Drei Zeitschriften – Die Kehre

 Man sollte immer wieder versuchen, seinen Horizont zu erweitern, über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen. In diesem Monat habe ich zwei mir neue Zeitschriften bestellt, drei andere habe ich bereits im Abo und eine der beiden neuen wird nun hinzukommen. Drei davon möchte ich nachfolgend kurz vorstellen.
  1. Die Kehre

Die habe ich seit Beginn ihres Erscheinens abonniert, sie nennt sich „Zeitschrift für Naturschutz“, ist geistig im neurechten Milieu verwurzelt und sieht sich – wie der Name bereits verrät – im gründenden und hegenden Denken Heideggers verwurzelt. Treibende Kraft ist Jonas Schick, ein junger studierter Politologe, der auch auf „Sezession im Netz“ veröffentlicht. Mit seinen 30 Jahren hat er sich offenbar schon recht tief in die wissenschaftliche Öko-Debatte eingearbeitet. Das Ziel der Zeitschrift ist es wohl, das Ökologie-Thema dem linken Diskurs streitig zu machen und es dorthin zurückzuholen, wo es genetisch hingehört: nicht in die progressistische – denn blinder Fortschrittswille ist das Entree Billet in die Umweltkatastrophe –, sondern in die konservative Ecke, aus der es auch geboren wurde. Auch wenn Heidegger, die beiden Jünger und nun noch Sieferle zu den wesentlichen geistigen Inspirationsquellen gehören, befleißigt man sich doch auffallend, die ganze Breite, vor allem auch die aktuelle Diskussion und gänzlich ohne ideologische Scheuklappen, einzubeziehen, also weg von den grauen Klassikern – die im Hintergrund weiter wirken – hin an den Puls der Zeit.

© „Die Kehre“ – Heft 1

Das Blatt legt Wert auf junge Mitarbeiter: Schon das ist ein Herausstellungsmerkmal, daß hier junge Leute – statt Krawall zu machen und dafür zu demonstrieren, daß andere den Dreck wegräumen – sich hinsetzen, ruhig analysieren, weiter- und tieferzudenken versuchen. Der Autorenstamm ist noch recht schmal und sollte sukzessive erweitert werden. Daß es hinter den Kulissen auch nach einem Jahr noch rumpelt, kann man aus den noch unregelmäßigen Erscheinungsdaten schließen. Im ersten Jahr hatte man noch Mühe, die versprochenen vier Ausgaben zu liefern, das erste Heft des laufenden Jahres ließ sich wiederum viel Zeit; vermutlich gibt es noch keinen Pool an Beiträgen, aus dem man schöpfen kann.

Das neue Heft – Nummer 5, „Ökologie und Militanz“ – ragt für mich heraus und beweist, daß man allmählich den Kinderschuhen entwächst. Alle vorherigen waren lesenswert. Überzeugend war die Breite der Themen von Architektur, Stadtgestaltung über Wald- und Landwirtschaft bis hin zur Funktionserklärung von Windturbinen, Reflexionen über den Begriff der Nachhaltigkeit oder die ökologischen Folgen der Migration u.v.m. Und nun das basse Erstaunen über das aktuelle Heft, das eine neue Qualität aufweist, in dem verschiedene Formen der ökologischen Militanz affirmativ-kritisch besprochen werden. Daran erkennt man bereits, daß es hier um ein „Querfront“-Phänomen geht, denn natürlich sind diese Bewegungen vorrangig links verortet. Ich habe das Heft in einem Zug durchgelesen und – angeregt durch die Lektüre –  sofort ein paar Bücher bestellt.

Mit Philipp Stein, Raskolnikow und Martin Lichtmesz treten freilich ein paar Altgediente auf – sie bestätigen den Wert der „alten“ weißen Männer. Raskolnikow widmet sich geisteshistorisch den Ludditen, den Maschinenstürmern, Lichtmesz stellt den hochinteressanten Einzelgänger Pentti Linkola vor, dessen „Can Life Prevail“ bei Youtube als Hörbuch abrufbar ist. Schick selber führte ein erhellendes Interview mit dem Öko-Aktivisten Derrick Jensen, dessen voluminöse Schriften offenbar Kultstatus besitzen. In seinem letzten Buch – „Bright Green Lies – versucht er etwa die grüne Politik der Energiewende aus ökologischer Sicht zu entzaubern.

Überhaupt macht die militante grüne Bewegung und ihre Geschichte die inneren Widersprüche der tradierten  Öko-Parteien und Bewegungen wie FFF deutlich, die letztlich akzeleratorisch wirken, die Megamaschine antreiben, statt sie zum Verlangsamen zu bringen. Seit die unsägliche Politische Korrektheit dort Einzug gehalten hat, seit man dort auch gegen Rassismus, Rechts und Diskriminierung kämpft und beide Stränge voneinander abhängig macht, frißt sich die revolutionierende Energie selbst auf und wer als Grüner für Massenmigration eintritt und also Millionen Menschen von einem niedrigen auf einen viel höheren Verbrauch katapultiert, der wird nur noch zur Karikatur.

Am stärksten ist die „Kehre“, weil sie sich von den klassischen rechten aktuell-politischen Narrativen löst und ganz offen gegen den Stachel löckt. Die globale Öko-Krise – zu der die Klima-Krise gehört, aber eben nur einen Teil ausmacht – wird weder geleugnet, noch relativiert; sie wird als alles Leben bedrohende Gefahr akzeptiert und mit gebotener Dringlichkeit – ohne hektisch-alarmistisch zu werden – bedacht. Man legt Wert auf die Unterscheidung zwischen Klimaschutz, Umweltschutz, Naturschutz und Heimatschutz, will damit die im grünen Milieu weit verbreiteten Verkürzungen vermeiden.

Wenn sich das Projekt noch etwas breiter aufstellt, vielleicht auch dissidente Stimmen zuläßt,  dann dürfte die Zeitschrift eine erfolgreiche Zukunft haben.

Optisch ist sie schlicht, aber ansprechend, der Text ist leserfreundlich groß gestaltet, die Inhalte sind nicht akademisiert und könnten die Masse ansprechen; die 60 Seiten sind in zwei, drei Stunden komplett lesbar, der Preis von 22 Euro für die Quartalsschrift ist äußerst moderat. Da bleibe ich auf jeden Fall dabei! Das sollte man unterstützen!

8 Gedanken zu “Drei Zeitschriften – Die Kehre

  1. Petersen schreibt:

    „Sollte man unterstützen“ – ja, unbedingt. Dennoch …

    Dennoch vermisse ich die Stimmen von Ökonomen, Naturwissenschaftlern und Ingenieuren. Seiferles wirtschaftshistorischen Betrachtungen und eine Technikfeindlichkeit scheinen in einem Zukunftspessimismus zu münden, der nicht weit von den apokalyptischen Greta-Beschwörungen entfernt ist.

    Ich bin Realist, und als solcher sehe ich die Erde nicht am einem ökologischen oder klimatischen Abgrund. Frag man alte Bienenzüchter, so sehen sie keine Krise, sondern einen Laien-Züchter-Hype in den letzten 10 Jahren, von denen vielen das Grundwissen und die Geduld fehlte, sie haben Völker verloren.

    Fragt man zB konkret, was nun genau an einem Mittel wie Glyphosat so schrecklich sei, dann wissen die meisten Kritiker nicht, dass die Prozesse in den USA von Arbeitern handelten, die ohne Handschuhen und Atemschutz hantierten.

    Versucht die Anliegen der Bio-Landwirtschaft mit der Forderung von Vegetariern auf völligen Verzicht auf Tierproduktion zur Deckung zu bringen, dann stolpert man auf das Problem, dass mehr als 60% der landwirtschaftlichen Fläche nicht für Gemüsebau oder allgemein pflanzliche Einweissproduktion geeignet ist, sondern nur für extensive Viehhaltung.

    Und Und Und. Ich habe mein Berufsleben für Umweltschutz und Energieeinsparung gearbeitet und bin in zahlreichen Ländern zu der Erkenntnis gekommen, dass wir Wohlstands-Bürger Umweltschutz auf Luxus-Niveau betreiben. Um die Lebensbedingungen in armen Ländern zu verbessern, braucht es Verbrennungsmotoren, Plastikverpackungen, mehr Hygiene auch mit Hilfe von Chemie, Kühlanlagen, Strassenbau etc.

    Zugespitzt: Wer Öko-Landwirtschaft durchsetzen will, bringt Millionen Menschen um.

    Und noch eines: Der Kapitalismus in China seit Deng Xiaoping hat mehr Leben gerettet als jede andere Reform. Wenn das heutige Wirtschaftssystem kollabieren sollte, leiden darunter die Armen Länder am meisten. Das sieht man ja schon daran, wo der Corona-Maßnahmenabsturz der Wirtschaft die meisten Schäden angerichtet hat: In den armen Ländern.

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    • Pérégrinateur schreibt:

      Der mit dem Begriff Umweltschutz, im Gegensatz etwa zu Naturschutz, beschriebene Wunsch geht auf die Erhaltung einer dem Menschen förderlichen Natur. Dem Menschen am meisten abträglich ist aber die Armut. Von daher ergeben sich aus dem Begriff selbst Güterabwägungen, die aber die Umweltfanatiker mit größter Selbstverständlichkeit meiden.

      Man sieht das am deutlichsten beim Thema der Nuklearenergie. Die wäre natürlich, wenn man denn coûte que coûte den CO₂-Ausstoß reduzieren will, sehr anzuraten. Unter den hierzulande obwaltenden Umständen, wo nämlich Nukleartechnik absolut-religiös abgelehnt wird, musste dann aber sogar die Heilige Greta, die einmal kurz einen Vorstoß in diese Richtung wagte, sich schnell wieder zurückziehen. Auch die Messiase können eben nicht gegen die Landesreligion an, sonst würden sie (zumindest marketingtechnisch) verbrannt.

      Das größere Problem für die Menschheit dürfte eher als der CO₂-Eintrag in die Atmosphäre die Erschöpfung der vergleichsweise billig gewinnbaren fossilen Energiereserven sein. Als Gegenargument wird von den progressiv gestimmten Wirtschaftsliberalen immer die Substitution genannt. Aber wer sagt, dass man immer alles und dann auch noch erschwinglich durch anderes ersetzen kann?

      Nicht die Vermeidung künftiger Probleme, sondern die Anpassung an deren Folgen bestimmte bisher das geschichtliche Verhalten der Menschen. Das wird wohl auch so bleiben, denn eine weltweite Politik zugunsten der Menschheit insgesamt scheitert ziemlich verlässlich immer an den Trittbrettfahrern, die aufwandlos Gemeingüter mitnutzen, oder weniger polemisch gesagt, an den je nach der sozioökonomischen Lage der Länder verschiedenen und legitim verschiedenen Präferenzen. (Vgl. die Maslowsche Bedürfnispyramide) Wer sollte denn diese individuell-nationale Vorteilssuche wie weltweit verhindern können?

      Auffällig ist, dass die heutige Bewegung des Eineweltumweltschutzes, wenn wir sie einmal mit den geschichtlichen sozialistischen Bewegungen parallelisieren, gewissermaßen hinter die klasseninteressenbasierte Politik des Marxismus zurückwollen zum Weg des utopischen Sozialismus durch Neuweltentwurf und religiös beseelte Propaganda. Gerade denjenigen Teil von Marx ablehnen, der noch leidlich realistisch oder zumindest operabel war – na, das wird etwas werden! Wenn man nur fest an die Wirksamkeit von Bergpredigten glaubt …

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      • Michael B. schreibt:

        zurückwollen zum Weg des utopischen Sozialismus durch Neuweltentwurf und religiös beseelte Propaganda.

        Mit Bezug auf den Wunsch des OP („vermisse ich die Stimmen von Ökonomen, Naturwissenschaftlern und Ingenieuren“): Das wuenschte ich mir auch. Dummerweise ist auch dort die genannte Religiositaet mittlerweile immer staerker verbreitet.

        Ich hatte kuerzlich die Diskussion mit einem solchen Ingenieur zum Thema der Verhaeltnisse CO2-Ausstoss Dtl. / Ausstoss Menschheit / Ausstoss ueberhaupt. Zur Frage des Sinns der singulaeren Betrachtung einer einzelnen Groesse oder des Dogmas warm=schlecht, kalt (oder besser, bleibt wie es ist)=gut kamen wir gar nicht. Die Meinung zu den Verhaeltnissen war:

        „Es ist egal, ob das nur 2% sind. Der Punkt ist, dass wir das koennen“ „Koennen wir das? Der Strom ist jetzt schon der Teuerste in der ganzen Gegend und stabil ist er auch nicht mehr“ „Egal, wir auf unserem Niveau koennen uns das locker leisten. Die armen Menschen koennen das nicht“ (als gaebe es die nicht auch im Land [mentaler Vermerk meinerseits]).

        Quintessenz war: „Wir machen das und wenn es gebraucht wird, stehen wir mit der Loesung bereit“

        Was sagt man auf so etwas?

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        • Pérégrinateur schreibt:

          „Hochmut kommt vor dem Fall.“

          Man scheint auch zu vergessen, dass eine Morgenthau-Politik der Verarmung auf die Züchtung der eigenen Feinde im Land hinausläuft. Die ihren Wohlstand verlieren, werden danach ziemlich unangenehm werden.

          Das staatsnahe halbgebildete Kleinbürgertum, aus dem sich die Jasagerschaft vor allem rekrutiert, scheint nicht zu sehen, dass sich ein arm gewordener Staat weniger unproduktive Sesselfurzer leisten kann und weniger sozialstaatlich tätige Kümmerer um alles und jeden bis hin nach Port Moresby.

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          • Michael B. schreibt:

            „Hochmut kommt vor dem Fall.“

            Ich habe das im genannten Gespraech an einem schon bekannten und damit schwer zu bestreitendem Fakt konkretisiert: Wir standen ja vor ein paar Jahren schon einmal bereit, siehe Solarworld etc.. Und wie ist es ausgegangen – China hat uns ganz pragmatisch einfach das gesamte Thema oekonomisch aus der Hand genommen.

            Aber mein Punkt war eher :

            Das staatsnahe halbgebildete Kleinbürgertum, aus dem sich die Jasagerschaft vor allem rekrutiert

            Die bin ich ja gewoehnt – aber auch in den ‚harten‘ Gebieten gibt es einen betraechtlichen ‚woken‘ Anteil. Der Ingenieur hat sein Leben lang sein Geld in der Wirtschaft verdient und zaehlt also zu den 10-15 Millionen Nettosteuerzahlern, die das Land hier angeblich noch hat. Das zeigt die Wirksamkeit der Ideologie, die ja in dem Fall eigentlich mit durchaus vorhandenem Wissen offen kollidieren muesste, das aber nicht tut. Obwohl eine gewisse spezifische Gereiztheit in der Diskussionsfuehrung die verdraengten Konflikte signalisiert. Dieselbe Erfahrung kann man gegenwaertig mit Aerzten machen, wenn man auf Thema C kommt.

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    • Die Fachleute sind durchaus präsent – wenn Sie die Zeitung kennen, dann wissen Sie das; ich habe das in meiner Vorstellung nur nicht erwähnt. Es haben sich dort bereits Architekten, Landwirte, Waldfachleute (wenn ich nicht irre, finde gerade das Heft nicht) und mit Beleites auch ein führender Theoretiker geschrieben.

      Dennoch ist an der Kritik was dran, ihr Anteil ist noch sehr gering. Man sollte aber nicht vergessen, daß die Zeitschrift noch blutjung ist, sich erst einen Namen machen muß und zudem dürfte es Berührungsängste geben, denn wer wagt es denn schon noch in einem Organ der Neuen Rechten zu publizieren?

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      • Petersen schreibt:

        Architekten etc können nicht das, was Ingenieure, Physik und Chemiker können. Das ist eher Kunst.

        Das Problem mit „integrierten“ Studienfächern wie Umweltwissenschaften etc sowie mit den Bindestrich-Wissenschaften wie Stadt-Soziologie, Wirtschafts-Soziologie etc ist, dass diese Absolventen von keine der beteiligten Fächern wirklich Ahnung haben.

        Deshalb ist zB ein Umwelt-Wissenschaftler unnütz, der rekapituliert nur aus der Presse und aus Sachbüchern angelesenes. (Man beachte den Unterschied von Fach- und Sach-Publiktionen.)

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  2. Otto Reincke schreibt:

    Ökologie ist der untaugliche Versuch, was im Inneren schief gelaufen und kaputtgemacht worden ist, im Äusseren zurechtzubiegen … es ist letztlich Fassade.

    Seidwalk: Solche qualifizierten Beiträge mag ich gar nicht auf diesem Blog. Entweder Sie legen Ihre radikale Sicht mit Argumenten dar, oder Sie halten sich besser an Wittgenstein.

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