Dänemark ist Europameister!

Seit 1992 träumen die Dänen davon, daß sich der nationale Wunschtraum noch einmal wiederholen könnte. Damals hatte eine Nachrückmannschaft, die noch nicht mal zur EM qualifiziert war, aber durch die Sanktion gegen Jugoslawien, ohne spezielle Vorbereitung, ins Turnier einsteigen konnte, sensationell den Titel geholt – man gewann im Finale gegen Deutschland. Die Namen der Spieler sind noch heute Legende.

Deutschland, Deutschland, alles ist vorbei! (00:12 min)

Nun hat man das Viertelfinale doch noch erreicht – aber egal, was passiert, man wird als Sieger vom Platz gehen. Denn der Zusammenbruch Christian Eriksens, Dänemarks einzigem Spieler von internationalem Spitzenformat, das bange Warten, die langen, stillen Minuten im Stadion, vor den öffentlichen und privaten TV-Schirmen haben einen seltsamen Effekt gehabt. Sie haben nicht – wie die Presse nicht müde wird zu betonen – gezeigt, „daß es Wichtigeres als den Fußball gibt“, sondern vor allem deutlich gemacht, daß die Dänen noch immer eine Nation und ein Volk sind. Diese EM bescherte ihnen einen preislosen 9/11-Moment.

Ein Lied des Liedermachers Mads Langer, das nun die Runde macht und vom DBU, dem dänischen Fußballverband, offiziell vermarktet wird, bringt das perfekt zum Ausdruck.

En hel nation
Der holder på sit vejr
En folkesjæl
Blev større lige her

Eine ganze Nation
Hält die Luft an
Eine Volksseele
Wurde hier größer.

Er singt von dem enormen Schock, der durch Stadt und Land ging, von einem einigen Land und einer einigen Mannschaft auf dem Weg zum Gipfel, vom Band, das Nord, Süd, Ost und West des Landes verknüpft und vom Kampf für alles, was dir lieb und teuer ist: Dänemark, das Leben, die Familie, die Freunde. In dieser Reihenfolge.

So funktioniert Geschichte: unabsehbar, unausrechenbar.

Natürlich könnte man auch hier behaupten: Wenn ich ein potenter Lobbyist wäre, dann würde ich eine solche Situation inszenieren. Aber Geschichte funktioniert nicht so und Gemeinschaften leben von diesen Zufällen, sie schweißen zusammen, gerade weil sie unvorhersehbar, weil sie Schicksal sind. In diesem Moment waren die Dänen im Schock, in der Angst, in der Sorge vereint – mehr als wir anderen, die da nur einen Menschen liegen sahen –, weil sie Dänen sind und weil einer der ihren dort um sein Leben rang.

So gingen sie als Geschlagene als Sieger vom Platz.

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