Nichts gegen meine Ungarn

Die Kraft und Qual der fünf Herzen in meiner Brust:

Nichts gegen meine Ungarn. Sie haben gekämpft wie wahre Männer und wie immer verloren. Aber in der Niederlage haben sie Größe gezeigt und mit der Hand auf dem Staatswappen gemeinsam mit ihren härtesten Fans – von denen man sich in unseren Gefilden hätte distanzieren müssen – stolz und leidenschaftlich die Nationalhymne gesungen, ein Lied, das exakt die Geschichte dieses Spieles beschreibt: kämpfen, verlieren, und danach sich verhalten, als hätte man gewonnen – das ist so typisch ungarisch wie Pálinka und Paprikahuhn. Die Ungarn waren ein Nachruf, die letzte wahre europäische Nationalmannschaft des Turniers und vielleicht der Fußballgeschichte.

Nichts gegen meine Dänen. Sie haben gezeigt, daß es im Fußball nichts Wichtigeres gibt als den Fußball.

Nichts gegen meine Engländer. Sie haben über den Moralismus gesiegt und verhindert, daß ein in vielen Belangen unsägliches Projekt durch Erfolg eine Sachlegitimierung bekommt. Sie haben auch ihre eigenen Geister besiegt, den Bann (fast) gebrochen und sind ab nun eine ernstzunehmende Kraft im Weltfußball.

Nichts gegen meine Italiener. Besonders Mancini hat die richtigen Lehren aus seiner Lehrzeit bei City gezogen und in Italien eine neue Fußballphilosophie etabliert.

Nichts gegen meine Deutschen. Sie haben bewiesen, „daß es wichtigere Dinge gibt als Fußball“: sie haben Haltung gezeigt, Herzchen geformt, bunte Binden getragen und sind niedergekniet. Mehr kann man in heutigen Zeiten nicht verlangen.

2 Gedanken zu “Nichts gegen meine Ungarn

  1. Ulrich Christoph schreibt:

    Neben dem ersten Absatz haben insbesondere die beiden letzten Absätze meine „vollste“ Zustimmung. Dem Absatz über die Mannschaft Italiens erlaube ich mir hinzuzufügen: So geht Haltung.

    <li>Seidwalk: Wie meinen  Sie das? Verstehe den letzten Satz nicht ganz.</li>
    

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    • Ulrich Christoph schreibt:

      Der Satz ist in dem Sinne gemeint, daß mir von Beginn der Spiele an bis hin zum Endspiel die Unterschiede im Kampfgeist der deutschen und der italienischen Mannschaften auffiel, was sich bereits in der Intonation der Hymnen und während der spielerischen Aktionen in der besonderen, gegenseitigen Motivierung der italienischen Spieler gezeigt hat. Im Falle der Italiener beeindruckte mich besonders deren mentale Steigerung in der zweiten Halbzeit –, nach dem „Tiefschlag“ (aus deren Sicht) gleich zu Beginn des Spieles.
      Mancini hat in Bezug auf die neue Fußballphilosophie Italiens beachtliches geleistet; den Deutschen hätte ein rechtzeitiger Trainerwechsel die lähmende Wirkung des über gut eineinhalb Jahrzehnte aufgebauten Kohl/Merkel-Effektes ersparen können: zu viele „Legislaturperioden“. Zu Glanz und Elend von Löw haben Sie ja schon früher alles gesagt.

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