Über das menschliche Verhalten

Ich gebe zu, das übersteigt meine Kräfte – bitte daher als Versuch werten: für konstruktive Vorschläge bin ich dankbar!

Sándor Márai: Das Kräuterbuch VIII

Kein Verhalten, das außerhalb der menschlichen Ordnung eine Art Lebensordnung und Tagesordnung aufbauen will, ist berechtigt. Für den Menschen ergeben die Dinge der Welt und die Handlungen nur dann Sinn, solange sie auf die Menschen einwirken wollen und mit der menschlichen Welt kooperieren. Diese Kooperation kann unmittelbar oder mittelbar erfolgen. Aber aus Eigeninteresse zu leben, hat niemand das Recht, ja, er hat nicht einmal das Recht, zu schaffen.

Az emberi magatartásról.

Semmiféle magatartás nem jogosult, mely az emberi renden kívül akar felépíteni egyfajta életrendet és napirendet. Az ember számára a világ dolgainak és a cselekedeteknek addig van csak értelmük, amíg hatni akarnak az emberekre, s együttműködnek az emberi világgal. Ez az együttműködés lehet közvetlen és lehet közvetett. De saját érdekből senkinek nincs joga élni, igen, még alkotni sincs joga.

Übersetzung: Seidwalk

11 Gedanken zu “Über das menschliche Verhalten

  1. Otto schreibt:

    „De saját érdekből senkinek nincs joga élni, igen, még alkotni sincs joga.“ Ehrlich, ich kann diesen Satz nur als Entgleisung Marais verstehen. Ich halte ihn für einen Kotau vor dem grassierenden Kollektivismus jener Zeiten. Man findet solche, dem Zeitgeist huldigenden Sätze bei jedem freieren Denker. Kronos ist nicht umsonst der Vater Zeus. Schon, wer das Worte Leben dicht neben das Wort Recht stellt, ist mir suspekt, weil dann im Hintergrund schon die Macht lauert, die Phrase zu benutzen, oder der Verdacht, sich unter einen schützenden Mantel stellen zu wollen. Habe meinen Kindern stets verboten, mir in irgendeiner Sache beizupflichten! Ein stets willkommener Vorwand! Mein Gegenentwurf ist immer das Imperium der Mäuse. Was kümmert die Maus die Ordnung der Löwen? Gut, wenn er sich mal im Netz verheddert, kommt sie durchaus, ihn freizuknabbern. Aber das ist der Humanismus der Mäuse. Ansonsten aber geht man sich nichts an. Man geht nicht mal gegenseitig zur Beerdigung.

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    • „De saját érdekből senkinek nincs joga élni, igen, még alkotni sincs joga.“

      Ich würde Ihrer Argumentation ja gerne folgen, aber ich weiß nicht recht, was Sie als entgleisend empfinden und das wiederum beruht darauf, weil ich nicht weiß, wie Sie diesen Satz ganz konkret übersetzen. Die Übersetzung allein ist ja schwierig – mir fehlt etwa der Begriff dessen, was der Mensch nicht schaffen darf. Sollte es bedeuten, daß er prinzipiell zur (weltverändernden) Tatenlosigkeit verdammt sein sollte, so wie das etwa Diogenes gelehrt hatte und wie es sich vielleicht auch einige FFF-Aktivisten vorstellen (ohne die beiden Positionen vergleichen zu wollen)? Möglicherweise hat Márai diesen (und viele andere) Satz bewußt offen gelassen? Das mit dem Klar-Sagen ist so eine Sache, so eine Wittgensteinsche Abkürzung – tatsächlich ist ja auch Wittgenstein alles andere als klar. Man denke auch an Hegels letzte Worte, wie sie uns Heine überleifert hat: „Als Hegel auf dem Totenbette lag, sagte er: „Nur einer hat mich verstanden“, aber gleich darauf fügte er verdrießlich hinzu: „Und der hat mich auch nicht verstanden.“

      Es wird dadurch zu ganz verschiedenen Lesarten animiert, man kann es wie @ Pérégrinateur komplett ablehnen, man kann aber auch gebannt davor sitzen und lange meditieren und zu ganz anderen Lösungen kommen. Das ist übrigens eine Technik, die Nietzsche wunderbar beherrschte.

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      • Pérégrinateur schreibt:

        Um dann vielleicht abzulehnen, müsste ich erst einmal verstehen. So aber behandle ich die dunkle Rede wie jede andere eben auch, und es fehlt nicht gerade an solchen: Ich kümmere mich um anderes. Ars longa vita brevis.

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  2. Otto schreibt:

    @sidewalk, würde sie bitten, weiterzumachen. Es gibt keinen Übersetzer, und auch keine Übersetzung in der sich nicht fragwürdige Stellen finden. Manchmal und öfters liegt dies eben nicht nur an den unzureichenden Bemühungen des Übersetzers, sondern eben auch an den Produktionen des Originals. Auch für diese gilt: Alles, was sich sagen lässt, lässt sich klar sagen. Über das andere sollte man schweigen. Aber das Buch und der Mensch scheinen mir im Falle Márais Ihrer Anstrengungen würdig!

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  3. otto schreibt:

    Ich würde die Phrase etwas freier fassen – kenne allerdings Márai kaum (nur durch Sie hier) – aber was ich von ihm bisher verstanden habe, ist, er ist radikaler Humanist und minutiöser Anatom des Tagesablaufes und seiner Motivation. „Kein Benehmen, kein Verhalten, welches nicht auf den Menschen hin abzielt, (angelegt ist), ist von irgendeiner Berechtigung (ist angemessen). Alle Dinge und Unternehmen (Taten) erhalten ihren Sinn dadurch allein, dass sie auf den Menschen (an sich) hin sind und an ihm sich messen lassen müssen….“ Telos Mensch! (Homo-Mensura Spruch) Der letzte Satz ist jedoch schon starker Tobak, und ich komme nicht auf eine humane Deutung. Man müsste das Buch lesen, kenne jedoch kein Buch, bei dem man die zur Lektüre nötige Lebenszeit gleich mitkaufen kann.

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  4. Michael B. schreibt:

    Zu meinem „Fehler“. Bei nochmaligem Ansehen ist es subtiler. Offensichtlich gibt Marai im ersten Teil des Satzes „den Dingen der Welt“ eine bewusst aktieve Note: sie „versuchen […] zu beeinflussen“. Der Teil, den ich versucht habe zu korrigieren, koennte aber genauso gelesen werden. Dann ist die urspruengliche Uebersetzung von deepl korrekt. Aber man kann natuerlich dieses „versuchen“ verschieden verstaerken bis in die angenommene Tatsache hinein, entweder getrennt fuer beide Teile des Satzes oder auch komplett zusammen. Also:

    Für den Menschen haben die Dinge der Welt und die Handlungen der Welt nur so lange einen Sinn, wie sie den Menschen beeinflussen und mit der menschlichen Welt zusammenwirken.

    Das ist aber wohl schon erweiterter Kontext, fuer den man Marai im Ganzen besser kennen muss als ich es tue. Vielleicht verletzt es das vorgefundene Ungarisch auch derart, dass diese Interpretation gar nicht moeglich ist.

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    • Vielen Dank für die Unterstützung.

      Neben den rein sprachlichen Schwierigkeiten, liegt hier das Problem auch in der schweren Faßbarkeit – was will Márai eigentlich sagen? Er agiert ausschließlich mit abstrakten Begriffen. Die muttersprachliche Abklärung hat ergeben, daß es auch dem ungarischen Leser schwer fällt, diesen Sentenzen einen konkreten Sinn zu verleihen. Möglicherweise bezieht er sich auf einen vorherigen Beitrag – so wie sich „Über das Kennenlernen des Körpers“ auf “
      Über den menschlichen Charakter“ bezogen hatte – und dies ist mir nur entgangen?

      Faszinierend, daß die maschinelle Übersetzung auf den ersten Blick weniger problematisch erscheint – allerdings läßt sie sich mit dem Text nur schwer in Übereinstimmung bringen.

      Die „Kooperation“ ist meine Entscheidung im letzten Moment gewesen: ursprünglich stand dort „Zusammenarbeit“ für „együttműködés„, was wortwörtlich und tatsächlich ungarisch – also kein Fremdwort – ist.

      „Ordnung und Agenda“ machen es leichter – tatsächlich steht dort „életrendet és napirendet„, Akkusativformen von „élet„-Leben und „rend„-Ordnung und „napi“-„Tag, den Tag betreffend“ und „ordnung“. „Napirend“ = „Agenda“? Ist wohl möglich, aber dann entfällt eben der „Tag“. Schwieriger ist das „életrend„, ein Wort, das man in den Wörterbüchern nicht findet. Es gibt aber ein Buch des großen ungarischen Philosophen Béla Hamvas: „Közös életrend„, wobei „közös“ – „gemeinsam“ – ebenfalls ein schillernder Begriff ist.

      Es läuft am Ende wohl darauf hinaus, daß man hier über muttersprachliches Verständnis und Werkverständnis verfügen müßte, um das adäquat übersetzen zu können, man müßte also das „Surplus“ von Sprache erfühlen können, jenen schwer zu benennenden Gefühlsbereich einer jeden Sprache.

      Auch in ein, zwei vorherigen Artikeln hatte ich bereits das Gefühl, dem Wesen des Textes nicht wirklich nahe zu kommen. Ich muß mir also überlegen, ob das Versprechen, hier sukzessive das „Füves Könyv“ vorzustellen, nicht zu großmäulig war und werde das nach den nächsten Versuchen entscheiden.

      PS: Aber es lesen hier auch Kenner der Sprache mit – einer schrieb mal vor langer Zeit, wo denn das Problem liege mit der ungarischen Sprache, er habe sie ruckzuck gelernt, die „Vízipok“ gelesen (Kinderbuchklassiker) und dann gleich Hamvas. Vielleicht kann sich der Herr ja nochmal melden (war das „Otto“?)

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  5. Pérégrinateur schreibt:

    Der Text wäre vielleicht zu verstehen, wenn man wüsste, was „Ordnung“, „Sinn“, „Recht“, „Kooperation“ denn bedeuten sollen.

    Vielleicht soll zum Beispiel der erste Satz nur die Abweisung paraphrasieren, die der Erdgeist dem Faust erteilt.

    (Kommentar: Oh diese bedürtigen Sinnsucher, die auch noch die aus dieser Sphäre Schweifenden an sie fesseln wollen!)

    Seidwalk: Ja, das ist exakt mein Problem! Die Frage ist: ist es irgendwo im Text versteckt? Ich sagte vorhin noch zu meiner Frau: mit solcher Vagheit und Abstraktheit kann man einem Pérégrinateur nicht kommen. Ich denke morgen noch mal drüber nach.

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    • Michael B. schreibt:

      Es ist etwas lustig, ueber etwas zu schreiben, was eine voellige blackbox darstellt. Ich versuche es trotzdem. Ich habe das Ganze einmal deepl vorgeworfen:

      Kein Verhalten ist gerechtfertigt, das darauf abzielt, eine Art von Ordnung und Agenda außerhalb der menschlichen Ordnung zu konstruieren. Für den Menschen haben die Dinge der Welt und die Handlungen der Welt nur so lange einen Sinn, wie sie versuchen, den Menschen zu beeinflussen und mit der menschlichen Welt zusammenzuwirken. Diese Zusammenarbeit kann direkt oder indirekt sein. Aber niemand hat das Recht, um seiner selbst willen zu leben, ja, er hat nicht einmal das Recht, zu schaffen.

      Ein direkter Fehler ist m.E. hier nur die Sentenz „und mit der menschlichen Welt zusammenzuwirken“, die wohl eher meint „und sie mit der menschlichen Welt zusammenwirken“

      Das ist uebrigens aus der Kette Ungarisch->Englisch->Deutsch entstanden, direktes Ungarisch->Deutsch gibt ein leicht verschiedenes Ergebnis. Das sperrige „Kooperation“ ist aber immer raus.
      Es lohnt vielleicht auch einmal mehrfaches scheinbar aequivalentes hin-und-her in deepl. Also ungarische Eingabe, das deutsche Ergebnis stilistisch verbessern und dieses selbst eingeben, dann das neue ungarische Ergebnis betrachten. Das gibt mitunter Ideen.

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