Karlstadt – Luthers (ewiger) Widersacher

Jedes Jahr zum Reformationstag lese ich ein Buch zum Thema – diesmal: A.O.Schwede: Der Widersacher.
Ich will mein Archidiakonat und alle Güter, die ich habe, freiwillig aufgeben, auf Vater, Mutter, Bruder und Schwester verzichten, alles gelassen am Leib und Seele, das mich von göttlichen Zusagen zieht oder entfernt. Ich weiß, daß ich gelassen sein muß und alle Kreaturen gelassen muß. Ja, ich muß nicht allein euch, sondern mich selber gelassen, ich darf mich meines Leibes und Lebens nicht annehmen.“ Andreas Karlstadt

Gut zwei Jahre lang beschäftigte mich während des Studiums die Reformation, der Bauernkrieg, vor allem natürlich die übermächtige Gestalt Luthers. Bald aber kam eine historische Figur in den Fokus, deren Bedeutung für den frühreformatorischen Prozeß kaum zu überschätzen, die dennoch aber wenig bekannt ist und falls doch, dann zumeist unter falschen Zuschreibungen. Und diese stammten von Luther höchstpersönlich und hielten sich durch die Jahrhunderte.

Die Rede ist von Andreas Bodenstein, bekannt als Karlstadt.

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Über das Kennenlernen des Körpers

 

Sándor Márai: Das Kräuterbuch VI

Parallel zur Kenntnis unseres Charakters,  müssen wir auch die Natur unseres Körpers[1] kennenlernen. Aber nur wie[2] die Natur[3] eines schlechten und untreuen Dieners. Unser Charakter ist der Herr, unser Verstand befiehlt; der Körper ist nur Diener.

Man muß also vernünftig und gerecht mit ihm umgehen, unparteiisch und streng, wie mit einem Diener, der jederzeit zur Untreue neigt, zur Flucht und zur Rebellion. Wir müssen sein Wesen, seine Neigungen kennenlernen, und er muß sich so weit wie möglich mit der Welt, mit den Möglichkeiten, mit dem Takt der ewigen Lebensflut in Einklang bringen.[4] 

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Was erlauben Kimmich?

OMG! Da hat sich der Joshua Kimmich was Schönes eingebrockt – es gibt sogar schon einen ausführlichen Wikipedia-Vermerk „Kontroversen„.

Nicht impfen lassen, Bedenken haben, auf Totimpfstoff warten – und all das auch noch öffentlich zugeben. Das Sportliche hat keine Bedeutung mehr, schon nach dem letzten Bayern-Spiel gab es das erste Grundsatz-Verhör und seither prasseln die Belehrungen auf ihn – und uns – nieder. In allen Hauptmedien das gleiche Bild.

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Wahrheit oder Verleumdung?

Der ganze Hype um den Stand des „Jungeuropa“- und des „Oikos“-Verlages – letzterer veröffentlicht das Umweltmagazin „Die Kehre“ – ließe sich eigentlich in einem Satz entschärfen. Hat Jasmina Kuhnke – alias „Quattromilf“ – recht oder lügt sie? Ich selbst kann diese Frage nicht beantworten, wundere mich aber, daß es diejenigen, die sie beantworten könnten, es noch nicht getan haben.

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Sexualität und Wahrheit

Mal wieder der Zufall.

In einer Tageszeitung lese ich eine Hommage an Elfriede Jelinek – Nobelpreisträgerin! Sie ist klammheimlich 75 Jahre alt geworden.

Gleichentags die Nachricht, daß eine Antje Rávik Strubel – das „Rávik“ ist eine Art Blackfacing oder Migrationssimulation oder was weiß ich, jedenfalls ein Künstlername – den Deutschen Buchpreis gewonnen hat und zwar mit einem Roman – laut Verlagstext –, der von einer jungen Tschechin handelt, die sich in die Ferne sehnt, nach Berlin geht, ein sexuelles Gewalterlebnis hat, sich in einen Plattenbau zurückzieht, dann nach Helsinki zieht, dort einen estnischen Professor kennenlernt, der Abgeordneter der EU ist, sich in sie verliebt und sich für Menschenrechte stark macht, während sie einen Ausweg aus ihrem inneren Exil sucht, verursacht durch die Vergewaltigung.

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Über das wahre Erlebnis des Lebens

Sándor Márai: Das Kräuterbuch V

Das wahre Erlebnis[1] für den Menschen ist in erster Linie nun dies: die Selbsterkenntnis. Die Welterkenntnis ist interessant, nützlich, ergötzlich, beängstigend oder belehrend; die Erkenntnis unseres Selbst ist die größte Reise, die am meisten beängstigende Entdeckung, die allerlehrreichste Begegnung.

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Alles Narren und Schwindler?

We should not aim for a world without power, but for a world where power is consented to, and where conflicts are resolved according to a shared conception of justice.  Roger Scruton [1]

Daß Roger Scruton, der englische Vorzeige-Konservative unter den Philosophen, mit „Fools, Frauds and Firebrands“ ein wesentliches Buch verfaßt hatte, und daß der Finanzbuchverlag selbiges voluminöses Werk nun unter dem Titel „Narren, Schwindler, Unruhestifter“ auf den deutschen Markt brachte, ist zweifelsohne verdienstvoll und ist bei der rechten Intelligenz begeistert aufgenommen worden. Von der Begeisterung kann man sich etwa auf dem „Kanal Schnellroda“ überzeugen.

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Über den menschlichen Charakter

Sándor Márai: Das Kräuterbuch IV

Das interessanteste Phänomen, das uns im menschlichen Leben begegnen kann, ist der menschliche Charakter. Nichts ist so interessant, überraschend, unberechenbar, wie der Prozeß, in dessen Verlauf der Mensch seine charakterlichen Eigenheiten offenbart.

Was auch immer die Welt zeigt: Landschaften und Naturwunder, der irdischen Flora und Fauna unübersehbare Vielfalt, nichts ist so eigenartig, wie der Charakter dieses oder jenes Menschen. Wenn unser Interesse an der Erkenntnis des menschlichen Charakters liegt, während wir die Dinge der Welt betrachten, empfinden wir zugleich, daß das unsere eigentliche Lebensaufgabe ist. Alles andere, was wir erkannt haben, hat unser Wissen nur bereichert. Aber unsere Seele wird nur durch die Kenntnis der Charaktere reicher. 

Denn dies ist die direkteste menschliche Erfahrung, jawohl, der Charakter ist der Mensch selbst. Und weil der Charakter der Mensch selbst ist, bemühen wir uns vergeblich, dies zu verbergen: seinen Charakter kann der Mensch ebensowenig verstecken, wie man auch das leibliche Wesen nicht mit irgendeinem Zaubermantel[1] verdecken kann. Für eine Weile können wir im Leben falsche Bärte und Verkleidung tragen, aber in einem bestimmten Augenblick fällt jedes Kostüm von uns ab und die Wahrheit wird enthüllt.

Eine Bewegung, ein Wort, eine Handlung offenbart letztlich unseren wahren Charakter: die Maskerade kann nur gelegentlich (alkalmi – evtl.: eine Ausnahme) sein. Und die Begegnung mit den wahren Eigenschaften eines Charakters, ist die größte menschliche Erfahrung, an der wir teilhaben können.

[1] Hier spricht Márai wörtlich von einer „Nebelkappe“ – wohl ein märchenhaftes Hilfsmittel, unsichtbar zu werden.
Übersetzung: © Seidwalk

Ungarns Opposition zerlegt sich

In Ungarn werden möglicherweise gerade entscheidende Weichen gestellt.

Seit sich die Sechsparteien-Opposition aus den denkbar heterogensten Parteien im letzten Jahr zusammengeschlossen hatte, war klar, daß ihr nur dann Erfolg gegen den Erzfeind Orbán beschieden sein wird, wenn sie ein allgemein anerkanntes und vertrauenswürdiges Gesicht präsentieren kann, das sowohl von potentiellen Jobbik-Wählern, Konservativen, Liberalen, Sozialdemokraten und Grünen akzeptiert werden würde. Das einigende Ziel sollte der Sturz Orbáns sein und damit die Beendigung vor allem der Selbstherrlichkeit und der allgegenwärtigen Korruption. Das Konzept ging bei den Kommunalwahlen 2019 überraschend gut auf.

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Covid-Opfer und Covid-Impf-Opfer

Zwei Artikel mit scheinbar gegensätzlichen Botschaften kreuzten sich heute im Internet.

Zum einen hatte Martin Lichtmesz auf „Sezession im Netz“ den zweiten Teil seiner „Bilanz der Impfschäden“ vorgelegt, zum anderen zeigte sich Jan Josef Liefers, Initiator der #allesdichtmachen-Initiative, nach einem Besuch auf einer Intensivstation geläutert und plädiert nun offen für die Corona-Impfung. Sein Fazit: „Bei keinem der Patienten wäre eine Intensivbehandlung nötig gewesen, wenn sie geimpft gewesen wären.“

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Mein Corona-Tod

Im aktuellen „Focus“ kommt der Chefarzt der Intensivstation einer Münchener Klinik zu Wort und darf dort auch über seine Wut auf Ungeimpfte reden. Demnach arbeite man seit 19 Monaten bis zur Erschöpfung hauptsächlich wegen Corona-Patienten. Alle, zu 100%, der dort Behandelten seien Ungeimpfte gewesen, sagt der Mann. Die Opfer werden immer jünger, – meine Alterskohorte ist deutlich überrepräsentiert –, die Hälfte habe Vorbelastungen wie Diabetes oder Fettsucht, die andere Hälfte aber sei kerngesund. Ob er auch einen Groll auf Adipöse, Trinker, Raucher, Autofahrer, Suizidale – und was weiß ich, wer noch so statistisch überrepräsentiert auf der Intensivstation landet – hat, erfahren wir nicht.

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Wie man leben und schreiben soll

Sándor Márai: Das Kräuterbuch III

Wie man leben und schreiben soll

Jeder Weise, dessen Gedanken mir kennenzulernen glückte, hatte gelehrt, daß man so leben und schreiben solle, als wäre jede unserer Taten die letzte im Leben, als ob nach jedem geschriebenen Satz der Tod einen Punkt machte. Nur das Bewußtsein des Todes, ohne Furcht und grundlose Feigheit, könne unserem Leben und Schreiben eine wahre Haltung verleihen.

Fatalistisch muß man leben und schreiben, also ruhig, sehr aufmerksam, mit gleicher Intensität auf die Welt und auf uns selbst achtend, auf unsere Sinne und auf unsere Leidenschaften, auf der Menschen Absichten und auf unsere wahren Beziehungen zum Universum. Das ist hinsichtlich des Menschen die einzig würdige Haltung: mehr verlangt Gott nicht von uns. Und es gibt keine größere Sünde und keinen eitleren Versuch, als mehr oder anderes zu wollen, als Gott von uns will.

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