Die Corona-Kränkung

Wie reagieren Menschen auf Kränkungen? Seltsam! Sie werden aggressiv oder mißtrauisch, fühlen sich verletzt oder beginnen sich zu immunisieren, ziehen sich zurück oder werden exzentrisch, oft reagieren sie angriffslustig in dieser oder jener Form. Sie werden jedenfalls eigen.

Kann es also sein, daß das durch Corona und seine Verarbeitung ausgelöste seltsame polarisierende Verhalten vieler Menschen auf Kränkungen zurückgeht? Ist es möglich, daß die zunehmende Spaltung der Gesellschaft durch kollektive Demütigungen – unterschiedlich erlebt – hervorgerufen wird?

Freud hatte in seinem berühmten Aufsatz „Eine Schwierigkeit der Psychoanalyse“ auf drei narzißtische, auf drei „schwere Kränkungen von seiten der wissenschaftlichen Forschung“ für die Menschheit hingewiesen: die kopernikanische, die darwinsche und die psychoanalytische. Demnach wäre die Verbannung der Erde aus dem Zentrum des Universums, der Verlust der Sonderstellung des Menschen und seine Wiedereingliederung in die Entwicklungskette der Natur menschheitliche Kränkungen gewesen, die freilich von der Einsicht in den Ich-Verlust – das nicht souverän agiert, nicht „Herr im eigenen Haus“ ist – übertroffen werden.

Sloterdijk, der im übrigen die Freudschen Kränkungen hinterfragt, führt eine weitere hinzu: die Kränkung durch Maschinen. Die Erfahrung, daß Maschinen und Geräte – neuerdings zählen dazu auch die Computer – uns in jeder Hinsicht übertrumpfen, ja uns zunehmend obsolet machen, wird ebenfalls als Kränkung empfunden.

Das Virus und sein Umgang mit ihm könnten uns nun in mehrfacher Hinsicht kränken und vielleicht hat es sogar das Zeug zur fünften großen Kränkung.

Es scheint in seinem Verhalten atypisch zu sein, agiert und reagiert nicht – zumindest in der öffentlichen Wahrnehmung – wie „normale“ Viren reagieren sollten. Die Öffentlichkeit kann das an den vollkommen kontroversen Meinungen und auch Fachmeinungen indirekt ablesen. Scheinbar weiß „die Wissenschaft“ – mit all ihren technischen und Wissen schaffenden Möglichkeiten – noch immer nicht, womit man es zu tun hat, wie man sich davor schützen könnte, wie ansteckend es ist, wie die Ansteckungswege vor sich gehen, wie bestimmte Nebenwirkungen zu erklären sind, was uns immunisieren könnte, welche Sekundärfolgen es haben kann, ob die Tests die Realität wiedergeben usw. Es wirft ununterbrochen Fragen auf und hat bisher noch jede Antwort oder Strategie in Frage gestellt. Wenn es jemals ein Muster des Experten-Dilemmas gab, dann ist es das. Es gibt niemanden, der sich in dieser Frage noch nicht geirrt hat – aber es gibt viele, die sich zu ihr so äußern, als wüßten sie bescheid.

Man sollte daher die Möglichkeit einer menschlichen oder labortechnischen Schöpfung nicht apriori ausschließen und im Auge behalten.

Wir sind noch nicht einmal in der Lage, über seine Gefährlichkeit einen Konsens zu erzielen: während die einen von einer weltweiten Pandemie mit akzelerierenden Schreckensszenarien sprechen, meinen andere zu wissen, daß es keinerlei Gefahr gebe und alles nur ein Hype sei, wenn sich nicht sogar ein sinistrer Plan geheimnisvoller Kräfte dahinter verbirgt.

Daraus ergibt sich bereits die nächste Kränkung, denn alle, die eine feste Meinung zum Thema haben, oder glauben, eine vertreten zu müssen – weil man sich ins politisch-polemische Spiel begeben hat – wissen tief innerlich – zumindest sofern sie rational noch dabei sind –, daß sie keinen guten Grund haben, diese Meinung mit Festigkeit zu vertreten. Es ist typisch für gekränkte Menschen, sich gerade dann in eine Orthodoxie zu verschanzen, unpassende Fakten auszublenden, die eigene Überzeugung zu kanonisieren und Abweichler erbarmungslos zu bekämpfen.

Für die Wissenschaft ist die Kränkung enorm. Auf der ganzen Welt arbeiten tausende Forscher fieberhaft an Erklärungen oder Impfstoffen. Bei diesem geballten Aufwand sollte man schnelle Ergebnisse erwarten können, aber die Lage ist offenbar vollkommen konfus. Statt Erklärungen zu liefern, beschenkt uns die Wissenschaft mit einem Wust an sich komplett widersprechenden Studien und Ergebnissen. Selbst einfachste Sachverhalte – etwa der Nutzen des „Mund-Nasen-Schutzes“ – sind schwer umstritten und reichen von „fast tödlich“ bis „absolut lebensrettend“. Und so in vielen Bereichen.

Kränken muß uns auch die Einsicht, daß wir selbst an der Wurzel des Problems stehen – sie nennt sich „Globalisierung“. Daß sich das Virus – im Gegenteil zu vorherigen potentiellen Gefahren wie Ebola, SARS, Schweinegrippe – nicht eindämmen ließ und nun in rasantem Tempo zum globalen Phänomen wurde, ist weniger dem Virus selbst, sondern dem freien Personen- und Warenverkehr, der Grenzenlosigkeit des modernen Lebens zuzuschreiben. Im Grunde genommen macht uns die gespenstische Mobilität des Virus bewußt, daß der Prozeß der Globalisierung nun abgeschlossen ist, kaum noch erweitert oder beschleunigt werden kann, daß er an das Ende seiner Geschichte gekommen ist – es hat Fukuyama auf anderer Ebene bestätigt.

Noch nie wurde uns so eindrücklich bewußt gemacht, daß unsere Mobilität auf einem hoffnungslos übervölkerten Planeten, daß unsere vernutzende und verbrauchende Lebensweise den Untergang der Spezies zur Folge haben kann oder sogar haben muß. Für fortschrittsgläubige Generationen, die es gewohnt waren, auf einem börsenkursähnlichen, nach hinten und oben offenen Zeitstrahl zu leben, eine ernüchternde Einsicht. Selbige Botschaft versteckt sich zwar auch in anderen katastrophischen Entwicklungen, zuallererst den ökologischen, aber diese Entwicklungen verlaufen zu langsam, zu träge und zu stetig, um uns Menschen, die biologisch mit einem ganz bestimmten, eng definierten Zeitgefühl ausgestattet sind, unmittelbar in akute Panik zu versetzen. Die Kränkung liegt in der mehr oder weniger eingestandenen Schuld.

Wenn dem so wäre, dann müßte die Konsequenz aus der Misere mit einem Wort gezogen, dann sollte die Spaltung mit einem Konzept bewältigt werden können: Demut.

13 Gedanken zu “Die Corona-Kränkung

  1. Steffen Knöfler schreibt:

    „Corona“ stellt für mich tatsächlich eine umwerfende Kränkung dar, ganz persönlich. Wenn das was nun obenauf ist, obenauf bleibt, dann habe ich jeden, den ich mal in Diagnostik, Testtheorie, Statistik, ja allgemein Mathematik oder Physik unterrichtet habe – betrogen; ihm zumindest seine Karriere erschwert. Das ist schon hart: Alles umsonst….Was liegt an mir, aber meine Sache ..Futsch !!!

    Ich sehe in dieser weltweiten Hysterie den Ausdruck einer sich schon lange anbahnenden naturwissenschaftlichen Krise. Nicht dass die Wissenschaft hier an ihre Grenzen käme oder keine schlüssigen Antworten fände – sondern dass die (skeptische, vorsichtige, falsifizierende Grundlagen-) Forschung schon lange keine Praxis und auch kein Ideal mehr darstellt. In den Akademien herrscht schon lange nur noch Auftragsforschung vor; Datensätze werden beliebig bearbeitet; Mainstream und Uniformität allerorten. In den Medien passen die Kommentare nicht mehr zu den Zahlen, die Überschriften nicht mehr zu den Inhalten; Clickbaiting; Shitstormin; Kein Begriff mehr von „Argument“ oder „Beweisführung“. Auch nicht für die eigenen Sache.

    Die Menschen von heute haben nicht nur keine Ahnung mehr von Physik und Statistik, sie sind auch noch stolz darauf. Sie lesen Pop-Literatur über Quantenmechanik und haben keine Ahnung mehr von Newtonscher Physik oder Energieerhaltung. Erkenntnistheoretisch geht´s Richtung Mittelalter. Pittoresk und Unbescheiden muss alles Geglaubte heute sein. Nicht mein Geschmack…..Meine Kränkung von Seiten der Menschheit; nicht nur durch Regierungen oder Akademien. Die mit „denen ich verhängnisvoll gleichzeitig bin.“

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  2. Otto schreibt:

    @Pérégrinateur

    Wir wollen nicht OT werden, das Thema war Corona.

    „Manche Ressourcen haben haben harte Grenzen, werden sie knapp ….“ … werden sie ersetzt!

    „Der von Malthus zu seiner Zeit nicht vorhergesehene, ungeheure Produktivitätsaufschwung in der Landwirtschaft ist nämlich irgendwann auch ausgereizt, schon weil er seinerseits an natürliche Grenzen stößt.“
    Die zu Allem entscheidende Ressource, der menschliche Geist, hat kein Grenze! Und auch die Liebe ist grenzenlos!

    Eine materielle Egoistenfestung ist zum Untergang verurteilt. Sieh Europa in seinem jetzigen Zustand. Wenn es selber nicht genug Nachwuchs produziert, um Rente und Kultur zu garantieren, ist Einwanderung der einzige Ausweg, denn ohne Menschen geht es nicht. Wie die allerdings gemanagt wird, und wie man das zum Wohle der Gesellschaft macht, weiss im Grunde jeder, nur unsere Regierenden wollen davon nichts wissen. Die arbeiten mal wieder, wie der wahrhaftige Selbst vor 70 Jahren, an der Zerstörung des Gemeinwesens.

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    • Pérégrinateur schreibt:

      Sie setzen wohl auf Glaube, Liebe, Hoffnung, alle vorgeblich unendlich. Ich halte das für Verblendung, oft motiviert durch den Unwillen, sich mit wirklichen Zielkonlikten auseinanderzusetzen. Die Hoffnung, das gestehe ich Ihnen zu, ist bei vielen unendlich, bei anderen, die das bemerken, aber gerade deshalb umso geringer.

      Haben sie einen historischen Vergleich angestellt, wieviele „materielle Egoistenfestung[en]“ untergegangen sind und wieviele nicht, wie deren Lebensdauern im Vergleich zu denen der immateriellen Altruistenfestungen sind usw,? Oder brauchen SIe nur im Kontext diesen argumentativen Joker? Die Aussage ist jedenfalls auffällig allgemein, wie das bei moralisch beschwingten Rundum-Gegenargumenten zu sein pflegt, indem man mit einer möglichst allgemeinen Behauptung besser zu beeindrucken vermeint (trifft leider zu), als mit einer enger gefassten (entgegen der Logik):
      • „Wir müssen unsere gesamte Lebensweise ändern.“
      • „Kein Mensch ist illegal.“
      • „Keine Frau hat sich je eine Abtreibung leicht gemacht.“
      • „Wir müssen allen Menschen mit Verständnis begegnen.“
      • „Jeder Mensch hat ein Anrecht auf ein leistungsloses Grundeinkommen..“
      etc. pp.

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    • Michael B. schreibt:

      Eine materielle Egoistenfestung ist zum Untergang verurteilt. Sieh Europa in seinem jetzigen Zustand.

      Und wer meinen Sie, kommt hierher – die afrikanischen Altruisten? Wenn deren Herkunftsgesellschaften ein Beispiel fuer die Ueberlegenheit dieses Zugangs sein sollen verstehe ich nicht, warum sie ueberhaupt weg wollen. Aber das sind diese Laender nicht, so wie diese Leute bestimmt auch keine verhinderten Altruisten sind. Was sie wirklich sind, zeigt sich u.a. in ihrem Anspruchsverhalten in diesem Land hier. Das haette kein Ostvertriebener auch nur gewagt, zu denken. Kein Rentner, kein arbeitender Mensch. Eine Saettigung im Sinn eines erreichten Ausgleichs deutscher Geburten werden die auch nicht ohne dafuer bezahlt zu werden akzeptieren.

      Und das wissen auch Sie, @otto. Ich bin nicht bereit, auf Glauben zurueckfallen zu sollen weil gegen meinen Willen durch andere Leute Probleme aufgerichtet werden, die ich ohne sie nicht haette und die keine rationale Loesung mehr zulassen.
      Allerdings gibt es Verantwortliche, die wohl ganz gut mit einem vorherrschenden Stock an Glaeubigen leben koennen. Letztere denken ungern und lassen sich, um einmal eine ihrer Formulierungen aufzugreifen, viel besser managen. Das aendert nichts an der Tatsache, dass erstere o.g. voellig glaubensfreie (ausser ihrer Hybris) Kaste ganz zielgerichtet diese Zustaende an den eigenen Voelkern vorbei hevorruft.

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  3. Michael B. schreibt:

    Resourcengejammer, ein schlecht verbrämter Egoismus.

    Jede Art auf dieser Erde muss sich mit checks & balances auseinandersetzen. Aus gutem Grund. Der Mensch meint das nicht tun zu muessen. Dann wird er dafuer zahlen. Freiheit wird ihm dabei nicht helfen. Welche denn – beliebige Mengen von Nachwuchs in die Welt zu setzen, ohne die Ressourcen zu ihrem Aufziehen und Erhalt zu besitzen?

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  4. Stefanie schreibt:

    Was mir besonders auffällt, ist wie schnell sich der „Coronaleugner“ in die Reihe der bekannten Bösewichte im öffentlichen Diskurs eingereiht hat: zu den Impfgegnern, Klimaleugnern, rechten Hetzern, Reichsbürgern und Verschwörungstheoretikern. Wenigstens sind sie nicht sexistisch und antsemitisch.
    Neben der administrativen Allmacht, die sich, wie auch schon in der Flüchtlingskrise über kodifiziertes Recht hinwegsetzt mit Gerichten, die sich schlicht weigern irgendetwas zu entscheiden, weil ja alles nur vorübergehend ist. Das Gefühl, der Ohnmacht, des nicht-durchdringen-könnens in die relevante Ebene, hat sich in mir schon in den letzten Jahren immer stärker breit gemacht, als auch Wahlerfolge der AfD nicht in Veränderung mündeten, sondern eher in die Selbstzerfleischung. Bei den „Querdenkern“ und nahestehenden Aktivisten lässt sich dieser Prozess nun noch schneller beobachten. Eine sich von unten formierende Protestbewegung wird vom politisch-medialen Komplex in rekordzeit zu irgendwelchen „rechten Spinnern“ geframt – wobei das bei den Äußerungen und der politischen Selbstverortung der Akteure ja schon geradezu krotesk ist.
    Als neuerliche Demutsübung taugt diese Krise also durchaus – wenn auch nicht in dem Sinne: „Der Virus als Geisel der Menschheit zur Sühne von Globalisierung und Überbevölkerung.“ ( Auch wenn Sie das vielleicht als allzu große Sicherheit interpretieren: an diesem Virus wird die Menschheit nicht aussterben. ) Sorgen machen mir eher diejenigen, die diese Krise, wie z.B. auch die Klimakrise dazu nutzen wollen, „die Menschheit“ zu überwinden – die Kontrollfreaks, mit ihren Tests und Tracing-Apps, den Immunitätsnachweisen und der Kontrolle des Debattenraums in den Internetforen, damit dort nur niemand gegen das falsche hetzt oder gar etwas verharmlost. Früher hat es ja noch genügt Fünf-Jahres-Pläne zu erstellen, um sich auf den rechten Weg zum diesseitigen Paradies zu wähnen, nun müssen alle Bewegungen, der CO2 -Fußabdruck und die Viruslast des Einzelnen digital nachvollziehbar sein, damit dem sorgenfreien Leben nichts im Wege steht. Es ist weniger die Kränkung durch die Maschinen, eher die durch die Zauberlehrlinge, die sich auf diese, wie jede, neue Technologie stürzen, ohne in Betracht zu ziehen, dass diese eben auch neue, nicht/kaum(?) Zu kontrollierende Nebeneffekte haben werden. Gerade daß die Akteure in diesem Spiel eben nicht sichtbar und benennbar sind, trotzdem aber eine Art gleichgerichtetes Handeln sich zu vollziehen scheint, läßt auf eine Art Prozess schließlen, der nicht durch Einzelne oder selbst organisierte Gruppen zu stoppen wäre. Das neue Utopia soll alle Ländergrenzen und Völkerschaften, am besten alle Eigenheiten schleifen, aber am Ende winkt ein mächtigerer, weil global uneingeschränkter Leviathan. (Ich teile hier Ottos Einwand: das Überbevölkerungsproblem fällt nur zu leicht auf einen selbst zurück – z.B. als Adressat der Maßnahmen im Rahmen des Antirassismus). Die Hybris dieser Bestrebungen ist aber gleichzeitig ein Trost: Es spricht vieles dazu daß ein solches Konrollregime früher oder später zerbröckelt und sich aus den Bruchstücken neue Ordnungen ergeben.

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  5. Michael B. schreibt:

    Ich denke, eine Verlaengerung der Reihe dieser Menschheitskraenkungen (*) ist hier nicht die richtige Einbettung. Schon mit denen haben eine Menge Leute gar nicht das Problem einer Kraenkung. Kopernikus setzt ganz spezielle Glaubensformen voraus. Darwin moeglicherweise auch, aber Zusaetzliche. Ich persoenlich habe mit beiden kein Problem, wie auch mit den Maschinen nicht.
    Den psychoanalytischen Punkt sehe ich nicht so absolut wie Freud als zuerst „nicht Herr im Haus“-Problem. Aber ich gebe dem Unbewussten und seinem Gegensatz zu Eigen- und Fremdbild durchaus eine Bedeutung. Aber da sind Dinge machbar, wenn man wirklich will. Schon persoenlich beginnend im Hochziehen ans Licht wie beispielsweise durch Meditation, aber meinetwegen auch durch harte Neurowissenschaft. Die Frage ist dann auch, was man aendert. Ich tendiere eher zum Anpassen des Selbstbildes statt dem versuchten Ausmerzen der „Suenden“ im Unterbewussten. Aber etwas Rueckkopplung in die andere Richtung geht natuerlich schon.

    Corona. Zu Corona selbst habe ich das uebliche Verhaeltnis wie zu einer Gefahr generell. Nicht so abrupt wie der erste groessere Hai, der sich irgendwann einmal fuer mich interessiert hat. Aber vergleichbar. Aber Kraenkung? Sicher nicht dem Virus gegenueber. Einigen menschengemachten Dingen dazu aber schon. Denn es ist ja keineswegs so unentschieden und voelliges Chaos, wie Sie es darstellen. Ein solches Herangehen fuehrt auch zu Einfrieren, zu voelliger Hilflosigkeit. Wir haben aber Mittel im Verstand. Und die werden durch Ignoranz und Schlimmeres gekraenkt.
    Das faengt ganz ohne Wertung des Virus schon in der Datenerhebung an, die unehrlich ist und bewusst Kritik daran in arrogantester Form komplett ignoriert. Das ist kraenkend, weil es ein grundlegendes Recht ist, welches ich einfordern darf. Das wird mir genommen. An dieser Stelle geht es noch lange nicht darum, wer nun recht hat sondern darum, dass darueber ueberhaupt diskutiert wird. Und zwar explizit einer Ebene, die Entscheidungen faellen darf(!). Demut wird dieses Problem nicht loesen.
    Zur Impfstoffentwicklung: Diese hat Aspekte die nicht beschleunigbar sind, speziell die Tests. Die sind prinzipiell nicht durch Parallelanstrengungen beschleunigbar. Wer das versucht, arbeitet wenigstens unsauber mit entsprechenden Risiken fuer die Anwendung. Wer wie jetzt entsprechende Anreize setzt – Geld, Haftungsausschluesse, Intransparenz – auch verbrecherisch.

    (*) Schon eher spezifisch westliche Kultur. Ein Buddhist z.B. duerfte dem kosmologischen Punkt gegenueber relativ indifferent sein.

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  6. Pérégrinateur schreibt:

    Kränkungen können vom Gekränkten unschwer harmlos gemacht werden, indem er sie sich verhehlt. Schwerer, aber auch nicht unmöglich, ist das bei Verletzungen. Was vielen das Corona-Virus und sein Wirken nimmt, ist die Hintergrunderwartung der eigenen Unverletzlichkeit. Das war übrigens schon bei der AIDS-Epidemie ganz ähnlich. Dabei wurde mir ein Auftritt einer Heranwachsenden in einer Fernsehsendung unvergesslich, die mit bebender Proteststimme in eine Diskussionsrunde warf: „Jeder Mensch hat ein Recht auf eine angstfreie Sexualität!“ (Nun, sei also gehorsam, Natur! Springt und seid erfolgreich, Wissenschaftler!) Auf die Äußerung reagierte das Publikum übrigens mit beifällig-anteilnehmenden Ahs und Ohs.

    Die derzeitige Spahnsche Grippe – Ehre, wem Ehre gebührt! – wäre übrigens, selbst wenn man sich maßnahmenlos von ihr überrollen ließe, sehr viel weniger fatal als die Spanische Grippe am Ende der Ersten Weltkrieges und wohl noch weitere massentötende Epidemien seitdem. Doch viele Menschen, und je jünger und je besser gestellt, desto mehr, sind durch die lange Gewohnheit des Wohlstandes und Wohllebens nicht mehr fähig, auch nur kleine Schläge des Schicksals wegzustecken, weil deren Möglichkeit aus ihrem Bewusstsein gefallen waren.

    Die politische Polarisierung zum Thema ergibt sich wohl vor allem anderen durch die polemischen Bedürfnisse der einmal im Hinblick auf dieses Thema konstituierten Parteien. Es gelten dann die Regeln des Gesinnungskampfes, und der hat noch nie viel Rücksicht auf Realität und Wahrheit genommen.

    Ich denke nicht, dass nun gerade die einschlägigen Wissenschaftler durch das Virus gekränkt sind. Denn die wissen ja am besten, dass sie zwar Vieles bewirken, aber nicht hexen können. Ihnen Gekränktheit zu unterstellen, ist wohl Ausdruck derselben Invulnerabilitätsanmutung, die ich oben beschrieben habe.

    Ich freue mich übrigens schon auf die anstehenden Kränkungen der Psychoanalyse und ähnlicher auf fleißigem Wortgebrauch beruhender, hm, Wissenschaften durch den Fortschritt der Biologie und der Kognitionswissenschaften. Aber keine Angst, sie werden das überleben, durch Ausblendung oder revierverteidigende Ausgrenzung. Die Theologie hat doch ebenfalls Galilei und Darwin ganz gut überlebt. Wo ein Bedürfnis ist, ist auch ein Wille, und wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.

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  7. Otto schreibt:

    „hoffnungslos übervölkerten“
    1. Wer übervölkert sagt, muß auch sagen, wer zuviel ist.
    2. Wer übervölkert sagt, ebnet den Kräften den Weg, die die freie Partnerwahl und die Kinderzahlwahl beschränken wollen.
    3. Wer übervölkert sagt, bereitet letztlich Lagern (Uiguren) und dem industriellen Tod den Weg.
    4. Wer übervölkert sagt, und zwar angesichts der enorm gestiegenen landwirtschaftlichen Produktivität, die letztlich, immer mehr Nahrung von immer weniger Fläche gewinnt, sollte sich fragen, ob der Malthusianismus aus dem 19. Jahrhundert wie der Marxismus, immer noch berufen sind, das Denken der Menschen im 21. Jahrhundert zu lenken? Beide Ideologien sind schlecht verbrämter Rassismus und haben in der Geschichte nur dem Kolonialismus gedient.
    5. Es gibt ein jüdisches Sprichwort, welches ungefähr so geht: „Wovor der Goi Angst hat, daß geschieht ihm.“ Der Malthusianismus ist letztlich nur die „wissenschaftliche“ Form des engl. Inselkollers, der Angst, keinen Platz zu haben. Hat jetzt derjenige, der Angst hat, deshalb das Recht, anderen das „Geborenwerden“- und Lebensrecht abzusprechen?
    6. Ich empfehle die Website: https://thetruesize.com, einen Besuch beim Psychiater und erteile den Rat, den Menschen zu lieben!

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    • Michael B. schreibt:

      @otto

      Das sehe ich komplett gegenteilig. Wer bei 8 Milliarden Menschen bei den allermeisten groesseren Problemen nicht an Ueberbevoelkerung denkt, muss eigentlich nicht weiterreden. Die meisten konkret genannten Punkte sind auch beantwortbar:

      1) Groessere teile von Afrika ganz hervorstechend. Siehe auch das Folgende.
      2) Partnerwahl – kaum. Kinderzahl, ja. Und als Massenerscheinung(!) auf weniger als sagen wir neun Kinder wie in manchen der Staaten unter 1. „eingeschraenkt“ zu werden ist schon eine Strapazierung ueber jede Gebuehr des Begriffs. Hier kommt auch eine Polemisierung in der Fragestellung zum Ausdruck, ein angedeuteter Euthanasiegedanke aus einer vermeintlichen Machtposition derer heraus, die das „wer“ bestimmen. Der Punkt ist allerdings gerade, dass bei Nichtloesen von 2. diese Euthanasie irgendwann nicht zu vermeiden ist. Wer ist fuer diese dann eigentlich verantwortlich? Die geistigen Wegbereiter ihrer Ursache – so ein ganz klein wenig moeglicherweise auch?
      Nebenbei lebt der Mensch nicht vom Brot allein und das wird er bei allen sinnvollen Diskussionen darueber was davon akzeptabel ist auch weiterhin tun.

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      • Otto schreibt:

        Als Antwort auf Michael B..

        „Der Punkt ist allerdings gerade, dass bei Nichtloesen von 2. diese Euthanasie irgendwann nicht zu vermeiden ist.“ Erinnern Sie sich an Violet Baudelaire? „Es gibt immer einen Ausweg!“ Die Zwänge beginnen mit dem Resourcengejammer, ein schlecht verbrämter Egoismus. Alle Täter dieser Erde berufen sich auf diesen Zwang, oft komprimiert im großen Muß. Dabei heißt es im Reich der Freiheit: Alles kann, nichts muß! Die Macht dagegen definiert immer vorher über die Sprache, was sie als Ausweg haben will. Das wird der Jugend eingeflößt und wenn sie groß ist, sind sie dann die „Täter“. „Es ging ja nicht anders.“ „Wie hätt man das Problem denn anders lösen sollen?“ Ich sage es hier: Rechtzeitig jäten und das Falsche Denken nicht wachsen lassen. Der schäle Blick (Was macht der andere?) und die Macht ist immer der falsche Weg – die Freiheit dagegen der richtige!

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        • Pérégrinateur schreibt:

          @Otto
          Immer fleißig gegen die Wand rennen – die wird dann schon nachgeben. Wenn nicht, so nur, weil man das falsche Denken bei sich nicht ausgejätet hat. Wir sollten auch mehr in die Forschung nach dem Perpetuum mobile investieren, dann wären die Probleme mit den energetischen Ressourcen schon mal bald gelöst. Danach erfinden wir einen Pflanzenstoffwechsel ohne Photosynthese. Schon allein die dann verfügbaren zusätzlichen Nachtstunden erlauben eine weitere Verdopplung der Menschheit.

          Otto: @Pérégrinateur

          Warum polemisierst Du? Hab ich Dir was getan? Oder sind die Argumente alle?

          Seidwalk: Bitte die Form wahren!

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          • Pérégrinateur schreibt:

            Manche Ressourcen haben harte Grenzen, werden sie knapp, setzen die Kämpfe um sie ein, man ist also in der Malthus-Situation, und es kommt dabei gar nicht primär auf die Einstellung der Beteiligten an, diese wird sich vielmehr kampffreundlich einstellen, entsprechend den eigenen Interessen. Der von Malthus zu seiner Zeit nicht vorhergesehene, ungeheure Produktivitätsaufschwung in der Landwirtschaft ist nämlich irgendwann auch ausgereizt, schon weil er seinerseits an natürliche Grenzen stößt. Dann bleibt Ihnen zur Erhaltung friedlicher Verhältnisse nur noch die Hoffnung auf die Predigt, und deren Wirksamkeit wird ungefähr derselben Zeitkonstante unterliegen wie die Parusieverzögerung. (In Zeichen: ∞)

            Es gibt keinen etwa vom Himmel. vorverfügten brauchbaren Begriff des Guten Vielmehr muss man sich dessen jeweilige Lizenzen erst einmal leisten können. Wenn man, wie unsere derzeitigen Weltverbesserungsgören aus gutem Hause, ein Lebtag nicht gedarbt hat, mag man (im Sinne Marxens „Das Sein bestimmt das Bewusstsein“) meinen, es müsse dank moralischer Erziehung des Menschengeschlechts (natürlich durch sie selbst) gar keine solche Konflikte geben. Dieses Vorbringen ist dann entweder deren Heuchelei geschuildet oder deren intellektueller Unbedarftheit. (Fragen SIe einmal eine Energiewenderin, was sie selbst zum Zweiten Hauptsatz der Thermodynamik zu sagen weiß.)

            Schauen Sie sich doch nur diese Carola Racketes an, die alle Mühseligen und Beladenen der Welt nach Europa schaffen wollen und zugleich (man ist schließlich auch in Sachen Energiewende bei den „Guten“) hierzulande die Wirtschaft dekarbonisieren und so kräftig näher an Null bringen. Selbst machen sie dann Urlaub auf Feuerland und meinen, später einmal würden sie ohnehin lieber in eine Gegend umziehen, wo der Nachbar viel weiter weg ist als hierzulande.

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