Reflexhandlung

Gerade kam folgende Mail bei mir an:

„Guten Tag,

vielen Dank für Ihre Bestellung bei Verlag Antaios (Nummer: 2017392729) am 15.06.2021 um 11:09.

Wir bearbeiten diese nun sorgfältig und schnellstmöglich. Bei Titeln, die wir vorrätig halten, beträgt die Lieferzeit (innerhalb Deutschlands) 1-2 Tage. Für Besorgungstitel über die Grossistensuche („Antaios liefert jedes Buch“) sind 3-5 Tage zu erwarten. Bei Bestellungen aus dem Ausland können zu diesen Fristen zwei Liefertage hinzukommen. Zögern Sie bitte nicht, uns bei Fragen zu kontaktieren.“

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In die Spalte „Platz für Ihre Nachricht“ hatte ich eingefügt:

Ihr Kommentar:
Gerade gelesen: Christian Fuchs in der Zeit: „Verfassungsschutz stellt Antaios-Verlag unter Beobachtung“. Bestellung ist eine Reflexhandlung!

https://www.zeit.de/gesellschaft/2021-05/rechtsextremismus-verfassungsschutz-antaios-verlag-goetz-kubitschek-neue-rechte

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Kann man nichts machen!

6 Gedanken zu “Reflexhandlung

  1. Stefanie schreibt:

    Das IfS wird (offiziell) nun schon seit über einem Jahr beobachtet. Bin mir gerade nicht ganz sicher, wer überhaupt Herausgeber der Sezession ist: Verlag oder Institut?
    Davon abgesehen brüstet man sich zur Zeit mit der Überwachung immer neuer gefährlicher Staatsfeinde, von Junge Welt über KenFm bis hin zum letzten Anti-Impf-Youtuber.
    Offensichtlich scheint man beim Verfassungsschutz die neue Maxime zu haben: Viel Feind – viel Ehr`.
    Ob dieser Aktivismus durch neue Stellen gedeckt ist, bei denen bequem vom Sofa im „Homeoffice“ die Republik verteidigt werden kann oder macht das inzwischen die KI, die freundlicherweise von den GAFAM zur Verfügung gestellt wird?

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  2. Test Bild schreibt:

    Die Sezession habe ich vor Jahren abonniert, gerade weil es nicht mein cup of tea ist. Monatlich stelle ich fest, dass es ein agree to disagree ist. Genau da fängt ja die Meinungsfreiheit als Wert an sich an, dort, wo es eben nicht meine ist. Die Beobachtung bringt mich nun in das Dilemma, dass ich nicht weiß, was für Folgen das hat. Ich rechne damit, dass meine Daten via „Hack“ im Netz landen werden, was mich nicht schreckt. Womit man mich beeindrucken kann, sind allerdings Konsequenzen für Menschen die mir am Herzen liegen und die von meiner halsstarrigen Auffassung von Meinungsfreiheit betroffen wären. Das ist ja der Zweck einer solchen Beobachtung, Leute am Rand zu verunsichern und ich würde lügen, wenn ich sagen würde, das es nicht funktioniert.

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    • @ Test Bild

      In einem Fall wie dem Ihren – wenn man unter „falschen Verdacht“ gerät – sicher keine leichte Entscheidung.

      Wenn Sie das neue Heft schon gelesen haben, dann ist Ihnen vielleicht auch diese Aussage aufgefallen, die dem ganzen Haldenwangschen Geraune widerspricht:

      „Diese Umkehrung der Verhältnisse – prinzipiell staatsnahe Menschen auf der Suche nach staatsfernen Refugien – entspricht einer bundesdeutschen Sondersituation und birgt einige Ambivalenzen. Bei der Kritik an diesem Staat und seinen handelnden Akteuren darf aus rechter Sicht keineswegs der Eindruck erzeugt werden, daß man die Institutionen per se ablehnt, obwohl es falsche Entscheidungen bestimmter Politiker und Verantwortungsträger sind, welche die Mißstände hervorrufen und verschärfen. Die staatlichen Institutionen funktionieren prinzipiell, sie sind insbesondere in D traditionell tragfähig. Nur wurden sie über Jahrzehnte hinweg zur Beute von Parteien, Lobbygruppen und einer aggressiven, antifaschistisch grundierten Zivilgesellschaft. Deshalb scheint auch im politisch alternativen Bereich gelegentlich eine grundlegende Staatsferne durch, wo es im eigentlichen Sinne um die Befreiung der Idee des Staates von seinen Usurpatoren und um die Bewahrung der Idee des Staates gegen ihre reale Depravation gehen müßte.“
      (Benedikt Kaiser: Angst und Ökonomie. Sezession 102, S. 21)

      Oder Kubitschek auf SiN:

      „Wenn sich Leute wie wir vom Staate abwenden, dann nicht vom Staat und der Staatsidee an sich, sondern nur lagebedingt von seiner derzeitigen Ausformung. Man muß sich nur ein einziges Mal vorstellen, wohin das abfließt, was denjenigen abgepreßt wird, die tatsächlich zum Plus in diesem Lande beitragen, anderen Leuten Arbeit geben und nicht nach vierzig Stunden Feierabend haben.

      Man wendet sich ab von einem Staat in seinem derzeitigen Zustand als erbeuteter Institution, die von den Beutemachern ausgequetscht, deformiert, pervertiert und in ihrer ganzen Autorität gegen diejenigen gewendet wurde, die um den großen Wert der Staatsautorität wissen und sich ihr verpflichtet fühlten.

      Man wendet sich ab, weil man die ethnische Umverteilung ebenso ablehnt wie die nach ganz weit oben und natürlich auch die, deren einschläfernde Wirkung bei der letzten, vorletzten, vorvorletzten Wahl sich niederschlug.

      Die Gefahr, die hinter dieser Abwendung steht, ist nicht klein: Institutionen aufzugeben ist einfacher als zu ihnen zurückzukehren. Die Gefahr, zum libertären, liberal-zynischen Einzelgänger zu werden und daran Gefallen zu finden, ist groß.“ https://sezession.de/64337/staat-oder-staatsferne-eine-debatte

      Das Thema wurde auch bei der letzten Tischrunde besprochen

      Aufschlußreich auch der Zirkelschluß: Höcke wird beobachtet, weil der Antaios liest und Antaios beobachtet man, weil man Höcke versorgt. Ein handfestes Argument für „verfassungsfeindliche Bestrebungen“ wurde bisher noch nie vernommen. Fuchs führt auf:
      1. IfS wird auch schon beobachtet
      2. „Verbindungen des privaten Instituts zum rechtsnationalen Flügel der AfD“ – und der wird auch schon beobachtet
      3. „unter anderem zu Björn Höcke, dem thüringischen AfD-Landes- und Fraktionschef. “ – und der wird auch schon beobachtet
      4. „Höcke ist auch einer der bekanntesten Leser der Publikationen des Antaios-Verlags“
      5. „erscheinen bei Antaios Bücher extrem rechter Autoren wie Martin Sellner, Mario Müller und Till-Lucas Wessels“
      6. „von der sogenannten Identitären Bewegung, eine Organisation, die vom Verfassungsschutz als „gesichert rechtsextremistisch“ beobachtet wird.“
      7. Auch die Werke des wegen Volksverhetzung vorbestraften Autors Akif Pirinçci erschienen dort
      8. „Verschwörungserzählungen wie Revolte gegen den großen Austausch des Franzosen Renaud Camus“ werden dort verlegt – Was Verschwörung ist, legen wir selbst fest
      9. „ein Werk des konservativ-autoritären Diktators von Portugal, António de Oliveira Salazar“ wurde verlegt
      10. „Kubitschek publiziert zudem Vordenker der antidemokratischen extremen Neuen Rechten von Armin Mohler, über Alain de Benoist bis zu Karlheinz Weißmann. “ – siehe oben Kaiser
      11. „Die Bücher des Verlags tragen Titel wie Zurüstung zum Bürgerkrieg. Notizen zur Überfremdung Deutschlands oder Massenmigration als Waffe.“

      Keine Inhalte, kein problematisches Zitat, kein Aufruf zum Sturz oder zur Gewalt … nichts! Alles selbstreferentiell.

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      • Test Bild schreibt:

        In diesem Fall reden wir von Publizisten, die ihre Meinung ja publizieren. Die wird gelesen, von Überzeugten, Zaungästen, Neugierigen, der Gegenseite und wer weiß, von sonst wem noch. Inlandsgeheimdienste bringen Dinge ans Licht, die man nicht sieht, die nicht gesehen werden sollen. Rein praktisch: was soll ein Inlandsgeheimdienst an Wissen generieren, das nicht jedem seit Jahren frei zugänglich ist? Die Leute schreiben ja nicht mit Zaubertinte, die man nur nach mehrjähriger Ausbildung an der James-Bond Akademie lesen kann. Man kann Antaios und dem IfS ja einiges unterstellen, aber nicht, dass sie nuscheln würden. Für Dinge, die man sieht, gibt es die Polizei. Kein Verfahren in Sicht, keine Waffen, kein Sprengstoff, keine Namenslisten, nicht mal eine Hausdurchsuchung wegen Gefahr in Verzug. Vielmehr dient hier die Beobachtung durch den Inlandsgeheimdienst als Zeichen der Missbilligung, was aber nicht seine Aufgabe ist, sofern ich die Aufgabe richtig verstanden habe, eben das mit dem Sichtbar machen, was nicht gesehen werden soll. Was gerade bei der Truppe ja der Geschäftszweck ist, gesehen zu werden. Linksliberal zu sein, war mal eine anstrengende Sache. Der Inlandsgeheimdienst macht jetzt meinen Job, nämlich eine Meinung über Meinungen zu bilden. Die Frage, was Antaios über Staat so an sich denkt, ist eben keine. Zumindest nicht für Staat und Geheimdienst. Es ist eine Frage für mich, für Bürger, und die kann ich erst beantworten, wenn ich die Publikationen gelesen habe. Deswegen habe ich das Abo. Weil ich ein großer Junge bin und selbst denken mag, auch über Identität, Volk und Nation. Zugegeben, mit durchwachsenem Erfolg, aber hey, es werfe den ersten Stein…und weil keiner dazu das Recht hat, nennen wir es Freiheit. Ich werde weiterlesen.

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  3. KommaZwei schreibt:

    Als Herr Haldenwang vor ein paar Monaten seine Beobachtungsankündigung der medialen Öffentlichkeit präsentierte, war dies ein Reiz, der bei mir einen ähnlichen wie von Ihnen dokumentierten Reflex auslöste, mit der Folge einer größeren Bücherbestellung und des Förderabonnements.
    Da ein Reflex eine kurzfristige Reaktion auf einen Reiz ist, hat sich bei mir nunmehr eine Normalität
    der regelmäßigen Bestellungen als Akt der Solidarität eingestellt, was mir, angesichts der zum Teil erstklassigen Veröffentlichungen, nicht wirklich schwer fällt.

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