Der Impf-Status

„Und, bist du geimpft“?

Diese Frage gehört schon längst zum Small-Talk hinzu, man hört sie oder stellt sie ohne größeres Nachdenken.

Der junge Mann, Anfang 30, antwortet wie aus der Pistole geschossen.

Ich kenne ihn nur flüchtig als durchaus kritischen, mitdenkenden Menschen, der sogar in bescheidenem Rahmen – und das ist heutzutage viel – ein wenig die philosophische Literatur verfolgt, gern ein wenig diskutiert, urbaner Typ, beruflich recht erfolgreich, Einfamilienhaus im Grünen steht bereits und mit einem Freundeskreis, der ihm sehr gleicht.

„Na klar!“, antwortet er. „Pfizer“, fügt er noch ganz selbstverständlich hinzu und sagt dann: „Das ist die Zukunft, diese mRNA-Stoffe, damit kann man eine Menge machen und noch viel erwarten.“

Ich stimme ihm zu, wollte mehr von ihm dazu hören und ermutige: „Ja, das habe ich auch schon gelesen, daß man sich viel davon verspricht, in der Krebsforschung etwa, gegen Malaria oder gegen wer weiß was für Krankheiten“

„Ja, ja“, sagt er. „Das auch – aber das meine ich gar nicht.“

„Nicht?“

„Nein, ich spreche von Aktien. Wir sind uns da gewiß“ – und er meint damit seinen gleichgearteten Freundeskreis –, „daß man damit eine ganze Menge Geld verdienen kann und daß es vollkommen zukunftssicher ist.“

Die Aktien also. Daher sollte man dort investieren und zwar ohne Angst und Sorge.

Ich stand einen Moment verdutzt da, er nahm es vermutlich als Eingeständnis einer ihm zu verdankenden Erhellung, das kurze Gespräch nahm eine andere Bahn … und erst später ging es mir richtig auf.

Da investieren also diese jungen Leute, für die die Aktienspekulation so alltäglich und normal ist wie das Handy oder für uns seinerzeit das Briefeschreiben, in Aktien von Pharmafirmen, die auf mRNA- und andere ähnliche Techniken setzen. Sie tun das wie das Luftholen. Für sie ist das alles eine Frage des Gewinns, der Maximierung, der Garantie, der Sicherheit, der Prognose.

Daß hier unheilige Allianzen entstehen, Verflechtungen, Interessen, Abhängigkeiten kommt vermutlich selbst den aufgeweckteren unter ihnen kaum in den Sinn. Sie denken vermutlich nicht über mögliche soziale und gesellschaftliche Konsequenzen nach oder nehmen sie in Kauf, noch nicht mal darüber, daß auch diese Forschung eine Sackgasse oder eine Blase sein könnte – was wird denn aus den Kursen, wenn man in einiger Zeit Krebs damit nicht nur bekämpft, sondern ihn auch dadurch massenweise verursacht sieht?

Sie denken an sich, noch immer an ihr kleines Glück im immer noch steigenden, zukunftssicheren Wohlstand und sie wählen vermutlich sogar Grün … und sehen den eklatanten Widerspruch nicht. Sie wollen die Freiheit, sie entscheiden sich frei, und dennoch …

Vor allem aber werden sie selbst – wenn auch im Kleinen – Akteure und Antreiber einer Entwicklung – wieder mal! –, einer vermeintlichen „Lösung“, die immer mehr Fahrt aufnimmt und immer schneller wird und irgendwann abhebt und unaufhaltsam wird. Und die genauso enden wird, wie alle menschengemachten Akzelerationen.

Und wir stehen fassungslos daneben und sind schon überrannt.

Ein Gedanke zu “Der Impf-Status

  1. Michael B. schreibt:

    Ich bin in seit kurzem in einem Forum von Leuten unterwegs, die sich mit sogenannter „Finanzieller Unabhaengigkeit“ tragen. Das ist ein mittlerweile regelrechter terminus technicus, der ungefaehr folgendermassen definiert ist:

    Ziel ist, vor dem Rentenalter von Ertraegen seines Vermoegens statt von Einkuenften aus Arbeit leben zu koennen. As dreht sich dann i.W. um Strategien dazu, wie dieser Vermoegensaufbau zu realisieren ist.
    Ausgangspunkt rein sachlich vernuenftig nachvollziehbarer Dinge sind Ueberlegungen zu Alternativen zum z.B. Weginflationieren des Geldes auf Tagesgeldkonten etc.. Loesungen werden dann in Immobilien, aber hauptsaechlich auch Wertpapieren gesucht. Letzteres ist kein schlechter Gedanke, solange man beim passiven Investieren in z.B. sogenannte ETFs bleibt, etwas was dort auch empfohlen wird. Diese ETF sind Indexpapiere, mit denen man moeglichst (welt-)marktbreit in boersengehandelte Firmen investiert und an deren Wertsteigerungen partizipieren moechte. Das Risiko wird durch die genannte marktbreite Streuung abgebildet. In einem einzelnen Papier befinden sich dann gewichtet Bruchteile von Tausenden Firmen, die Spitzenreiter haben dabei kaum mehr als sagen wir 3% Anteil. Das gab gerade in den letzten zehn Jahren ordentliche Gewinne. Aber nach allem, was wir dazu wissen haelt das auch grosse Zusammenbrueche – wie meinetwegen die grosse Depression der Dreissiger – aus, solange man langfristig genug denkt und handeln kann. Der 1929 eingebrochene S&P hat erst Anfang/Mitte der Fuenfziger wieder seine vorherigen Hoechststaende wieder erreicht – aber das hat er halt auch. Hat man nur auf Geld gesetzt, musste man im Gegensatz dazu z.B. in Folge des zweiten Weltkrieges Waehrungsschnitte in Kauf nehmen.

    Aber weg von den technischen Details. Im genannten Forum fand sich ebenfalls die von Ihnen angerissene Klientel. Der Kern sind Leute Anfang 30 bis Mitte 40. Gut stabil verdienend – Aerzte, IT-Spezialisten, hoehere Funktionen des oeffentlichen Dienstes, Justiz z.B., usw, usf.. – meist, wie die Kaprizierung auf Rentenalter schon vermuten laesst, Angestellte.

    Dazu kommen Leute in den Zwanzigern, viele Studenten etc., die dem ganzen nacheifern. Man zeigt sich dort seine Aktiendepots und gegebenenfalls Immobilienbesitz mit konkreter Zusammensetzzung und Zahlen und gibt sich Tips zu den einzelnen Ansaetzen. Man hat Unterthemen zum gesunden Essen und ‚Fitness‘. Man plant sein gesamtes Leben dahingehend – oft mit Frau zusammen – seit Jahren durch.
    Hier gehts dann los, irgendwann faellt eine ganz tiefliegende moderne Form der Spiessigkeit auf. Speziell wenn die eigene Karriere touchiert wird, die natuerlich dem Gesamtthema untergeordnet wird. Fragen wie: Wie steige ich auf der Leiter, mache mich aber nicht fertig? Oder mache das und kann dann eher ‚aussteigen‘, werden dort abgehandelt

    Psychologisch ein manchmal sehr interessanter Mikrokosmos. Bei der Impfung sieht es dann genauso aus, obwohl – was die persoenliche Spritzung anging – kuerzlich doch einmal ein paar junge Leute nichttriviale Nebenwirkungen widerwillig von sich aus angaben. Spekuliert wird aber wie geschildert, dasselbe beim Thema Bitcoin.
    Aufgrund des vorherrschenden sozialen Status der Leute gibt es natuerlich auch staerkere Einbindung in viele staatliche Vorgaben, gerade auch diese ‚Pandemie‘ betreffend. Der Arzt z.B. geht dann halt zusaetzlich ins Impfzentrum (130EU/h habe ich mal gehoert). Da gibts ganz deutliche Nutzniesserverhaeltnisse, die entsprechend korrumpieren.

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