Darüber, daß der Mensch ein Teil der Welt ist

Sándor Márai: Das Kräuterbuch (1943) IX

Der Mensch, in seiner unermeßlichen Hochmut und Eitelkeit, ist geneigt zu glauben, daß er auch wider die Gesetze der Welt leben, sie ändern und straflos gegen sie rebellieren kann. Als ob der Wassertropfen sagte: „Ich bin anders als das Meer.“ Oder der Funke: „Ich werde kein Feuer fangen“.

Aber der Mensch ist nichts anderes als ein einfacher Bestandteil der Welt, eine ebenso vergängliche Materie wie die Milch oder das Fleisch des Bären, wie alles, was für einen Moment auf dem großen Marktplatz der Welt auftaucht, und dann, im nächsten Moment, in der Müll- oder Jauchegrube landet. Der Mensch, in seiner körperlichen Beschaffenheit, ist nicht einmal ein hochrangiges Element in der Welt; vielmehr nur eine zur erbärmlichen Zerstörung verurteilte Ansammlung von Materie.

Der Stein, auch das Metall lebt länger als der Mensch. Deshalb ist alles, was wir als Körper in der Welt bedeuten, bedeutungslos. Nur unsere Seele ist stärker und dauerhafter als der Stein und das Metall – daher dürfen wir uns nie anders betrachten als im Raum unserer Seele. Die Kraft, die sich im verderblichen Körpergewebe ausdrückt, ist nicht nur Bestandteil, sondern auch der Sinn der Welt. Diese Kraft ist die menschliche Seele. Alles weitere, was wir in der Welt bedeuten und darstellen, ist lächerlich und erbärmlich.

Übersetzung: Seidwalk

21 Gedanken zu “Darüber, daß der Mensch ein Teil der Welt ist

  1. Otto schreibt:

    „Das ist platonistisch-christliches Wahndenken eines Sentimentalen, der den Fortbestand dessen postuliert, was er nicht missen möchte. “ Vielen Dank, aber das Ausweichen auf die Psychologie, ist und bleibt ein Ausweichen. Es ist schon ein Fehler gewesen, dem Objektivismus auch nur einen Fussbreit Existenzrecht zuzugestehen. Ist der Magnetismus eine Eigenschaft gewisser Atome bzw. gewisser Anordnungen von Atomen, und kann ohne diese nicht gedacht werden, oder sind gar die Atome selbst erst Ergebnisse einer Kraft, die wir unter anderem als Magnetismus kennen? Bedarf der Raum der Materie? Könnte es sein, dass das All erst in dem Moment entsteht, oder nur solange besteht, als ein menschliches Auge es erblickt? Der Mensch ist die Ursache Allens. Allerdings nicht der des Humanismus, die den Menschen als Objekt betrachten. Was aber ist der Mensch, und was ist des Menschen Sohn? Der Mensch ist das Biotop Gottes, des Menschen Demut ist Gottes Kraft und des Menschen Glaube (sein Wahn) Gottes Grenze. Wer nicht glaubt, dass der Mensch fliegen kann, wird nie versuchen ein Flugzeug zu baun. Wer nicht glaubt, dass der Mensch frei ist, wird immer nur Sklaven erblicken und dessen Existenz wird sich im Lager errichten und Netze knüpfen erschöpfen. Das ist die Bilanz des Materialismus. Trismegaler Pandoulismus! Du aber, pflege den Garten und baue Ewiges!

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    • Michael B. schreibt:

      Könnte es sein, dass das All erst in dem Moment entsteht, oder nur solange besteht, als ein menschliches Auge es erblickt?

      Sei es einmal angenommen (ich moechte aber zuerst speziell fuer Vertreter wie den Fragesteller festhalten, dass die Antwort auch Nein sein kann und er mit der Konsequenz dann auch leben muss)

      Was ist also, wenn in diesem auf das menschliche Auge gemalte 3- oder 4D-Kino ein anderer Mensch auftaucht? Ist der dann eigentlich noch da, wenn sich das erste Auge abwendet? Und was ist dessen All? Dasselbe? Wer schafft jedesmal dieses All? Der einzelne Mensch selbst? Wie? Oder eine Menschheit als Ganzes, die ihr Netzhauttheater irgendwie weiterreicht und untereinander konsistent haelt? Wieder: Wie? Oder tut das alles Gott? Jetzt waere die Frage: Warum? Und warum sollte ich in diesem Theater mitspielen wollen?

      Wer nicht glaubt, dass der Mensch frei ist

      Worin besteht der Begriff der Freiheit in dieser Sentenz eigentlich, wovon oder wozu ist er frei? In dieser nichtvorhandenen objektiven (blush) Aussenwelt, in der nichts existiert als andere arme Troepfe die genauso im Nichts stehen, in einer komplett vom Meister aufgebauten virtuellen Umwelt. Klingt fuer mich eher wie die maximale Dystopie an Unfrei- und Armseligkeit, was dann natuerlich gerade nicht dem Materialismus an „Bilanz“ angerechnet werden kann. Der liefert allerdings Medikamente gegen derartige komplett uebersteigerte subjektivistische Vorstellungen.

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      • Otto schreibt:

        Hallo B! Ich wünsche Dir eine einzige, nachhaltige Out-of-body-experience. Du bist sicherlich soweit belesen, zu wissen, dass die vorgestellten „Ideen“, der „übersteigerte Subjektivismus“ nicht von mir, überhaupt nicht von nur einem Menschen ist. Das stand in Delphi vorn auf dem Tympanon mit dem H bzw. dem Gnoti seauton – was in der Neuzeit meist im Sinne des Humanismus missdeutet, indem es auf Charakter und das dem Menschen angedichtete biologische Wesen gelesen wird. Jeder, wie er kann. Wozu ist der Mensch frei? – ad concreatorem! Alle Schöpfung, vor allem alle Geistige, denn Schöpfung ist zuerst immer rein geistig, also Idee, beginnt damit, die Grenzen des Bekannten zu überschreiten. Und der Materialismus – seine gesellschaftliche Funktion im säkularen Gemeinwesen – besteht darin, uns die unüberwindbaren Grenzen der Materie einzutrichtern, unser Bewusstsein zu fesseln, zu knebeln und zu knechten. Dabei sind die Zweifel an der Existenz eines Gottes und der Götter durchaus legitim. Gott selber hat die ersten Zweifel an seiner Existenz gestreut. Im Islam gibt es das Wort vom Listigen. Aber diese Zweifel sind wegen der Freiheit gestattet und gesetzt, nicht um den Geist zu unterjochen und eine geistige Sperrzone einzurichten. Googel ist eine spirituelle Materialisation unserer Seele. Sie schafft das Universum und verliert Gott aus den Augen und dann ist der Jammer gross! Dabei ist sie die Gottsuchmaschine an sich! Und genau das verhindert der Materialismus, indem er die Seele glauben macht, da sei irgendwas andres. Aber ich kann sie nicht aufklären, das müssen sie selber machen. Ich will es dabei bewenden lassen.

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        • Michael B. schreibt:

          Hallo B! Ich wünsche Dir

          Etwas unhoeflich, das lassen Sie besser (es geht nicht primaer um das Duzen).

          Wozu ist der Mensch frei? – ad concreatorem! Alle Schöpfung, vor allem alle Geistige, denn Schöpfung ist zuerst immer rein geistig, also Idee, beginnt damit, die Grenzen des Bekannten zu überschreiten.

          Das steht alles dem Akzeptieren unabhaengiger (objektiver) materieller Realitaet nicht entgegen. Im Gegenteil, diese liefert erst die Ursache fuer jegliche geistige Betaetigung. Es waere anstrengend und aeusserst limitierend, mir das alles erst erschaffen zu muessen oder Gott oder nicht Gott das tun zu lassen. Das mache ich schon wie jeder Mensch, wenn er kreativ wird, auch im Vorgriff allein im Kopf. Mit der zwingend irgendwann folgenden Konfrontation meiner Vorstellungen mit der Realitaet habe ich aber letztlich kein Problem. Die Schmerzen die auch (und meist) dabei auftreten koennen sind zuerst eine Schwierigkeit des Kindes, welches sich nach meiner Erfahrung auch in vielen Erwachsenen fortsetzt, was sich u.a. in dem genannten uebermaessigen Subjektivismus aeussern kann.

          Zum Bezug des Menschen – der ja dann irgendwie doch real von Ihnen angenommen wird – zum Rest seiner irgendwie nach Ihrer Aussage vollstaendig nur geschaffenen Umgebung bleiben Sie uebrigens die Antwort auf meine diesbezueglichen Fragen schuldig. Als verkuerzte Wiederholung: Gibt es nach Ihrer Auffassung diese Umgebung oder nicht?

          Und der Materialismus – seine gesellschaftliche Funktion im säkularen Gemeinwesen – besteht darin, uns die unüberwindbaren Grenzen der Materie einzutrichtern, unser Bewusstsein zu fesseln, zu knebeln und zu knechten.

          Ich habe mich nie dadurch geknechtet gefuehlt, warum sollte ich, im Gegenteil: Nur eine von mir unabhaengig existierende Realitaet liefert sowohl ueberhaupt die Anlaesse, als auch die noetigen Korrekturen, fuer meine geistige Interaktion mit ihr – und manchmal auch die seltene Befriedigung des Richtigliegens in etwas Neuem, da ware dann die durch Realitaetsabgleich geadelte Schoepfung.

          Noch einmal sei darauf hingewiesen, dass in meiner – und ebenfalls nicht nur meiner – Definition des Materialismus Gedanken, auch schoepferische Gedanken nicht nur deswegen Bestandteil sind, weil sie nach eben derselben Auffassung im engeren Sinn materiell in ihren Ablaeufen an eine Substanz – das Gehirn in dem Fall – gebunden sind.
          Das sind einfach ueberhaupt keine Antagonisten, deswegen ist das grundlegende Verhaeltnis von Geist und Materie fuer mich voellig unproblematisch, oder konsequenter – ihre Trennung eine Illusion. Nichts, was mir den Schlaf raubt, weil ich ein Primat des einen ueber das andere festlegen muesste oder gar in Knechtschaftsrhetorik verfallen muesste.

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  2. Otto schreibt:

    @Peregrinateur: „Der Mensch hat ein ….“ Es empfiehlt sich immer vorgebliches Wissen als grundlosen Glauben zu enttarnen. Der Körper hat ein Nervensystem. Das hat er auch noch, wenn der Körper tot ist. Die Zahl Pi hat es auch schon gegeben, als noch niemand drauf gekommen war. Und wenn die Bemühungen unserer Regierungen, kommunes Wissen zu zerstören, auch noch so erfolgreich sind und die Deduktion der Gesellschaft auf eine Steinzeitkommunismus grösste Fortschritte macht, man kann – Gott sei Dank – Pi nicht auslöschen. Man wird es wieder entdecken, und es wird in unser Zahlensystem umgerechnet, 3,141592 beginnen. Das weiss ich. Existierende Dinge (Geschaffenes) hängen nicht davon ab, ob die Menschen dran glauben, dass es sie gibt. Solche Sprüche, wie Virchow – habe viele Leichen seziert, aber noch nie eine Seele gefunden.“, zeugen nur von gewissen Geisteszuständen. Die Wahrheit ist: Es hat nämlich ausser Virchow, im 19 Jahrhundert niemand mehr erwartet, vllt nicht mal Haeckel oder Ernst Abbe, im Körper eine Seele zu finden. Vielleicht spricht es sich ja auch unter den Materialisten mal rum: Materie besteht nicht aus Materie. Information und Materie sind diverse Qualitäten. Es gibt ja auch Menschen, die glauben, weil sie keinen Ausweis (Schein zum Sein) haben, nicht zu existieren.

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    • Pérégrinateur schreibt:

      @Otto
      „Der Körper hat ein Nervensystem. Das hat er auch noch, wenn der Körper tot ist.“ – Sie meinen, wenn die Würmer sich durch den Leichnam gefressen haben, wenn die Bakterien sich des Kots der Würmer erlustiert haben, wenn der übrigbleibende Stoff in einem erneuten Zyklus im Zuge der Plattentektonik in Tiefen geraten ist, wo Metamorphose stattfindet oder als Krustenmaterial von einem Vulkan über einer Subduktionszone wieder ausgespuckt wird, dann bleibt das Nervensystem doch immer noch erhalten?

      Zeigen Sie mir irgendeine „Seele“ ohne materiellen Träger, vulgo ohne das Tier, bei dem wir gewisse Aspekte des Funktionierens seines Nervensystems so nennen. Mit der Information steht es ähnlich: Keine Information ohne Daten, keine Daten ohne Speicher.

      Eine immaterielle Seele ist schlichtweg eine Abstraktion aus dem Animismus, der in uns stammesgeschichtlich angelegt sein mag, von dem man sich aber im Lichte der naturwissenschaftlichen Erkenntnisse abwenden sollte, wie von so manchem anderen „Bauchgefühl“. (Hoppla, schon wieder etwas Materiell-Greifbares.)

      Glauben Sie, dass die von Ihnen angeführten Ungläubigen der eigenen Existenz dabei bleiben, wenn sie Zahnweh oder auch nur einen etwas vollen Magen haben? Mich erinnert das an einen hübschen Satz eines Philosophen bei Stanislaw Lem: „Es gibt nichts, was es gibt, und jeder, der etwas anderes behauptet, der irrt sich.“ Ein Mensch kann nur dann glauben, er existiere nur dank eines Ausweises und ohne ihn nicht, wenn er den Evidenzen so abhold ist, dass er ständig in Gefahr schwebt, auf der unvorsichtigerweise betretenen Straße überfahren zu werden; diese Population dürfte also sehr, sehr wenig zahlreich sein.

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    • Michael B. schreibt:

      Vielleicht spricht es sich ja auch unter den Materialisten mal rum: Materie besteht nicht aus Materie. Information und Materie sind diverse Qualitäten.

      So simpel ist ein Materialist nicht. Oder gar in der oft verwendeten Vulgaerform von „materiell eingestellt“ als Konsum- und Besitzsklave.
      Aber er wird sicherlich die Ursache von Pi trotzdem materiell gebunden sehen, selbst wenn der ideale Kreis, den man zur Definition heranziehen kann, selbst natuerlich nie materiell existieren kann. Dafuer laesst Materialismus schon Platz. Solche Dinge werden entdeckt, aber sie sind nach dieser Auffassung auch schon „da“, eingebettet in die Materie (oder eher Welt in seiner Auffassung). Ich persoenlich – als wie natuerlich nach dem Gesagten schon anzunehmen ist, Materialist – habe mich dahingehend nie eingeschraenkt gefuehlt, solche um in Ihrer Sprache zu bleiben „Informationsdinge“ integriert enthalten zu sehen. Gerade in Mathematik ist dieses Wechselspiel von Erfinden und Entdecken eher ein Genuss als der Wunsch, diese beiden Seiten mit Gewalt gegenueberstellen zu muessen (was aber z.B. Philosophen den ganzen Tag unerspriesslich betreiben koennen)

      Es ist aber auch so:
      Auf sezession.de lief gerade eine kleine Nebendiskussion zum Thema: Warum bedeckt der Mond die Sonne GENAU waehrend einer vollstaendigen Sonnenfinsternis. Als naturwissenschaftsnaher Mathematiker sage ich halt: Huebsch, das Verhaeltnis von Abstand von der Erde zu Durchmesser von Mond bzw. Sonne gibt das gerade her. Und dann ist gut. Ich ueberlege noch, ob das Dreikoerpersystem Erde-Mond-Sonne aus Schwerkraftgruenden sich nur so materialisieren (sic) kann, dann ist aber gut. Zumal es auch inhaltlich nicht stimmt. Das Verhaeltnis ist schon allein aus der elliptischen Bahn der Erde heraus bestimmt nie gleich, was zu real auftretenden Sonnenfinsternissen fuehrt, bei denen ein gleissender heller Rand (Mond kleiner, Erde naeher an Sonne) oder umgekehrt zu einer Mehrabdeckung fuehrt. In der Diskussion auf sezession wird es wegen der Grundausrichtung der Beteiligten dort aber sofort sehr metaphysisch in Richtung einer irgendwie tieferen Bedeutung des Aufbaus der Welt, die unsubstantiiert bleibt. Das wird dann schnell magisches Denken.

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      • Gut, daß sie die Mond-Erde-Sonne-Frage hier anbringen. Ich bringe sie hier noch mal:

        „Erde, Mond und Sonne haben zueinander genau den Abstand, der nötig ist, damit Mond- und Sonnen-Finsternisse entstehen können. Mond, Erde und Sonne sind optisch also genau gleich groß, sodass sie sich gegenseitig gerade exakt verschatten können; dazu kommt die im Kosmos extrem selten (wenn überhaupt) vorkommende gebundene Rotation des Mondes, der uns deshalb immer dieselbe Seite zeigt, und die vielen anderen extrem seltenen Verhältnisse des Planeten Erde (Wasser, Temperatur-Optimum, Kohlenstoff, Silizium…). Wie wahrscheinlich ist so eine Koinzidenz? Muss man da nicht an etwas Höheres glauben 😉 ?“

        Die Diskussion habe ich gar nicht verfolgt – lohnt sich das? Der Fragesteller gehört zu denjenigen, die ich meist nur kopfschüttelnd lesen kann … und es werden leider immer mehr. Die Diskrepanz zwischen K&K&K, auch noch L&L, und dem Kommentariat wird immer größer. Ich interpretiere das als Imaginationsfehler: ein gewisser Teil der Leserschaft sieht in der SiN etwas, was sie nicht ist – oder aber, die andere Möglichkeit: ich imaginiere etwas! Wenn erstens stimmt, dann wäre das sehr schade, denn es gibt bereits genügend Plattformen, wo diese Kundschaft sich versammeln kann, aber kaum etwas, das den genuinen Bereich der „Sezession“ abdeckt. Daher würde ich mir wünschen, die Betreiber würden die Debatten etwas mehr steuern.

        Aber zurück zur Frage. Nach der Koinzidenz bzw. der Wahrscheinlichkeit. Sie enthält ja auch ein Hauptargument der Kreationisten: Wie wahrscheinlich ist es, daß Leben sich entwickelt, daß bestimmte kosmische Konstellationen sich einstellen etc. So, wie die Frage gestellt ist, ist sie ja Suggestivfrage, die die Antwort schon sehr stark suggeriert: es muß intelligente Schöpfung sein!

        Aber worin genau liegt ihr Fehler. Läßt man sich einmal auf sie ein, hat man schon einen sehr schweren Stand, weil man ihre (teleologischen) Prämissen anerkennt. Haben die beiden Herren oder wer sonst, darauf eine befriedigende Antwort? Konkret auf Mond, Erde, Sonne bezogen.

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        • Michael B. schreibt:

          Wie wahrscheinlich ist es, daß Leben sich entwickelt, daß bestimmte kosmische Konstellationen sich einstellen etc.

          Klassiker dazu ist Dawkins‘ „The Blind Watchmaker“, aufgehaengt an einem zu diesem Thema beliebten Gleichnis bestehend im unverhofften Vorfinden von Komplexitaet erst in mechanischer Form (einer Uhr) und dem vermeintlichen biologischen Analogon solcher Komplexitaet in Gestalt des menschlichen Auges.

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          • Michael B. schreibt:

            Das Auge gibt auch aus Sicht eines Architekten interessante Fragen auf. Faellt Ihnen im folgenden Bild etwas auf?

            Wer baut so etwas? Das Licht kommt von links und muss durch den ganzen Kruscht an Nervenzellen durch, um dann erst von einem Photorezeptor aufgenommen werden zu koennen. Es gibt Ueberlegungen dazu, die aber nach meinem Wissen weiterhin nicht komplett abgeklaert sind. Und solange haette man ein Fehldesign. 🙂

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            • Pérégrinateur schreibt:

              Beim teleologischen Gottesbeweises hatte ich meinen einzigen Wirkungstreffer in der Diskussion mit Zeugen Jehovas. Als nämlich die Wortführerin eines Missionspärchens an mir nacheinander alle seit über 200 Jahren bekannt hinfälligen Gottesbeweise anzusetzen versuchte, und ich dann etwa auf den teleologischen hin antwortete, das menschliche Knie sei bekanntlich eine Fehlkonstruktion, antwortete die offenbar davon geplagte Begleiterin spontan, „Da haben Sie allerdings Recht!“ Diese hat es wohl nicht lange gemacht bei dem Verein, denn nachdem ich wiederholt mit naturalistischen Argumenten irgendwelche biblisch inspirierten WIrklichkeitsdeutungen der Wortführerin abgewiesen hatte, und sie dennoch repetitiv darauf zurückkam, widersprach die gute Frau ihrer Anführerin: „Lass das doch, das ist doch aus seiner Sicht falsch, das hat er doch schon gesagt!“ Eine solche Erschütterlichkeit und ein solches Eingehen auf die Gegenrede hatte ich zuvor bei diesem Typus noch nie erlebt.

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        • Pérégrinateur schreibt:

          Kepler hat noch wild metaphysisch herumspekuliert, ob sich nicht die Halbachsen der Planetenbahnen in ein System bringen lassen, etwa indem man die entsprechende Kugel eines Planeten einen platonischen Körper umschließen lässt, in dem man dann wieder einen platonischen Körper einschließt, dessen innen berührende Kugel dann gerade den Radius des nächsten Planeten näher zur Sonne hin liefert. (Grob aus dem Gedächtnis, die Konstruktion war selbstredend von Planet zu Planet immer anders.). Das stimmte natürlich nur so lala mit den Bahnparametern zusammen. Heute macht so etwas kein Physiker mehr. Und auch wenn heute, nach dem Michelson-Experiment und Einsteins Relativitätstheorie, bei irgendeinem Experiment herauskäme, dass die Erde ein kosmologisch irgendwie ausgezeichneter Ort ist, dann würden sich den Physikern die Haare sträuben und sie fleißig nach dem Fehler im Experiment suchen und ihn finden.

          Mit genügend viel Spielmaterial und Freiheiten beim Operieren lässt sich übrigens alles wenigstens so ungefähr erklären, und Menschen, die sich gerne von vermeintlich tiefen Zusammenhängen beeindrucken lassen, steht dann der Mund staunend offen. Wenn sie nur etwa 32 zufällig bestimmte Längenwerte zur Verfügung haben, dann können sie fast sicher etwa 1000 verschiedene dimensionslose Quotienten daraus bilden; spreizen die Werte nicht über zu viele Größenordnungen, dann können sie viele vorgegebene Zahlen nicht allzu ferne der 1 bis auf weniger als 1 % genau damit annähern. Ergebnis: „Das kann doch alles kein Zufall sein!“

          Ein anderes Beispiel aus der Mathematik. Eine Freundin von mir (von der anderen, der hermeneutischen Großfakultät) war beeindruckt von der bekannten Eulerschen Gleichung exp(2πi)=1, weil sie die drei wichtigsten mathematischen Konstanten e (ich konnte die Gleichung leider nicht als Potenz schreiben, da hier wohl keine Eingabe in MathML möglich ist), π und i in Beziehung setze. Wie ich ihr dann erklärte, dass das schlicht Ausfluss dessen ist, das π/2 in der Weise definiert ist, das cos(π/2) = 0 und sin(π/2) = 1 ist, war sie enttäuscht, weil ihr die Ehrfurcht geraubt wurde.

          Leider gibt es allzu viele metaphysische Löffelbieger, die alle ihr Publikum finden.

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          • Michael B. schreibt:

            cos(π/2) = 0 und sin(π/2) = 1

            Wobei das erst einmal nur in eine andere Darstellung verschiebt. Die Eulersche Beziehung selbst liegt schon tiefer. Lindemanns Beweis der Transzendenz von Pi aus der von e nutzt sie ganz am Ende (war mein erster Vortrag vor 500 Leuten im ersten halben Jahr meines Studiums).

            Auch unabhaengig davon:
            Da man aus der Relation ja auch die trigonometrischen Funktionen ueber die e-Funktion definieren kann, das stellt eine starke Verbindung zwischen urspruenglich separaten Gebieten der Mathematik (Trigonometrie und Analysis) her.

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            • Pérégrinateur schreibt:

              Meiner Erinnerung nach ist die plakative Aussage, dass wenn exp(x) = y, wenigstens eine der beiden Zahlen x oder y transzendent ist, nur eine lemmaartig zusammenfassende Formulierung am Ende des Beweises, der selbst darlegt, dass wenn x algebraisch ist, y es nicht sein kann.

              Vortrag vor 500 Personen im ersten Halbjahr – wie groß waren denn an ihrem Studienort die Arbeitsgruppen? Unsereins wurde erst einmal ein Jahr oder länger passiv durch die Mühle Lineare Algebra/Analysis getrieben. Mit durchaus einem gewissem Unterhaltungswert, weil auch Physiker und andere Naturwissenschaftler zu diesen Fächern verpflichtet waren, weshalb die Vorlesung LA im größten verfügbaren Hörsaal abgehalten wurde und man dann etwa auf den hinteren Plätzen einen der mehr an Tangiblem Interessierten beim Hochziehen der arithmetischen Regeln aus den Peano-Axiomen fassungslos schimpfen hören konnte: „Jetzt beweist der da vorne doch tatsächlich, dass 2 + 2 = 4 ist. Was soll das? Das weiß ich doch schon seit der ersten Klasse Grundschule!“

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              • Michael B. schreibt:

                Vortrag vor 500 Personen im ersten Halbjahr – wie groß waren denn an ihrem Studienort die Arbeitsgruppen?

                Nannte sich „Studentischer Vortragstag“. Dort waren alle Fakultaeten vertreten. Der Gewinn war hauptsaechlich die Erfahrung des Redens vor einem groesserem Auditorium. Die Mathematikfakultaet war eher extra-klein, jeder Student hatte praktisch seinen persoenlichen Professor. Sie hat aber spaeter immerhin meinen Diplombetreuer zum Rektor der Uni Halle gebracht (und die Betreuerin meiner Exfrau zur Bundesministerin).

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        • Vielen Dank!

          Die Erde-Mond-Sonne-Frage fand ich interessant, weil sie mir den Fehler in Fragelogik so exemplarisch zu zeigen scheint und sie unterscheidet sich diesbezüglich auch noch von vergleichbaren Argumenten in Hinblick auf die Evolution. Dort kann man immerhin noch die vielen kleinen Schritte anführen, die Mikroveränderungen über sehr lange Zeiträume bei sehr langsamen Umweltveränderungen, die letztlich über Selektionsprozesse zu halbwegs und zeitweise funktionierenden äußerst komplexen Zuständen (Auge) führen und da dies mitunter sogar mehrfach und auf verschiedenen Wegen passieren kann, scheint es im Leben eine gewisse Tendenz auf bestimmte Zustände zu geben. Im astrologischen Maßstab ist diese Erklärung wohl schwieriger zu leisten, denn man müßte alle Bedingungen der Vorzeit im Kosmos kennen und das ist uns achtzig-Jahre-Wesen nicht vergönnt.

          Die Fragerichtung ist hier das Problem: sie fragt nicht historisch, sondern hinterfragt historisch, sie zweifelt also das Gegebene an, indem es die Improbalitäten summierend anführt, in der Denkbewegung schiebend, und nicht nach konkreten Ursachen fragt, die dann Schritt für Schritt aufgeklärt werden. Die Konstellation mag extrem selten und unwahrscheinlich sein, aber sie ist nun mal zustande gekommen und ergo als Konstante anzunehmen. Wir leben auf dieser Nadelspitze, so unwahrscheinlich dies auch sein mag. Wenn aber bei Gott nichts unmöglich sein soll, warum soll es dann in der Ewigkeit anders sein?

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          • Michael B. schreibt:

            Es gibt uebrigens eine Richtung in der Physik – mit der ich mich aber lange nicht mehr und nie wirklich gruendlich befasst habe – die in Modellen die grundlegenden Konstanten, Kraefte etc. (also Plancksches Wirkungsquantum, Lichtgeschwindigkeit, Gravitationskonstante etc.) variiert und die Konsequenzen berechnet. Und soweit mich noch erinnere, sehen viele Dinge eben genauso aus wie sie aussehen, weil diese Groessen genau so gross sind wie sie sind. Sonst kommt es schnell zur Unmoeglichkeit der chemischen Elemente, die ganze auf Masseanziehung beruhenden Systeme zerfallen usw. usf..

            Es gibt auch mindestens einen harten SF-Schreiber, der solche Dinge einmal ernsthaft durchzieht („Welcome to the strangest world in science fiction“).

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            • Pérégrinateur schreibt:

              Mich würde nicht wundern, wenn dieser zu fast allem fähige Fernseh-Physikkaspar Lesch auf dieser Sensitivität irgendwann noch eine Begründung für die Existenz Gottes aufsetzen wollte.

              Wenn man selbst in der Lotterie die Nummer 11.472.359 gekauft hat und diese gewinnt, dann kann das doch kein Zufall sein, oder? Schließlich hat sich in der Welt doch alles um einen selbst zu drehen, und wenn das einmal so sichtlich der Fall ist, beweist das doch die förderliche Einrichtung der Welt.

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                • Pérégrinateur schreibt:

                  Sie kennen den Scherz ja wohl schon, aber weil er so schön ist, auch für den damit unvertrauten Teil der Leser hier:

                  Satz: Jede natürliche Zahl ist wunderlich.

                  Beweis: (Indirekt.) Angenommen, es gibt wenigstens eine nicht wunderliche natürliche Zahl. Dann gibt es auch eine kleinste solche, sage n. n hat dann aber die ganz besondere Eigenschaft, die kleinste nichtwunderliche Zahl zu sein, was doch sogar etwas besonders Wunderliches ist. Widerspruch!

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  3. Pérégrinateur schreibt:

    Das ist platonistisch-christliches Wahndenken eines Sentimentalen, der den Fortbestand dessen postuliert, was er nicht missen möchte. Wenn ich mit Fieber im Bett liege, ist meine Seele sehr herabgemindert, während meine Leiblichkeit dabei recht ungestört weiterbesteht. Aber wenn ich tot sein werde, sollte meine Seele weiterbestehen, obwohl mein Leib verschwindet? Die passende Antwort darauf hat Nietzsche gegeben: „Der Mensch hat ein Nervensystem, aber keine Seele.“ (Aus dem Gedächtnis zitiert.)

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