Was tun? S e l b s t r e t t u n g!

… daß es gar keine Lösungen gibt. Dies bringt uns vielleicht noch einen Schritt weiter. Lösungen sind Tröstungen. (Caroline Sommerfeld)

Dieses Bedürfnis nach Abstraktion befriedigt nun just das zeitgleich erschienene Büchlein „Selbstrettung“ von Caroline Sommerfeld, das mich wirklich und wahrlich berührte. Umgekehrt könnten die weniger philosophisch angehauchten Leser hier Kontaktprobleme haben.

Man muß zur Einordnung zuvor vielleicht ein paar Worte zu Caroline Sommerfeld verlieren, die in kurzer Zeit zum Szenestar bei den „Neuen Rechten“ aufgestiegen ist. Sie ist, wie sie schreibt, 2015 „an ein anderes Ufer gespült worden“, hatte für einen kurzen Moment den Halt unter den Füßen verloren und fand dann im rechten Denken wieder Tritt. Ihre Popularität in diesen Kreisen, ihre Rolle „als Vordenkerin“ der Neuen Rechten um Kubitschek speist sich wohl aus drei Quellen. Da ist zum einen der rasante innere Tapetenwechsel, das „Überlaufen“, da ist zum anderen diese ominöse und rätselhafte Ehe und Familie mit Helmut Lethen, einer Hauptstimme der 68er Ideologie, und da ist vor allem ein neuer, origineller Ton, eine ungewohnte Art zu denken.

Wenn man Sommerfelds Arbeiten der letzten fünf Jahre kennt, dann wird man auch dort eine geschwinde Entwicklung feststellen, ein Suchen nach dem eigenen Ton und man hat den Eindruck, daß sie in „Selbstrettung“ nun eine Melodie gefunden hat, auf der sie sich selbst noch lange zuhören kann.

Waren die ersten Artikel oft noch kopflastig und akademisch und von vielen Luhmannismen durchsetzt – man wird Luhmann als ihren prägenden Lehrer bezeichnen dürfen –, spielte im ersten größeren Buch – „Mit Linken leben“ – Martin Lichtmesz noch eine überbordende Rolle. Die Bekanntschaft mit dem wohl schärfsten theoretischen Geist bei Antaios hat offensichtlich Eindruck hinterlassen. Im letzten Jahr folgte das Grundsatzpapier „Wir erziehen“, das eine wesentliche Lücke im rechten metapolitischen Diskurs schließen sollte und dies im Grunde – in der Regelkunde – auch tat, dennoch aber etwas überstürzt wirkt und zu angelesen, weil auch ein intensives Lektürejahr keine lebenslange Beschäftigung mit der Pädagogik ersetzen kann und die Autorin folglich aus drei, vier verschiedenen Quellen reichlich schöpfte, ohne über den Gesamtüberblick der didaktischen Diskussion zu verfügen.

Im nun vorliegenden Band bestätigt sie den Verdacht, ein primär philosophischer Kopf zu sein – sie „zerrt es in die Abstraktion“, erst „auf der der Begegnung entrückten Ebene“ erkennt sie „größere Entstehungszusammenhänge“. Philosophisch meint hier beides: in philosophischen Kategorien denkend und – wie die Italiener sagen: „prendere qualcosa con filosofia“, etwas philosophisch nehmen, sprich: mit Ruhe und Gelassenheit, stoisch. Frühere Texte strahlten immer eine gewisse Unruhe aus, hatten einen apodiktischen Unterton, waren getrieben, manchmal verquast … dieser hier ist pure Philosophie! Klare Sprache gehört nun zur Selbstrettung dazu.

Vielleicht hat die Einsicht in die Aussichtslosigkeit zu dieser Wende geführt, das Bewußtwerden, vorerst auf der Verliererseite der Geschichte zu stehen, oder die Klarsicht, daß uns – ganz unabhängig davon, was wir tun – schwere Zeiten bevorstehen, Zeiten des Verlustes all dessen, was uns wichtig ist? Denn „wer rechts ist, ist mit dem Fluch des zweiten Gesichts geschlagen“ – ein wunderbarer Satz. „Das zweite Gesicht kann das Denken anregen und zugleich das Leben lahmlegen“ – so wie dessen Abwesenheit das Denken oft lahmlegt und das Leben anregen kann. So ist nun die erste unserer „Siebensachen“ just jene „Ratlosigkeit“, die reflektierte Einsicht in diese.

Dazu gehört auch Realitätssinn: „Der Weg zurück ist verstellt“ steht dort klipp und klar, was den politischen Gegner nicht davon abhalten wird, das Mantra vom „rückwärtsgewandten Denken“ immer und immer wieder einzuhämmern. Und Rechtssein „relativiert sich durch das unverbindliche Nebeneinander der Lifestyles“. Die Ratlosigkeit ist Sommerfeld, was Descartes der Zweifel war: der Ausgangspunkt, der Nullpunkt, das, was unhintergehbar ist.

Von hier aus läßt sie ihre Gedanken nahezu wellenförmig treiben, mal theoretisch-abstrakt, mal ganz persönlich, immer wieder Weisheitslehrer, Menschenkenner und Weiterdenker wie Heidegger, Rudolf Steiner, Simone Weil, Berdjajew oder die Heilige Schrift auf die Bühne rufend und kommt über die „Jemeinigkeit“, „Verbindlichkeit“, „Aufmerksamkeit“, „Mitteilbarkeit“ zur „Entängstigung“ und „Abschiedlichkeit“.

Dort allerdings wurde ich jäh aus der Trance gerissen – man kann das Buch wie eine Meditation, wie eine Erleuchtung lesen –, denn auch sie bemüht am Ende den Sprung in den Glauben. Und dabei wäre das gar nicht notwendig, denn „Vertrauen in den Weltenplan“ braucht kein „Gottvertrauen“, zumindest keinen personalen Gott – das haben uns die Stoiker schon vorgemacht und vorgedacht.

Wenn „Selbstrettung eine Haltung ist, ein selbstanerzogener Habitus, der ohne Gott nicht entstehen kann“, dann sind wir unrettbar verloren. Selbstrettung macht uns nicht zu „Werkzeugen Gottes“, sondern zu Werkzeugen unserer selbst – alles andere wartet doch wieder auf einen rettenden Gott.

Warum ist es so schwer zu verstehen, daß die Befreiung von Gott auch eine quasi-religiöse Ekstase sein kann? Schicksal, Natur, Nichts, Nirwana, Entelechie … sind alles vollgültige Gott-Substitute, die sogar den Vorteil haben, auf einen Gottes-Beweis verzichten zu können. Was machen diese Leute, wenn Gott wirklich tot ist oder nie „gelebt“ hat?

Vor allem: Im Werk der Caroline Sommerfeld ist diese Volte bisher gar nicht angelegt gewesen, wie mir scheint. Warum sie jetzt vollführen? Wirkliches Denken heißt nicht, sich neue Anlehnungen zu suchen, sondern sich zu lösen – und damit zu trösten.

So schließt auch dieses, ihr bislang bestes Buch mit der Offenheit. Sie ist noch immer nicht angekommen – man darf gespannt sein, wohin sie ihr Denken noch treibt.

Caroline Sommerfeld: Selbstrettung. Unsere Siebensachen. Verlag Antaios. Schnellroda 2020. 95 Seiten. 8,50

 

23 Gedanken zu “Was tun? S e l b s t r e t t u n g!

  1. Frau Sommerfeld ist eine Suchende, per se mal nicht schlecht. Dass für die verlegerische Betreuung der Suche nur noch Antaios bleibt, deutet auf Holzweg hin, schade. Ansonsten nehme ich zur Kenntnis, dass meine Abwesenheit die Qualität der Kommentare deutlich hat steigen lassen.

    Werner Brotmann: Antwort zu lynx.

    Hallo!

    Man kann nicht von sich selbst und seiner vermeintlichen Erkenntnis auf die Allgemeinheit schließen, und von ihr die selbe geistige Höhe einfordern (ein sogenannter individualistischer Fehlschluß).

    Das einzig sinnvolle wäre, nicht bei den anderen die Fehler zu suchen, sondern nur bei sich selbst. Wer die natürliche Ordnung in sich wieder herstellt, vermag in seine Umgebung auszustrahlen und den verirrten Schafen, die es aus eigener Kraft nicht schaffen, als Leuchtturm zu dienen (wieder strukturierend „von oben nach unten“). Nur im Einzelnen, nicht in der Masse liegt die Lösung. Das ist der eigentliche Unterschied zwischen „rechtem“ (also „richtigem“) Denken und „linkem“ (also „falschem“). Der Rechte korrigiert sich selbst, der Linke macht alle anderen für sein Leid verantwortlich und will „die Welt reparieren“ (letzteres mit den Worten der Erfinderin des „Gender Mainstreamings“).
    Das ist es auch, was das Abendland, den faustischen Menschen im Kern ausmacht: die bis zum letzten, bis zur schmerzhaftesten Konsequenz getragene Selbstverantwortung. Auch der Preuße (pars pro toto für die Deutschen) verliert sich nicht im Ganzen, sondern fragt, wie er als Einzelner (wie Friedrich II. als erster Diener seines Staates) dem Ganzen dienen kann, jedenfalls sofern er sich auf der Höhe seiner geistigen Möglichkeiten befindet.

    Lynx: @Werner Brotmann: Sie haben ja nette Schubladen in Ihrer altdeutschen Kommode, wurmstichig vermutlich. Schon mal über Alternativen zu Dichotomien nachgedacht?

    Liken

  2. Hallo!
    Es ist wie beim Arzt und seiner Diagnose.
    Es gibt Leute, die möchten sie gerne wissen, und andere, die das bewusst nicht möchten.
    Beides ist zu respektieren, für beides gibt es gute Gründe.
    Zum Thema Irrsinn und Lebenssinn haben sich schon alle Generationen den Kopf zerbrochen, und keine mir bekannte, befriedigende Antwort gefunden.
    Es gab mal einen Film (per Anhalter durch die Galaxis?), und darin wird der weltbeste Computer programmiert, die Antwort auf die Frage zu finden, welchen Sinn das Leben hat. Der rechnete eine Million Jahre und spuckte schliesslich das Ergebnis aus, es lautete „42“.
    Na, dann….
    Die Natur ist grundsätzlich grausam und unbarmherzig. Einer frisst den anderen. Manchmal auch noch im lebendigen Zustand.
    Wer das konstruiert hat, muss ein kranker Psychopath sein.
    Vielleicht erwarten wir zuviel.
    Wieder die hypothetische Frage an den Arzt, Herr Doktor, warum gerade ich?
    Und der Arzt antwortet, wieso gerade nicht Sie?
    Wenn es im Dickicht des Alltags ab und zu einen freundlichen Hinweis gibt, um ein bisschen besser durchzukommen, ist das schon wertvoll und bemerkenswert. Mehr kann man offenbar nicht verlangen.
    Immerhin ging es unseren Vorfahren meist schlechter als uns bisher.
    Nimm jemanden, der 1893 geboren wurde, wie etwa meinen Opa.
    Er wurde 1914 zum Kriegsdienst einberufen, verwundet, aber kehrte immerhin heim.
    Er erlebte Hyperinflation und Weltwirtschaftskrise.
    Obwohl immerhin Beamter, hauste er mit seiner Familie unter erbärmlichen Umständen im einem feuchten Loch, das man Wohnung nannte.
    Erst 1933 gings bergauf, er bekam eine menschenwürdige Wohnung.
    Dann kam der zweite Weltkrieg, glücklicherweise(!) war er zu geschädigt, um nochmals Wehrdienst zu leisten. Dafür hatte er die Aufgabe, die verkohlten Brandbombenopfer vom Untergrund zu kratzen und zu identifizieren.
    Seine Wohnung wurde ebenfalls zerbombt, sie hausten in den Trümmern.
    Vom Wirtschaftsaufschwung in den 60er Jahren profitierte er aufgrund seines Alters nicht mehr, ausserdem musste er sich mit Gelegenheitsjobs durchschlagen, weil er aufgrund seiner vormaligen Parteizugehörigkeit keine normale Anstellung mehr bekam.
    Auch der medizinische Fortschritt kam für ihn zu spät, er erlag nach langem und vergeblichem Kampf den Folgen eines Unfalls im Strassenverkehr.
    Keine tolle Biographie.
    Aber weit besser noch als die meines Opas mütterlicherseits. Er geriet an seinem 30.Geburtstag in sowjetische Kriegsgefangenschaft und kam nicht mehr zu seiner Familie zurück.
    Gibt es in den ganzen Biographien einen roten Faden, einen erkennbaren Sinn?
    Ich habe keinen gefunden.
    Jeder ist letztlich ein Werkzeug, ein Zahnrädchen im grossen Getriebe, das seine Pflichten zu erfüllen hat.
    Nur ganz wenigen gelingt es, sich dieser Mühle zu entziehen, Künstlern etwa, aber auch dann meist auf Kosten anderer.
    Ein Grosser der Tonbandstimmenforschung, Prof. Ernst Senkowski, sagte, er würde bei seiner Ankunft im Jenseits dereinst als erstes das Beschwerdebuch verlangen…..
    Mehr wissen wir nicht.
    Und doch gibt es immer wieder schicksalshafte Fügungen, die ein gutmütiges, wohlwollendes Eingreifen von höherer Warte aus vermuten lassen.
    So, wie ein Singvogel, der in einer Agrarbrache daheim war und endlich den Garten eines Vogelfreundes gefunden hat, der ihn regelmässig füttert, gibt es ein Nebeneinander von Elend und Zufriedenheit.
    Manchmal haben wir es auch selber in der Hand, durch einen Umzug oder eine Änderung im Leben auf ein anderes Gleis zu wechseln, das irgendwann in eine neue, andere Richtung abbiegt…..

    Gefällt 1 Person

  3. Pérégrinateur schreibt:

    Aus Anlass Ihrer philosophischen Rezension gefragt: Was halten Sie von Panajotis Kondylis?

    Seidwalk: Hatte ich bisher noch nicht auf dem Radar. Warum die Frage? Und was muß man denn von Kondylis kennen?

    Liken

    • Pérégrinateur schreibt:

      Warum? – Weil mich Ihr Urteil interessieren würde.

      Was? – „Machtfragen“. Darin insbesondere „Macht und Entscheidung – Die Herausbildung der Weltbilder und die Wertfrage“. Résumé im Kapitel IV.

      Er versucht sich in einem kalten Blick von oben auf den menschlichen Ameisenhaufen und die polemischen (statt vorgeblich logischen) Gründe für die Ideologien, die zuvörderst nach ihrem Vermögen, vermeintliche Sicherheit zu geben, gewählt und dann coûte que coûte rationalisiert würden. Da passt meinem Eindruck nach einiges ganz gut auf gesellschaftlichen Phänomene auch der Gegenwart, obgleich mir – sciences naturelles obligent – die hermeneutischen Herleitungen weniger liegen. Letztere Schaffen es durch ihren Empirismus wohl auch besser, als er glaubt, zumindest langfristig zu einer realistischen Sicht der Dinge zu kommen.

      Ich habe mich bisher daneben nur an „Die Aufklärung im Rahmen des neuzeitlichen Rationalismus“ versucht, wo er es anscheinend unternimmt, das Programm konkret anhand des Großphänomens Aufklärung bis in deren kleinste Dispute hinein durchzuführen. Leider fehlen mir für eine Überprüfung der Triftigkeit des Dargelegten aber die umfassenden Literaturkenntnisse, weshalb ich nach der Hälfte des dicken Buches die Lektüre eingestellt habe.

      Das oben genannte Buch ist sozusagen der Versuch einer Fortsetzung von Nietzsches „Über Wahrheit und Lüge im außermoralischen Sinn“ in die soziale Ideengeschichte, beeinflusst wohl von Ideen von Carl Schmitt, der mir allerdings nur recht oberflächlich bekannt ist.

      Wie ein befreundeter Astrophysiker einmal mir gegenüber meinte: Ein Ansatz ist ganz gut, wenn er irgendwo zwischen 30 und 300 % eines Phänomens erklärt.

      Liken

      • Als Antwort auf Pérégrinateur.

        Ich weiß ja leider nicht, aus welchem Grund du hier auf tröstende Worte hoffst, aber ich versuche einmal, ganz ehrlich zu antworten.

        Meiner Meinung nach ist das Leben ein ständiges auf und ab; man darf sich von den Schicksalsschlägen, welche das Leben einem – mehr oder weniger oft – auftischt, nicht aus der Bahn werfen lassen. Dieses Leid darf natürlich betrauert werden, ja, muss es sogar. Aber über diese Trauer hinaus sollte dennoch immer versucht werden, aus der Tragödie etwas positives zu lernen. Das klingt jetzt vermutlich sehr trivial, aber daran glaube ich wirklich. Mit ‚etwas positives lernen‘ meine ich im Übrigen, sich sein derzeitiges Weltbild erst einmal bewusst zu werden, dieses dann mit dem akuten Problem abzugleichen, und eine, in dieser Situation Sinn machende Schlussfolgerung für das weitere Leben zu finden, um sich selbst in naher Zukunft sagen zu können: Weißt du noch, damals, als es dir sehr schlecht ging, du dich aber nicht in deinem Elend gesuhlt hast (zumindest nicht allzu lang), und du aus dieser dramatischen Situation für dich gelernt hast, dass (beispielsweise)
        – du es nicht allen recht machen kannst?
        – du dich zu schnell einer fremden Person geöffnet hast?
        – der Tod eines geliebten Menschen für diesen nur bedeutet, dass dieser Mensch nicht mehr leiden muss?
        – du mit deinem damaligen Leben unzufrieden warst und dieses nun geändert hast?
        – du nun vielleicht wieder alleine warst, aber nun mehr Zeit hattest, dich auf dich selbst zu konzentrieren, und für deine zukünftige Partnerin durch das Aufmannen nur eine bessere Version deiner Selbst sein würdest?
        und so weiter.
        Du siehst, es kann schwierig sein, positive Lehren aus dem Leben zu ziehen. Aber mir hat es in schwierigen Zeiten geholfen.

        Zusätzlich spritze ich mir meistens Haschgift und trinke gerne ein Gläßchen Wein. Das hilft nicht wirklich, macht das Leben aber etwas erträglicher.

        Liken

        • @ Werner Brotmann

          Werner, tu mir bitte eine Gefallen: bei uns wird sich gesiezt! Bei allem Auf und Ab des Lebens sollte es doch ein, zwei Konstanten geben – das ist eine davon!

          Liken

        • Pérégrinateur schreibt:

          Als Antwort auf Werner Brotmann.

          Dem Wunsch Seidwalks – Bitte zu siezen – schließe ich mich an.

          Meinesteils suche ich sicher in keiner Weise einen Trost, sondern vielmehr die Welt und ihre Abläufe zu verstehen – rerum cognoscere causas. Ihre Liste von möglichen Trostgründen lässt mich zudem vermuten, dass sie empfehlen, sich opportunistisch den jeweils besten auszuwählen. Das wäre denn Stimmungsathletik.

          Mir ist im Zuge inzwischen etlicher Beerdigungen aufgefallen, dass viele mit maßloser Erschütterung auf der einen erscheinen, dann im Lauf des Umtrunks nach dem Friedhof Tröstungsgründe finden; eine dabei beliebte Äußerung ist zum Beispiel das ergebene „Wer weiß, wozu es gut ist!“, indem der Verstorbene ja nun meistens alt und kränklich war; dass sie dann geströstet nach Hause gehen – und bei der nächsten Beerdigung wiederum denselben Zyklus durchlaufen. Ganz so, als wären sie kleine Kinder, die zum erstenmal von der Sterblichkeit des Menschen erführen.

          Mit Verlaub, ich halte das für kindisch. Man sollte aus seinen Erfahrungen lernen und insbesondere lernen, die Welt nüchtern so zu sehen, wie sie nun einmal ist, konkret in diesem Fall:

          As flies to wanton boay are we to the gods;
          They kill us for their sport.

          Ihre psychotropen Trostmitteln lehne ich auch deshalb völlig ab. Wozu ein gefühlsbestimmtes Leben führen, wenn man doch mit gewissem Erfolg dank des uns Menschen auszeichnenden Cortex ein gedanken- und einsichtsvolles anstreben kann?

          Liken

          • Sind Sie da sicher?

            In Australien verbrannten eine Milliarde Tiere bei lebendigem Leib. Das Individuum ist wertlos und kann geopfert werden, sein Leid kümmert niemanden wo auch immer. Dreckssystem!

            Allein in der BRD werden jährlich 750.000.000 Tiere geschlachtet.

            Und ein Baum wirft abertausende Samen ab, nur dass ein einziger keimt, der Rest geht zugrunde.
            Millionen Spermien schaffen es nicht, nur eines kommt durch.
            Oder auch nicht.

            Die Schöpfung ist die perfektionierte Perversion, weil der eine nur überleben kann, wenn er den anderen auffrisst – was ist das denn für ein beschissenes Konstrukt?
            Welcher Psychopath hat das erfunden?

            Kleine Kinder haben oft noch Erinnerungen an früher.
            Ich selbst zwar nicht, aber mein Verhalten als Kleinkind war das einer stinksauren alten Seele, die sich in einem unmündigen Kleinstkörper wiederfand, der nichts wusste und nichts konnte.
            Ich hasste meine Kindheit, meine kleine Erscheinungsform, ich mochte nie unter Kindern bzw. Gleichaltrigen sein, nur unter Erwachsenen, und brachte eine komplette Sicht der Dinge mit, die nicht den Ansichten meiner Eltern entsprach.

            Es war kein klares Bild, aber ein intuitives Gefühl, was richtig wäre und was nicht.

            Diese Leitlinien, meine also, hielt ich mein ganzes Leben lang durch, obwohl es Wetten gab, dass ich das nie schaffe und durchhalte.
            Schaffte ich aber. Nur durch den diffusen Rückenwind früherer Vorsätze.

            Liken

  4. NIKODEMUS schreibt:

    Ich hatte mir das Buch bereits vorgemerkt. Nun: erst recht. Sommerfelds Bekenntnis zu Gott ist mir sympathisch, weil ich es teile. Aus der Schilderung Ihrer Lektüreeindrücke kann ich nun nicht erkennen, wo da der Bruch (Stilbruch?) liegt. Wenn Sommerfeld an (einen) Gott glaubt, ist es doch geboten, dies in einem – anscheinend stellenweise ohnehin persönlich gehaltenen – Traktat mit dem Titel „Selbstrettung“ zu thematisieren. Was spricht dagegen? Darf in einem philosophischen Text Gott nicht vorkommen? Ist Gott – frei nach Benn – noch immer ein schlechtes Stilprinzip? Für einen persönlichen bzw. personalen Gott gibt es kein Substitut. Was Sie als Substitut vorschlagen, ist nicht personal, also nicht ansprechbar. Somit fehlt diesen Substituten das Entscheidende. Nebenbei: Gehört nicht das Denken in Substituten zur Misere?

    Wie gesagt, ich habe Sommerfelds Buch nicht gelesen, in ihren letzten Texten auf SiN hat sie auffallend dafür plädiert, Ich-Stärke zu entwickeln. M. E. hängt das stark mit dem Glauben an einen Gott zusammen, der als „Ich bin“ in Erscheinung tritt.

    Pérégrinateur: Zum lieben Gotte und anderen ähnlichen Himmelshaken und Salvatoren gewohnt ironisch und – wörtlich wie übertragen – abschließend hier:

    https://de.wikisource.org/wiki/Romanzero/Nachwort

    Das Reich der Sehnsucht hat wohl schon so manchem Zuflucht gewährt, aber wirklich in dieses Eldorado der verletzten Seele gelangt ist davon keiner.

    Zweifler: Nicht ausbreiten, lesen.

    Liken

    • @ NIKODEMUS

      Wenn Ihnen etwas sympathisch ist, weil Sie es teilen, dann sollten automatisch die Alarmglocken ringen, denn diese Konstruktion setzt das vernünftige Denken außer Kraft.

      Daß der Bruch im Text für Ihr Lesen – unter obiger Konstruktion – nicht sichtbar ist, überrascht vielleicht nicht. Ich war der Meinung, ihn deutlich genug herausgearbeitet zu haben und der „Zweifler“ hat das gleich noch mal getan und bestätigt.

      Natürlich kann „Gott“ in einem philosophischen Text vorkommen – wenn er das Hauptthema darin ist, dann sollte man das „Theologie“ nennen. Im besprochenen Buch war seine Präexistenz, die vollkommen abrupt eingeführt wurde, argumentativ aber nicht notwendig, was erklärt, daß man der Herleitung wunderbar folgen kann, ohne einen einzigen Gedanken an Gott zu verschwenden. Wenn er notwendig gewesen wäre, dann hätte man ihn – so viel Respekt hat er wohl verdient – zu Beginn wenigstens als Apriori erwähnen müssen. Unter diesem Vorzeichen hätte die gesamte Argumentation einen ganz anderen Klang bekommen. Sie war aber – ich wiederhole – bis zum vorletzten Abschnitt vollkommen in sich selbst schlüssig – erst die Einführung einer göttlichen Instanz zerstört am Ende das bis dahin gelungene Gedankengebäude.

      Das „Denken in Subsituten“ gehört ganz sicher zur Misere – deswegen sollte man es ja mal ohne Gott versuchen, der eben auch ein Substitut ist. Der Gottes-Gedanke führt in unendlich viele Aporien, die das klare Denken schwer behindern. Es ist ja kein Zufall, daß man glauben können muß, um sich an diesen Aporien vorbeizuschleichen. Gott ist auch nicht per se personal – das ist er nur in einer sehr spezifischen und eher einfachen christlichen Lesart. Die intelligenteren Auslegungen – dazu muß man sogar den Islam zählen – untersagen die Personalisierung geradehin und erhöhen damit das Mysterium, wohl aus dem Begreifen der zahlreichen Widersprüche … was freilich zu neuen unlösbaren Widersprüchen führt. Da ist es immer gut, wenn man an einen omnipräsenten, omnipotenten, unbegreiflichen, „bei-Gott-ist-nichts-unmöglich“-Gott glaubt.

      Aber nochmal zurück zum Buch. Es geht dort um die existentielle Verarbeitung des Scheiterns als Rechter vor dem Hintergrund der Moderne, des Progressismus. Daß diese durch den Verlust Gottes losgetreten wurde, ist eine Ironie der Geschichte. Geschichte ist aber per definitionem vergangen und läßt sich auch nicht mehr zurück drehen. Der Versuch einer Re-Christianisierung ist zum Scheitern verurteilt, solange die Bedingungen die sind, die sie sind. Zum anderen hat rechts-sein mit Gott nichts zu tun. Es ist ein Denk- und Fühlprinzip, das sich durch alle Zeiten und Kulturen zieht und auch im historischen Atheismus – der so alt ist, wie der Theismus – zu finden ist. Wenn einige gläubige Rechte dieses Prinzip an den Glauben knüpfen, schließen sie einen wesentlichen Teil dieser Bewegung aus, spalten sie. Interessanterweise tendiert die atheistische/agnostische Rechte viel stärker zur Toleranz, als die gottesgläubige. Glauben hat immer ein totalitäres Agens.

      Ich hatte Engels und Sommerfeld ganz bewußt nach Eliot gebracht, obwohl sie eher fertig geschrieben waren. Beide gehen nämlich hinter Eliot zurück, der die existentielle Bedeutung des Christentums für das kulturelle Überleben zwar auch betont, dies aber vom Glauben und damit der Frage nach der Existenz Gottes trennt und statt dessen die „Tradition des Christentums“ in den Fokus rückt. Das ist der Punkt an dem sich Glaubende und Nicht-Glaubende treffen könnten, um dann gemeinsam an der rechten Sache zu arbeiten.

      Liken

      • JJA schreibt:

        Ich habe das Buch (noch) nicht gelesen, würde es nach dieser Besprechung aber sehr gern tun! Ich kann daher nicht bewerten, ob der Gottesgedanke wirklich einen Bruch zum Vorangegangenen darstellt oder nicht. Aber ein paar Bemerkungen dennoch:

        Dass Frau Sommerfeld bekennende Katholikin ist, ist bekannt und es kommt in ihren Publikationen immer wieder vor – wo man es erwarten würde (Beitrag zu „Rechtes Christentum?“) und auch, wo nicht unbedingt (in „Wir erziehen“). In die letzte Kategorie mag diese Publikation fallen. Letztlich steckt hinter dieser Leseerwartung aber eine weitverbreitete Sicht von Religion: Religiöser Glaube wird als eine letztlich entbehrliche Schicht über dem „normalen“ Denken angesehen – wie Schichten einer Torte. Außerdem gilt er als intellektuell nicht satisfaktionsfähig. Bei einer Frau wie Frau Sommerfeld ist dagegen vollkommen klar, dass der Katholizismus Spuren in allen Teilen ihres Denkens hinterlässt und dass es ein wirklich denkender Katholizismus ist. Insofern war dieser Abschnitt, soweit ich das bewerten kann, absolut erwartbar. Denn die Selbstrettung im rein prometheischen und
        nicht empfangenden Gestus ist *exakt* das Signum des Sündenfalls. Dazu kann ich Kurt Hübner empfehlen – ebenfalls Philosoph.

        Dass die Re-Christianisierung kein Weg ist … zumindest nicht in Gestalt eines reinen Rollback. Aber wie überlebensfähig eine reine Kultur des Christentums ohne genuin religiöse Überzeugung ist, kann man am allerbesten in Eliots Wahlheimat und seiner Kirche, der Church of England, sehen. Nach wie vor ein Gipfel christlicher Kultur – aber absolut seelen- und daher kraftlos.

        Wie man auf diesem Hintergrund die unpersönliche Gottesvorstellung als die offensichtliche Lösung präsentieren kann, erschließt sich mir ebenso wenig. Persönlich mag man glauben, was man möchte, aber die Vorstellung eines unpersönlichen Absoluten ist der europäischen Kultur fremd. Alle Ansätze dazu, Sie nennen die Stoiker, sind seit langem verschüttet. Alle Versuche einer Revitalisierung, die über das private hinausgehen, sind so absurd wie Benoits Neuheidentum. Nicht nur, weil es Archäologismen sind, sondern weil alles, was europäisches Denken später spezifisch ausmachen wird, mit der Zentralstellung der Person zu tun hat. Der Niedergang ist die Verabsolutierung dieses Denkens, insb. des Subjekts: individuelle Autonomie als moralisches Zentrum, die auch nicht mehr, wie bei Kant, durch Normen gebunden wird. Den unpersönlichen Abgrund als Zentrum dagegen zu stellen, gleicht einer nicht mehr zu vermittelnden Negation. Denn welchen Ort hat Bewusstsein dann im Ganzen des Seins? Ist das Auftreten dieses distinkten Seins-Modus in irgendeiner Weise zu erklären? Ich halte die Trinitätslehre, die letztlich Ausdruck des tatsächlich kaum entwirrbaren Geflechts von Persönlichem und Unpersönlichem im Absoluten ist (messen Sie das Christentum bitte nicht an den JW-Damen an Ihrer Tür), für die gelungenere Synthese.

        Deshalb, mit Verlaub: Zu sagen, Frau Sommerfeld sei denkerisch noch nicht angekommen, weil Sie noch den lieben Gott bemüht, … Ich möchte keine Lynx-Töne anschlagen, aber hier scheint mir ein wenig ein allzu starkes Vertrauen in die Überlegenheit der eigenen („wissenschaftlichen“?) Weltanschauung durchzuschlagen.

        Liken

        • Nur schnell zwei Mißverständnisse ausgeräumt.

          Ich stelle nicht den „unpersönlichen Abgrund als Zentrum dagegen“, sondern konstatiere, daß es kein Zentrum mehr gibt oder falls doch, man dies auf einer anderen als der Transzendenz-Ebene wird suchen müssen, der Technik etwa oder prozessualen, strukturellen Entitäten. Daß das ein „Abstieg“ ist, wird hier immer und wieder beschrieben. Das bedauere ich sehr, kann es aber nicht ändern, denn wir haben es mit massiven, vermutlich objektiven Entwicklungen zu tun. Niemand kann das ändern – sofern es keine disruption gibt -, aber man sollte die geänderte Ausgangslage in die Rechnungen, die man sich macht, einspeisen, will man ein sinnvolles Ergebnis erlangen. Die Gottes-Überzeugung hatte viele tausend Jahre eine Berechtigung und Notwendigkeit, die sich aber durch die rasanten gesellschaftlichen und technischen Entwicklungen sukzessive verloren hat. Nietzsche hat es uns dann in aller Direktheit um die Ohren gehauen (Marx hatte zuvor schon die „korrekte“ Schlußfolgerung des „es kömmt darauf an, die Welt zu verändern“ gezogen) und Heidegger jene Gründe zu beschreiben versucht, die jenseits des theologischen Diskurses stattfinden. Dort sollte man m.E. am ehesten ansetzen – übrigens hat Heidegger zum Schluß auch wieder zum Katholizismus zurückgefunden … die Menschen stecken voller Überraschungen.

          Das mit dem Noch-Nicht-Angekommen-Sein von C.S. bezog sich nicht auf ihren Glauben – den ich im bisherigen Werk übrigens als Argumentationsgrundlage scheinbar überlesen habe -, sondern an eine angenommene Anlehnung an andere. Ich hatte dieses Buch hingegen – vom Ende abgesehen -, als Versuch verstanden, sich von vorherigen Beeinflussungen frei zu machen und eine genuin eigene Sprache zu finden. Gut möglich, daß Sie darin etwas ganz anderes entdecken.

          JJA: Danke für die Klarstellung, entschuldigen Sie bitte, wenn der Ton zu hart war.

          Liken

          • NIKODEMUS schreibt:

            Gut, ich werde das Buch lesen (müssen), um Ihre Kritik zu überprüfen. Das Meiste hat mir JJA aus dem Mund genommen. Für mich kam es auch so rüber, als sollten Sommerfeld und diejenigen, die einem personalen Gottesbild verhaftet sind, erst einmal intellektuellen Nachhilfeunterricht nehmen. Dieses Missverständnis haben Sie nun gegenüber JJA aufgeklärt.

            Anders als Sie halte ich den Gottglauben nicht für überholt, sondern die These, der Gottglaube sei überholt. Das zu begründen, würde allerdings den Rahmen sprengen. Ich will Sie ja nicht missionieren: Wenn Ihnen diese Möglichkeit versperrt ist, ist Sie Ihnen eben versperrt. Nur muss diese Möglichkeit anderen nicht versperrt sein. Mir scheint wichtig, solche Differenzen auszuhalten. Daran krankt doch die Diskussionskultur, dass Differenzen nicht mehr benannt werden dürfen, weil man sie nicht mehr aushält. Darin sehe ich tatsächlich einen geistigen Niedergang.

            Eine christliche Kultur lässt sich ohne den christlichen Glauben nicht bewahren. Das scheint Eliot nicht anders zu sehen, schreiben Sie doch selbst: „Daher, so Eliot, könne die europäische Kultur nicht überleben, sollte der christliche Glaube je verschwinden.“
            Es fängt nun natürlich niemand zu glauben an, um die Kultur zu bewahren.

            Liken

            • Michael B. schreibt:

              Als Antwort auf NIKODEMUS.

              > Eine christliche Kultur lässt sich ohne den christlichen Glauben nicht bewahren.
              > die europäische Kultur nicht überleben, sollte der christliche Glaube je verschwinden.

              Ein Unterschied. Ich teile seidwalks Meinung, dass es keine Regression zum Christentum geben wird. Zusammen damit, dass die meisten wesentlichen Teile der europaeischen Kultur (Christentum oder nicht beim einzelnen Problemkreis als Wurzel gesehen) ideologisch und erkenntnismaessig Rueckbildungen unterliegen die m.E. irreversibel sind (eben weil es so durchgehend viele Bereiche betrifft), wird das nicht passieren. Fuer mich als Agnostiker waere das auch eine klare Rueckentwicklung, aber nur eine Facette unter vielen anderen irrationalen Stroemungen, die ebenfalls schon seit Jahren zu sehen sind. Seien es Esoterik, Hinwendungen zu Buddhismus – speziell unter dem ‚Bildungsbuergertum‘ gruener Auspraegung, die sich zu fein fuer einen Gott sind – oder andere Dinge. Ich will dahingehend keinen Streit mit Glaeubigen hier entfachen. Mein Punkt ist, was kommt stattdessen? Kann man dahingehend antizipieren? Irgendwie komme ich mir ein wenig wie ein Roemer im fuenften Jahrhundert vor.

              Liken

              • NIKOFEMUS schreibt:

                @ Michael B.

                Wo ist der Unterschied? Ich verstehe seidwalk so, dass er die christliche Tradition bewahren möchte unabhängig vom christlichen Glauben. M. E. geht das nicht. Das hat JJA bereits gut gesagt. Das läuft darauf hinaus, durch unsere Kathedralen wie durch Museen zu laufen. Diese Idee ist zum Scheitern verurteilt.

                Die einzige Möglichkeit, die europäische Kultur zu bewahren oder besser gesagt zu revitalisieren, besteht m. E. in der Erneuerung des christlichen Glaubens. Wenn diese Möglichkeit versperrt ist, muss man sich damit abfinden.

                Psychotherapeutisch betrachtet sind Regressionen manchmal notwendig. Bei der Regression, wenn es das überhaupt wäre, müsste man ja nicht stehen bleiben, sie wäre der erste Schritt zu einer kreativen Wiederaneignung des Christentums.

                Wenn sich der Islam in Europa weiter ausbreitet, könnten die Europäer zu eben jener Regression gezwungen sein, hätten ihre Freiheit aber verloren.

                Liken

                • M. Bieber schreibt:

                  Als Antwort auf NIKOFEMUS.

                  Wo ist der Unterschied?

                  Was meinen Sie? Ich selbst meinte den Unterschied zwischen dem Fixieren auf etwas Vergangenes und dem Erkennen des zukuenftigen Verlaufs der Entwicklung ohne gesetzte fixe Wunschbedingungen. Das

                  Die einzige Möglichkeit, die europäische Kultur zu bewahren oder besser gesagt zu revitalisieren, besteht m. E. in der Erneuerung des christlichen Glaubens.

                  sehe ich wie schon oben gesagt explizit als nicht moeglich und auch nicht wuenschenswert an. Das

                  Wenn diese Möglichkeit versperrt ist, muss man sich damit abfinden.

                  ist aber dann zuwenig (und fuer Leute meines Schlags eh inhaltlich im Sinn von ‚abfinden‘ von untergeordneter Bedeutung). Deswegen

                  > Kann man dahingehend antizipieren?

                  Schwierig und unklar wie weit moeglich. Aber der einzige vernuenftige Zugang und erste Schritt den ich sehe. Nicht nihilistisch, nicht progressivistisch, sondern moeglichst richtig.

                  Liken

                  • NIKODEMUS schreibt:

                    @ M. Bieber
                    Schwierig zu antworten, weil damit große und komplexe Themen angesprochen sind. Ich versuche es:

                    Ich hatte seidwalk so verstanden, dass er nach Wegen sucht, wie die europäische christlich geprägte Kultur überleben kann. Insoweit geht es doch um Wünschbarkeiten. Die Sorge gilt dabei Europa, nicht dem Christentum. Das Christentum hat weltweit mehr als 1 Milliarde Anhänger, die leider alle noch nicht Nietzsche oder Marx gelesen haben und in der Vergangenheit festhängen.

                    Ich wünsche mir tatsächlich eine Gesellschaft, die sich statt in reiner Immanenz einzuschließen einer transzendenten Dimension öffnen und eine höhere Vertikalspannung aufbauen würde. Dabei geht es nicht darum, zu einem früheren Zustand zurückzukehren oder sich auf irgendeine Vergangenheit zu fixieren. Es geht – so verstehe ich seidwalk, und da würde ich zustimmen – auch in kultureller Hinsicht nicht darum, die europäische Kultur einzufrieren oder zu restaurieren, sondern aus der Tradition heraus zu leben – gemäß der Binse „Zukunft braucht Herkunft“ – statt sie unter Generalverdacht zu stellen und auf Rassismus und Kolonialismus und Faschismus zu reduzieren. Die Einzigarkeit der europäischen Kultur besteht m. E. außerdem in der Verbindung von Christentum und griechischer und römischer Antike.

                    In religiöser Hinsicht geht es eher darum, zu einer „zweiten Naivität“ zu finden oder einem Glauben, der „durch das Säurebad des Atheismus“ (Simone Weil) gegangen ist, oder um eine „taghelle Mystik“ (Robert Musil). Auch wenn ich den Bewussteinsphilosophen Ken Wilber eher kritisch sehe, d. h. mir sein Schulklassen-Modell (Peter Sloterdijk) zu einfach scheint, kann ich doch mit seiner These etwas anfangen, dass mit einem rationalistischen Bewusstsein, das das magische Bewusstsein abgelöst hat, noch nicht das Ende der geistigen Evolution erreicht ist, sondern sich ein weiterer Bewusstseinswandel vollziehen wird, der wieder zu einer Annäherung an eine religiöse Sicht führt, die sich dadurch aber auch gewandelt haben wird.

                    „Mein Punkt ist, was kommt stattdessen? Kann man dahingehend antizipieren?“ Stattdessen – ich nehme an, Sie meinen, statt des Christentums? Meine Beobachtung ist die, dass das Christentum in Europa schon länger abgedankt und eine Leerstelle hinterlassen hat, die mit immer neuen Ideologien gefüllt wird, heißen diese Kommunismus, Nationalsozialismus, Kapitalismus etc. Ich weiß nicht, wie sich die Zukunft entwickeln wird. Ich nehme an, dass es weiterhin um die technische Optimierung des Menschengeschlechts gehen wird, jedenfalls in den Regionen, wo die Voraussetzungen hierfür gegeben sind. Für Europa kann ich mir mehrere Szenarien vorstellen.

                    Seidwalk: War auch im Spam

                    Liken

                • 1 Antwort an Nikofemus (Was ist das überhaupt?)

                  Auch Du (Seidwalk: Sie!) betrachtest die Gesellschaft von unten her und kommst immer wieder zu dem Trugschluß, daß die Regierung an der Macht sei, weil sie vom Volk gewählt worden wäre, so wie man es von einem wohlerzogenen Demokraten erwarten kann. Folglich kommst Du angesichts der verheerenden Politik der gewählten Parteien zu der fehlgeleiteten Anklage der eigentlich völlig machtlosen Wählenden, die ja wohl nur wollen können, was sie wählen.Das ganze Wahlgeschehen ist im Wesentlichen die Akklamation der Vertreter eines Kartells, das sich selbst ermächtigt hat. Die Akklamation für das Wesentliche zu halten, gleicht der Verwechslung eines Symptoms mit der Ursache. Die Masse geht unbeeindruckt durch die Systeme und jubelt jedem zu, ganz gleich wer auf den Funktionsposten des jeweiligen Systems steht. Dieses würde selbst als überwältigenden Erfolg und Ausdruck des Volkswillens feiern, wenn nur der kleinere Teil überhaupt noch wählen würde. Eine Eigenheit der Demokratie besteht übrigens darin, echte Alternativen zur Demokratie gar nicht erst zur Wahl zu stellen. So kann man den Leuten nicht vorwerfen, das System nicht abzuwählen – was ein in sich widersinniger Akt wäre.Ein echter Wechsel setzt den gewaltsamen Umsturz voraus. Hierzu bedarf es einer Führung, die nicht zu haben man den Geführten (also Masse und Volk) aber nicht vorwerfen kann. Politik wurde seit jeher von elitären Minderheiten gemacht. Daß man diese im Gehege der Schafe, das allein man in der demokratischen Medienwelt zu sehen bekommt, nicht findet, liegt in der Natur der Sache. Was die Schafe wollen, ist unerheblich. Die Mehrheit der Menschen hatte wohl zu allen Zeiten eher Stroh im Kopf. Die wissen gar nicht, was sie eigentlich glauben und wollen, und warum. Solche Herdenmentalitäten, zu denen unweigerlich die Masse der Menschen zählt, bedürfen unmerklicher, unkonfrontativer Führung. Ein wesentliches Ziel der Propaganda unserer Tage liegt darin, „Gegeneliten“ aus den Köpfen der Menschen herauszuhalten. Gelingt dies nicht mehr, weil das System aus irgendwelchen Gründen (immanent, wirtschaftlich, finanziell, Naturkatastrophen) Schaden nimmt, kann die eigentliche Alternative (deren eines Standbein ich in Rußland vermute) den Hebel ansetzen.Spengler zum Komplex Geldherrschaft, Demokratie, Presse: „Was ist Wahrheit? – Drei Wochen Pressearbeit, und alle Welt hat die Wahrheit erkannt. Ihre Gründe sind so lange unwiderleglich, als Geld vorhanden ist, sie ununterbrochen zu wiederholen.“Unter solchen „revolutionären“ Umständen gelingt es, zumindest einen Teil der Köpfe herumzureißen. Mit diesen läßt sich ein Staat machen. Der Rest ist unerheblich und folgt der neuen Ordnung aus Alternativlosigkeit automatisch.

                  Liken

          • JJA schreibt:

            Ich habe das Buch nun gelesen und möchte mich noch einmal für die Empfehlung bedanken, auch wenn mir „Wir erziehen“ noch besser gefallen hat – aber das hat vielleicht nur den Grund, dass das Thema Erziehung für mich gerade virulenter ist. Interpretationen haben natürlich nie einen Exklusivitätsanspruch, aber mein Eindruck von der Struktur des Buches war tatsächlich ein ganz anderer. Ich würde den Aufbau wie folgt charakterisieren:

            „1. Ratlosigkeit“ ist die Exposition, eine Meditation auf die Aussichtslosigkeit der Lage, mit der wir aber trotzdem umzugehen haben. Sie ist gerade in dieser Ausführlichkeit notwendig, um das Thema ernsthaft, auch existentiell ernsthaft behandeln zu können.

            Die Kapitel 2-4 beschreiben individuelle Tugenden, die jeder einüben sollte: Jemeinigkeit – das tun, was ich an meinem gegebenen Ort tun kann; Verbindlichkeit – Bindung aufbauen, erhalten, verbindlich handeln; Aufmerksamkeit – der Spannung zwischen Empathie und Abstraktion Aufmerksamkeit schenken und gerade dadurch beide Wesenszüge des Menschen, sozial und antisozial, zur Geltung bringen. Gerade das Kapitel zur Verbindlichkeit zeigt, dass es hier um eine Art konservativ-rechte Verhaltenslehre geht, die z.T. gar nicht so originell, aber deshalb nicht weniger gut ist.

            Diese Verhaltenslehre muss aber zur Frage führen, warum man sich so verhalten soll – gegen alle Hoffnung. Worin findet das seinen Grund? Warum nicht die „Lösung“ Sieferles wählen: die Kugel? Schon ab Kapitel 5 wird deutlich, dass die Grundüberzeugung des Buches das Vertrauen in eine tieferliegende Geordnetheit der Welt ist. Anders ist schon der Text zur „Mittelbarkeit“ nicht zu verstehen. Hier kommt der Gedanke zum Tragen, dass das Böse, was wir erfahren, ein Mittel zum Guten sein könnte – und sei es nur zur Erziehung des Einzelnen. Das ist nur sinnvoll zu denken, wenn die Welt auf das Gute hin geordnet ist. Und daher führt Sommerfeld den Gedanken auch über Augustinus ein. Auf S. 80 macht sie es ganz explizit und spricht vom „Vertrauen in den Weltenplan, in Gut und Böse als Wirkprinzipien und deren notwendigen Entwicklungsverlauf.“ Diese Überzeugung trägt eigentlich auch schon alle vorangegangenen Steiner-Zitate zur individuellen wie kollektiven Entwicklung.

            Deshalb ist es auch stimmig, wenn Sommerfeld schon im 5. Kapitel auf S. 67 schreibt: „Müssen wir das Mittelbare unbedingt christlich denken? Man kann viel verstehen, wird aber an der Oberfläche bleiben, wenn man die Vertikale nicht aufrichtet in sich.“ Das 7. Kapitel zur Abschiedlichkeit, das den Status des Menschen als eines „status viatoris“ durchdenkt, ist dann ein konsequenter Abschluss, der das vorherige zusammen hält. Denn der status viatoris gewährt einem das nötige Verhältnis von Distanz und Angewiesenheit zu dieser Welt, auf das Sommerfeld im Begriff der Selbstrettung zielt.

            Ich will damit erstmal nur eins sagen: Den Eindruck, dass der Herrgott auf den letzten Seiten plötzlich und unmotiviert vom Himmel fällt, konnte ich nicht nachvollziehen. Und das nicht nur, weil das Buch von vorn bis hinten mit Bibelzitaten durchzogen ist. Vielmehr scheint mir der Gedanke einer Weltordnung die Grundlage des ganzen Buchs zu sein, und der hat seinen tieferen Grund in Gott. Ein klassischer Gedanke des Mittelalters: Dass diese Welt (auch naturgesetzlich) geordnet ist, ist gerade ein Signum des göttlichen Logos in der Schöpfung, eine Bestätigung der Schöpfungsmittlerschaft Christi. (Das wiederrum zeigt, dass die christliche Tradition bzgl. des Gott-Welt-Verhältnisses changiert zwischen einer Gegenüberstellung und einem In-Sein. Entsprechend ist auch die Benennung von Gott als „Person“ zu eng gedacht.)

            Ich verstehe diesen Text dennoch nicht als ausgrenzend gegenüber nicht-theistischen Rechten. Frau Sommerfeld legt dar, aus welcher integralen Weltsicht ihre Selbstrettung möglich ist und wie sie sich darstellt. Wie Selbstrettung nicht-theistisch denkbar ist? Ich weiß es nicht, das müsste jemand anderes schreiben (–> Jemeinigkeit! Vielleicht Ihre Aufgabe?) Vielleicht verstehen Sie aber, dass aus einer katholischen Sicht jede Begründung mit geringerer Vertikalspannung tatsächlich ärmer ist, dem gemeinsamen Gegner eben doch ein Stück näher, weil die (wenn auch nur subjektiv angenommene) Mitte fehlt.

            Dabei kann ich nicht erkennen, wie der Gedanke Gottes ein Substitut sein soll. Vielmehr beginnt das Dilemma, wo jener integraler Gedanke verloren geht und für ihn Substitute gesucht werden: Rasse oder Klasse, heute vielleicht andere Fetische. Die Rückbesinnung auf Gott kann also ähnlich wirken, wie Sommerfeld es zur Entängstigung beschrieben hat: Es schafft Distanz zu den verschiedenen Fetischen der Zeit. Diese Distanz kann einen rationaleren Umgang mit den Dingen ermöglichen, weil sie an ihrem gebührenden Platz gesehen werden. Also: Auch wenn Volk und Rasse als Gottes-Substitute abzulehnen sind (siehe kirchl. Verlautbarungen der NS-Zeit), gehört die Größe „Volk“ dennoch zum Wesen des Menschen und ist schützenswert.

            Nun ist es aber so, dass dieser Gedanke (zumindest im Westen) an Plausibilität verloren hat. (Die Diagnose ist sicher nicht abzuweisen, aber man sollte dennoch im Auge behalten, dass Deutschland und insbesondere Ostdeutschland hier ein Extrem darstellen. Was sind Ihre Erfahrungen in Ungarn dazu?) Was ist daraus zu lernen? Dass es kein einfaches Zurück gibt, sicher. Aber die Deutung dieses epochalen Wandels halte ich für unklar. Ist es ein Voranschreiten, ein Erwachsenwerden des Menschen? Ist es eine Verdunkelung, das Durchschreiten eines Tales? Ich denke, gerade als in der Position des Rechten ist einem doch klar, dass Wahrheit nicht demoskopisch bestimmt wird und dass Epochen irren können.

            Ob es Gott nun gibt oder nicht, ob er „personal“ zu denken ist oder nicht… Ich scheue mich davor, eine Diskussion über Gottesbeweise zu beginnen. Nicht, weil ich glaube, dass das von vornherein aussichtslos wäre, sondern weil es lang, technisch und irgendwie… wenig geistreich ist. Es kann dazu dienen, den Gottesglauben als nicht irrational zu erweisen. Aber es wird kaum jemanden überzeugen. Dazu braucht es die Erfahrung des Heiligen, die Berührung durch den Lebendigen: Horrendum est incidere in manus Dei viventis. Furchtbar ist es, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen.

            Gefällt 1 Person

  5. Antwort an Sidewalk.

    Ich leide ja unter dem Komplex, mich nicht so sehr sinnstiftend einbringen zu können, wie ich es für angebracht halte.
    Momentan bin ich so sehr in meinem Mikrokosmos gefangen, daß ich mich zwischen Ängsten und
    Hoffnungen wiegend – selbst im Spiegel sehend, zu siezen neige.
    Mit den verbliebenen Hirnzellen, die noch nicht wegen Unlust, Hoffnungslosigkeit oder Organisationsmangel desertiert sind, versuche ich einem innerem Kompaß zu folgen, welcher auf einen steilen Berg zeigt, und bei jeder leisen Luftbewegung ahnungsvoll die Amplitude gen Stratosphäre schnellen lassen will.
    Daher stehen auf dem Brett vor meinem Kopf abwechselnd Bonmots wie :

    „Wegen Betriebsaufgabe geschlossen“
    „Hunde müssen draußen bleiben“
    „Vollsperrung der A777 – wir bitten um Ihr Verständnis“
    „Guck nicht so wie mein Sandsack, Du unempfindliches Gemüt mir gegenüber“
    „Der Irrsinn der Masse führt zu ernstlichen und leidbringenden Komplikationen in Wechselwirkung mit meiner Art: Für mich, für Dich und an sich.“
    „Wegen Terrorismus vorübergehend geschlossen“
    „Die Axt die ich Dir in den Nürsel tu, sorgt für Frieden und für Ruh.“

    Nur der Nagel, der die Dinger festhält, ist etwas stärker und länger als ehemals erwartet.
    Eben genau so wie es sich mit den Umständen indessen im Allgemeinen verhält.
    Das Klingelschild ist gesprengt, das Haus von einem Erdwall umschüttet; und der einzige
    Aufgang mit Melonen gesichert. Kanonen waren auf dem Markt nicht zu bekommen.

    Manchmal während des eigenen Verwesens ist es oftmals doch zu viel des Lesens; aber dann stelle man fest, während man da verwese, weiter fleißig lese, es war wie so oft, wie immer: um ein Nichts ein lautes Gewese.

    Gefällt 2 Personen

  6. Zweifler schreibt:

    „Dort allerdings wurde ich jäh aus der Trance gerissen – man kann das Buch wie eine Meditation, wie eine Erleuchtung lesen –, denn auch sie bemüht am Ende den Sprung in den Glauben.“

    Das ging mir ebenso. Ich erschrak regelrecht, da mir der Gottesbezug wie ein Medienbruch erschien und las die Passage mehrfach. Die Frage war, ob sie davon ausgeht, ohne Gottesgläubigkeit zur Untätigkeit verurteilt, verloren zu sein. Das konnte ich nicht glauben. Habe bei genauerem Lesen und ein wenig Zurechtbiegen des Textes das dann so verstehen wollen, sie selbst setze den Glauben nicht voraus, sondern bemüht lediglich das Vertrauen in ein übergeordnetes Schicksal. Das wiederum kann man machen, empfand es aber nach wie vor als überflüssig. Vielen Dank für die Wendung „Vertrauen in den Weltenplan“. Den wiederum kann jeder haben, wobei hier eigentlich auch nicht notwendig. Die fast letzten Zeilen bei ihr, „(…) sich nicht treiben zu lassen von den raumzeitlich bedingten Gegebenheiten, sondern sie in seine Verfügung zu nehmen und dadurch dem ihm gerade so gestellten Anspruch Gottes in der Zeit gerecht zu werden. (…)“ habe und würde ich auch weiterhin mit der Anmerkung versehen, daß man den Gottesbezug nicht braucht, wenn (das geschilderte Verhalten) als Sinn des Lebens begriffen wird. Tatsächlich ist der Gottesbezug bei den selbstgenannten Neuen Rechten auffällig und erscheint mir oft als hinzugesetzte Ebene, die eigentlich auch weggedacht werden kann-ohne diesen scharfsinnigen Denkern zu nahe treten zu wollen.

    Liken

  7. Werner Brotmann schreibt:

    In einem Gespräch mit Hasnain Kazim verneinte sie die Frage, ob auch Nichtweiße Deutsche sein könnten. Zwar sei dies für sie nicht allein unter dem Gesichtspunkt der „Rasse“ zu bewerten, „aber es hat auf jeden Fall ganz elementar eine ethnische Komponente. Mit der Staatsbürgerschaft allein ist es nicht getan.“ Was „deutsch“ sei, sei „augenscheinlich“ und bedürfe keiner komplexen Definition. Es reiche, in eine typische deutsche Kleinstadt zu fahren und zu registrieren, „wie die Leute dort denken, wie sie sprechen, wie sie aussehen“. Sie sei aber nicht „gegen Fremde ganz pauschal, das ist Quatsch“.

    Liken

    • Tommy schreibt:

      Als Antwort auf Werner Brotmann.

      Wieso zitieren Sie die Aussage nur, ohne genau zu erklären, worin für sie das Problem liegt?
      Meines Erachtens sind solche „Tabubrüche“ notwendig, denn der offizielle Diskurs in Deutschland zu diesen Fragen ist völlig verlogen und bestreitet im Grunde die Existenz ethnischer Deutscher (die ja unter Umständen ein Interesse daran haben könnten, nicht innerhalb von ein paar Jahrzehnten im eigenen Land flächendeckend zur Minderheit zu werden).

      @ Werner Brotmann

      Hochwohlgeborener und sehr geschätzter Herr Tommy,

      ich habe mit der Aussage überhaupt kein Problem, im Gegenteil, ich sehe es sogar als Auszeichnung für diese Frau Sommerfeld.

      Hochachtungsvoll

      Werner Brotmann

      Liken

Schreibe eine Antwort zu Tommy Antwort abbrechen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.