Mein Corona-Tod

Im aktuellen „Focus“ kommt der Chefarzt der Intensivstation einer Münchener Klinik zu Wort und darf dort auch über seine Wut auf Ungeimpfte reden. Demnach arbeite man seit 19 Monaten bis zur Erschöpfung hauptsächlich wegen Corona-Patienten. Alle, zu 100%, der dort Behandelten seien Ungeimpfte gewesen, sagt der Mann. Die Opfer werden immer jünger, – meine Alterskohorte ist deutlich überrepräsentiert –, die Hälfte habe Vorbelastungen wie Diabetes oder Fettsucht, die andere Hälfte aber sei kerngesund. Ob er auch einen Groll auf Adipöse, Trinker, Raucher, Autofahrer, Suizidale – und was weiß ich, wer noch so statistisch überrepräsentiert auf der Intensivstation landet – hat, erfahren wir nicht.

Im Umkehrschluß soll das sagen, daß sich doppelt schuldig macht, wer nicht geimpft ist. Diese Aussage hat aber nur dann Sinn, wenn wir wüßten, wie viele Patienten effektiv in seiner und in allen Münchner Kliniken liegen und lagen und wenn wir diese Zahlen mit der Gesamtbevölkerung korrelieren könnten. Mir sind sie bisher entgangen, der Beitrag liefert sie auch nicht.

Nur wenige Tage vor der Bundestagswahl wurde Gesundheitsminister Spahn auf einer Wahlveranstaltung von zwei „coronaleugnenden“ Damen befragt und verstieg sich dort zu der Äußerung, daß alle Ungeimpften sich innerhalb des nächsten halben Jahres mit Corona anstecken werden[1]. Das sagte er in einer Phase, als die „vierte Welle“ selbst im Panikfernsehen als „gebrochen“ verkündet wurde und die Ansteckungszahlen wieder steil nach unten fielen – mittlerweile hat sich das Bild erneut geändert.

Spahn behauptet also, daß sich in den kommenden sechs Monaten 33% von 83 Mio. Menschen in Deutschland, also jeder Dritte – über den Daumen gepeilt – , anstecken wird, d.h. bis Mitte März 2022, obwohl es seit Beginn der „Pandemie“ „nur“ 4,2 Millionen positiv Getestete gab, ergo sich nur jedes 20. Immunsystem in Deutschland herausgefordert sah – von den Impfungen abgesehen. Wir sollten uns diesen Termin zwecks Falsifizierung rot im Kalender anstreichen.

Nun hat die Universität Oxford einen Risikorechner ins Netz gestellt – die Meldung ging auch durch die deutsche Presse –, mit dem man sein persönliches Risiko berechnen kann, entweder schwer oder tödlich an Covid zu erkranken.

Hat Spahn recht, dann stehen meine Chancen wie folgt:

FireShot Capture 676 - Risk Calculator Results - QCovid™ risk calculator - bmjsept2021.qcovid.org

Das Risiko zu sterben, liegt unter positiv Getesteten meiner Kondition – wenn ich die Zahlen richtig verstehe –  bei 0,38%, in der Gesamtvergleichsgruppe bei 0,0018%. Im Spital zu landen, habe ich eine 1,8%ige Chance unter den positiv Getesteten und eine 0,005%ige im Allgemeinen. Man sollte die konkreten Zahlen nicht allzu ernst nehmen – es geht um die Größenordnung. Unter diesen Wahrscheinlichkeiten würde ich nicht mal Lotto spielen.

Da nach einem englischen Postcode gefragt wird, habe ich unsere alte Adresse (OX14 XXX) angegeben – die Sieben-Tage-Inzidenz liegt dort im Moment fünffach höher als am jetzigen Aufenthaltsort, die Risiken dürften also tatsächlich noch niedriger sein.

Gut möglich, daß das Risiko einer Impfkomplikation noch mal um eine Kommastelle geringer ist – wir wissen es nicht, aber das Gesamtrisiko scheint mir so gering, daß man sich nicht ständig den Kopf zermartern muß. Das bedeutet natürlich nicht, daß es mich nicht erwischen könnte, und ich hoffe, mein Glück mit diesem Beitrag nicht herauszufordern. Falls doch, dann bitte ich, boshafte post-mortem-Kommentare und Ätsche-Bätsche-Besserwisserei zu unterlassen. Es war dann einfach ein böser Zufall.

Ein Kommentator auf „SiN“ hatte dazu ein schönes Bild angeboten. Imaginäre Forschungen hätten ergeben, daß man das Risiko, vom Blitz erschlagen zu werden, um 50% verringern könne, wenn man permanent einen Hut mit Blitzableiter auf dem Kopf trägt. Trotzdem macht das niemand – deswegen trage ich auch keinen Fahrradhelm, würde ihn aber in Berlin tragen –, weil das Risiko, vom Blitz erschlagen zu werden, verschwindend gering ist und durch ein wenig vernünftiges Verhalten noch einmal drastisch minimiert werden kann – und das sage ich als einer, der einem Blitzschlag sein Leben zu verdanken hat, denn wenn die erste Frau meines Großvaters nicht beim Milchholen vom Blitz erschlagen worden wäre, dann hätte er seine zweite Frau, also meine Großmutter, wohl nie in glückliche Umstände gebracht usw.

Freilich, in der Spezialklinik für vom Blitz Erschlagene mag sich ein anderer Eindruck einstellen, da ändert sich die  Perspektive. Das dortige Personal würde wahrscheinlich vehement für den tragbaren Blitzableiter votieren, vor allem, wenn es durch die Blitzgeschädigten permanent gestresst wäre und sich deshalb nicht ausreichend den Dicken, Bequemen, Versoffenen, Verqualmten und ganz einfach glücklich alt Gewordenen widmen kann.

[1] „Jeder, der sich nicht in den nächsten sechs Monaten zu Hause einschließt, und der nicht geimpft ist, wird sich mit einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit in den nächsten sechs Monaten mit dieser Delta-Variante anstecken. Und deswegen ist die Wahl, die Sie haben, Impfung oder Infektion ohne Schutz.“

5 Gedanken zu “Mein Corona-Tod

  1. JJA schreibt:

    Boshafte Kommentare, Gehässigkeit post mortem? Nicht doch! Ich würde ein schönes Requiem für Sie singen, gregorianisch oder von Jacobus Clemens non Papa. Vielleicht mit einem kleinen Schmunzeln, da im Wissen, dass Sie das vermutlich albern fänden, aber auch in der Hoffnung, dass es Ihrer Seele nütze.

    Aber apropos religiöser Überschuss: Ich musste gestern an einige Beiträge aus der frühesten Zeit dieses Blogs denken, Ihre Zeit als Sprachlehrer für Flüchtlinge und die Freundschaften, die dabei auch entstanden sind. Stehen Sie noch im Kontakt?

    Seidwalk: Der Kontakt ist etwas eingeschlafen. Ein normaler Prozeß bei räumlicher Distanz. Vielleicht äußere ich mich später mal dazu.

    Gefällt mir

    • Pérégrinateur schreibt:

      Bild fehlt

      In der Académie française sind bekanntlich einige Sitze für Kleriker vorbehalten. Die übrigen Mitglieder sind dann meist so religiös – wie gebildete Franzosen heutzutage eben meistens sind. Von einem Mitglied habe ich einst die folgenden, aufs Wesentliche gekürzten Erwägungen gelesen, ob es tunlich sei, sich in die Akademie aufnehmen zu lassen oder nicht. Einerseits müsse man diese lächerliche Uniform tragen. Andererseits bekäme man dank der anwesenden Erzbischöfe dereinst eine ordentliche Totenfeier.

      Gefällt mir

  2. Leonore schreibt:

    @Nordlicht

    „Durch diie Berichte aus Israel, USA, GB, deren hohe Impfquoten bei uns noch im Sommer bejubelt wurden, fühle ich mich nicht bestätigt.“

    Vermutlich wollten Sie das Gegenteil sagen – das „nicht“ dürfte versehentlich in den Satz geraten sein.

    Übrigens geht es mir ähnlich. Meine anfängliche Besorgnis wich nach der Lektüre von Stephan Kohns Dossier
    https://www.achgut.com/artikel/das_corona_papier_seehofer_im_bunker
    und nach zahlreichen anderen Artikeln, Vorträgen, Fakten und Zahlen einer angemessenen Gelassenheit in Bezug auf Covid-19.

    Diese Gelassenheit ist seit Ende 2020/Anfang 2021 allerdings wieder von einer Besorgnis abgelöst worden, die sich allerdings nicht auf die Virus-Erkrankung, sondern auf die erstaunlicherweise nun aufgenötigte Experimental-Impfung bezieht. Deren bedingte Zulassung wäre nämlich erstens nur dann zulässig, wenn es einen Notstand geben würde (den die Sterbezahlen – altersbereinigt – allerdings keineswegs hergeben). Zweitens wurde diese „Not-Zulassung“ ausgerechnet unter einer EMA-Leitung erteilt, die in Person von Emma Cooke exakt zum November 2020, sozusagen „wie gerufen“ diesen Posten bekam. Vorher war sie jahrelange Pharmalobbyistin genau derjenigen Firmen, deren Produkte sie jetzt auf ihre Sicherheit und Wirksamkeit hin beurteilen durfte,
    https://www.epochtimes.de/politik/ausland/ema-praesidentin-emer-cooke-war-jahrelang-lobbyistin-der-groessten-europaeischen-pharmaorganisation-a3486580.html

    Da ich außerdem den Sinn einer Impfung nicht begreifen kann, die angeblich nur dann funktioniert, wenn es keine Ungeimpften mehr gibt (seit wann denn das?!), und da ich ebenfalls nicht begreifen kann, wieso die 80% der Bevölkerung, die Covid-19 ohne Probleme, oft sogar ohne Symptome abwehren können, sich auf Gedeih und Verderb dem Risiko einer neuartigen „Impfung“ genannten Immun-Modulation aussetzen sollen, ist meine Beunruhigung angesichts des immer größer werdenden Drucks, sich impfen zu lassen, inzwischen größer als selbst im Winter 2020.

    Denn die Zählweise der Impf-Toten unterscheidet sich extrem von der Zählweise der Covid-19-Toten. Wurde bei letzteren jeder, der in den letzten 28 Tagen vor seinem Tod einen positiven PCR-Test hatte, mitgezählt, egal, ob er an einem Verkehrsunfall oder an seiner Krebserkrankung im Endstadium verstorben war, heißt es bei Sterbefällen meist abwiegelnd, die seien ja binnen 1$ Tagen nach der Impfung verstorben, die Impfung könne also noch gar nicht gewirkt haben (ähhm … vielleicht nicht im Sinne einer Antikörperbildung, aber im Sinne einer Thrombose-Gefahr „wirkt“ sie jedenfalls bereits nach wenigen Stunden), diese Fälle müßten deshalb (und werden es tatsächlich in den Statistiken auch!) als UNGEIMPFTE gezählt werden. Und bei denjenigen, die mehr als 14 Tage nach der Impfung verstorben sind,wird plötzlich auf deren Alter hingewiesen, darauf, daß vor allem sehr viele Alte und Vorerkrankte geimpft worden seien, bei denen das baldige Ableben ohnehin zu erwarten gewesen sei…

    Hörte man da nicht zuvor anderes? Zum Beispiel, daß JEDES Leben zähle und – koste es, was es wolle (paradoxerweise auch z.B. daß zig Millionen Arme in Entwicklungsländern zusätzlich (!) verhungern) – gerettet bzw. geschützt werden müsse? Gilt das jetzt bei den Impffolgen plötzlich nicht mehr?

    Ganz abgesehen davon ist der prozentuale Anteil der Alten und Vorerkrankten zwar bei Covid-19-Schwerkranken und -Toten sehr hoch, nicht jedoch bei Corona-Impf-Geschädigten oder – Toten.
    Gerade die gefürchtete Herzmuskelentzündung, die kaltschnäuzig als „meist mild verlaufend“ kommuniziert wird (wobei diskreterweise unerwähnt bleibt, daß auch bei milden Verläufen in praktisch jedem Fall eine meist die Lebensdauer verkürzende Herzinsuffizienz die Langzeitfolge ist), betrifft hauptsächlich junge Menschen, meist Männer.

    Tatsächlich vermuten nicht wenige Wissenschaftler/Ärzte, daß bei negativen Impffolgen der Zusammenhang mit der Impfung höchstens bei 10%, möglicherweise sogar nur bei 1% der Fälle hergestellt und beim Paul-Ehrlich-Institut (oder entsprechend in den USA bei VAERS) gemeldet wird.

    Gefällt 2 Personen

  3. Nordlicht schreibt:

    Nach ausführlichen Lektüren von Corona-Forschungsliteratur und einfachen Rechenübungen an den Daten des Statistischen Bundesamt hatte ich mich im Mai 2021 dazu entschlossen, die Impf-Angebote abzulehnen. Auch dem Insistieren meines langjährigen Hausarztes (- er verwies auf Alter, etwas Bluthochdruck, sonstige schlummernde medizinische Kalamitäten) habe ich Stand gehalten.

    Durch diie Berichte aus Israel, USA, GB, deren hohe Impfquoten bei uns noch im Sommer bejubelt wurden, fühle ich mich nicht bestätigt.

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.