Die ewige Rechte

Die mediale Aufarbeitung einiger ironischer Videos bekannter Kulturschaffender wirft mindestens zwei subtextuelle oder meta-mediale Fragen auf. Die eine ist die Frage nach Rechts.

Nur wenige der Delinquenten hatten bisher den Mut, für ihr eigenes Handeln offensiv einzustehen, dazu gehören ein Schauspieler namens Liefers und ein Regisseur Brüggemann. Viele andere haben den Schwanz eingezogen oder das schon längst eingeübte Reueritual vollzogen, das alten DDR-Zeitzeugen so unangenehm bekannt vorkommen sollte, müßte man darüber nicht jedes Mal laut lachen.

Die Tapferen aber, also der Schauspieler und der Regisseur – der Youtube-Algorithmus  spielt mir ein Gedenkvideo zu, das diesen Liefers in Berlin 1989 schon als Spätmutigen zeigt und das man vor allem wegen des heute fast unvorstellbaren Publikums dringend sehen sollte -, die beiden jedenfalls haben sich gerechtfertigt, kommen aber nicht umhin, sich mit dem „falsche-Seite-Argument“ herumzuschlagen: sie werden nämlich dazu konkret befragt.

Man „bediene exakt das Narrativ“ jener, die … und fordert die Distanzierung von … usw. Auch Möchtegernkanzler Laschet wird befragt und befindet: „Von diesen 50 ist keiner rechts“, das seien nur andere Meinungen, die man in einer Demokratie aushalten können müsse. Selbst Dieter Nuhr, als erfahrener Haudegen in diesen Kämpfen, kommt aus der Nummer nicht heraus …

Ja, was wäre denn aber nun, wenn der Schauspieler oder der Regisseur oder auch nur einer dieser Darsteller tatsächlich rechts wäre? Die AfD wählte, bei Antaios bestellte, Sieferle im Regal stehen hätte, mit Gauland befreundet wäre …? Gar rechtes Gedankengut in seinem Kopfe trüge? Vielleicht heimlich Heidegger lese oder schlimmer noch Benoist oder solche Sachen? Wäre die Aktion dann gänzlich anders zu bewerten?

In der Denklogik der Journalisten, des Möchtegernbundeskanzlers ist das offenbar so. Deshalb müssen sie sich distanzieren. Es ist also im Jahre 1985 nicht mehr genug, wenn der Schauspieler eine Rolle spielt – zumeist ja eine antifaschistische oder Anti-Rechte -, nein, er muß auch innerlich Antifaschist und Anti-Rechter sein, sonst wird er seiner Aufgabe, seiner Verantwortung nicht gerecht.

Die Parallelen zur DDR als Überwachungsstaat – worin sich der Begriff natürlich nicht erschöpft – sind offenkundig und Stefan Aust – der kann sich das leisten – hat das soeben auch an der Parallele Biermann aufgearbeitet. Aber auch das ist nur Semi-Mut, denn auch bei Aust lesen wir: „Nachdenklich machen sollte uns auch, daß schon die DDR-Oberen das Argument mit dem falschen Beifall verwandten. Kritik an der Ausbürgerung Biermanns wurde damit disqualifiziert, daß sie auch Beifall „aus der BRD“ bekommen hatte, einem Staat, in dem alte Nazis wie Kiesinger und Filbinger in Spitzenpositionen saßen – was übrigens ebenso stimmt, wie daß die AfD eine schlimme rechtspopulistische Partei ist. Damals wie heute wird nicht argumentiert, sondern moralisiert.“

Und damit macht er exakt das, was er mit den identischen Worten kritisiert. Er moralisiert. Die Zunft ist komplett blind gegen sich selbst. Die Meta-Botschaft all dieser Argumentationsvolten ist – neben: du darfst den Mund nicht mehr zu politischen Fragen öffnen, sofern ihm anderes als BRD-Sprech entflieht –: Rechts ist pöse!

Was konkret rechts sei, darüber erfahren wir selten etwas. Es müssen diverse Zuschreibungen wie „Schwurbler“, „Spinner“, „Nazis“ her – das muß man nicht mehr definieren, meist genügt ein anderer Überbegriff wie „menschenverachtend“, „Demokratiefeind“ etc., das versteht sich von selbst, und das zeigt, wie stark dieser Gedanke – „Rechts ist pöse!“ – bereits ins soziale Unbewußte und in die vorreflexiven Sprachspiele eingedrungen ist. Denn was wir heute hier erleben, das ist nur die letzte Eskalationsstufe eines lang zurückreichenden Prozesses.

Wenn also Darsteller, Regisseur, Journalist wirklich mutig gewesen wären, dann hätten sie auf die Frage nach dem „falschen Applaus“, nach dem „den Falschen in die Hände spielen“ antworten müssen: Na und? Was ist denn das Falsche? Und warum? Und wer legt das fest? Und was hat meine politische Meinung damit zu tun? Und wenn ich will, dann bin ich eben rechts – wo ist das Problem? Und wer kommt als nächstes dran: Chirurgen? Lokführer? Zuckerbäcker?

Man muß es offensichtlich immer wieder betonen – obwohl es unsereinem peinlich ist, das Offenkundige breitzutreten – Rechts ist genauso berechtigt – ups: berRechtigt – wie links. Mehr noch: Links könnte es ohne Rechts gar nicht geben. So wie das Große nur groß ist, weil es das Kleine gibt, so wie das Helle nur hell ist, weil es das Dunkle gibt, und umgekehrt, so gibt es auch nur Links, wo es Rechts gibt. Das wird auch so sein, wenn es der heutigen Linken gelungen sein sollte, alle heutigen Rechten zum Verstummen zu bringen oder gar auszulöschen.

Und wenn die Linke diesen recht einfachen Gedanken fassen könnte, dann wäre ihr die Gefahr bewußt, in der sie schwebt und in die sie frohen Vernichtungsmutes hineinschlittert. Rechts verschwindet nicht, wenn man die Rechte bekämpft und vernichtet! Rechts ist ewig!

Was passiert: der „rechte Krebs“ frißt sich immer weiter nach links: was links war, wird so irgendwann zum neuen rechten Rand. Diese Erfahrungen machen die Herren und Damen Schausteller gerade, denn sie gehören ja selbst zu jenem hypermoralischen Komplex, der seit vielen Jahren im Film und auf der Bühne die mehr oder weniger verbrämte 68er-Agenda verbreitet. Man sagt, dieser Liefers habe „Tatort“ gespielt und wie viele „Tatorte“ gibt es mittlerweile, in denen „Nazis“ oder „Rechte“ die Täter waren? In einem war Martin Sellner höchstselbst – ein ganz „pöser Nazi“; wer ihn kennt, weiß ihn als warmherzigen und aufrichtigen Menschen zu schätzen – der Mörder. Sie, diese Schausteller, sind es, die sich der Propaganda unterordnen und sich als Medium anbieten, daran verdienen, davon leben.

Und jetzt geraten sie in den Verdacht, rechter Rand zu sein.

So wird es sukzessive allen ergehen. Würde die Linke ihre eigene Geschichte studieren, dann müßte ihr das glasklar vor Augen stehen. Die Geschichte des späten Leninismus, des gesamten Stalinismus und des gesamten Sowjetkommunismus ist ein einziger katastrophischer Probelauf dessen, was sich nun wieder anbahnt.

Das „Nie wieder!“ ist notwendiger denn je, aber man muß es der Realität anpassen. Als Dieter Frey – ZDF-Chefredakteur – vor einem Jahr vor der „Endstation Buchenwald“ warnte, weil ein FDP-Landeschef für ein paar Stunden mit den Stimmen der AfD zum Ministerpräsidenten gewählt worden war, da hatte er sich im Zug geirrt. Die Laderampe in Auschwitz wird auf ewig Gedenkort bleiben, aber die Züge ins Gulag kann heute schon hören, wer sensible Ohren hat.

So wie es die „trotzkistischen Verschwörer“, die Bucharin, Kamenew, Sinowjew und Trotzki traf, so traf es wenig später alle Politkommissare und fast hundert ZK-Mitglieder, die verdienten Generäle und schließlich Jagoda und Jeschow selbst, von den zehntausenden mehr oder weniger aufrechten Kommunisten in der SU und in Europa ganz zu schweigen. Je weniger „rechts“ („Trotzkismus“)  da war, umso mehr fraß sich die Vernichtung nach links – bis nichts mehr davon übrig war, sondern nur noch ein Mythos, eine große Lüge, ein holistisches Verbrechen. Alle, die zuvor geeifert hatten, waren dem Eifer persönlich zum Opfer gefallen, auch Stalin selbst, der sein bißchen Idealismus der Machtfrage geopfert hatte.

Zuvor aber mußten viele dieser Opfer abschwören. Es genügte den Stalinisten nicht, die Gegner an die Wand zu stellen, so wie das in guten alten Zeiten der Fall war, nein, die „Delinquenten“ mußten zuvor geistig gebrochen werden, sie mußten sich entschuldigen, sie mußten Absurditäten gestehen, sie mußten sich letztlich selbst beschuldigen und um ihre Vernichtung bitten und zwar aus tiefster innerer Überzeugung. Arthur Koestler hat diese komplexe udn paradoxe  Psychodynamik in seinem Roman „Sonnenfinsternis“ aufgearbeitet.

Die heute „die Rechten“ jagen, werden morgen „die Rechten“ sein, die man jagen wird.

Wenn wir diesen Weg nicht gehen wollen, dann ist es wichtig, wichtiger denn je, die rechte Bastion zu halten – am wichtigsten ist dies für die Linken selbst. Wer diese Masse an Ideen aus dem Diskurs verschwinden lassen will, bringt die Welt aus dem Gleichgewicht.

Für die Demokratie gilt – in Anlehnung an Laschets Bonmot: „Von diesen 50 ist keiner rechts. Die haben eine andere Meinung als die Mehrheit“ –: sie kann nur dann Bestand haben, ja sie kann nur dann Demokratie sein, wenn sie auch und vor allem die genuin rechten und seriös vorgetragenen Meinungen erträgt, anhört, diskutiert und schützt!

5 Gedanken zu “Die ewige Rechte

  1. brettenbacher schreibt:

    “ Gar rechtes Gedankengut in seinem Kopfe trüge?“

    GEDANKENGUT
    Ist es nicht so wunderlich wie wunderbar, daß stets und immer von „rechtem Gedankengut“ die Rede ist – und niemals von „linkem Gedankengut“. Letzteres will nicht von der Feder, von der Lippe, es sträubt sich das Ohr.
    Aber kann man sich denn unter „Gedankengut“ etwas anderes vorstellen als Schönes und Kostbares ?
    Nein, kann man nicht!
    Und wollen wir uns ein höheres Gut denken, als ein „Gedankengut“ ?.
    Nein, das wollen wir nicht.

    „Die Sprache in ihrer unübertrefflichen Weisheit“ (so Sigmund Freud) steht über jeder Ideologie, sie belächelt deren Treiben und hütet die Wahrheit.

    Ein ganz großes Dankeschön aber an Seidwalk für diesen Beitrag !

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  2. Pérégrinateur schreibt:

    Die meisten Menschen kommen zu einer politischen Einstellung weniger durch Überlegung, als vielmehr durchs geteilte Gefühl. Darüber läuft dann die Osmose der Anschauungen im Freundeskreis, und diese Osmose kann auch von weiter her ziehen, heute tut sie das vor allem von den politischen großen Leithammel in Politik und Medien her. Wenn man so Überzeugten eine Begründung abverlangt, kommt bestenfalls so etwas wie der Spruch des Reineke Fuchs: „Kann ja nicht verkehrt sein, tun’s doch so viele.“ Bei Reineke war es zumindest eine bewusst eingesetzte Ausrede, also schlau gefunden, bei den heutigen Herdentieren aber ist es das nur unbewusste und unverstandene Gesetz ihres Handelns.

    Verstärkt wird das alles noch durch das in den letzten Jahrzehnten eingerissene Regime der Gefühligkeit, das bei den unter dessen Fuchtel stehenden dann jeden eigenen Verstand und Realitätssinn austreibt. Wenn man die Menschen dann noch in die Panik hineintreibt, wird es selbstredend nicht besser.

    Bei einigen dürfte auch der hiermit beschriebene feine Charakterzug eine Rolle spielen:

    „The surest way to work up a crusade in favor of some good cause is to promise people they will have a chance of maltreating someone. To be able to destroy with good conscience, to be able to behave badly and call your bad behavior ‚righteous indignation’— this is the height of psychological luxury, the most delicious of moral treats.“

    ― Aldous Huxley, Crome Yellow

    Der von Offiziellen gerne vorgebrachte Vorwurf, die Opfer würden durch die Schauspieler-Aktion verhöhnt, ist besonders perfide. Der Regierung und nicht irgendwelchen Künstlern obliegt es, das Volk zu schützen. Das hat man, teils aus europaideologischen Gründen, teils wegen der Absicht, wieder einmal nicht sichtbar Verantwortung für etwas übernehmen zu müssen, was im Falle des Misserfolgs auf einen zurückfallen kann, total verbockt. Frau Merkel will halt nichts entscheiden, aber selbstredend alles bestimmen. Also veranstaltet man nach dem eigenen Versagen zur Beschäftigung des Publikums nationale Jammer- und Flennfestspiele, und jeder, der dabei nicht mitmacht, ist ein böser und unverantwortlicher Mensch.

    Dieses Handlungsschema kenne ich aus der Reaktion der französischen Politik und Medien auf die wiederkehrenden Terroranschläge, die zu verhindern man eben auch nicht die nötigen Maßregeln treffen odder anempfehlen will, denn man könnte ja dieserhalb als islamophob denunziert werden. Stattdessen sollen alle „Je suis Charlie“ rufen und wer dabei nicht mittut, ist ein Schwein. Dabei ist das ein bemerkenswert nichtssagender und, wenn wörtlich genommen, sogar noch falscher Satz. Wäre man Charlie, wäre man ja zu etwa 50 % tot. Na ja, irgendwie sind die so reden es schon, aber eben nur in intellektueller Hinsicht. Was sie aber nicht vom Schwätzen abhält, denn eben wo Begriffe fehlen, …

    Mein werter verstorbener Großvater hätte hier jetzt wohl noch einen Satz mit Sack, jungen Katzen und einem Bach hinzugefügt. Er war eben alt, erfahrungs- und lebenssatt.

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  3. Michael B. schreibt:

    Ich denke, Sie uebersehen die Moeglichkeit, dass die Leute ihre AfD-Abneigung genauso meinen koennen. Lesen Sie einmal das Interview mit Brueggemann, in dem das deutlicher wird:

    https://www.n-tv.de/leute/Regisseur-von-allesdichtmachen-Dietrich-Brueggemann-Wir-unterwerfen-uns-absurden-Regeln-article22512402.html

    Und wissen Sie was – ich habe gar kein Problem damit. Auch aus einer solchen als originaer betrachteten Meinung heraus ist seine Handlungsweise stringent und akzeptabel. Das ist nicht zwingend zuallererst Kotau, auch wenn das fuer die Rueckzieher so gelten sollte und das wahrscheinlich meist tut (einer ist uebrigens interessanterweise mit seinem Video zurueckgekommen).

    Damit zum Menschen als unvollkommenes Wesen. Mal die Zeitgeistfront komplett weggelassen, kann ich die holzschnittartige Kritik und Maximalforderungen durch Teile des Rests an ein paar Schauspielern ueberhaupt nicht nachvollziehen. Die sollen bitteschoen komplett „mutig“ sein, die sollen klug sein und die Reaktionen vorhersehen (ihre Stichelei vom ‚Spaetmutigen‘ schlaegt da auch hinein). Die sollen X und sollen Y, bevor sie als qualifiziert gelten. Von der diesbezueglichen eigenen Qualifikation der Forderer mal ganz abgesehen (erstmal vormachen) ist das ziemlich viel verlangt.
    Mir genuegt voellig, was sie real getan haben, naemlich diese Videos. Schon weil die eine Bruecke schlagen zwischen den beiden streng getrennten Bevoelkerungsteilen wie die meinen Schlags (der ich kein Fernsehen habe und nur ca. drei der Leute von Gesicht oder Namen her kannte) in meiner Alternativwelt – und „der Masse“. Die Energie beruecksichtigend, die gerade in diesen Aspekt der Trennung der Bevoelkerung gesteckt wird, ist das gar nicht ueberzubewerten, so dass ich dahingehend gern jegliche Forderung an den Helden des Tages zurueckstelle. Zumal die Rueckzieherei fuer sich selbst instruktiv und augenoeffned genug fuer auch die ist, die das nicht sehen, verdraengen, was auch immer. Ich hatte dahingehend nichts anderes erwartet und die i.M. 33 Uebriggebliebenen sind als Zahl sehr passabel.

    Nochmal zu Rechts. Mein heutiger Standpunkt ist der, dass das eine in der Menge voellig zahnlose Bewegung ist. Und ich beurteile das nicht nur aus den verkopften Diskussionen auf sezession.de heraus so, natuerlich passiert da auch anderes. Ich selbst waehle trotzdem – seit sie existiert – AfD, aber das ist fuer mich eher begleitendes Ritual. Kostet mich nicht viel, die Erwartungen sind aber nicht hoch.
    Es geht eher darum, dass ich immer weniger sehe, dass diese Leute – die Rechten – auf der Hoehe der Zeit sind. Sie haben keine Sprache und schon gar keinen ideellen Zugang zu den aktuellen Entwicklungen der Welt. Jetzt nicht gleich innerlich hochkochen – denn die erste Feststellung ist die, dass das noch kaum jemand hat. Die Transformationen haben eine Qualitaet (globale Wirkweise, Tiefe der Zersetzung der Gesellschaftsstruktur) und Quantitaet (selbe Beispiele wie fuer die Qualitaet, nur in anderer Lesart), die andere Zugaenge verlangt. Durch den extrem rueckbezogenen Charakter konservativen und auch rechten Denkens haben es die genannten ideologischen Formen besonders schwer. Durch die Steine, die ihnen ihre eigenen Grundauffassungen in den Weg legen.

    Ich denke, viele Leute spueren, dass das ein totes Ende ist. Sie sehen – ich auch – im Kopf noch nicht den genauen Weg und damit bleibt nur das Hangeln an unvollkommenen Begrifflichkeiten und ganz grundlegenden eher gefuhlsmaessig bestimmten Werten wie Recht und Unrecht, Wahrheit und Luege, auch an Mut und Feigheit aber da schon vorsichtiger. Das gilt auch fuer diese Schauspieler in ihrer Art und das ist OK. Wer bin ich, dass ich den Stab darueber zu brechen habe.

    @ Seidwalk: Das ist nicht das Thema meines Beitrages. Es geht darum, daß die handelnden Protagonisten sich der Metaebene der Debatte nicht bewußt sind und daß auf dieser Ebene die eigentliche Botschaft subkutan zu suchen ist.

    @ Michael B.: Was ist „Das“? Ich denke meine Lesekompetenz ist ausreichend und in meiner Antwort finden sich ausreichend Anknuepfungspunkte an Ihren Text. Was Ihre Lesekompetenz eigentlich auch registrieren sollte.

    @ Zweifler: Michael B: Der Autor thematisiert nicht das vermeintliche oder tatsächliche Verhältnis der Schauspieler zur AfD. Sie dagegen schon. Der Autor beschreibt die Geschehnisse, die sich abgespielt haben, ordnet sie ein und beschreibt so die Gesellschaft wie sie ist. Sie dagegen beschreiben nicht die Geschehnisse, sondern Ihre eigenen Empfindungen. Sie ordnen nicht ein, sondern bewegen sich im ungefähren, wissen nach eigenem Bekunden nicht, was los ist, hangeln sich irgendwo lang. Sie beschreiben also nicht die Gesellschaft, meinen, es auch nicht zu können. Ich kann also auch keine Anknüpfungspunkte entdecken. Sie reden auf einer vollkommen anderen Ebene. Vielleicht lassen Sie sich einfach mal auf die Herleitungen des Autors ein und geben Ihrem wohl vorhandenen Unwohlsein eine faßbare Grundlage. Vielleicht hört dann die Hangelei auf und Klarheit tritt ein.

    @ Michael B:

    So undeutlich war ich doch eigentlich nicht. Also einmal langsam zum mitmeisseln:


    die beiden jedenfalls haben sich gerechtfertigt, kommen aber nicht umhin, sich mit dem „falsche-Seite-Argument“ herumzuschlagen: sie werden nämlich dazu konkret befragt.

    Wer sagt, dass sie sich ‚herumschlagen‘ damit. Ich wiederhole mich jetzt nicht, das war der Einstieg in mein posting, siehe da.

    Danach kommen einige Ausfuehrungen darueber „was waere wenn“ und „wirklich mutig gewesen wären, dann hätten sie“. Das gilt aber nur unter der Annahme, dass das fuer sie relevant ist. Dass das Rechte das ganz grosse Dunkle ist, der entscheidende Widerspruch zum ‚System‘ fuer den es Mut braucht und das dadurch auch irgendwie aufwertet und damit wohl auch ganz gewoehnliche Eitelkeiten befriedigt.

    MEIN Punkt DAZU (und nicht zu allem und jedem in diesem Blogeintrag) war anzumerken, dass dem nicht zwingend so ist. Und ich sage Ihnen genauso wie @seidwalk einmal auf den Kopf zu, dass es genau das ist was sie stoert. Dass diese ominoese Rechte nicht den gewaltigen Gegenentwurf darstellt, den Sie gern haetten. Sie ist in fundamentaler Weise limitiert und damit vordergruendig in der Form aber nicht im Inhalt eine brauchbare Grundlage an Gegenentwurf zu diesem System. Sie ist – wieder ausschliesslich meine Meinung – der Strohmann, an dem man durch Abarbeitung Kraefte bindet.
    Und wenn sie jetzt noch bereit sind eine solche Position jemand – mir – zuzugestehen, dann verstehen Sie vielleicht auch meine Zurueckhaltung an „fassbarer Grundlage“. Denn die genannte „Beschreibung der Gesellschaft“ durch @seidwalk schwebt ja nicht ueber den Dingen. Mindestens schon erkennbar am Rechts-Links-Schema als grundlegendem Prinzip vieler Ableitungen. Wenn man den wegnimmt, moechte ich den Rest dieser Beschreibung gern einmal dargelegt haben. Mal sehen wieviel Fassbarkeit dann noch vorhanden ist.

    Wir treten m.E. in eine neue Zeit ein, fuer mich ist das tatsaechlich in der Qualitaet wie der Uebergang von Antike zum Mittelalter, auch in Staerke und Breite der Regression von Erreichtem. Und Sie meinen mit uralten verstaubten Begrifflichkeiten eine solche Umwaelzung erfassen zu koennen und Leuten die sich dahingehend zurueckhalten, das mehr oder weniger zum Vorwurf zu machen? Das nenne ich mal Chuzpe. Stellen Sie sich einmal als irgendwo noch existierenden letzten West-Roemer im sechsten Jahrhundert vor. Wie haetten Sie die anbrechende Zeit ueber ein allgemeines unwohl gemurmeltes „Barbarei“ hinaus fassbar gemacht?

    @ Zweifler:
    Da ist Ihnen wohl Ihr Hämmerlein an der Algengrütze abgerutscht. Sie selbst nehmen das Wesentliche aus dem Text, beschäftigen sich mit dem verbleibenden Nichts und errichten Ihren eigenen Popanz, der gespickt ist mit Vermutungen und Unterstellungen. Da Sie es förmlich herausfordern: Ja, ich finde es jämmerlich, dieses Gewinde und Zurückgeziehe der dargestellten eigenen Meinung, dieses sich selbst besudeln. Daran ist nichts heldenhaftes oder überhaupt achtenswertes. Das zerstört die vertretene Meinung, verkehrt sie in ihr Gegenteil, schadet ihr, vernichtet sie, vernichtet im Ergebnis ihre Vertreter. Die geübte Abgrenzeritis ist vergleichbar mit dem Typus des Diederich Heßling oder plastisch dem Radfahrer-nach oben buckeln, nach unten treten. Das spaltet, zerstört-die Getretenen (mit der gleichen Meinung), die Gesellschaft, die Treter endlich selbst. Sie sollten also besser von Anfang an schweigen als sich wie getretene Hunde im Kreis zu drehen. Wenn Sie diesbezüglich meinen, die betreffenden Schauspieler meinen das so, wie sie es im Rahmen ihrer Erklärungen sagen, so macht dies das Ganze nicht besser, sondern noch schlechter. Dann wäre ja sogar Vorsatz bei der Herbeiführung der Selbstkasteiung und der sonstigen Wirkungen zu unterstellen. Die Verteidigung derartiger Handlungsweisen schadet den betreffenden Personen sogar selbst, da sie den aufrechten Gang so dauerhaft verlernen-sie werden fortan willfährig und gute Diener der sie Tretenden sein. Im Übrigen geht es dem Autor um das Verhalten an sich nicht. Das Verhalten dient als Oberfläche der Analyse. So jedenfalls habe ich das verstanden. Es wird herausgearbeitet, was warum und wie geschieht und damit erhellt, wo die eigentlichen Probleme liegen. Und wieder, wenn Sie meinen, die meinten das so, so fragt sich, wieso sie überhaupt etwas gesagt haben, da das, was sie als Erklärung liefern, eben genau dem Grund zuwiderläuft, wegen dem sie behaupten, angetreten zu sein. Sie machen sich den anderen gleich-versuchen es jedenfalls auf diese Art und Weise. Und bitte; hören Sie auf, dasjenige als Ihre Weisheit hinzustellen, was hier jeden umtreibt, nämlich die Erkenntnis einer massiven Veränderung der Gesellschaft. Hören Sie auf, es als Weisheit zu verkaufen, zu wissen, daß niemand weiß, wie damit umzugehen sei. Die Feststellung, daß man auf der Gegenseite-Sie meinen auf rechter Seite (manch Linker wäre mit dieser Schublade wohl eher nicht einverstanden), mangels entsprechender Verankerung der Gegenauffassungen in der Gesellschaft wenig bis keine greifbaren Mittel hat, stellt ebenso keine besondere Erkenntnis dar. Tatsächlich werden bei den jetzt schon halbwegs vorhersehbaren Ergebnissen die Worte und Begriffe auch dauerhaft fehlen-letztlich auf allen Seiten. Aber da die Hoffnung bekanntlich zuletzt stirbt, diskutiert man. Und das ist gut so.

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  4. Nordlicht schreibt:

    Mein Weg von links nach rechts.

    1969 wurde ich SPD-Mitglied, weil Brandts neue Ostpolitik Frieden mit Polen und eine Aussicht auf Annährung der SBZ versprach. In den 80ern wählte ich (dazu) die Grünen, weil die den Umweltschutz wichtiger nahmen; Erststimme SPD, Zweitstimme Grüne, das war mein Muster bis 2005.

    Und 2009 wählte ich das erste und einzige Mal CDU, weil mir Merkel damals gefiel. Sie sollte eine 2. Chance bekommen, mit der FDP, denn die SPD und die Grünen waren mit der Überregulierung der Energiepolitik und der absehbaren Strom-Kostenexpolosion zu bürokratisch und technokratisch geworden. CDU und FDP, so dachte ich, könnten das verschlanken, auch eine Steuerreform wurde versprochen.

    Daraus wurde bekanntlich nichts, und Merkel drehte massiv nach linksgrün. Aus Klimapolitik wurde Panik-Politik, jede Rationalität ging verloren. Dazu die Schuldenunion: Das führte mich 2013 zur Opposition, aber FDP flog raus. Dass 2017 AfD gewählt wurde, war zwangsläufig: Womit sonst hätte ich meinen Protest gegen die Zuwanderungspolitik und das Appeasement gegen radikale Islamisten zeigen können?

    Ich behaupte, nicht meinen politischen Standpunkt geändert zu haben. Wie Brandt 1969 bin ich für gute Nachbarschaft mit Polen und mit Russland. Wie in den 90en bin ich für kosteneffiziente Enegieeinsparung und CO2-Reduktion, das geht rational nur mit Zertifikatshandel. Ich bin gegen die Staatslenkungs-Phantasien der Linken und Grünen – die haben wohl die DDR-Katastrophe vergessen.

    Und wie Brandt 1989 bin ich immer noch glücklich über das wiedervereinigte Deutschland, unsere Nation, ich bin stolzer Deutscher. Es ist zusammengwachsen, was zusammen gehört, sagte Willy Brandt. Wer das immer noch denkt, wählt zwangsläufig AfD – oder???

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