Über die Sinne

Sándor Márai: Das Kräuterbuch VII

So meine ich: wir müssen unsere Stellung[1] auch gegen unsere Sinne verteidigen. Nur mit großer Vorsicht, Billigkeit[2] und Erfahrung können wir Meister unserer Sinne bleiben. Wer gegen sich selbst gewalttätig wird, fällt.

Eine wilde Horde ist sie, die Armee der Sinne. Mit allen verfügbaren Waffen kämpfen sie gegen den Menschen, wie die Ringer beim Catchen[3], sie respektieren keine Spielregeln, sie treten, sie kneifen und sie beißen. In ihrer Rebellion liegt etwas Beängstigendes und zugleich Großartiges. Der Mensch lebt, solange er Leidenschaften hat. Aber die Leidenschaften können  diszipliniert[4] werden. Der Egoismus, die Lüsternheit, der leibliche Hunger und Durst läßt sich ins Menschliche verwandeln.

Die Gier kann in nützlichen menschlichen Willen umgewandelt werden. So wie aus dem Wind, dem Feuer, dem Licht nützliche, dem Menschen zum Dienste geeignete Kräfte gezähmt werden können – auch wenn sie noch so mächtig in der Welt sind, das Meer peitschen und Wälder und Städte in Brand setzen; der Mensch ist stärker! – so lassen sich die Kräfte und die Affekte[5] bremsen, die den menschlichen Leib durchdringen, unser Herz und unsere Nerven beherrschen. Diese wilden Kräfte können zu menschlichem Dienst erzogen[6] werden.

Dazu bedarf es vieler Erfahrung, vieler Betrübnis, viel Willens und übermenschlicher Kraft.

@ Übersetzung: Seidwalk

 

[1] rang
[2] méltányosság
[3] kecseszkecskenbirkózók
[4] nevel
[5] indulatok
[6] nevel