Karlstadt – Luthers (ewiger) Widersacher

Jedes Jahr zum Reformationstag lese ich ein Buch zum Thema – diesmal: A.O.Schwede: Der Widersacher.
Ich will mein Archidiakonat und alle Güter, die ich habe, freiwillig aufgeben, auf Vater, Mutter, Bruder und Schwester verzichten, alles gelassen am Leib und Seele, das mich von göttlichen Zusagen zieht oder entfernt. Ich weiß, daß ich gelassen sein muß und alle Kreaturen gelassen muß. Ja, ich muß nicht allein euch, sondern mich selber gelassen, ich darf mich meines Leibes und Lebens nicht annehmen.“ Andreas Karlstadt

Gut zwei Jahre lang beschäftigte mich während des Studiums die Reformation, der Bauernkrieg, vor allem natürlich die übermächtige Gestalt Luthers. Bald aber kam eine historische Figur in den Fokus, deren Bedeutung für den frühreformatorischen Prozeß kaum zu überschätzen, die dennoch aber wenig bekannt ist und falls doch, dann zumeist unter falschen Zuschreibungen. Und diese stammten von Luther höchstpersönlich und hielten sich durch die Jahrhunderte.

Die Rede ist von Andreas Bodenstein, bekannt als Karlstadt.

Karlstadt wurde mir in vielerlei Hinsicht zum Faszinosum. Wochenlang saß ich in der Deutschen Bücherei in Leipzig und las alles, was zu haben war. Aber selbst dort, an der Quelle, wo jede deutschsprachige Druckerscheinung gesammelt und sich zu neun Millionen Büchern aufgetürmt hatte, war das nicht viel, und noch weniger, wenn man die unübersehbare Luther-Literatur dagegen hielt. Das meiste davon war in Sammelbänden, Fachjournalen und Tagungsberichten vergraben, darüber hinaus gab es den Barge – eine zweibändige Biographie von 1905 –, den Bubenheimer – eine theologische und tiefenpsychologische Aufarbeitung –, den Kähler und das war es schon fast[1]. Das meiste aus dem Westen.

Zwischen den Lektüren stieg ich immer wieder die Empore hinauf, wo die beeindruckende Weimarer Ausgabe[2] der Werke Luthers in Gänze stand, und schlug Zitate nach oder blätterte in den Tischreden.

Daß Karlstadt zumeist historisch falsch bewertet wurde, wurde mir schnell bewußt. Darüber hinaus faszinierte sein schillernder Facettenreichtum, seine – man kann fast sagen: archetypischen – inneren Widersprüche. Sein Lebensschicksal war ein Roman für sich selbst. Aber es war auch etwas Mysteriöses in dieser Gestalt: er vertrat so etwas wie einen „demokratischen Sozialismus“ – und das war die heimliche Parole im Jahre 1989 in Leipzig, das schien seinerzeit die einzig gangbare Alternative zu sein.

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Das Marx-Zitat durfte nicht fehlen – und wenn es die Fußnote 44 war

In der DDR huldigte man Thomas Müntzer, dem Inbegriff des Revolutionären und tat sich umgekehrt schwer mit Luther, vor allem dem späten Luther und dem Luther der Schrift „Wider die räuberischen und mörderischen Rotten der Bauern“ – Parallelen zur jetzigen Lutherrezeption sind wohl nicht zufällig: so wie man es heutzutage liebt, Luther auf seinen „Antisemitismus“ zu reduzieren[3], wollte die marxistisch-leninistische Geschichtswissenschaft in ihm zuvörderst den Bauern– und damit auch den potentiellen Arbeiterfeind sehen.

Karlstadt aber stand zwischen Müntzer und Luther, wollte die Reformation, aber verabscheute die Gewalt, die Revolution und verband seine Theologie vielleicht als einer der ersten mit einem durchdachten sozialen Programm, das ganz konkret Elend und Armut zu lindern wußte.

Und noch etwas kam hinzu: Im Kern seines Denkens steckte als innerer Antrieb – das sahen nur die wenigsten – der Begriff der „Gelassenheit“ und der widerhallte in mir seit eh und je wie ein geheimes Echo und wenn ich es heute Revue passieren lasse, dann sind fast alle wesentlichen Begeisterungen an diesen Begriff gebunden: von Diogenes und den Kynikern, später der Stoa über Meister Eckhart und Montaigne bis hin zu Heidegger, Bahro und Sloterdijk und sogar Marx wurde in der Lesart Erich Fromms fast so etwas wie ein Mystiker. Karlstadts radikaler Schritt, alles in Frage zu stellen und „ein neuer Lai“ zu werden, sprich Bauer, der seinen Lebensunterhalt mit eigener Hände Arbeit verdient, hatte Größe und wollte verstanden werden.

Schließlich schien sein Leben auch noch eine große Metapher zu sein, davon, wie revolutionäre politische Bewegungen sich mit der zunehmenden Zahl der Protagonisten zwangsläufig beschleunigen, aus dem Ruder laufen müssen und ihre Initiatoren gnadenlos überrennen. Karlstadts Versuch, sich der Dynamik zu entwinden, indem er sich selber zum Bauern macht, war so originell und fesselnd wie zum lehrreichen Scheitern verurteilt.

Jedenfalls schrieb ich damals gleich mehrere „Hausarbeiten“ in verschiedenen Fächern und alles über Luther: Luther als Pädagoge, Luther und die Ethik und vor allem, im Herbst 89: „Andreas Karlstadts Beitrag zur Wittenberger Reformation und sein Verhältnis zu Martin Luther“. Sie war mir von allen die liebste, denn ich glaubte – was natürlich jugendliche Selbstüberschätzung war – Neues gefunden zu haben, neue Wertungen immerhin.

Dann gab es eine große Konferenz über Luther und die reformatorischen Bestrebungen. Zusammen mit einem Kommilitonen fuhr ich hin. Er wurde später Historiker und ist heute Professor für Thüringische Landesgeschichte und schreibt hochspezialisierte regionalgeschichtliche Bücher über Mikrothemen. Die Konferenz war erstklassig besetzt: Sigrid Looß hatte den Vorsitz, aus Münster war Martin Brecht, der Luther-Biograph angereist, Gerhard Brendler war da, wenn ich nicht irre, und der über alles verehrte Siegfried Wollgast, der gerade sein Opus Magnum veröffentlicht hatte, seine 1000 Seiten über die „Philosophie in Deutschland zwischen Reformation und Aufklärung“, damals ein Hammer von einem Buch, das ich mir für ein Monatsstipendium in Erfurt gekauft und danach verschlungen hatte. Ich konnte vor Ehrfurcht fast nicht atmen!

Zu meinem Erschrecken aber hörte ich auch dort immer wieder die alten Klischees über Karlstadt: der Bilderstürmer, der Schwärmer, der Zerstörer – selbst unter den Koryphäen hatte man scheinbar das Diktum Luthers übernommen. Dann gab es die Diskussion und ich platzte beinahe. Mein Kommilitone sprach mir zu, mich zu melden, aufzustehen, mein Plädoyer zu halten – aber mir fehlte der Mut. Diesen Moment hatte ich lange Zeit als schicksalhaft begriffen und geglaubt: hätte ich die Chance genutzt, vielleicht wäre ich heute auch irgendein Professor für irgendwas Historisches.

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So blieb Karlstadt – fälschlicherweise – in Erinnerung: als Bilderstürmer und Schwärmer

Es gab eigentlich nur einen, der mir beigestanden hatte, und das war Alfred Otto Schwede. Ob sein Karlstadt-Roman ursächlich oder bestätigend war, weiß ich heute nicht mehr. Nun, mehr als 30 Jahre später, hat er nichts von seiner Attraktivität verloren. Er war schon zu DDR-Zeiten so etwas wie eine Provokation. Hans Lorbeer, ein präfaschistischer Kommunist, hatte mit seiner voluminösen dreibändigen Luther-Roman-Trilogie – „Das Fegefeuer“, „Der Widerruf“, „Die Obrigkeit“ – das Luther-Bild schon in den 60er Jahren festgenagelt. Hans Pfeiffers „Thomas Müntzer – ein biographischer Roman“, versuchte Müntzer ins DDR-Erbe einzupassen und scheute vor zahlreichen historischen Freiheiten und Stilbrüchen nicht zurück. Schwede hingegen – seines Zeichens Pfarrer – optierte für den klassischen historischen Roman und versuchte die Einfühlung in die Gestalt, vermied das Propagandistische. Dort, wo er die Verknöcherung der lutherischen Orthodoxie beschrieb oder den Utopismus eines Müntzer, dort konnte der sensible DDR-Leser durchaus auch Realkritik ausfindig machen.

Der Stoff freilich ist sperrig, weil übervoll. Der unbedarfte Leser mag zu Beginn demotiviert werden ob der vielen Namen und Bezüge. Von Beginn an steht das Verhältnis zu Luther im Zentrum – der Reformator wurde von Karlstadt promoviert. In den vorreformatorischen Jahren strebte der Gelehrte Karlstadt eine akademische Karriere an, deshalb reiste er auch gegen die Mißgunst seiner Kollegen nach Rom, um sich den zweiten Doktorhut zu besorgen. Es ist Luther, der ihn nach seiner Rückkehr erschüttert, besser gesagt der von Luther empfohlene Augustinus. Die Lektüre des Kirchenvaters, die er eigentlich zur Widerlegung Luthers begann, öffnete ihm die Augen, er, der Thomist, wird zum Kritiker der Scholastik und schlägt im April 1517 151 Thesen an – es sind „die ersten ‚evangelischen‘ Thesen an den Kirchentüren der christlichen Welt!“ (Schwede).

Aber sie zünden nicht! Die Frage des Kairos! Sie sind jedoch der Beginn eines langjährigen Wettlaufs zwischen Luther und Karlstadt um die Führungsrolle in der Reformation. Auch ganz einfache charakterliche Gründe haben eine Rolle gespielt. Jedoch, nach Luthers Thesenanschlag am 31.10.1517 wußte Karlstadt, wo er zu stehen hat, auch wenn er noch immer Papist war. Im Juni 1519 vertrat er die lutherische Partei auf der Leipziger Disputation, allerdings eher schlecht als recht. Es fehlte ihm das rhetorische Talent und die Ausstrahlung eines Luthers. Erst nach der Bannandrohungsbulle ein Jahr später, die zur legendären Verbrennung führte und in der er selbst namentlich genannt wurde, trennte er sich von Rom.

Doch immer wieder gab es auch theologische Diskrepanzen mit Luther, etwa in der Abendmahlfrage, der Bilderfrage oder der der Werkgerechtigkeit. Die zentrale Beziehung zwischen Luther und Karlstadt, diese „Geschwisterrivalität“ (Bubenheimer) wirkt wie ein bizarres Rennen um die Initiative, ein sich-Übertrumpfen – und das seit 1516 – in einer gemeinsamen Angelegenheit, in der man sich an den kleinen Differenzen aufreibt. Aber Luther wollte seinen Widersacher letztlich nicht nur besiegen, er wollte ihn dank seiner ihm zuwachsenden Macht auch vernichten. Das reichte – als verallgemeinerbare historische Vorgabe – bis hin zu realen Bespitzelungen, quasi-geheimdienstlichen Überwachungen und  aktiver Provokation von „Fehlverhalten“. „Es ist doch seltsam“, läßt Schwede seinen Helden sagen, „daß aus Verfolgten von einst so böse Verfolger werden können – mit dem Verstand kann man das nicht erklären.“

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Richtig Fahrt nimmt der Roman parallel zur Historie auf. Als Luther nach dem Wormser Reichstag auf die Wartburg verschwand, überschlagen sich in Wittenberg die Ereignisse. Karlstadt sieht seine Stunde gekommen, übernimmt die  geistige Führung. Zwar hatte ausgerechnet der stille und schleicherische Melanchthon als erster privatim das Abendmahl in beiderlei Gestalt gereicht und damit Luthers Werk konsequent fortgeführt, aber es war Karlstadt, der dies erstmals öffentlich tat, bürgerlich gekleidet. Seine Schrift „Von Abtuhung der Bylder“ wurde zum Fanal und von nun an wurde Karlstadt als „Bilderstürmer“ verschrien. Tatsächlich aber plädierte er für eine friedliche Abnahme, verweigerte auch den Zusammenschluß mit Müntzer und anderen „Schwärmern“, die sich schon nicht mehr nur auf die Schrift, sondern auch auf „Gesichte“ und Visionen beriefen – das Verdikt blieb an ihm haften und Luther heftete es ihm ein Leben lang an, obwohl Karlstadt noch die Gegenwärtigkeit besessen hatte, auch die sozialen Folgen der angestrebten Wandlungen zu bedenken..

Die Forschung streitet bis heute darüber, was Karlstadt bewogen haben mag, just in diesem Moment öffentlich an die Spitze der Bewegung zu treten, ob es eine Trotzreaktion auf die beginnenden Restriktionen des Kurfürsten (z.B. Bubenheimer) waren oder persönliche, Karriere- oder Charaktergründe? … Schwede bietet eine eigene schlüssige Interpretation an: er trat demnach auf den Plan, als „sich das Volk zu Wort meldete“ in Form eines Forderungskataloges, bestehend aus sechs Punkten – danach fühlte sich Karlstadt legitimiert.

Luther selbst war es dann, der nach der Rückkehr von der Wartburg in seinen Invokavitpredigten im März 1522 die Bremse anzog und von da an wesentlich als Reaktionär agierte. Auch Karlstadt hatte bremsen wollen, deshalb auch stellte er sich an die Spitze der Bewegung – doch diese war stärker als er.

Das alles sind komplexe Ereignisse, ich kann hier nicht alles aufblättern. Karlstadt fühlte sich vollkommen mißverstanden und wurde dennoch des Landes verwiesen: „Man war jetzt mit Ausweisungen schnell bei der Hand“, schreibt Schwede subtil und vielfältig auslegbar. Es beginnen Jahre der Tortur, des Elends, der Angst, immer wieder der Hoffnung; Karlstadt zieht mit seiner jungen Frau und den Kindern kreuz und quer, gerät überall zwischen die Fronten, wird allerorten von Luthers manischem Haß und Einfluß verfolgt, zwischenzeitlich begnadigt und gedemütigt, selbst die aufständischen Bauern sehen in ihm den Pfaffen, schließlich landet er bei Zwingli …

Schwede beschreibt all das plastisch und minutiös. Es gelingt ihm, das innere Ringen und Argumentieren Karlstadts, voller Widersprüche und Konflikte, sowohl die Vernunft als auch den Charakter betreffend, überzeugend nachzuzeichnen. Ein tragisches Jahrhundertleben in einer alles umstürzenden Zeit, die vielleicht nur noch mit der unsrigen zu vergleichen ist.

 

A.O.Schwede: Der Widersacher. Ein Karlstadt-Roman. Union Verlag Berlin (Ost) 1975. 415 Seiten. Lesezeit: 15 Stunden

[1] Mittlerweile werden wenigstens die Werke Karlstadts herausgegeben, wenn auch zu unverschämtem Preis, und die Grande Dame des historischen Romans in der DDR, Rosemarie Schuder, widmete Karlstadt ihr letztes Buch – danach ist sie gestorben.  
[2] Heute steht die Erlanger Ausgabe – bei weitem nicht so schön, aber handlich – im eigenen Regal.
[3] Welche Ausmaße diese historische Verkürzung annehmen kann, hat ausgerechnet Jan Böhmermann bewiesen. In seiner „Recherche“ über die Desiderius-Erasmus-Stiftung erforscht er auch über Erasmus von Rotterdam, den wohl größten Gelehrten und Humanisten der Renaissance, um herauszufinden, daß er – Antisemit und Islamhasser war … mehr erfährt man bei Böhmermann nicht.

siehe auch:

Luther – Prophet der Deutschen

Die Welt ohne Luther

Luther als Schicksal

Luther der Deutsche

Luther als Prinzip

Zum Reformationstag

3 Gedanken zu “Karlstadt – Luthers (ewiger) Widersacher

  1. JJA schreibt:

    Nachfrage: War Karlstadt wirklich ein Thomist, also einer, der Thomas selbst gut studiert hatte? In den letzten Jahrzehnten versuchte Otto Hermann Pesch Luther und Thomas ins Gespräch zu bringen, in ökumenischer Absicht natürlich. Die These war: Hätte Luther wirklich Thomas selbst gelesen (und ihn nicht nur über die thomistische Schule seiner Zeit wahrgenommen), hätte er seine Anliegen dort auch finden können. (Wobei man sagen muss: Diese „Verflüssigung“ von Thomas, das Aufbrechen des Schulhaften und die Entdeckung seines Kontextes im ma. Diskurs ist eine Entdeckung des 20. Jh. – und manchmal vielleicht auch einfach eine gewollt unorthodoxe Interpretation.) Luther hat Thomas wohl wirklich schlecht bis gar nicht gekannt. Karlstadt würde auch auf diesen Vermittlungsversuch ein interessantes Licht werfen.

    Böhmermann: Wenig war bisher so offen und geradeheraus dumm wie seine Einlassung zu Erasmus und ich hoffe, das ging auch vielen seiner Zuschauer auf, die doch zumindest das Erasmus-Programm der EU kennen werden.

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    • Karlstadt begann seine akademische Laufbahn als Thomist – man ist ja zuerst meist das, wozu man gemacht wird. Er ist als Student bewußt von Erfurt nach Köln gewechselt, um aus einem occhamistischen in ein thomistisches Umfeld zu gelangen. Bubenheimer nimmt an, daß ihn Valentin Engelhart, Rektor in Köln und orthodoxer Thomist, dazu veranlaßt hat. 1507 erschien Karlstadts erste größere Schrift: De intentionibus“, die klassisch scholastisch thomistisch war, aber durch zweierlei „unangenehm“ auffiel. Zum einen behauptete er darin, selbständig gedacht und sich aus eigener Überzeugung – also nicht Überlieferung und Verehrung – auf Thomas‘ Seite geschlagen zu haben, zum anderen stellt die Schrift eine Versöhnung mit Duns Scotus dar. Dabei beziehe ich mich auf Bubenheimer, der das weiter auffächert. Später lehrte Karlstadt vor allem Aristoteles.

      Für Luther war Thomas meist ein rotes Tuch, er kommt – wie später dann der reformatorische Karlstadt – von Augustinus her. Ich nehme an, daß diese Aversion aus Werkkenntnis heraus geschah, wenn vielleicht auch nicht umfassend.

      Wie alle Großdenker kann man Thomas sicher für alles mögliche erschließen. Kann mir gut vorstellen, daß eine heutige Lektüre sehr fruchtbar sein kann.

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      • JJA schreibt:

        Danke! Nun, der Wechsel von Erfurt nach Köln ist ja ein deutliches Signal für die Präferenzen des Studenten Karlstadt. Ein bisschen schade ist das natürlich für den Katholiken, der sich (Peschs These folgend) einreden wollte, die Reformation beruhe im Wesentlichen auf einem Missverständnis. Und interessant ist es für die Frage, warum eigentlich bestimmte Philosophien einander abwechseln. Es ist ja nicht so, dass Thomas keine Antwort auf das Problem der Rechtfertigung gehabt hätte, aber: es findet keine Resonanz, vielleicht auch nur aufgrund des Stils, der Form. Augustinus liest sich ganz anders. „Kairos“ scheint hier tatsächlich die angemessene Kategorie zu sein.

        Thomas lohnt fraglos! Etienne Gilson würde ich an erster Stelle bei den Wiederentdeckern/Vermittlern nennen, im deutschsprachigen Raum Josef Pieper. Letzterer hat feine Bücher zu den Tugenden für das breitere (aber immer noch sehr gebildete) Publikum geschrieben. Wenn „Gelassenheit“ nachhallt, vielleicht interessiert Sie „Muße und Kult“? Vielleicht schon etwas zu innerkatholisch.

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