Das ist nicht meine Mannschaft!

Gegen 19.30 Uhr hallte gestern ein lauter Schrei durch unser Viertel. Gerade hatte Raheem Sterling England gegen die Deutschen in Führung geschossen. Zu meiner Verblüffung mußte ich feststellen, daß der Jubel aus meiner Kehle kam.

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Theorie der Diktatur

Philosophie – das muß man sich vor Augen halten – war noch vor hundert Jahren Husserl, Dilthey, Heidegger, war Peirce, James, Moore, war jedenfalls ein zähes, zermürbendes analytisches, oft lebenslanges Ringen, ein immer wieder neu Beginnen und folglich auch ein sich selbst befragen und verwerfen. Heute ist Philosophie – zumindest in der öffentlichen Wahrnehmung – Precht, Eilenberger, Garcia oder eben Onfray.

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Dänemark ist Europameister!

Seit 1992 träumen die Dänen davon, daß sich der nationale Wunschtraum noch einmal wiederholen könnte. Damals hatte eine Nachrückmannschaft, die noch nicht mal zur EM qualifiziert war, aber durch die Sanktion gegen Jugoslawien, ohne spezielle Vorbereitung, ins Turnier einsteigen konnte, sensationell den Titel geholt – man gewann im Finale gegen Deutschland. Die Namen der Spieler sind noch heute Legende.

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Die Delta-Variante

Am Wochenende fand in den Tiefen des Darknets ein Schachturnier statt, die meisten Teilnehmer waren Insulaner und – wie das bei Schachspielern die Regel ist – immer auf dem neuesten Stand und konform. Folgender kleiner Dialog entspann sich in der Analyse eines Spiels:

–        Sorry, ich war schlecht drauf, hatte Corona und fühle mich noch ein wenig schwach, die Eröffnung ging in die Hose.

–        Welche Variante denn?

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Nathan Never

Es gibt in Italien eine ausgesprochen vielfältige Comic-Kultur, die weit in die Geschichte zurückreicht. Es begann bereits 1948 mit dem legendären Tex Willer, einer Cowboy-Figur, die 20 Jahre später von anderen Wildwest-Erscheinungen, einem „Mister No“ und einer neuen Serie namens „Zagor“ ergänzt wurde. Treibende Kraft war Gian Luigi Bonelli, der sich ein kleines „Fumetti“-Imperium aufbaute, das später von seinem Sohn Sergio Bonelli ins Gigantische ausgebaut wurde. Die Hefte von „Sergio Bonelli Editore“ liegen bis heute in jedem „Edicola“ an der Ecke aus.

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Drei Zeitschriften – Hohe Luft

Die „Hohe Luft“ – ein vielversprechender Titel –, die als „Philosophie-Zeitschrift“ vertrieben wird, „für alle, die Lust am Denken haben“, kam ganz zufällig in meinen Blick. Daniel-Pascal Zorn hatte via Twitter auf einen seiner Artikel in diesem Blatt und damit auf ein überhohes Niveau verwiesen – Zorn sieht sich quasi als letzten streng denkenden Philosophen der Gegenwart, der gern fast allen anderen Zeitgenossen das Philosoph-Sein abspricht. Exakt, was meine dürstende Seele suchte.

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Drei Zeitschriften – Tumult

2. Tumult

 Wie sagt der Engländer? It blew me away! „Tumult“ – gleich vorweg – ist ein Magazin allererster Güteklasse, ich kann nur schwärmen, habe es von der ersten bis zur letzten Seite durchgelesen, viele Unterstreichungen gemacht, immer wieder Recherchen angestellt, Bücher bestellt oder begutachtet, mich immer wieder belehrt und angeregt gefühlt und auch das Gefühl gehabt, nicht dauernd das Gleiche und Altbekannte, sondern wirklich Originelles zu lesen. Geärgert habe ich mich nur darüber, daß ich die Zeitschrift nicht schon früher geordert habe.

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Drei Zeitschriften – Die Kehre

 Man sollte immer wieder versuchen, seinen Horizont zu erweitern, über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen. In diesem Monat habe ich zwei mir neue Zeitschriften bestellt, drei andere habe ich bereits im Abo und eine der beiden neuen wird nun hinzukommen. Drei davon möchte ich nachfolgend kurz vorstellen.
  1. Die Kehre

Die habe ich seit Beginn ihres Erscheinens abonniert, sie nennt sich „Zeitschrift für Naturschutz“, ist geistig im neurechten Milieu verwurzelt und sieht sich – wie der Name bereits verrät – im gründenden und hegenden Denken Heideggers verwurzelt. Treibende Kraft ist Jonas Schick, ein junger studierter Politologe, der auch auf „Sezession im Netz“ veröffentlicht. Mit seinen 30 Jahren hat er sich offenbar schon recht tief in die wissenschaftliche Öko-Debatte eingearbeitet. Das Ziel der Zeitschrift ist es wohl, das Ökologie-Thema dem linken Diskurs streitig zu machen und es dorthin zurückzuholen, wo es genetisch hingehört: nicht in die progressistische – denn blinder Fortschrittswille ist das Entree Billet in die Umweltkatastrophe –, sondern in die konservative Ecke, aus der es auch geboren wurde. Auch wenn Heidegger, die beiden Jünger und nun noch Sieferle zu den wesentlichen geistigen Inspirationsquellen gehören, befleißigt man sich doch auffallend, die ganze Breite, vor allem auch die aktuelle Diskussion und gänzlich ohne ideologische Scheuklappen, einzubeziehen, also weg von den grauen Klassikern – die im Hintergrund weiter wirken – hin an den Puls der Zeit.

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