppchen hinterher. Der Höhepunkt des Ganzen war, als sich eine Kette von fünf oder sechs dieser (hessischen) Recken in Ihrer Kampfmontur vor der Post aufbaute und einer rief: „Was als Versammlung gilt, bestimme ich!“ Ich glaube der einzige, der an dem Abend etwas bezahlen mußte, war einer, der zu fortgeschrittener Stunde nochmal um den Marktplatz fuhr und von unseren Dorfsheriffs angehalten wurde, weil er angeblich zu schnell gefahren sei (dort gilt Schrittgeschwindigkeit). Kurz: es hatte etwas operettenhaftes. Die Lösung lag darin, auf Telegramm den Spaziergang um 18:00 anzukündigen, sich woanders zu treffen und dann um sieben, nachdem die Kavallerie nach Reichenbach, Auerbach oder sonstwohin abkommandiert worden war, unsere Runde zu machen. Nach Weinachten beruhigte sich die Lage und durch Handzettel und Mund-zu-Mund-Propaganda wuchs der Spaziergang jede Woche um ca. 30 Leute. Vor drei Wochen hatte einer die Idee einen AfD-Infostand auf dem Marktplatz aufzubauen und ein paar Broschüren zu verteilen. -Gegen politisch interessierte Bürger kann man ja nicht einfach einen Platzverweis aussprechen. Seitdem stand auch jede Woche die Bürgermeisterin, zusammen mit zwei Leuten vom Ordnungsamt und ein paar ABVlern, mit vor dem Rathaus und hörte uns zumindest an. (Dieses Jahr sind Kommunalwahlen in Sachsen). Diese Woche waren wir dann ca. 150 Spaziergänger, die der Fußweg nicht mehr ganz fassen konnte, so daß wir meistens auf der Straße liefen. (Nächste Woche, wer weiß?, werden wir vielleicht sogar den Rasen betreten 😉

    Man sollte sich nicht auf die poltische Wirkung diese Spaziergänge versteifen. Sie sind in erster Linie erstmal ein Signal nach innen. Ich habe festgestellt, daß die frische Luft und die Gesellschaft als Gegengewicht zu den Defätisten und Kassandras in den Kommentarspalten wirken (vielleicht könnte man von entgegengesetzten „Vibes“ sprechen). Dazu erfährt man so, wer in der Nachbarschaft wie tickt, hat auch Anlaufpunkte im realen Leben, was umso wichtiger ist, falls doch eine Impflicht kommt und Repressionen verstärkt werden. Dazu wirkt der Protest ja auch auf Gleichgesinnte, die sich (noch) nicht raustrauen. Das wirksamste Protestmittel ist nicht der Spaziergang, sondern die Verweigerung der Impfung selbst, denn die läßt sich nicht einfach per Mausklick und Federstrich bewältigen. Die Anzahl und die Streung der Proteste auf verschiedene Städte, zeigt die Grenzen der staatlichen Möglichkeiten auf. Es bricht auch das Informationsmonopol, da die Leute selbst sehen, wer dort demonstriert oder sie erfahren es von persönlichen Bekannten. Die offizielle Zahl der Erstimpfungen in Sachsen ist in den letzten acht Wochen, trotz all dem Theater, um ganze 5% (von 59 auf 64 %) gestiegen. Dazu kommt der Strategiewechsel in einer Reihe von Ländern (Israel, Dänemark, Schweiz, Schottland/GB, Tschechien…)

    Natürlich gibt es auch Gegenbeispiele. Gerade das Polizeiaufgebot in Plauen zum drittten Advent in Plauen hatte direkt etwas Surreales. Es sollen um die 500 Polizisten gewesen sein und bestimmt hundert Fahrzeuge, die wirklich jede Gasse und jeden Winkel Richtung Stadtzentrum abgesperrt hatten. Wir kamen gar nicht mehr hinein, konnten dafür in Ruhe eine Pizza essen (für die 2G Konntrolle waren gerade keine Leute frei). Ich kenne aber einige, die unten am Bad eingekesselt wurden und wohl ihre Teilnahmegebühren bezahlen müssen. Ein paar junge Leute sollen aber wohl entkommen sein, weil sie in die Elster sprangen, durchwateten und sich auf dem anderen Ufer aus dem Staub machten.

    Was die Teilnehmerzahlen angeht, wird bei den offiziellen Angaben maximal die Hälfte der tatsächlichen Teilnehmer herausgegeben. Zum Beispiel: Am 1.Advent in Plauen konnte man relativ gut den gesamten Zug überblicken, der sich auf der ganzen Straßenbreite vom Unteren Graben, vom Tunnel (Stadtgallerie) bis hoch an die Kreuzung zu Marktstraße/Neundorfertraße erstreckte. Ca. 10 bis 15 Personen passen locker nebeneinander auf die Straße (auch mit Abstand, der naturgemäß etwas unterschritten wurde), auf 120-150m Länge werden es ca. 1500-2000 Leute gewesen sein. In der Zeitung standen 800.

    Was die Gegendemos angeht ist dieses Bild aus Greiz bezeichnend:
    https://www.insuedthueringen.de/inhalt.deutschland-rund-250-menschen-bei-unangemeldeter-corona-demo-in-plauen.8e27f3da-d8e4-47e7-bffb-ab82639db790.html
    Offenbar braucht die „schweigende Mehrheit“ Pappkameraden um ihren politischen Willen ausdrücken zu können.

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    • @ Stefanie

      Ich spreche doch nicht von mir, noch nicht mal von den Protestformen als solche. Ich sehe nur um mich herum Leute, die an ihrem eigenen Widerstand kaputt gehen bzw. an den sich daraus ergebenden Folgen. Und dann stellt sich die Frage: war diese Form des Widerstandes für diese Person die richtige? War es das wert? Widerstand sollte stärken, nicht schwächen. Das Zusammengehörigkeitsgefühl, das Sie beschreiben, ist sicherlich ein Gewinn, aber nach Hause gehen die meisten allein. Ich sehe Leute in Angstzuständen, in kognitiven Dissonanzen, in starken Selbstzweifeln, am psychischen Abgrund … nicht, weil sie oppositionell sind, sondern weil sie die Folgen ihres Widerstandes nicht verkraften. Wer daran zusammenbricht, wenn man seine Personalien aufnimmt, der sollte sich überlegen, ob er auf Veranstaltungen geht, wo dies passieren kann, wer in einem Gerichtsverfahren verblutet, der sollte es vielleicht vermeiden … Nur davon handelt mein Beitrag. Wer daran wächst – wie vermutlich B. Gruber – der soll das unbedingt machen!
      Alle erwähnten Widerstandsformen sind an sich legitim – nur es paßt nicht jede zu jedem. Man kann es daran ermessen, ob er an den Folgen zerbricht oder nicht – manche wachsen daran. Zerbricht er daran, dann ist er für alles weitere vorerst verloren und dann war der Preis zu hoch.

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      • Michael B. schreibt:

        Ich sehe viel mehr Leute, die dass ihnen aufgelegte Paket der Obrigkeit nicht verkraften. Und wenn die sich durchsetzt, wird dieses Paket genauso wie die Arten des Nichtverkraftens noch ganz andere Formen als psychische Folgen annehmen. Das ist die Alternative.

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  5. Michael B. schreibt:

    Und da sollte man sich dann fragen: Was kann jeder einzelne jetzt sinnvollerweise leisten?

    Noch einmal, ich gab ja eine Antwort. Und ich halte die gleich aus mehreren Gruenden fuer die einzig Effektive. Die zwei Hauptsaechlichen sind:

    1) Dem Zusammenbrechen des Vereinzelten wird entgegengewirkt. Denn das „Ver-“ laesst ihn mutlos werden. Manchmal kann man auch etwas direkt beeinflussen. Ich gebe z.B. an mir Unbekannte auch einmal einen Auftrag raus, gegen alle unternehmerische Leitregeln. Die kommen manchmal gleich in Kombination persoenlicher (Scheidung, etc.) und aktueller (Covid) Pression zu den Demonstrationen. Lohnen wird sich das in den meisten Faellen nicht und meine Moeglichkeiten diesbezuegliche Verluste zu tragen sind als Einzelperson natuerlich auch beschraenkt. Egal, so knuepfen sich Kontakte und ein paar Wenige kommen vielleicht wieder auf die Fuesse. Und ich bin eben auch hier nur Einzelner, was dann eher positiv ist, denn unter den Anderen mag dann hin und wieder Aehnliches passieren. Je mehr, je hoeher die Wahrscheinlichkeit auch dafuer.

    2) Diese Masse wirkt gegen Uebergriffigkeit. Nur sie wirkt. Fuer die gibt es keine geeigneten Werkzeuge an Bekaempfung von Unbotmaessigkeit wie fuer den „Social Network“-Unsinn. Das ist nicht auf irgendeinen konkreten Fall dort bezogen, sondern das gesamte Thema. Das sind nur Fettaugen an der Oberflaeche, die sich als „oeffentliche Meinung“ gerieren (der verbundene maximale Vertretungsanspruch ist selbst schon Manipulation). Ich bin nun lange professionell in IT, habe aber nie einen Buchstaben auf Twitter und nur einen Satz vor ueber 10 Jahren auf Facebook hinterlassen (danach habe ich den extra dafuer angelegten account nie wieder angeruehrt, reales Schliessen eines accounts unterbindet FB praktisch). Wirkliches Leben findet dort nicht statt.
    Wenn aber einmal etwas im Bereich obere 10- oder gar 100000 in einer Stadt stehen, dann ist es mit Polizeicordons vorbei. Das wissen diese Verbrecher. Und eine andere Sprache verstehen sie nicht.

    Kurz: Dinge, die der Einzelne tut, muessen sich nicht auf Einzeldinge beschraenken. Im Gegenteil sind viele davon gerade diesem Einzelcharkter geschuldet der Erfolglosigkeit ueberfuehrt. Zumindest der Momentanen. Und da man die Zeit bei Strafe des Untergangs nicht einfach verstreichen lassen kann, ist man gezwungen andere Wege zu suchen. Und die gibt es.

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  6. Michael B. schreibt:

    Ich will es Ihnen nicht weiter beschreiben, seidwalk, weil man das einfach erleben muss. Nur soviel: Ich gehe ja nun schon laenger spazieren. Ich stand 2020 (schrieb ich wohl schon einmal, aber gehoert hier dazu) auf dem Dresdner Altmarkt mit ein paar – 300 – Leutchen brav mit Maske (sonst kam man gar nicht durch die bewachten Betoneinfassungen). Ich habe mich im Fruehwinter in kleinen Staedtchen im Dunkeln mit 100,150 Leutchen herumgedrueckt, mal mit relativ passiver Polizei, mal mit Schikanen. Die Zahl wuchs ein paar Wochen nur langsam. Ein paar Leuchttuerme gab es aber immer.

    Das hat sich jetzt geaendert. Die Proteste sind jetzt auch in der grossen Stadt an verschiedenen Stellen. Jede(!) bringt jetzt ueber 500 Leute, teils knapp an die Tausend. Die offiziellen Zahlen sind Fake News. Und es werden immer mehr, Orte und Leute dort, jede Woche. Letzten Montag traf ‚mein‘ Zug den ebenfalls woechentlichen Autokorso, der ins Umland fuhr. Ich war eher skeptisch, weil ich mir davon nichts weiter versprach.
    Und dann haben sich die Leute beider Gruppen gefreut, einander zu sehen. Das war einfach grossartig. Auch junge Leute, die im besten Sinn anheizten. Die Alten tauten dann auf, eine unvergleichliche Waerme.
    Das ist Kraft. Die einzige die wir haben. Wir haben kein Geld, wir haben keine Medien – oder nicht genug – wir haben aber Menge. Und die wirkt, nichts wirkt sonst. Viele gingen froh nach Hause, das ist wichtig in der Vereinzelung, die bis in die Familien so tief spaltet. Ich habe sehr viel angehoert und gesehen davon mittlerweile. Aber wir sind Menschen und wir koennen uns helfen. Und ich kann nur jedem in der Blaesse des Geistes raten, seine Massenaversion einfach mal fuer eine halbe Stunde zu versuchen an den Haken zu haengen. Auch Ihnen seidwalk, im Fall der Faelle 🙂

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    • Gegen abendliches Spazierengehen ist nichts einzuwenden. Hätten wir eine um Ausgewogenheit ringende Presse, dann wäre man vielleicht mit ebenso großer Energie der These nachgegangen, daß die viele frische Luft nun den Sachsen die glänzenden Omikronwerte beschert, so wie man zuvor einen Bezug zur AfD herstellen wollte.

      Aber im Ernst. Es geht mir nicht ums Spazieren, sondern um die Folgeprobleme. Hier sind Leute, als sie eingekesselt wurden, durch den eiskalten Fluß gewatet oder vielleicht sogar geschwommen, um der polizeilichen Registrierung zu entgehen. Ich kenne welche, die können seit 4 Wochen nicht mehr schlafen, weil sie den Bescheid fürchten – vollkommen unbescholtene Bürger, Menschen, die seit Jahrzehnten früh um Fünf aufstehen und 30 Jahre nur gearbeitet haben, immer pünktlich, immer zuverlässig … Die haben auch 89 hier demonstriert. Aber jetzt brechen sie zusammen und wissen nicht mehr ein noch aus.

      Und da sollte man sich dann fragen: Was kann jeder einzelne jetzt sinnvollerweise leisten?

      Das ist nur eine Frage. Es kann vollkommen korrekt sein, wenn Frau Gruber sich an diesem Tweet aufreibt oder andere an Demos, an Gerichtsverhandlungen … Das ist eine Frage des Typus. Nur sollte man sich zuvor die Frage stellen: Bin ich der Typus um diesen konkreten Widerstand zu leisten, kann ich seine möglichen Folgen abfedern, oder wird der mich auffressen oder so erschüttern, daß ich danach nicht mehr verwendbar bin? Und wenn man sich diese Frage wirklich durchdacht hat, dann voran, von mir aus bis vors Oberste Gericht wegen eines Tweets.

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      • Stefanie schreibt:

        Bei mir war es gerade die Androhung vierstelliger Bußgelder bei der angekündigten Impfpflicht, die mich letztlich auf die Straße getrieben haben. Die Rechnung ist einfach: im schlimmsten Fall ein paar mal 250€ abdrücken, statt alle 3-6 Monate 2000-3000. Was aber schwerer wog, ist die praktische Seite: für einen Demotourismus nach Berlin, Leipzig oder sonstwohin, fehlt mir (besonders im Sommer) schlicht die Zeit. Dazu kommt, wie bereits erwähnt, die Gelegenheit Gleichgesinnte in der unmittelbaren Umgebung zu treffen, auf die man sonst wohl nie gekommen wäre. Gerade wenn noch schärfere Repressionen kommen sollten oder die Überwachung und Digitalisierng aller Lebensbereiche auf die Spitze getrieben werden (womit ich mit oder ohne weiterlaufende „Pandemie“ rechne), wiegen solche Kontakte locker ein paar hundert Twitter-Follower auf. Mal 2, 3 Stunden montag abends in die Stadt fahren sind dagegen kein großer Aufwand.
        Natürlich kann ich mir aber vorstellen, daß nicht jeder das Damoklesschwert eines schwebenden Verfahrens so einfach wegsteckt. Als Selbstständige hat man in solchen Dingen Übung, wenn es auch keine komplette Gewöhnung gibt. Der Nachteil der Unorganisiertheit liegt auch darin, das es keine „Streikkassen“ gibt, um in solchen Fällen schnell, unbürokratisch und am besten auch anonym aushelfen zu können. Auch ist die Solidarität in der Großstadt sicher geringer. Der „harte Kern“ kennt sich noch untereinander, aber wer nur mal aus Neugier mitläuft oder von außerhalb kommt, ist dann schnell aufgeschmissen, auch wenn er nur einen Zeugen bräuchte, um schlimmeres abzuwenden.
        Nicht nur aus dem Grund ist es gut, daß der Protest eine Basis in den Kleinstädten hat. Agent Provocateurs dort einzusetzen dürfte praktisch unmöglich sein. Bei dem ersten der oben geschilderten polizeilich so gut abgesicherten Spaziergänge, saß dann kurz vor sechs eine Grupee von fünf kräftig gebauten jungen und mittelalten Männern, die keiner kannte, im Buswartehäuschen vorm Blumenladen und unterhielt sich angeregt mit einem ebenfalls auswärtigen Polizisten. Ich hatte mich dann etwa eine Stunde lang verkrümmelt, bis das Hauptaufgebot der Ordnungskräfte verschwunden war – ebenso wie die, dem rechten Klischee verblüffend gleichenden, Männer. Ich fragte herum, wer das denn gewesen sei, aber keiner kannte sie und sie kamen auch nicht wieder. Möchte mal wissen, was sie gerade an dem Tag zu uns geführt hatte.

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