Das Pálinka-Lied

Ein altes ungarisches Sprichwort sagt, daß alle Ungarn immer betrunken sind. Warum? Wegen Trianon.

Keine andere Band trifft diese Mischung aus Freude und Schwere, aus Ironie und Melancholie so sicher wie Kárpátia, Ungarns Hauptvertreter des Nemzeti Rock. Ihre Lieder sind so mitreißend, daß man ihnen manche deftige Aussage einfach verzeihen muß. Hier feiern sie das Hungaricum Nummer 1, den Pálinka. Ein besseres Silvestergetränk gibt es an der Wegscheide zum neuen Jahr nicht, ein Jahr, das noch mehr Absurdität als die vorangegangen verspricht und das man wohl nur mit viel Witz und Pálinka überstehen können wird.

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Pandemie ohne Ende

Gerade macht ein Artikel aus „La Razón” die Runde in den Chats und Netzwerken. Wohl aus zwei Gründen: zum einen findet sich dieser kritische Rundumschlag in einem spanischen Hauptmedium – „La Razón“ hat eine Auflage von 150000 Exemplaren, ist damit die fünftstärkste Tageszeitung in Spanien, ist konservativ und wesenhaft katholisch; in Deutschland gibt es nichts Entsprechendes – vielleicht kann man sie am ehesten mit „Die Welt“ vergleichen. Zum anderen schlägt der Autor einen Ton an, den man in Europa dieser Tage selten zu hören bekommt und in Deutschland schon gar nicht.
Allerdings geistern – soweit ich sehe – nur Zitatfetzen durchs deutsche Netz. Immer ein schlechtes Fundament. Daher zitiere ich hier etwas ausführlicher – der Leser soll entscheiden, ob sich die Aufregung lohnt oder nicht:

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Weihnachts-Pyramide

Als Sándor Révész vor nicht allzu langer Zeit bei uns in der Synagoge ein Gespräch ankündigte, da hieß es flink sein, denn die Karten waren im Handumdrehen verkauft, das ehemalige Gotteshaus – heute die Stadtbibliothek – bis auf den letzten Platz gefüllt, sogar die Bürgermeisterin und andere örtliche Prominenz gaben sich die Ehre. Ein kurzes Gespräch im Anschluß vor laufender Kamera wurde zigtausend Mal angesehen …

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Der Engel vom Himmel

An einer zentralen Stelle in Albert Wass‘ wohl bekanntestem Roman “Adjátok vissza a hegyeimet“ („Gebt mir meine Berge zurück“), wird der Leser Zeuge einer berührenden Szene. In einer Höhle tief in den siebenbürgischen Wäldern haben sich nach der Niederlage gegen die Sowjetunion zwei Dutzend Menschen versteckt, Ausgestoßene, Räuber, politisch Verfolgte, Partisanen, Irre und Heilige, und führen verzweifelt den Kampf gegen die Besetzer fort. Aber das Leben in der Wildnis, mitten im Winter, läßt die Leute verrohen und vertieren. Gerade war es einigen von ihnen gelungen, ein Militärfahrzeug zu plündern, die geraubten Wodkaflaschen machen am Lagerfeuer die Runde, als  tief aus der Höhle eine singende Frauenstimme erklingt.

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Menschliches Handeln in der Gesundheitskrise II

Fortsetzung von: Menschliches Handeln in der Gesundheitskrise I

(von: Johannes Leitner)

PDF: Menschliches Handeln in der Gesundheitskrise (komplett)

4)

In der Rücksichtslosigkeit gegen die Opfer zum Erreichen des guten Zwecks zeigt sich etwas, das Hannah Arendt die Banalität des Bösen genannt hat. Es gibt drei Stufen, wie wir das Böse und den, der Böses tut, verstehen und einordnen: a) die Lust am Bösen, von satanischer Qualität, uns mangels Einfühlung in diese Lust vollkommen unverständlich; b) die Banalität des Bösen, ein zwar nicht allgegenwärtiges Böses, das wir aber verstehen und für empörend halten; c) die Mitarbeit mit dem Bösen, die unter bestimmten Bedingungen sittlich erlaubt, folglich normal und gewöhnlich ist.

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Menschliches Handeln in der Gesundheitskrise I

„Oft hat man den Eindruck, dass der deutsche Bürger vom Teufel geritten wird.“[1]

von Johannes Leitner

1)

Am 15. November 2021 ist in Österreich während rasch steigender Coronafallzahlen und einer anscheinend drohenden Überlastung der Intensivstationen ein zeitlich unbeschränkter lockdown für Ungeimpfte in Kraft getreten. Der Kontakt zwischen den Ungeimpften und den Geimpften und Geschützten sollte auf ein Minimum gebracht werden, wie der damalige Bundeskanzler Schallenberg erklärte. – Diese Maßnahme stellt die bisher bemerkenswerteste im derzeitigen gesellschaftlichen Ausnahmezustand dar, aus guten Gründen bemerkenswerter als allgemeine lockdowns, deren österreichweit nunmehr vierter eine Woche danach verhängt wurde. Die nächste Qualitätsstufe wird mit dem allgemeinen Impfzwang erreicht, dessen Wirksamwerden für 1. Februar 2022 angekündigt ist.

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Vom System, das wir erst im Alter kennenlernen

Sándor Márai: Das Kräuterbuch XI

Die vergehenden Jahre, das fortgeschrittene Alter, geben uns tatsächlich etwas, für das es sich gelohnt hat, des Lebens zahlreiche Entbehrungen, Demütigungen und auch das schmerzhafte Spießrutenlaufen zu ertragen.

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Forschung und Leere

Vor einiger Zeit sprach ich mit einer Doktorandin, d.h. einer jungen Frau, die gerade über ein geisteswissenschaftliches Thema promoviert. Sie hielt mir einen kleinen Vortrag über den Gegenstand und es war erfrischend zu sehen, mit welchem Enthusiasmus sie die Materie bearbeitete.

Sie hatte große Visionen. Bisher habe man die Sache vollkommen ungenügend angepackt, habe das Problem nur aus bescheidenem Blickwinkel betrachtet und also das Wesentliche übersehen, aber sie, sie werde das nun ganz anders angehen. Schnell entwarf sie mir ein paar Grundlinien auf ein Papier – sie wolle all das abhandeln und dann zusammenfassen, und das war praktisch die Revolution der gesamten Philosophiegeschichte.

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Mein Corona Update

Vor einiger Zeit schrieb ich eine kurze persönliche Darlegung der Gründe, warum ich nicht oder noch nicht geimpft bin, endete aber damit, meine Entscheidung jederzeit neuen Lagen und Erkenntnissen anzupassen.

Eine neue Größe ist offenbar das zunehmende Einsamkeitsgefühl. Vor ein paar Tagen rief mich jemand an und fragte, ob wir noch dabei wären, auf der richtigen Seite stünden oder ob wir auch schon umgekippt seien. Im dortigen Umfeld klappten die Leute zunehmend um und ließen sich impfen, was demnach einer Niederlage gleicht.

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Am Ende der Ära Habermas

Zeitschriften – H wie Habermas

Es ist nicht zu übersehen – je älter Habermas wird, umso auffälliger wird sein Autoritätsverlust und der ist umso signifikanter, als die Seitenhiebe oftmals aus verwandten Ecken kommen.

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Über den Aberglauben

Sándor Márai: Das Kräuterbuch X

Man darf nicht im Aberglauben leben.

Den Freitag, die Dreizehn, den bösen Blick, das Wahrsagen aus Zahlen und Zeichen brachten die Gnostiker in unsere Welt, die zur Zeit des Christentums nach Rom drängenden dahergelaufenen und kunterbunten Sekten, syrische und alexandrinische Possenreißer, scheeläugige Wortverdreher mit Schaum vor dem Mund und duckmäuserische Schwärmer.

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