Über das wahre Erlebnis des Lebens

Sándor Márai: Das Kräuterbuch V

Das wahre Erlebnis[1] für den Menschen ist in erster Linie nun dies: die Selbsterkenntnis. Die Welterkenntnis ist interessant, nützlich, ergötzlich, beängstigend oder belehrend; die Erkenntnis unseres Selbst ist die größte Reise, die am meisten beängstigende Entdeckung, die allerlehrreichste Begegnung.

Nach Rom zu gehen oder an den Nordpol ist nicht so interessant, wie etwas Wahrhaftiges über unseren Charakter, mithin über die wahre Natur unserer Neigungen, über unsere wirklichen Beziehungen zur Welt, zum Guten, zum Schlechten, den Menschen, die Leidenschaften zu erfahren. Als mein Verstand dafür genügend gereift war, habe ich in meinem Leben nur nach diesem Erlebnis gesucht.

[1] élmény – bedeutet “Erlebnis”. Das macht den deutschen Text etwas sperrig. Wir würden eher „Ereignis“ (esemény) oder vielleicht „Erfahrung“ (tapasztalat) erwarten. Die Frage für den Übersetzer lautet hier also, ob im Wort “élmény“ auch eine „Ereignis“-Bedeutung schlummern kann. Als Fremdsprachler kann ich mich nur auf die Wörterbücher, Synonymwörterbücher und Bedeutungswörterbücher verlassen und die sind eindeutig: „Erlebnis“.
Quelle: Márai Sándor: Füves Könyv
Übersetzung: Seidwalk

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