Goethe in Zeiten der Pandemie

Ja, die Natur reagiert nicht bloß gegen die leibliche Krankheit, sondern auch gegen die geistigen Schwächen; sie sendet in der steigenden Gefahr stärkern Mut. (Goethe, Gespräch mit Lobe)
PDF:  Goethe in Zeiten der Pandemie

Es finden sich in Goethes Werken bemerkenswerte Überlegungen und Erfahrungen, die uns heute noch inspirieren können. Denn Goethe war mehr als ein großer Autor und Denker, er war auch ein großer Kranker! Immer wieder schlugen ihn schwere, zum Teil auch lebensbedrohliche Krankheiten nieder – lernen kann man vor allem aus seinen dazugehörigen Überlegungen und aus seinem persönlichen Umgang damit.

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Judäische Volksfront oder Volksfront von Judäa?

Wo wir stehen II

… in der Welt und speziell in Deutschland, das kann man oft am besten an Marginalien, Petitessen und Nebeninformationen sehen.

In der „Jungen Welt“ etwa war ein kleiner, aber aufschlußreicher und zugleich verstörender Artikel zu lesen. Darin war zu erfahren, daß im Studienrat der Universität Halle über den Arbeitskreis Antifaschismus gestritten wird. Es gebe dort demnach „drei Hochschulgruppen mit linkem Selbstverständnis – die Jusos, die Grüne Hochschulgruppe und die Offene Linke Liste“ und die versuchten den „Arbeitskreis Antifaschismus aufzulösen, können das auch, denn sie stellen die Mehrheit im „Studierendenrat“. Denn dieser hat gesündigt. Und das, obwohl er auf 27 verdienstvolle Jahre verweisen kann.

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Das Verschwinden des Weiblichen

Wo wir stehen I

… in der Welt und speziell in Deutschland, das kann man oft am besten an Marginalien, Petitessen und Nebeninformationen sehen.

In Ungarn etwa war die Möglichkeit, daß in Deutschland eine „schwarze Transfrau“ oder  ein „binäres Modell“  zur „Miss Germany“ gekrönt werden könnte, noch eine Nachricht wert. Man wunderte sich dort.

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Darüber, daß der Mensch ein Teil der Welt ist

Sándor Márai: Das Kräuterbuch (1943) IX

Der Mensch, in seiner unermeßlichen Hochmut und Eitelkeit, ist geneigt zu glauben, daß er auch wider die Gesetze der Welt leben, sie ändern und straflos gegen sie rebellieren kann. Als ob der Wassertropfen sagte: „Ich bin anders als das Meer.“ Oder der Funke: „Ich werde kein Feuer fangen“.

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Zeitschriften – anbruch

Bevor man „anbruch“ aufschlägt – so meine Empfehlung –, sollte man sich der kommenden Ruhe und Ungestörtheit gewiß sein, es empfiehlt sich ein gemütliches Plätzchen, vielleicht des Nachts unter dem Schein der Schirmlampe, und wer kultivierte Laster pflegt, dem sei geraten, die Cohiba oder den Glengoyne 21 oder den Sümegi Cabernet Sauvignon 2016 oder was auch immer die verfeinerten Sinne edel reizt, bereit zu stellen, denn im „Magazin für Kultur & Künftiges“ wird ästhetisiert und philosophiert – und zwar auf hohem Niveau.

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Über das menschliche Verhalten

Ich gebe zu, das übersteigt meine Kräfte – bitte daher als Versuch werten: für konstruktive Vorschläge bin ich dankbar!

Sándor Márai: Das Kräuterbuch VIII

Kein Verhalten, das außerhalb der menschlichen Ordnung eine Art Lebensordnung und Tagesordnung aufbauen will, ist berechtigt. Für den Menschen ergeben die Dinge der Welt und die Handlungen nur dann Sinn, solange sie auf die Menschen einwirken wollen und mit der menschlichen Welt kooperieren. Diese Kooperation kann unmittelbar oder mittelbar erfolgen. Aber aus Eigeninteresse zu leben, hat niemand das Recht, ja, er hat nicht einmal das Recht, zu schaffen.

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Die Sorge vor dem Bevölkerungsaustausch

von Karen Jespersen und Ralf Pittelkow, erschienen in „Den Korte Avis26.10.2021

Schockierende Umfrage: in Frankreich erwartet eine Mehrzahl der Befragten einen Bevölkerungsaustausch (befolkningsudskiftning), in dessen Verlauf muslimische Einwanderer die europäischen Franzosen verdrängen werden.

In Frankreich findet eine heftige Debatte um den Begriff des „Bevölkerungsaustausches” statt. Das meint, daß die europäische Bevölkerung des Landes besonders von der stark wachsenden muslimischen Bevölkerung verdrängt werden wird.

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Über die Sinne

Sándor Márai: Das Kräuterbuch VII

So meine ich: wir müssen unsere Stellung[1] auch gegen unsere Sinne verteidigen. Nur mit großer Vorsicht, Billigkeit[2] und Erfahrung können wir Meister unserer Sinne bleiben. Wer gegen sich selbst gewalttätig wird, fällt.

Eine wilde Horde ist sie, die Armee der Sinne. Mit allen verfügbaren Waffen kämpfen sie gegen den Menschen, wie die Ringer beim Catchen[3], sie respektieren keine Spielregeln, sie treten, sie kneifen und sie beißen. In ihrer Rebellion liegt etwas Beängstigendes und zugleich Großartiges. Der Mensch lebt, solange er Leidenschaften hat. Aber die Leidenschaften können  diszipliniert[4] werden. Der Egoismus, die Lüsternheit, der leibliche Hunger und Durst läßt sich ins Menschliche verwandeln.

Die Gier kann in nützlichen menschlichen Willen umgewandelt werden. So wie aus dem Wind, dem Feuer, dem Licht nützliche, dem Menschen zum Dienste geeignete Kräfte gezähmt werden können – auch wenn sie noch so mächtig in der Welt sind, das Meer peitschen und Wälder und Städte in Brand setzen; der Mensch ist stärker! – so lassen sich die Kräfte und die Affekte[5] bremsen, die den menschlichen Leib durchdringen, unser Herz und unsere Nerven beherrschen. Diese wilden Kräfte können zu menschlichem Dienst erzogen[6] werden.

Dazu bedarf es vieler Erfahrung, vieler Betrübnis, viel Willens und übermenschlicher Kraft.

@ Übersetzung: Seidwalk

 

[1] rang
[2] méltányosság
[3] kecseszkecskenbirkózók
[4] nevel
[5] indulatok
[6] nevel