Habeck und das Ende der Metapher

Hier stehe ich und kann nicht anders und muß es sagen: Da beißt die Maus keinen Faden ab, die Grünen werden wohl die Wahl gewinnen und dann ist Polen offen. Aber Wahltag ist auch Zahltag und noch sind die Würfel nicht gefallen, noch haben die Deutschen den Rubikon nicht überschritten. Denn fünf Minuten vor der Zeit ist des Deutschen Pünktlichkeit und hätte der Hund nicht geschissen, hätte er den Hasen gefangen.

Wer grün wählt, kauft die Katze im Sack. Viele lassen sich einen Bären aufbinden und glotzen, wenn sie sich das Wahlprogramm der Grünen anschauen, wie die Kuh ins Uhrwerk, sehen den Wald vor Bäumen nicht. Dabei könnte jeder wissen, wie der Hase läuft, würde man nur sehen wollen, was sie in den letzten Tagen so von sich geben.

Die Berliner Abgeordnete Bettina Jarasch gestand, in ihrer Kindheit gern Indianer gewesen zu sein. Aufschrei, Shitstorm, Hashtag! Indianer sagt man nicht – X sagt man nicht. Sie hat wohl nochmal Schwein gehabt, weil sie wie ein Pharisäer redete oder wie ein in Ungnade gefallener Gruppenratsvorsitzender und gestand, bereute und Besserung schwor.

Aber es ist wie Zigeuner waschen oder Mohren bleichen – die Farbe geht nicht ab. Grün ja grün ist alles, was ich habe, grün ja grün ist alles, was ich trag, darum lieb ich alles, was so grün ist, weil mein Schatz ein Roter ist. So kommt man auf keinen grünen Zweig – wäre die Welt nicht aus den Fugen. Das ist keinen roten Heller wert, dem müßte die rote Karte gezeigt werden, wir alle müßten rot sehen.

Denn was auf dem Spiel steht, das ist die Redefreiheit. Die Grünen werden das Wort beschneiden, sie tun es bereits, sie haben Angst vor sich selbst, oder wie der Österreicher sagt: „Der fürcht‘ sich wiera scheißiger Hund“. Die Angst macht recht beten (Luther), in der Angst frißt der Teufel Fliegen und verschluckt sogar seine eigenen Worte. Wie Robert Habeck, der Fischkopp, vor ein paar Stunden (ab 2:18 min).

Auf die Frage, welcher Ministerposten ihm am liebsten wäre, sollte er nicht Kanzler werden, sagt er: Erst der Bär, dann das Fell. So ist es, man sollte das Fell des Bären nicht verteilen, bevor er erlegt ist – ein altes deutsches Sprichwort, so deutsch wie der Bär und der Wolf im deutschen Wald oder im deutschen Märchen. Der dümmste Bauer hat bekanntlich die dicksten Kartoffeln und auch ein blindes Huhn findet mal ein Korn. Der Satz aus Habecks Mund war aber dumm wie ein Schaf, saudumm, denn er vergeht sich gegen die eigenen Rede- und Denkbefehle. Gleich rudert er zurück: ach, das darf man ja nicht mehr sagen? Die Gedanken sind frei, das war einmal. Wir sind ja jetzt alle Veganer, da kann man doch nicht mehr die Bär-und-Fell-Metapher benutzen.

Das sagt der Mann, der wenige Minuten zuvor als Schriftsteller vorgestellt wurde, dessen Brot und Wein, A und O, dessen Lebenselixier das Spiel mit Metaphern sein sollte. Aber die Gans geht ins Kraut, bis sie aus der Pfanne schaut und in der Politik erlangt die alte ungarische Weisheit neue Bedeutung: Den Zigeuner betrügt der Jude, den Juden der Grieche und den Griechen der Teufel. Man kennt die Geschichte von den zehn kleinen Negerlein – mehr muß man nicht wissen. Schnell hat der Mohr seine Schuldigkeit getan, wenn er auf dem falschen Fuß erwischt wird. Wasser predigen und Wein saufen. Wer so denkt und handelt, der frißt auch kleine Kinder. Dabei sitzt er da wie ein überlagerter Negerkuß – es ist der Geist, der sich den Körper baut. Freilich: aus einem verzagten Arsch kommt kein fröhlicher Furz.

Das ist auch der Mann, der das Vorwort zur Neuauflage just jenes Buches schrieb, das ihn und seinesgleichen thematisiert: 1984! Das nennt man den Bock zum Gärtner machen. Ob es überhaupt noch gilt, daß Lügen kurze Beine haben? Statt zu verstehen, sucht er einen Sündenbock – natürlich die Rechten; das Herz schlägt links, aber man hat es auf dem rechten Fleck –, und die AfD. Die wollen das Eigene bewahren, denn fremdes Feuer ist nie so hell als der Rauch daheim und die Kuh leckt kein fremdes Kalb, vor allem: Ein Fremder bringt sein Recht mit und Blut ist ein ganz besonderer Saft – alles alte Weisheiten aus Volk und Dichtung, aus dem Land der Dichter und Denker … nur leider war das mal.

Ich will keine Eulen nach Athen tragen, aber die meisten davon stünden bald auf dem Index, kämen die Grünen an die Macht. Der Fisch stinkt vom Kopf her. Laßt sie uns auf Herz und Nieren prüfen. Vielleicht – an alle Grünen-Wähler – ist es besser, den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach zu haben. Schlafende Hund soll man nicht wecken und die Schweine von heute sind die Schinken von morgen. Nichts ist ewig, Rauch ist alles ird‘sches Wesen. Eine Kuh macht muh, viele machen Mühe, man traue dem Muhen nicht, es könnte der Wolf im Schafspelz sein – die Angst vor seiner eigenen Rede deutet es an.

Daher – ganz gleich, was im Herbst geschieht: kämpfen wir für unsere Sprache, lassen wir uns nicht ein X für ein U vormachen. Was immer andere darin sehen wollen – Rassismus, Diskriminierung, Rechtes oder Linkes, Revanchistisches oder Politisch Inkorrektes –, es ist das Beste, was wir haben, es ist weise in seiner Gewordenheit. Ein bißchen gegen den Stachel löken, davon geht die Welt nicht unter, so schnell schießen die Preußen nicht. Lassen wir uns diesen Schatz nicht nehmen, nutzen wir ihn bewußt und selbstbewußt.  Seien wir Indianer, denn der Indianer kennt keinen Schmerz und auf einen groben Klotz gehört ein grober Keil.

Klappe zu, Affe tot!

Quellen: Bibel, Goethe, Luther, meine Mutter, Schiller, das Volk und das „Deutsche Sprichwörterlexikon in 5 Bänden“.

PS: Wie zu sehen, ist das Layout heute ein ganz anderes – das liegt an WordPress, die das Backend vollkommen umgeändert haben und zwar so genial, daß ich überhaupt nicht mehr zurecht komme. Sollte sich das nicht ändern, dann wird hier bald gänzlich Schluß sein. Vielleicht kann mir aber jemand erklären, wie man zum klassischen Editor zurückkommt?

3 Gedanken zu “Habeck und das Ende der Metapher

  1. Tommy schreibt:

    Ich fürchte Sie haben Recht, ein/e Kanzler/in Habeck oder Baerbock scheint tatsächlich möglich. Aber selbst wenn es doch noch für Laschet als Kanzler reichen sollte, auch in einer schwarz-grünen Koalition werden die Grünen den Ton angeben. Geht wirklich in Richtung finis Germaniae. Die Grünen werden weitere Millionen Einwanderer aus der islamischen Welt und Afrika nach Deutschland schleusen, Einbürgerungen massiv erleichtern und Quoten für Migranten im öffentlichen Dienst etablieren, also Fakten schaffen, die kaum mehr reversibel sind und Herkunftsdeutsche flächendeckend zur Minderheit machen. Ganz zu schweigen davon, dass ihre Politik Deutschland deindustrialisieren und europapolitisch weitere gewaltige Verpflichtungen aufbürden wird. Die Repression gegen jegliche Dissidenz wird weiter eskalieren.
    Ein interessanter Aspekt ist, dass eine grün dominierte Regierung, egal in welcher Zusammensetzung, in Ostdeutschland aufgrund der dort anderen Wahlergebnisse als fremdes Regime wahrgenommen werden könnte, auch wenn ich zweifle, dass dies echte Konsequenzen haben wird.
    Auf effektive Opposition darf man leider auch nicht hoffen. Neben der Repression (Instrumentalisierung des Verfassungsschutzes durch die Establishment-Parteien etc.) ist m.E. auch festzustellen, dass die AfD Fehler über Fehler gemacht hat und die deutsche Rechte sich insgesamt mit ihrer Reaktion auf die Pandemie massiv selbst ins Knie geschossen hat und nun weitgehend als eine Ansammlung von Spinnern und Querulanten wahrgenommen wird (was noch schlimmer ist als der althergebrachte Nazi-Verdacht). Das wäre mit etwas mehr Intelligenz zu vermeiden gewesen, die Merkel-Regierung mit ihrem grotesken Versagen hat schließlich Vorlage um Vorlage für fundierte Kritik geliefert. Ich werde wahrscheinlich im Herbst trotzdem wieder AfD wählen (habe dies auch kürzlich in Baden-Württemberg getan), aber insgesamt machen es die oppositionellen Kräfte den Grünen wirklich arg leicht, sich als Partei der Vernunft zu inszenieren, obwohl die Wahnsinnsprojekte der Grünen das Land voraussichtlich in den Abgrund führen werden.

    RMPetersen: Klasse Zusammenstellung.
    (Und, zum Habeck: Dass der sich nicht schämt …. aber heute schämt sich niemand mehr für eigenes Dummdaherreden.)

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  2. Werner Zachmann schreibt:

    Gut so, wir wissen ja wie die Grünen sind. Innen braune Sauce. Hoffentlich merken es die „Umweltwähler“ bald, dass die nicht schützen, sondern zerstören.

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  3. Leonhard Seebacher schreibt:

    Danke, sehr eloquent!

    Seidwalk: Naja, ehrlich gesagt, ist es eher nicht gut gelungen – aber viel Zeit wollte ich dafür nicht investieren.

    Zweifler: Widerspruch, saugut gelungen

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