Das stille Verschwinden

In einer Bibliothek fallen dauernd ein paar Überschüsse an: Doppelkäufe, Ausrangiertes, ungewollte Geschenke und dergleichen – manchmal habe ich auch kleinere Sammlungen übernommen oder geerbt, von denen nicht jedes Buch nützlich war. Was davon noch zu Gelde gemacht werden kann, biete ich auf zwei Plattformen an, eine davon ist Amazon.

Die haben mir nun zum zweiten Mal eine Mail geschickt über die Sperrung eines von mir angebotenen Buches.

Man schreibt:

„Wir haben diese Maßnahme ergriffen, da dieses Produkt über Amazon.de nicht verkauft werden darf. Sie müssen sicherstellen, dass die von Ihnen angebotenen Produkte sämtlichen geltenden Gesetzen und den Amazon-Richtlinien entsprechen.“

Ich werde aufgefordert, das indizierte Buch innerhalb von 48 Stunden aus dem Bestand zu nehmen, und es droht:

„Eine nicht korrekt durchgeführte Schließung oder Löschung all ihrer (sic!) auf Amazon.de nicht zugelassenen Angebote, kann eine Sperrung oder Schliessung (sic!) Ihres Verkäuferkontos nach sich ziehen.“

Es ist nun interessant zu sehen, um welche Bücher es sich handelt. Im ersten Falle ging es um Hans F. K. Günthers „Kleine Rassenkunde Europas“ von 1925. Das Kuriose an dem Fall: Ich hatte das Buch bereits drei Jahre zuvor verkauft und gar nicht mehr gelistet, man konnte es also nur noch unter der Rubrik „Verkäufe“ finden. Nach intensiver Suche kann man es hier allerdings in einem Einzelexemplar noch immer auf Amazon bei einem Zweitanbieter bestellen, andere Plattformen – wie etwa Booklooker – sind wesentlich freier, dort kann man zwischen verschiedenen Exemplaren wählen.

Der Autor der „Rassenkunde“, der „Rasse-Günther“ – so belehrt uns Wikipedia – war nun ein „bedeutender“ Rassentheoretiker in Zeiten des Nationalsozialismus. Mir war er unbekannt, da mich diese Materie wenig tangiert – hätte ich seinen Namen damals recherchiert, vermutlich hätte ich das Buch als wichtiges historisches Dokument betrachtet und nicht veräußert.

Das genau ist der Punkt: Bücher sind Zeitzeugen, sind historische Belege, die wir zur Kenntnis nehmen können müssen, wenn wir die Vergangenheit verstehen wollen oder gar aus ihr lernen wollen. Das berühmte „Nie wieder!“ ist nur vor diesem Hintergrund sinnvoll. Ob sie einer „gefährlichen Ideologie“ entstammen, kann dabei keine Rolle spielen. Wenn wir nicht mehr in der Lage sind, Urteile aus erster Hand zu fällen, dann sind Lüge und Manipulation folgerichtige Konsequenzen. Aus diesem Grund plädierte ich auch für die Lektüre – wen es denn interessiert – von „Mein Kampf“ und anderen zentralen Arbeiten, während die Aufpassergeneration, die linke Psyche, oftmals schon Probleme hat, wenn ausgiebig kommentierte oder gekürzte Ausgaben erscheinen und nach Cancel Culture rufen.

„Rasse-Günther“ gehört zu unserer Vergangenheit – wir müssen uns ihr/ihm stellen, die Liquidierung aus den Listen der Versandhändler gefährdet diese Auseinandersetzung.

Auch der zweite Fall ist bedenklich – der Text, inklusive Drohung, ist identisch. Diesmal werde ich darüber informiert, das Buch „L’Homme-Tronc” aus dem Bestand zu nehmen. Ich wußte gar nicht, daß ich es besitze, und habe keine Ahnung, wie ich in dessen Besitz kam – kein Wunder, es dümpelt schon seit zehn Jahren in meinem Bestand herum.

Das Pikante daran: Bei dem Buch handelt es sich um eine französische Übersetzung von Akif Pirinçcis „Der Rumpf“, eines frühen (1992) wohl sehr morbiden Krimis. Weshalb Amazon dieses Buch gern gelöscht sehen möchte, läßt sich nur mit dem Autor erklären. Pirinçci hatte sich weltweit einen Namen als Bestsellerautor von Katzenromanen gemacht, die von der Kritik freilich übergangen wurden – vermutlich zu recht. Liest man seine Akte auf Wikipedia, so fällt das chronologische Ungleichgewicht auf. Sein 60-jähriges Leben, sein 40-jähriges Schaffen wird auf die letzten fünf oder zehn Jahre reduziert.

Mit dem Eindringen der Migrationsproblematik ins öffentliche Bewußtsein, begann sich Pirinçci – der sich als „100% Deutsch“ versteht – immer exponierter zu äußern. Seine Sprache war dabei direkt, brutal und nicht selten vulgär. Ich selbst habe noch nichts von ihm gelesen und werde das auch nur dann tun, wenn es einen begründeten Verdacht auf inhaltliche Originalität gibt.

Zum Skandalon wurde Pirinçci spätestens mit seiner Rede bei Pegida im Oktober 2015, die von großen Teilen der Presse sinnentstellt skandalisiert wurde. Danach strich sein Verlag „Random House“ alle Bücher aus dem Programm und kündigte die Zusammenarbeit – der Mann sollte sozial zerstört und ausgetilgt werden. Wohl aus Solidarität übernahm der „Antaios“-Verlag nun ein paar seiner hochpolemischen Bücher, was zu erregten Diskussionen auf dem Blog des Verlages führte.

Nun, es dürfte deutlich geworden sein, daß ich kein Pirinçci-Fan bin. Dennoch gehört auch er zum Bestand dieses Landes, auch seine Bücher sind Geschichte und müssen als solche erreichbar bleiben. Vollkommen unverständlich ist nun der Versuch, auch jene Arbeiten zum Verschwinden zu bringen, die offenbar komplett unpolitisch sind und in Zeiten entstanden, in denen der Autor offenbar von ganz anderen „Problemen“ umgetrieben war.

Nun werde ich also das indizierte Buch aus meinem Angebot herausnehmen – auf der Webseite ist es ohnehin nicht mehr zu haben, der Faden wurde bereits gekappt. Auch ein französisches Félidés habe ich noch im Angebot und warte nur darauf, bis die Schnüffler es ausfindig machen.

9 Gedanken zu “Das stille Verschwinden

  1. SiN-Leserin schreibt:

    Ab und zu lese ich gerne Ihren Blog und bin regelmäßig überrascht von Ihrer Sichtweise.

    Ob man über das Bücherrauswerfverhalten von Amazon so viele Worte verlieren muss, weiß ich nicht. Die sind ein profitorientiertes Unternehmen (während der Hamsterkäufe und des Lockdowns haben sie es hervorragend geschafft, auf dieser Welle zu reiten und das alles mit „wir liefern das, was unsere Kunden am dringendsten benötigen“ oder so ähnlich auch noch „menschenfreundlich“ zu verbrämen), das, wie bei großen Unternehmen heute usus, natürlich „gegen rechts“ sein muss. Die Vorstellung, dass intellektuelle Fragen, historisches Bewusstsein o.ä. irgendeine Relevanz aufweisen, dürfte man dort vergeblich suchen.

    Interessant finde ich aber, dass Sie solche Rassekunde-Werke – wobei ich den Namen des Autors zum ersten Mal höre, kann also überhaupt nicht beurteilen, wie bedeutend das Buch ist – als wichtig ansehen, um die Vergangenheit zu verstehen, aber kein einziges Buch von Pirincci gelesen haben. Er bzw. seine Politisierung während der letzten Jahre und die Art, wie er stilistisch regelmäßig weit übers Ziel hinausschießt, dabei aber stärker unter dem deutschen Niedergang leidet als (leider) die allermeisten Geburtsdeutschen, ist für mich ein, hmja, Symptom wäre falsch, dann müsste gerade seine Befindlichkeit ja verbreiteter sein, aber ich meine, seine Texte zu kennen, ist unerlässlich, um diese Phase der Bundesrepublik zu verstehen. Auch weil er in seiner Denkweise, wenn man sich die Mühe macht, bei ihm etwas in die Tiefe zu gehen, sehr in der alten Bundesrepublik verwurzelt ist. Nur hat er es im Gegensatz zu vielen anderen Angehörigen seiner Generation – tatsächlich ist er noch nicht 70, sondern Jahrgang 59, ein klassischer „Boomer“ also – nicht geschafft, die Veränderung zum Schlechteren einfach zu ignorieren. Nach meinem Eindruck befindet er sich seit Jahren in einem permanenten „Das kann doch nicht wahr sein, hier geht alles vor die Hunde und ihr, die ihr dieses wunderbare Land ererbt habt, macht nichts dagegen“-Modus, der ihn zum Verzweifeln bringt. Das dürfte seine ständigen Ausfälle, auf die ich ebenfalls verzichten könnte, erklären. Schafft man es, diese zu ignorieren, bekommt man von ihm durchaus nicht anspruchslose Texte geboten.

    Sie sagen, das noch zum Abschluss dieses jetzt doch viel zu lang geratenen Kommentars (war so nicht geplant), Antaios habe seine Bücher aus Solidarität übernommen. Die Motivation des Verlags kenne ich natürlich nicht, aber haben diese Bücher sich nicht auch recht gut verkauft?

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    • @ SiN-Leserin

      Vielen Dank für die Alterskorrektur – habe ich im Text verändert.

      Wir sprechen hier von der Gebrauchtbuchsparte bei Amazon – man ist dort nur Plattform, nicht Anbieter. Das „Bücherrauswerfverhalten“ scheint dort tatsächlich signifikant, weil mir in den vielen Jahren noch nie ein Buch gestrichen wurde, nun aber – in Cancel-Zeiten – gleich zwei in relativ kurzer Zeit, kann man eine Verbindung zwischen beidem vermuten.

      Amazon schreibt unter „Richtlinien zur Produktbeschränkung“:
      „Verbotene Produkte: EU Export über Versand durch Amazon
      Zusätzlich zu dem Vorstehenden sind die folgenden Produkte vom Export über Versand durch Amazon in die EU ausgeschlossen:
      Produkte, die Rassismus, Hass, Diskriminierung fördern
      NS-Memorabilien (oder ähnliche Produkte) …“

      Ob man darüber viel Worte machen muß, darüber kann man streiten. Beide Bücher sind an sich irrelevant – aber gerade deswegen fand ich das wieder spannend: die Entwicklung im Kleinen, im Alltäglichen, nahezu Unsichtbaren nachzuvollziehen. Da habe ich persönlich ein besseres Gefühl als bei den großen Erklärungen – die aber auch sein müssen.

      Ich halte jedes Buch für wichtig und jede Indizierung für gefährlich. Das Kriterium wäre allerdings eher Qualität statt Ideologie. Es wird unendlich viel Trash produziert, auf den man verzichten könnte, der vielleicht sogar wirklich gefährlich ist, weil er die Hirne der „einfachen“ und jungen Menschen vergiftet. Das zu indizieren hätte ich weniger Probleme als einen genuinen X-isten, sofern dieser – gemessen am Vermögen seiner Epoche und seines Faches – ernsthaft oder nieveuvoll gearbeitet hat. Ausgenommen von aller Säuberung sind natürlich historisch relevante Werke – hier ist nicht die Qualität das Kriterium, sondern die Wirkung. Günther zählt mindestens zur zweiten Kategorie.

      Was Pirincci betrifft, da halte ich es mit Nietzsche: „Diesem selben Willen dient ein scheinbar entgegengesetzter Trieb des Geistes, ein plötzlich herausbrechender Entschluß zur Unwissenheit, zur willkürlichen Abschließung, ein Zumachen seiner Fenster, ein inneres Neinsagen zu diesem oder jenem Dinge, ein Nicht-herankommen-lassen, eine Art Verteidigungs-Zustand gegen vieles Wißbare …“ (Jenseits von Gut und Böse).

      Sollte sich in seinem – Pirinccis – Fäkalium tatsächlich ein bislang unausgesprochener Gedanke verstecken, dann würde ich mir das tatsächlich antun. Obwohl: das Derbe ist gar nicht das Problem, das könnte man unter Grobianismus künstlerisch verbuchen, aber daß er ununterbrochen ad hominem und beleidigend ist, das tut der Sache, die er vertritt, nicht gut. Ich kenne ja seine Art durchaus aus anderen Quellen, Artikel hier und da.

      Das Motiv der Sezessionisten kann ich auch nur erahnen. Solidarität paßt m.E. am besten ins Bild, aber ganz selbstlos war es vermutlich auch nicht. Fakt ist, daß diese zwei oder drei Bücher seltsam aus dem Gesamtkanon herausragen – am falschen Ende.

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      • Michael B. schreibt:

        das Derbe ist gar nicht das Problem

        Dann sollten Sie eigentlich nicht viel Probleme mit ihm haben (m.E. ist das auch zu nicht unbetraechtlichen Teilen bewusst gewaehltes Stilmittel).

        Denn sonst kann ich der SiN-Leserin nur beipflichten. Erstens hat Pirincci schon sehr zeitig durchaus in einer inhaltlichen Klarheit kritisiert, wie es viele Schoengeister heute noch lange nicht schaffen. Zweitens geht es mir – wie wohl auch der Kommentatorin – aehnlich mit dem Milieu aus dem Pirincci sich definiert. Diese auch oertlich spezifische proletariernahe Herkunft westlicher Auspraegung kannte ich so nicht, hat sich mir aber aus hier zu weitgehenden Gruenden schnell gut erschlossen.
        Mittlerweile verfuege ich dahingehend ueber eigene weitergehende Kontakte. Interessanterweise sind das ebenfalls oft hier geborene Auslaender. Zu nennen waeren z.B. Italiener die jugendliche Freundschaften mit GI-s pflegten, die z.B. auch Kampfsporttraining in massiv deutsch-tuerkischem Umfeld betrieben. Generell eine tiefe Einbettung in diese Art multinationales Umfeld von Kindheit an. Diese Leute haben Schmerzen die spezifisch gespeist sind, aber viele Aehnlichkeiten mit ganz anderen Biographien besitzen.

        Seidwalk: I’ll give it a try – wenn ich mal preisgünstig was erwische.

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    • Nur zur Ergänzung in der Sache – das kam gerade als Rundbrief:

      Antaios-Rundbrief 46/2020
      Mittwoch, 16. IX.

      Werte Leser,

      schon wieder greift Amazon durch, wieder ohne Begründung: Diesmal trifft es alle Titel Akif Pirinçcis. Und jetzt kommt, was Sie erwarteten: Wir liefern sie natürlich weiterhin alle aus. Und etwas unerwartetes: Pirinçcis 4. Buch für Antaios ist fast fertiggeschrieben!

      Gruß aus Schnellroda,
      Götz Kubitschek

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      • SiN-Leserin schreibt:

        Vielen Dank für den Hinweis, habe den Rundbrief auch gerade gelesen. Pirincci selbst erzählt in diesem Kontext folgende Anekdote: Nachdem Amazon seine Bücher aus dem Sortiment genommen hatte (d.h., die unpolitischen von früher – Umvolkung und Untergang scheint Amazon ja bis eben noch verkauft zu haben), habe er Testkäufer zu Thalia geschickt, die nach seinen Katzenkrimis fragten. Dort hätten selbige die Auskunft bekommen, einen Autor dieses Namens gebe es nicht…

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  2. Michael B. schreibt:

    Amazon/Pirincci: Interessant. Ich hatte einmal sein „Deutschland von Sinnen“ dort rezensiert. Das ganze Buch – inklusive der Rezensionen – verschwand dann nach ein paar Wochen. Nach Monaten war es wieder fuer laengere Zeit da. Jetzt ist es wieder weg.
    Nebenstory: Bei Rezension eines voellig anders gelagerten Produkts viel spaeter bekomme ich doch einen Kommentar darauf von jemand, der tatsaechlich meine Pirincci-Beurteilung ausgegraben hatte nach dem Motto „…nicht anders von Naziunterstuetzer zu erwarten“.

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  3. Robert X. Stadler schreibt:

    @ Pérégrinateur

    „Einzelne, die solchen Verbotsfuror zeigen, glauben wohl an ein recht schlichtes Meinungs-Infektionsmodell – sobald man einer „bösen“ ausgesetzt war, hat man sie auch schon. Der Verdacht liegt nahe, dass sie dabei vom Gang ihrer eigenen auf den fremder geistiger Entwicklung projizieren. “

    Das ist gewiss richtig; ich sehe allerdings noch eine weitere Ebene: Offenbar halten die Verbieter die bösen Gedanken für so plausibel (für andere und für sich selbst!), dass ihnen mit der Macht des Schwertes entgegengetreten werden muss. Meinen privaten Zweifel an der Dreifaltigkeit betäube ich, indem ich die öffentlichen Zweifler verfolge. Hätte Giordano Bruno die Welt für eine Scheibe gehalten, wäre ihm als harmlosem Spinner nichts geschehen.

    Andererseits scheint man bei den genannten Fällen gar nicht so tief schürfen zu müssen. Sicherlich hat keiner der Sykophanten den (recht maßvollen und um Wertfreiheit bemühten) Rasse-Günther* gelesen. Hier handelt es sich wohl um klassische Konditionierung: Den Begriffen „Rasse“ und „Nationalsozialismus“ folgt Empörung und Verbotsforderung.

    *Bezeichnend, dass sein Wikipedia-Akt (Danke!) zu guten Teilen aus guilt by association besteht.

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    • Pérégrinateur schreibt:

      @Robert X. Stadler

      Ich bin gar nicht mal so sicher, dass dieser Typus von Hysteriker zuallererst die konkrete soziale Wirksamkeit der „bösen“ Gedanken befürchtet und sie deshalb bekämpfen will. Es ist gut möglich, dass viele davon schon den Gedanken nicht ertragen, dass andere allein nur eine andere Meinung haben, weil dieses ungewohnte Möbel im traulichen, zweifellose Gewissheit und Sicherheit verheißenden eigenen geistigen Heim stört. Bei Gesprächen mit Zeugen Jehovas ist mir oft aufgefallen, dass die meisten davon meinen, die Welt bräche zusammen, sobald sie nicht mehr an Gott glaubten.. Als ob nicht der zweite Gedanke nach dem, es könnte keinen Gott geben, gleich wäre: „Wenn die Welt schon bisher ohne gutwilligen und einrenkenden Aufseher war, wird sie wohl auch meine Ungläubigkeit ganz gut überstehen.“ Wenn der Verlust des Glaubens an den geschichtsgesetzhaften Fortschritt droht, gibt es wohl ganz ähnliche Reaktionen.

      Die Falschgläubigen legen sozusagen qua Falschgläubigkeit dem Golem ein Papier mit falscher Inschrift ins Brustkästchen, und schon funktioniert er nicht mehr wie gewünscht.

      Die Hysterie hat (Dominic Frisbys “Hate Speech”) ganz gut getroffen.

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  4. Pérégrinateur schreibt:

    Einzelne, die solchen Verbotsfuror zeigen, glauben wohl an ein recht schlichtes Meinungs-Infektionsmodell – sobald man einer „bösen“ ausgesetzt war, hat man sie auch schon. Der Verdacht liegt nahe, dass sie dabei vom Gang ihrer eigenen auf den fremder geistiger Entwicklung projizieren. Was irgendwo geschrieben steht oder zu hören ist, schon allein deshalb zu übernehmen, wäre jedenfalls recht kindisch.

    Interessant wäre ihnen gegenüber auch die Anfrage, was sie denn aus den nicht eben spärlichen expliziten Massakeraufforderungen in den eigenen „Heiligen Schriften“ machen. Müssen die deshalb verbrannt werden, oder gilt hier dann die Einrede „Aber die sind doch von Gott“ oder „Wird schon nicht verkehrt sein, hangen dem doch so viele an“?

    Ganz offenbar erleben wir die Wiederkehr – oder eher das Wiederaufschäumen – des religiösen Weltbildes mit seinem Glauben an die Magie des bösen Wortes, und das meist und sozial wirksam angetrieben von Menschen, die sich für ach so modern halten. Der gute Jean Meslier meinte, die Welt würde erst besser, nachdem der letzte König mit den Gedärmen des letzten Priesters erwürgte sein würde. Was für ein naiver Optimismus! Naturam expelles furca, tamen usque recurret. Zu allen Zeiten werden wohl viele an der Nulllinie der Einsicht verbleiben und sich dort zu einer schönen, selbstgewissen, mächtigen und ungehaltenen Horde konstituieren.

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