Weihnachts-Pyramide

Als Sándor Révész vor nicht allzu langer Zeit bei uns in der Synagoge ein Gespräch ankündigte, da hieß es flink sein, denn die Karten waren im Handumdrehen verkauft, das ehemalige Gotteshaus – heute die Stadtbibliothek – bis auf den letzten Platz gefüllt, sogar die Bürgermeisterin und andere örtliche Prominenz gaben sich die Ehre. Ein kurzes Gespräch im Anschluß vor laufender Kamera wurde zigtausend Mal angesehen …

Das ist für jemanden, der seit 40 Jahren fast nichts Bedeutendes hervorgebracht hat, eine außergewöhnliche Tatsache. Damals erschien die vierte LP der Kultgruppe „Piramis“ – man merkte ihr bereits, wie bei so vielen anderen Rockmusikern des Ostens, den selbstzerstörerischen Willen an, up to date zu sein und die neuen Einflüsse des Amerikanismus zu integrieren, etwa in Form eines halb geglückten Konzeptalbums. Auch eine englischsprachige Platte floppte und wurde eher ein Kuriosum. Ein Jahr darauf, 1982, erschien dann die fünfte und letzte Produktion der Gruppe, ein schrecklicher Tribut an den „Fortschritt“.

Ganz prinzipiell läßt sich sagen: Funk und Pop und New Wave und Soul … und die digitalen Geräte haben die Rockmusik kaputt gemacht. Auch Piramis ging nach dieser Fehlgeburt auseinander.

Selbst unter ihren drei klassischen Alben – „Piramis 1, Piramis 2, Piramis 3“ – ist nur jedes zweite Lied bewahrungswürdig … und dennoch, trotz dieses dünnen Bestandes, ist „Piramis“ wohl die größte ungarische Rockband aller Zeiten, zumindest im Inland, und ganz wesentlich verantwortlich dafür ist Sándor Révész, der Robert Plant der Magyaren.

Er hat dieses geheimnisvolle Etwas, diese Ausstrahlung und Erotik, die schwer zu fassen ist, aber ganz sicher wirkt – vor allem natürlich bei den Frauen. Man hat mir versichert, daß jedes zweite Mädchen in Ungarn ein Kind von ihm haben wollte und eine ganze Reihe hat es auch geschafft. Immerhin hat der Mann sechs Ehen auf seinem Konto. Man muß den hysterischen Aufschrei auf einem Konzert gehört haben, diesen Gänsehautmoment, wenn er einen seiner ewigen Hits ankündigt.

FireShot Capture 687 - Révész Sándor Hivatalos hat ein neues... - Révész Sándor Hivatalos_ - m.facebook.com

postmenopausal umringen sie ihn noch immer – mit gebührendem Corona-Abstand © Facebook Révész

Aber auch ich werde weich, wenn ich Révész höre. Er singt das einzige Rock-Weihnachtslied (es gibt noch eines, aber das ist auch von ihm), das mich nicht nervt, mehr noch, das ich liebe! Das hier!

Wünsche ein echtes Fest

Ich sehe, wie vor meinem Fenster die Nacht sich senkt
In Silber und weiß die Erde sich kleidet
Unsere Träume und unsere Sünden
Die guten und die schlechten Taten
Der Schnee zudeckt.

Auf welchem Erdenteil du auch lebst, und wer immer du auch bist
Ich möchte, daß du heute Abend ein bißchen glücklicher bist
Wünsche ein echtes Fest!
Wünsche ein wahreres Leben!
So wie ich es für dich tue.

Wünsche dem Wort einen offenen Weg
Und dem Lied klare Klänge
Wünsche dir, daß man dich immer so liebt
Wie du geliebt werden möchtest.

Wünsche dir, daß alles, was du dir heute Nacht gedacht hast
Auch morgen und übermorgen noch wahr sein wird
Wünsche ein echtes Fest!
Wünsche ein wahreres Leben!
Allen friedliche Weihnacht.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..