Europas kulturelle Einheit

Europas kulturelle Einheit – PDF

1946 hielt T. S. Eliot in der Sendereihe „Lebendiges Abendland“ des Deutschen Dienstes des Londoner Rundfunks einen dreiteiligen Vortrag unter dem Titel „The Unity of European Culture“, der trotz seiner enormen Bedeutung und Aktualität längst vergessen wurde. Ihn zu rekapitulieren, wieder in Erinnerung zu rufen, zu erneuter Lektüre anzuregen, ist die Aufgabe dieses Beitrages.

Der geniale Poet versuchte darin – den verheerenden Krieg, die faschistische Diktatur im Gedächtnis – die Wurzeln der europäischen Idee frei zu legen, die Bedingungen eines gelingenden Europas zu beschreiben.

Eliot begeht das Gedankengebäude durch den ihm vertrautesten Zugang: die Poesie. Er macht in seinem ureigenen Medium – der englischen Sprache –  das hervorragendste Mittel aus, poetisch zu spielen. Das Englische eigne sich nicht nur wegen seines enormen Wortschatzes dafür, sondern auch wegen der vielen Melodien, die es anschlagen könne und dies wiederum ist möglich, weil es sich aus mehreren historischen und kulturellen Quellen speist: das Germanische, das Skandinavische, das Normannische, das Französische, das Griechische und Lateinische und schließlich das Keltische. Englische Poesie könne auf all diesen Klaviaturen spielen. Es ist ein ideales Beispiel positiver kultureller Bereicherung.

Keine Kunst, so Eliot, sei alleiniges Eigentum eines Landes und keine könne florieren, ohne den Einfluß anderer, meist benachbarter Kulturen. So wären ohne Rimbaud, Baudelaire und Valéry weder ein Rilke oder ein Yeats  denkbar gewesen und ohne Poe wiederum kein Baudelaire …

Mehr noch, keine Nation, keine Sprache würde erreicht haben, was sie erreichte, wenn die gleichen Künste nicht auch in den benachbarten Ländern und in verschiedenen Sprachen kultiviert worden wären.[1]

Damit sich eine Literatur selbst erneuern könne, bedürfe es zweier Voraussetzungen: sie muß fähig sein, fremde Einflüsse zu empfangen und aufzunehmen, sie muß zugleich aber auch in der Lage sein, ihre eigenen Quellen zu erschließen und von ihnen zu lernen. Beide fließen in einer ferneren Vergangenheit zusammen, denn auch benachbarte Kulturen speisen sich aus den gleichen Quellen. Dies ist Voraussetzung dafür, daß sie assimiliert werden können.[2]

Natürlich können auch kulturell weit entfernte Ressourcen erschlossen werden und Eliots Werk, das indische und buddhistische Einflüsse kennt, ist dafür beredtes Zeugnis, aber meist findet auch diese Einwirkung nur über das Medium der verwandten Sprachen statt, Übersetzungen also, denn nur wenige Literaten sind zugleich auch Gelehrte, die die Originaltexte verstehen könnten.

Wenn man von der Einheit der Europäischen Kultur spricht, dann dürfe nicht der Eindruck entstehen, diese sei von anderen Kulturen abgeschnitten. Die kulturellen Grenzen sind nicht und sollten auch nie geschlossen bleiben.

Dennoch schafft die Geschichte Unterschiede: Jene Länder, die eine gemeinsame Geschichte teilen, sind einander stets die wichtigsten, wenn es um Literatur und Kunst geht.[3] Sie teilen die gemeinsamen Klassiker, in Europa die griechischen und römischen, aber auch die Bibel.

Jede Form von Kunst bestehe demnach aus drei Elementen: der lokalen Tradition, der gemeinsamen europäischen Tradition und der gegenseitigen Beeinflussung der Kunst der europäischen Länder und Sprachen.

Wie stark Kunst und Kultur von der Offenheit abhängig seien, das haben die 30er Jahre zur Genüge bewiesen. Italien und Deutschland waren die ersten, die sich abschlossen und uniformierten, aber bald habe die gesamte europäische Kultur darunter gelitten. Deutsche Autoren etwa hatten Europa immer weniger zu sagen und selbst die englische Literatur habe unter der einseitigen Besinnung auf nur eigene Quellen stark verloren.

Dafür habe es freilich noch einen anderen Grund gegeben: die zunehmende Besessenheit mit Politik. Eliot meint, daß eine allgemeine Beschäftigung mit Politik nicht eint, sondern immer trennt. Es eint zwar jene mit vergleichbaren politischen Positionen, auch über die Landesgrenzen hinweg, aber es entfremdet sie von anderen Ansichten und tendiere dazu, die kulturelle Einheit Europas zu zerstören.

Diese gegenseitige Aversion habe es zuvor nicht gegeben – man lese dazu Clive Bells „Civilization[4] –, als man die politischen Überzeugungen im Dialog mit anderen Künstlern schlichtweg noch ignorieren konnte. Damals sei es die gemeinsame Neugierde, die Offenheit des Geistes für neue Ideen gewesen, die den Dialog trug. Gegenteilige Meinungen seien unter dieser Prämisse ebenso wichtig gewesen wie verwandte Ideen. Man prüfte sie nicht unter einem Feindes-Apriori und stets mit der Unterstellung, daraus lernen zu können. „Mit anderen Worten: wir konnten ein Interesse voraussetzen, einen Genuß an Ideen um ihrer selbst willen, am freien Spiel des Intellekts“.[5]

An dieser Stelle muß ich Eliots Gedankengang unterbrechen, denn hier – so scheint mir – liegt der Knackpunkt, hier wird sein Text eminent. Die politischen Verhärtungen der letzten Jahre haben im heutigen Deutschland ein intellektuelles Klima geschaffen, daß den freien Austausch der Ideen nahezu vollkommen verhindert. Politische Korrektheit dominiert die Sprache, ideologische Vorgaben wie Gendersprech oder Anti-Rassismus vergiften den freien Diskurs, die Neugierde am anderen Argument ist vollkommen verloren gegangen und wurde einer „vernutzenden Lektüre“ (Kubitschek) geopfert, die Texte – selbst historische – nur noch nach inkriminierenden Gedanken absucht, der Ton ist unsäglich rauh geworden und springt sofort auf die persönliche Ebene, die Ratio wird zunehmend dem Gefühl, der Gerechtigkeit geopfert. Die heutige geistige Situation gleicht der der 30er Jahre, wie Eliot sie beschreibt, und erneut geht die Einschränkungsinitiative wesentlich von der Politik und ihren medialen Höflingen aus.

Eliot aber kam aus einer Zeit, in der es eine internationale Verbundenheit der Literaten und Intellektuellen (men of letters) innerhalb Europas gegeben habe, eine Verbindung, die die nationalen und religiösen Loyalitäten, die Differenzen in politischer Anschauung nicht in Frage stellte, sondern mit diesen Differenzen produktiv umgehen konnte. Es ging nicht darum, bestimmte Ideen durchzusetzen, sondern vielmehr intellektuelle Aktivität auf höchstem Niveau zu gestatten.[6]

Werden Kultur und Politik vermischt, so zeitige das zwei mögliche Konsequenzen. Es mag einerseits eine Nation intolerant gegen jede Kultur – die eigene ausgenommen – machen, so daß diese versucht ist, sie umgebende Kulturen auszumerzen oder umzuformen. Andererseits – hier ist Eliot ein hochaktueller Warner – könne die Vermengung von Kultur und Politik zu einem Ideal eines Weltstaates führen, in dem es letztendlich nur eine uniforme Weltkultur geben werde, in der die Vielfalt der genuinen Kulturen also beseitigt sein wird.

Kultur aber sei etwas, das wachsen müsse, einem Baum vergleichbar, den man nur pflanzen und pflegen, nicht aber dirigieren könne, den man sich frei entwickeln lassen müsse, soll er sich organisch und aus sich selbst heraus entwickeln.

Für eine gesunde, organische europäische Kultur seien zwei Bedingungen notwendig: die Kultur jedes einzelnen Landes müsse einzigartig sein und in ihrer Einzigartigkeit erhalten werden und die verschiedenen Kulturen sollten ihre gegenseitigen Beziehungen und Abhängigkeiten realisieren, so daß jede für den Einfluß der anderen offen bleibe. Und dies sei möglich, weil es ein gemeinsames Element der europäischen Kultur gebe, eine sich gegenseitig befruchtende gemeinsame Geschichte des Denkens, Fühlens und Verhaltens, ein Austausch von Kunst und Ideen.[7]

Man müsse, setzt er in seinem dritten Vortrag an, zwischen der materiellen Organisation und dem geistigen Organismus (spiritual organism) Europas unterscheiden. Wenn letzteres verloren geht, dann wird das, was zu organisieren übrigbleibt, kein Europa mehr sein, sondern nur noch eine Masse an Menschen, die verschiedene Sprachen spricht. Diese Sprachen wiederum verlieren ihre eigentliche Existenzberechtigung, denn in ihnen spricht sich nichts Eigenes, nichts Eigenartiges und nur durch diese Sprache Ausdrückbares mehr aus, denn die Menschen würden nichts mehr zu sagen haben, was nicht ebenso auch in einer anderen Sprache sagbar wäre. Diese Funktion, so wird man Eliot weiterdenken können, hat ebenjene Sprache übernommen, die er noch für die Poetischste hielt, die englische Sprache, allerdings in einer modernen Pidgin-Form.

Eine europäische Kultur sei also nicht nur dann unmöglich, wenn sich die Länder gegeneinander abschotten, sie wird auch dann verschwinden, wenn diese Länder ihre Identität verlieren und ununterscheidbar werden.[8] „Wir brauchen Vielfalt in der Einheit: nicht die Einheit der Organisation, sondern eine natürliche Einheit“.

Es gebe natürlich höhere und niedrigere Kulturen und die höheren erkenne man an einer stärkeren Differenzierung ihrer Funktionen und dementsprechend gebe es auch kultiviertere und weniger kultivierte Gesellschaftsschichten. Die Kultiviertheit (culture) eines Künstlers oder eines Philosophen sei von der eines Berg- oder eines Landarbeiters in der Regel verschieden, ebenso wie sich die Kultiviertheit eines Dichters von der eines Politikers unterscheidet. In einer gesunden Gesellschaft sind sie trotzdem alle Teil einer Kultur (culture): der Künstler, der Poet, der Philosoph, der Politiker und der Arbeiter haben alle eine gemeinsame Kultur, die sie mit anderen Menschen der gleichen Beschäftigung in anderen Ländern nicht teilen.[9]

Diese natürlichen Ungleichheiten gibt es auch zwischen den Nationen, es gibt weder einen gleichmäßigen kulturellen noch einen gleichmäßigen wirtschaftlichen Austausch. Einige benötigen das, was man selber hervorbringt, mehr als andere und umgekehrt besteht ein höherer Eigenbedarf für bestimmte Güter bestimmter anderer. Manchmal können die kulturellen Beziehungen trotz unterschiedlicher Sprachen so eng sein, daß man von einer gemeinsamen europäischen Kultur sprechen kann.

„Europäische Kultur“ meint hier die gemeinsamen Identitäten, die wir in verschiedenen nationalen Kulturen ausmachen können.[10] Dabei kann ein Land jeweils enge kulturelle Beziehungen zu anderen pflegen, die sich untereinander kulturell fern stehen.

Eine strenge Linie zwischen den Kulturen kann man nicht ziehen, auch nicht zwischen Ost und West oder Europa und Asien, dennoch sind wir berechtigt, gewisse gemeinsame Kennzeichen in Europa wahrzunehmen, die es erlauben, von einer genuin Europäischen Kultur zu sprechen.

Welche sind das? Die treibende Kraft sei die Religion, genauer gesagt die gemeinsame Tradition, im Falle Europas also die Tradition des Christentums in seiner Vielfalt. Selbst wenn Asien morgen komplett christianisiert wäre, dann wäre es noch immer kein Teil Europas. Hier haben sich Künste und Recht aus dem Christentum heraus entwickelt. Auch wenn der individuelle Europäer die Wahrheit des christlichen Glaubens nicht anerkennt, entspringt doch alles, was er sagt, denkt und tut der christlichen Kultur und ist nur aus dieser heraus verständlich.

Daher, so Eliot, könne die europäische Kultur nicht überleben, sollte der christliche Glaube je verschwinden. Verschwindet das Christentum – als Denk- und Handlungsweise, als Sprache, möchte man ergänzen –, so verschwindet unsere gesamte Kultur.

Dann müßte man komplett von vorn beginnen, denn eine neue Kultur gibt es nicht als ready made, sie müßte sich über lange und barbarische Jahrhunderte neu entwickeln.[11]

Unabhängig vom individuellen Glaubensbekenntnis verdanken wir unserem christlichen Erbe unendlich viel: die Entwicklung unserer Künste, das Verständnis des Römischen Rechts, das Verständnis unserer privaten und öffentlichen Moral, die gemeinsamen Standards unserer Literatur, die in Athen und Rom geprägt wurden. Die westliche Welt sei in ihrem gemeinsamen Erbe, im Christentum, in den antiken griechischen, römischen und jüdischen Zivilisationen vereint. Das ist das wahre Band zwischen uns allen, uns Europäern.

„Sollten wir dieses gemeinsame Erbe verschleudern oder wegwerfen, dann wird auch das Planen und Organisieren der klügsten Köpfe nicht helfen, uns einander näher zu bringen.“[12]

Unsere Loyalität hat daher nicht nur dem Staat, oder noch schlimmer, einem Superstaat zu gelten, stattdessen müsse es eine Vielfalt an Loyalitäten geben. Um diesen Gedanken zu verdeutlichen, führt Eliot zum Vergleich die Aufgabe der Universität an, die nicht darin bestehe, eine effiziente Bürokratie zu schaffen oder Wissenschaftler darin zu befähigen, Wissenschaftler anderer Länder zu übertrumpfen, sondern der Pflege des Lernens, dem Streben nach Wahrheit, der Erlangung der Weisheit. Unsere Loyalität hat zuvörderst unserer Kultur in ihrer Vielfalt zu gelten. Der Staat ist nur das organisatorische Gerüst, der die Grundlagen für den Erhalt und die Entwicklung der Kultur zu schaffen hat.

[1] This is, that no one nation, no one language, would have achieved what it has, if the same art had not been cultivated in neighbouring countries and in different languages. We cannot understand any one European literature without knowing a good deal about the others. When we examine the history of poetry in Europe, we find a tissue of influences woven to and fro.
[2] I wish to make this point especially: that every literature must have some sources which are peculiarly its own, deep in its own history; but also, and at least equally important, are the sources which we share in common: that is the literature of Rome, of Greece and of Israel.
[3] For when I speak of the unity of European culture, I do not want to give the impression that I regard European culture as something cut off from every other. The frontiers of culture are not, and should not be, closed. But history makes a difference. Those countries which share the most history are the most important to each other, with respect to their future literature.
[4] Wirkliche, offene und angstfreie Konversation als Voraussetzung der Zivilisation: … real conversation – the exchange of sentiments and ideas between people completely dissarmed and at their ease, people without fear or suspicion, having no axes to grind, seeking neither to impose nor display themselves, seeking truth by way of pleasure. Conversation is a delight known to civilized alone. (Clive Bell: Civilization. London 1928)
[5] The question of a writer’s political, social or religious views simply did not enter into our calculations. … I should say that it was a common concern for the highest standards both of thought and of expression, that it was a common curiosity and openness of mind to new ideas. The ideas with which you did not agree, the opinions which you could not accept, were as important to you as those which you found immediately acceptable. You examined them without hostility, and with the assurance that you could learn from them In other words, we could take for granted an interest, a delight in ideas for their own sake, in the free play of intellect.
[6] It was the assumption that there existed an international fraternity of men of letters within Europe: a bond which did not replace, but was perfectly compatible with, national loyalties, and differences of political philosophy. And that it was out business not so much to make any particular ideas prevail, as to maintain intellectual activity on the highest level.
[7] For the health oft he culture of Europe two conditions are required: that the culture of each country should be unique, and that the different cultures should recognize their relationship to each other, so that each should be susceptible of influence from the others. And this is possible because there is a common element in European culture, an interrelated history of thought and feeling and behaviour, an interchange of arts and of ideas.
[8] … so that we may be clear about the distinction between the material organisation of Europe, and the spiritual organism of Europe. If the latter dies, than what you organise will not be Europe, but merely a mass of human beings speaking several different languages. And there will be no longer any justification for their continuing to speak different languages, for they will no longer have anything to say which cannot be said equally well in any language: they will, in short, have no longer anything to say in poetry. I have already affirmed that there can be no ,European’ culture if the several countries are isolated from each other: I add now that there can be no European culture if these countries are reduced to identity. We need variety in unity: not the unity of organisation, but the unity of nature.
[9] The culture of an artist or a philosopher is distinct from that of a mine worker or field labourer; the culture of a poet will be somewhat different from that of a politician; but in a healthy society these are all parts of the same culture; and the artist, the poet, the philosopher, the politician and the labourer will have a culture in common, which they do not share with other people of the same occupations in other countries.
[10] Now when we speak of ,European culture’, we mean the identities which we can discover in the various national cultures; and of course even within Europe, some cultures are more closely related than others. Also, one culture within a group of cultures can be closely related, on different sides, to two cultures which are not closely related to each other.
[11] It is in Christianity that our arts have developed; it is in Christianity that the laws of Europe have – until recently – been rooted. It is against a background of Christianity that all of our thought has significance. An individual European may not believe that the Christian faith is true, and yet what he says, and makes, and does will all spring out of his heritage of Christian culture and depend upon that culture for its meaning … I do not believe that culture of Europe could survive the complete disappearance of the Christian faith. And I am convinced of that, not merely because I am a Christian myself, but as a student of social biology. If Christianity goes, the whole culture goes. Then you must start painfully again, and you cannot put on a new culture ready made. … You must pass through many centuries of barbarism.
[12] What I wish to say is, that this unity in the common elements of culture throughout many centuries, is the true bond between us. No political and economic organisation, however much goodwill it commands, can supply what this culture unity gives. If we dissipate or throw away our common patrimony of culture, then all the organisation and planning of the most ingenious minds will not help us, or bring us close together.
T.S. Eliot: The Unity of European Culture – Die Einheit der Europäischen Kultur (zweisprachig). Berlin 1946
Übersetzungen: Seidwalk

15 Gedanken zu “Europas kulturelle Einheit

  1. JJA schreibt:

    Ich schätze Ihre Einlassungen zu Sprache(n) immer sehr, deshalb würde mich einmal interessieren, was Sie zu Eliots Preisung der englischen Sprache sagen.

    Ich muss gestehen, ein längerer Aufenthalt in England hat bei mir natürlich auch viel Achtung für den sensiblen Umgang mit Sprache in England geweckt, auch Bewunderung für den Klang. Ich denke, die anglikanische Chortradition und die englische Sprache harmonieren, weil das Englische oft sangbarer ist, durch die weicheren Konsonanten. Zumindest klingen deutsche Texte auf anglikanischen Melodien oft eher hölzern.

    Mehr noch hat der Aufenthalt die Liebe zur eigenen Sprache gestärkt. Vielleicht aus Schwäche, weil ich nur in ihr wirklich zu denken in der Lage bin. Aber ich vermisse einfach die grammatische Ausdifferenziertheit, die z.B. in der Philosophie einfach gebraucht wird. (Ich hatte einige Gespräche zum Deutschen Idealismus dort – ein Grauen! Für meine Gesprächspartner ob meiner Sprache vermutlich nicht minder.) Aber das Spiel mit grammatischen Strukturen vermisse ich eben auch in der Poesie. Natürlich, es gibt den gottgleichen Shakespeare, aber vieles wirkte auf mich … populär, in einem nicht unbedingt positiven Sinn.

    Oder haben Sie einen Tipp, um mich vom Gegenteil zu überzeugen?

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    • @ JJA

      Ich teile Ihre Skepsis bezüglich der englischen Sprache, gestehe Eliot aber zu, in dieser Frage die tieferen Einsichten zu haben. Außerdem hat er natürlich das Recht, als Engländer/Amerikaner seine Muttersprache zu überhöhen, so wie wir das auch tun und die Ungarn noch mehr und sogar die Dänen mit ihrer recht primitiven Sprache, meinen in der modersmål das A und das O zu finden:

      Det danske sprog, vort modersmål, det priser vi i sang.

      Det dækker alt fra fodboldskrål til digt om årets gang.

      I sproget kan vi lytte os til en fælles rod,

      der rummer træk fra mange sprog og spor, de efterlod.

      Det danske sprog, det elsker vi, for det gør tanken fri,

      så alt det, vi vil tale om, kan udtrykkes heri.

      Fra hjerne og fra hjerte skaber vi de danske ord,

      de tråde, der kan flette os i fællesskabets kor.

      Und alle haben recht.

      Im Übrigen wurde das Thema auf dem Blog schon mehrfach gestreift: hier und hier etwa.

      Die englische Lyrik kenne ich zu wenig, um Bsp. nennen zu können. Aber denken Sie nur an Virginia Woolf oder an Joseph Conrad … kaum zu übersetzende englische Idiosynkrasien.

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    • Michael B. schreibt:

      Als Antwort auf JJA.

      > Ich hatte einige Gespräche zum Deutschen Idealismus dort – ein Grauen!
      > aber vieles wirkte auf mich … populär, in einem nicht unbedingt positiven Sinn.

      Waehlen Sie andere Themen 🙂

      > Oder haben Sie einen Tipp, um mich vom Gegenteil zu überzeugen?

      Man koennte jetzt viel Literatur angeben, John Donne (und andere Mystiker), Wilde, Eliots eigenes „Waste Land“, Knackigkeit und trotzdem Tiefe wissenschaftlicher Natur aus anderen Bereichen (keinerlei Schwerpunktsetzung in all diesen Dingen beabsichtigt oder auch nur moeglich!).

      Aber das ist nicht der Punkt, Riesenkontinente fehlen. Die Melodie von Suedstaatenenglisch („Oh Brother Where Art Thou“), die vielen Ebenen von Humor zum Thema Unterschiede der Sprache je nach Herkunft ueberhaupt (und Humor generell). Gibt es hier auch, hat aber im Deutschen immer (oft) eine gewisse Grobheit, Braesigkeit, Verhaertung bis hin zur Feindseligeit. Ueberhaupt gesprochenes gegenueber geschriebenem Englisch. Man braucht ein gewisses Grundinteresse und Liebe dazu, dann erschliessen sich die Feinheiten und Englisch ist gar nicht mehr so arm wie es auf den ersten Blick scheint. Der Knackpunkt ist die Sprachbeherrschung bis zum Punkt des nicht mehr Uebersetzens. Ich bin dahingehend selbst ein Hybrid der ihn schon einmal kurz ueberschritten hatte, mittlerweile fluktuiert es aber wieder darum herum, da ich die letzten Jahre auf der interessanten Ebene fast nur noch lese und schreibe. Je nach Thema, Dialekt, Intensitaet des Ausgesetztseins u.a.m..

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      • JJA schreibt:

        Danke! Ja, mir ist klar, dass eine solche Frage immer etwas banausenhaftes hat. Was würde man antworten, wenn jemand mal nach „ein bisschen deutscher Lyrik“ fragen würde? Wo anfangen?

        Die Feinheiten im mündlichen Sprachgebrauch, die konnte ich auch spüren, aber war weit davon entfernt, selbst damit zu spielen. Da zeigt das Englische einen Reichtum, der die grammatische Schlichtheit vergessen lässt. Aber manche Themen überblicke ich ganz gut und da schneidet das Englische m.M.n. nicht immer brilliant ab, z.B. bei Psalmenübersetzungen. Mein Vergleich war: Latein – eine gute deutsche Übersetzung (Guardini, Münsterschwarzach bspw) – Englisch (selbst KJV, Norm ist eher NSRV).

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  2. Es gibt wohl zwei Arten gesellschaftlicher Gleichheiten, aus denen zwei Arten von Gemeinschaften folgen können: die Gleichheit nationaler Kultur, welche die Nationalgemeinschaft, und die Klassengleichheit (die Gleichheit von Religion, Weltanschauung, Stand und Schicht), welche die übernationale Solidarität der Klassen hervorbringen kann. (Der Nationalstaat ist der Versuch, das Allmendeproblem durch Integrierung der Trittbrettfahrer und Schmarotzer, der übernationale Klassenkampf, es durch ihre Abstoßung zu lösen.)

    Seit dem Sieg des Nationalstaats im 19. Jahrhundert (also frühestens 1815 und spätestens 1919; zuvor war es umgekehrt) betont die politische Rechte eben die bestehende Nationalgemeinschaft, weil in ihr, im Ideal, die sozialen Gegensätze aufgehoben sind. Die Linke dagegen möchte sie überwinden, weil sie in ihr ein Instrument der Klassenunterdrückung sieht: Wir als Liberale, Proletarier, Arier, Kosmopoliten werden von den Anderen überwältigt, entfremdet und ausgebeutet. Und wir fürchten den Untergang unserer Identität, wenn wir uns dagegen nicht wehren.

    Neben vielem anderen auch daher die gegenwärtige Entwicklung, das geistige Klima von heute. Unbefangen und neugierig dem fremden Argument zu begegnen ist nur möglich, wenn ich mich von ihm, und vor allem von dem, der es äußert, nicht identitär bedroht fühle. Die kosmopolitische Linke hat erkannt, dass sie sich in ihrer größten Krise seit den Dreißigern befindet. Deswegen ihre Radikalisierungsspirale, ihre immer absurderen Credos, ihre Durchhalteparolen und ihr Glaube an wunderbare Wendungen, ihre Bunkermentalität, ihr vernichtender Hass auf den identitären Feind, letztlich ihr Todestrieb: Wenn wir schon scheitern müssen, dann wollen wir wenigstens so viel wie möglich mitreißen in den Abgrund.

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    • Bernd Lauert schreibt:

      Als Antwort auf Robert X. Stadler.

      Hallo!

      Man kann nicht von sich selbst und seiner vermeintlichen Erkenntnis auf die Allgemeinheit schließen, und von ihr die selbe geistige Höhe einfordern (ein sogenannter individualistischer Fehlschluß).

      Der selbe Fehler wird seit mindestens 250 Jahren von (meist selbsternannten) Trägern der Aufklärung begangen, die von ihren Mitmenschen verlangen, sich ihres Verstandes zu bedienen. Sobald sie dies nur täten, würde sich die Welt schon in eine bessere verwandeln, denn dann wäre die allgemeine Ratio eingetreten, die bei Erkenntnis der Gründe auch notwendigerweise überall zu denselben Vernunfturteilen führen würde.
      (Die französische Revolution als Prototyp der gesamten Entwicklung, die sich seitdem im Großen vollzieht, neigte dazu, die nicht passenden Elemente als entartet einfach auszumorden.)

      Das ist die irrige Grundannahme aller Verfechter der Demokratieutopie. Es ist auch Dein Irrtum. Dein Gram über das dumme Wahlvieh, das seine eigenen Schlächter wähle, ist die unmittelbare Folge eines falschen Axioms über die Natur des Menschen und seine Möglichkeiten, sobald er als Masse auftritt. Deine Enttäuschung ist ebenso zwangsläufig wie ohne Grundlage.

      Keinen geringen Anteil an der Misere hat der Umstand, daß die traditionellen sozialen Verbindungen (Familie, Kameradschaft etc.) heute zerstört sind, welche den Menschen in ihrer unmittelbaren Umwelt als Spiegelbild der höheren Ordnung Struktur (Sitten, Verhaltensnormen und eine Einheit der Lebenseinstellung) gaben. Das in der Zivilisation isolierte und vereinsamende Individuum sucht notgedrungen den Anschluß an äußere Normen, wobei sich nur Ersatzreligionen, Ideologien, „Subkulturen“ und ein unreflektiertes Schwingen im Zeitgeist neben anderen Verlorenen anbieten. So wird wenigstens ersatzweise eine trüber Nachklang der verlorenen Gemeinschaft empfunden. Die meisten Menschen sind von ihrem Naturell her Herdenexemplare. Das ist auch gut so. Mit lauter Exzentrikern, die ihr eigenes Ding durchziehen wollen, läßt sich kein Staat, geschweige denn eine Kultur machen. Solche machen idealerweise nur eine kleine Minderheit aus, die neue Impulse bringt.
      Die negativen Tendenzen, die wir heute beobachten, sind eine Folge dessen, daß die ursprüngliche Ordnung völlig auf den Kopf gestellt wurde, während noch dieselben, eigentlich Aufbauendes anstrebenden menschlichen Energien wirken, so daß eine negative Verstärkung nach unten erfolgt. Man kann sich kaum vorstellen, wie entfremdet sich Erna Dosenkohl eigentlich fühlt, ohne klaren Durchblick, was eigentlich vor sich geht, aber mit dem dumpfen Gefühl bewehrt, daß irgend etwas mit der Welt grundsätzlich nicht stimmt. Alle Antworten, die sich in der Umgebung finden, sind eigentlich nicht hinreichend. Um das zu erkennen, bräuchte sie die geistige Verwurzelung, die sie (ohne eigenes Verschulden) nicht mehr hat. Als psychologischer Reflex werden die dürftigen Angebote der Umwelt für ganz besonders richtig und wahr gehalten. So mag man wenigstens das nagende Gefühl der Unzulänglichkeit durch einen Akt des Selbstbetruges, der zur Lebenslüge wird, übertünchen. Nicht wenige aber wählen schlicht aus Gewohnheit, was sie meinen, daß die Mehrheit in ihrer Umgebung wählte, weil sie einfach den Anschluß nicht verlieren wollen.

      Das einzig sinnvolle wäre, nicht bei den anderen die Fehler zu suchen, sondern nur bei sich selbst. Wer die natürliche Ordnung in sich wieder herstellt, vermag in seine Umgebung auszustrahlen und den verirrten Schafen, die es aus eigener Kraft nicht schaffen, als Leuchtturm zu dienen (wieder strukturierend „von oben nach unten“). Nur im Einzelnen, nicht in der Masse liegt die Lösung. Das ist der eigentliche Unterschied zwischen „rechtem“ (also „richtigem“) Denken und „linkem“ (also „falschem“). Der Rechte korrigiert sich selbst, der Linke macht alle anderen für sein Leid verantwortlich und will „die Welt reparieren“ (letzteres mit den Worten der Erfinderin des „Gender Mainstreamings“).
      Das ist es auch, was das Abendland, den faustischen Menschen im Kern ausmacht: die bis zum letzten, bis zur schmerzhaftesten Konsequenz getragene Selbstverantwortung. Auch der Preuße (pars pro toto für die Deutschen) verliert sich nicht im Ganzen, sondern fragt, wie er als Einzelner (wie Friedrich II. als erster Diener seines Staates) dem Ganzen dienen kann, jedenfalls sofern er sich auf der Höhe seiner geistigen Möglichkeiten befindet.

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  3. Michael B. schreibt:

    Als Antwort auf Bernd Lauert

    > Nach dessen Scheitern gibt es kein existierendes, organisatorisch bereits etabliertes Alternativsystem mehr, das energetisch relativ günstig in die entstandene Leere hineinströmen könnte.

    Template China? Uebrigens auch schon allein den Zeitraum seiner Existenz betrachtend ein Beispiel fuer einen grossen Staat, der auch extreme Wandlungen toleriert und integriert sowie noetigenfalls korrigiert .

    Seien es die „streitenden Reiche“ der Fruehzeit, seien es die Mongolen, seien es einfliessende massgebliche kulturelle Dinge wie ganze ausgewachsene religioese Systeme (Buddhismus) sei es Mao oder die gegenwaertige neue Entfaltung zur Grossmacht unter Verbindung scheinbar unvereinbarer bis jetzt unverhandelbarer Aspekte von ganzen Wirtschaftssystemen – es war die ganze Zeit China.

    Keineswegs ist eine Verwaltung kulturellen Erbes in die Verwesung hinein zu beobachten. Der Staat bleibt seit vielen Jahrhunderten untrennbar mit diesen Dingen verbunden und praegt sie aktiv mit.

    p.s.
    Ich schleiche hier seit kurzer Zeit wieder lesend herum, seidwalk, und werde gelegentlich meinen Senf dazugeben 🙂

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    • Bernd Lauert schreibt:

      Als Antwort auf Michael B..

      Unser kapitalistisch-demokratisches System, das sich (als organisierte Verfallserscheinung) historisch so entwickeln mußte, baut wesentlich auf Herdenmenschen/Minderbegabte/Gestörte, die wählen und Geschäfte machen dürfen. Darunter fallen die meisten modernen Menschen, die in völliger Entfremdung von den kulturellen Grundlagen keinen Maßstab zur vernünftigen Wertung mehr haben.
      Mir ist das alles andere als unerklärlich.

      Und insbesondere bei Schriftgläubigen scheint mir die Neigung zur Annahme selbst des törichten Schwachsinns besonders groß zu sein, weil sie eine künstliche verstandesmäßige Barriere um ihre Heiligtümer errichten müssen. Andernfalls würde die dürftige Grundlage ihrer halbgaren Religiosität, die eigentlich gar keine ist, sondern nur ein modernes Surrogat, zerbröseln. Diese Denkungsart wird auch auf andere Themen angewandt. Man kann nicht in einem Bereich blindlings glauben, was einem vorgesetzt wird, in einem anderen die nötigen Fragen stellen, um Unsinn zu entdecken.

      Die mit Abstand meisten Menschen, die meisten Christen in der Weltgeschichte haben nie ein Buch gelesen, auch die Bibel nicht. In spiritueller Hinsicht gereichte ihnen das aber gewiß nicht zum Makel. Ich vermute, sie waren tendenziell sogar klüger, weil abstrakte intellektuelle Vorstellungen in ihrem Leben praktisch keine so große Rolle spielten.
      Der Durchschnittsmensch ist nicht besonders intellektuell. Der Niedergang begann wohl mit der Alphabetisierung und verhält sich proportional zur Masse der Menschen, die lesen und schreiben können, dafür aber hinsichtlich ihrer Intelligenz und ihres Gemüts gar nicht geschaffen sind. Deren Zahl wuchs lange nicht nur relativ, sondern auch absolut. Mit der Aufklärung wurde das Tor zur Selbstentfremdung des Menschen aufgestoßen, verbrämt als vermeintliche Befreiung. Statt Bauern, Handwerkern, Kriegern, dem ganzen Spektrum des Menschentums haben wir eine Masse Übergebildeter (um nicht zu sagen, Eingebildeter und Mißgebildeter), die sich in einer Welt zurechtfinden müssen, welche nicht die ihre ist, sich mehrheitlich aber einbilden, daß sie es wäre. Es entspricht dem Selbstbild einer Menschheit, die von sich selbst fortgeschritten ist.
      Vordergründig wird eine Informations- und Wissensgesellschaft behauptet, während wir uns eigentlich schon längst in einem dunklen Zeitalter befinden, weitaus dunkler als man es vom Mittelalter behauptet. Noch nie waren die Menschen so unwissend und derart genötigt, unterschiedslos zu glauben, wie sie es heute sind.

      Interessant sind Spenglers Ausführungen zur Sprachentwicklung. Demnach war die Beherrschung der Schrift ursprünglich eine kultische Aufgabe und den Priestern vorbehalten, nämlich Köpfen, die durch Veranlagung und Schicksal für diese Dinge geschaffen waren. Alle Theologie, Philosophie und Wissenschaft sind im Grunde Ableitungen aus dieser religiösen Seite (der „Domseite“) des Lebens. Mit dem Ende der Hochkultur mit ihrer inneren Schichtung und Differenzierung wurde auch die Schrift von einer elitären Minderheit auf die Masse ausgebreitet. Das war in der Antike nicht anders, als selbst der geringste Sklave im hintersten Gallien lesen konnte. Damit wurde der Masse aber auch der Zugang zu Ideen gewährt, die vielen zu hoch sind und ihnen in ihrem Leben nicht nutzen. Umgekehrt wurde dem Massenmenschen (der vielmehr ein entwurzelter Bauer ist) die Möglichkeit gegeben, seine minderwertigen Ideen in die Welt zu posaunen. Davon zeugen nicht nur die Mengen unnützer Unterhaltungs- und Schundliteratur, sondern auch die populären Dummheiten wie Nibiru & Co., die von Menschen in die Welt gesetzt und erweitert werden, die tatsächlich wissenschaftsfern und auf dieser Ebene erkenntnisunfähig sind, es aber selbst nicht merken.

      Nicht selten denke ich mir im Netz oder außerhalb: „Wieder einer, dem Lesen und Schreiben beizubringen völlig widersinnig war.“ :schief:

      Deswegen werden Foren wie unsere nie einen dauerhaften Erkenntnisdurchbruch erreichen, hingegen vielmehr auf der Stelle treten und immer wieder von denselben einfach gestrickten Unsinnigkeiten zurückgeworfen werden.
      Deswegen werden selbsternannte Aufklärer, die meinen, dem System zusetzen zu können, indem sie den Menschen Hintergrundwissen vermitteln, mit ihren Projekten ebenfalls nicht Erfolg haben. Es steht wie alle Utopien der Natur des Menschen entgegen. Zwischen Demokratie, Intellektualisierung und dem Grad der allgemeinen Dummheit besteht ein Zusammenhang. Das demokratische System mit seiner Propagandamaschinerie ist unter anderem so stabil, weil man dem modernen, von seinen Ursprüngen getrennten Menschen jeden Unsinn weismachen kann; dies um so mehr, je einfacher und angenehmer die Lügen sind.

      Automatisch mit Volljährigkeit erlangte Geschäftsfähigkeit und verliehenes Wahlrecht, ohne auf die Befähigung des Menschen zu achten, ist ja gerade der Ausweis für den modernen Weisungsempfänger.

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      • Michael B. schreibt:

        Jetzt haben Sie ueber Gott und die Welt geredet, die mit meinem posting und dem Gegenbeispiel zur Anpassungsfaehigkeit eines Staatsgebildes allerdings nichts zu tun haben. Zur Verdeutlichung noch einmal Ihre eigenen Worte, um die es mir geht:


        Erst nach Jahrhunderten organischen Wachstums in einer geistig-kulturellen (und religiös begründeten) Tradition sitzen Großstaaten dar vereinheitlichend auf und organisieren dieses Leben (letztlich zu Tode).

        Dass diese Konstellation nicht zwingend ist, sollte mein gebrachtes Beispiel China andeuten. Ich bin uebrigens voellig gottlos, sehe das aber nicht als grundlegendes Problem an. Christliche Religion liefert etliches an Wurzeln, wie aber umgekehrt auch der Widerstand gegen verschiedene ihrer Einschraenkungen. Von Dingen noch gar nicht zu reden, die sich nicht in einer solchen antagonistischen Dualisierung Glaube ja/nein bewegen.

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        • Bernd Lauert schreibt:

          Werden wir uns doch darüber Klar, was hier seit 82 (Der „Machtergreifung“) passiert ist.
          Wer heutzutage zwischen 40-50 Lenze zählt, dem ist inzwischen klar, dass bis in 15 Jahren nach 40-50 Jahren nix mehr für Ihn übrigbleibt.

          Diese Generation erlebt gerade ihr „Desenchantee“. Ein eiskaltes und geradezu widerlich anmutendes Schauspiel. Die Renten werden an „Flüchtlinge“ verbraten,der eigene Lohn reicht mit Mühe und Not für die Familie (und Haus?), Kinder sind eh keine drin und perspektive bleibt einem in dem Alter auch nicht mehr.

          Seit ca 30 Jahren wird uns vorgebetet, das es der Wirtschaft gut gehen muss, Um jeden Preis. Jetzt müssen wir eben dafür „zahlen“ für dieses Stopfen der heiligen Gans. Wir haben uns seit ca 30 Jahren die Butter vom Brot stehlen lasen, mit der Story „Aber uns geht es doch gut !“

          Nun da die Zeche fällig wird, müssen viele feststellen , das Ihre Wünsche und Träume längst im Ausverkauf verscherbelt wurden.

          Unsere Generation müsste von Rechts wegen eigentlich Sturm gegen Berlin und die Lanmdeshauptstädte „reiten“. Aber was passiert ?`

          Geknickt,Geschlagen und Desillusioniert schauen wir wie das Kanichen auf die Schlange. Uns wurde beigebracht die Schnauze zu halten, und das tun wir jetzt eben.

          Es ist ein Trauerspiel mitansehen zu müssen, wie desillusioniert der Deutsche in den letzten 30 Jahren gemacht wurde. Aus einer einstmals Stolzen Nation wurden Hosenscheissende Duckmäußer die sich nur noch für den eigenen Vorteil interresieren.

          Was in Deutschlan passieren muss, ist dan man den Bürgern (Wählern ?) wieder eine Hoffnung und Alternative geben muss. Und das geht eben nicht bei 1-Euro Jobs,“Leiharbeit“ und Lohndruck. Auch muss ein Schlussstrich bei der „Open-Borders“-Initiative unser heiligen Mutter gezogen werden.

          Es kann doch nicht angehen, das bei uns Rentner Müllkübel durchsuchen müssen und Arbeitende „HartzIV“ dazu bekommen müseen, während hunderttausende bei uns in „All-Inklusive-Care“ genommen werden.

          Aber all das ist von unserer Politik SO gewollt. Leute die sich um den nächsten Tag sorgen müssen, die sorgen sich nicht um ihre Politiker. Und so suhlt man sich als Politiker wunderbar im selbst verursachzen Dreck. Die gleichen Leute haben auch keine Illusionen darüber, was sie eigentlich erreichen könnten.
          Desillusioniert und geknickt wirtd eben alles nur noch abgenickt.

          Man wird bei den Rentnern sparen. Da ist noch viel zu holen.

          Auf keinen Fall wird es Abstriche bei der Ansiedlung und der All Inclusive Versorgung von Neubürgern geben.

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          • Michael B. schreibt:

            Als Antwort auf Bernd Lauert.

            Der naechste Sermon ohne konkrete Bezugnahme auf eine nun schon wiederholt gestellte Frage. Noch weiter vertiefter Fatalismus als in der ersten ‚Antwort‘. Mir missfaellt uebrigens der Stil des „wir“ und „man“ und generell der uebermaessigen Verwendung von Passivkonstruktionen.

            > Was in Deutschlan passieren muss, ist dan man den Bürgern (Wählern ?) wieder eine Hoffnung und Alternative geben muss.

            Solche Dinge ‚gibt‘ niemand. Man muss sie sich schon selbst nehmen oder die Umstaende bringen sie halt zwingend hervor. Letzteres folgt dann dem oft gesehenen historischen Fall, den jemand an anderer Stelle kuerzlich so ausgedrueckt hat (man stosse sich jetzt nicht am Zuschnitt auf die Person Merkel). Aus dem Netz:


            Dr. Merkel ist eine Plage von biblischen Ausmaßen, aber auch eine List der Geschichte. Sie zerstört alles was sie anfaßt, und schafft damit erst den Handlungsdruck für grundlegende Renovierungsarbeiten.

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      • Pérégrinateur schreibt:

        Als Antwort auf Bernd Lauert.

        Wohl jedes politische System beruht in der Hauptsache auf Herdenmenschen, da den meisten Menschen zu allen Zeiten Anpassung und Opportunismus eingeprägt sind, ein evolutionäres Erbe, um nicht als outgroup zu enden.

        „die meisten modernen Menschen, die in völliger Entfremdung von den kulturellen Grundlagen keinen Maßstab zur vernünftigen Wertung mehr haben.“ ― Mir scheint vielmehr, dass eine vernünftige Wertung eines Standpunktes weit über jeder Grundlage bedarf, weil nur so eine vorangehende nichtideologische Weltwahrnehmung möglich ist. Jeder Entfremdung steht immer ein ideales vermeintlich oder wirklich Eigentliches entgegen, also etwas, das man aufzuerlegen wünscht. Am geistigen Gängelband entwickelt sich aber das eigene Urteilsvermögen schlecht.

        „insbesondere bei Schriftgläubigen scheint mir die Neigung zur Annahme selbst des törichten Schwachsinns besonders groß zu sein“. ― Das ist wohl wahr. Die größte Verblendung findet sich gewöhnlich bei Studenten. Ein illustratives Beispiel: Bei der Evaluation einer Vorlesung (viele Studenten in der Kommission) wurde gefordert, künftig darin stärker Nachhaltigkeitsaspekte zu berücksichtigen. Thema der Vorlesung: Astrophysik. Es ist allerdings zu berücksichtigen, dass in solche Kommissionen vor allem „politisch aktive“ Studenten geraten, vulgo Taugenichtse und spätere Minister. Wahscheinliich gibt es in bestimmten „untrockenen“ Fachbereichen allerdings nur solche.

        „Man kann nicht in einem Bereich blindlings glauben, was einem vorgesetzt wird, in einem anderen die nötigen Fragen stellen, um Unsinn zu entdecken.“ ― Wenn man sich ums tertium non datur nicht schert, geht vieles. Und wieso sollte man sich in Zeiten, die vor allem das Gefühl wertschätzen („weibliche Werte“), nun gerade um so einen Grundsatz bekümmern?

        „[frühere Christen spiritueller] Ich vermute, sie waren tendenziell sogar klüger, weil abstrakte intellektuelle Vorstellungen in ihrem Leben praktisch keine so große Rolle spielten.“ ― EIne der grundlegendsten Abstraktionen ist die Zahlabstraktion. Ich habe vor knapp einem Jahr in einem Kreis, der sich (aus Anlass dieser Diskussion um eine Grundrenteneinführung) um die Altersarmut bekümmerte, darauf hingewiesen, dass unsere (damals etwa 1,9 Millionen) Bereicherer die Gesellschaft rund 53 Milliarden pro Jahr kosten (Spanne zwischen zwei Studien des IFO-Institutes einerseits und von Raffelshüschen andererseits: 52–54 Mrd.) und der teuerste Vorschlag bei der Grundrenteneinführung sich auf eben mal bloß 8 Milliarden beliefe. Niemand sonst kannte die Zahlen, was sie natürlich nicht davon abhielt, seit 2015 die Zuwanderungen aus moralischen Gründen zu befürworten. Ich fürchte also, dass gerade die Ablehnung auch nur so basaler Intellektualität wie Rechnen und jeder Entscheidung vorausgehender Eruierung von diesen die Dinge eher schlimmer machte. Auch lockt mich das Mittelalter mit seinen „spirituellen“ Gewissheiten nicht besonders.

        „Noch nie waren die Menschen so unwissend und derart genötigt, unterschiedslos zu glauben, wie sie es heute sind.“ ― Bildung kann man nie erzwingen, aber die materiellen Voraussetzungen für Selbstbildung waren wohl noch nie so günstig, ausgenommen vielleicht das antike Griechenland, wo die Sklavenarbeit die Bürger ebenfalls dazu emanzipierte. Und wer zwingt einen denn dazu, die von Sprecherinnen mit allzeit moralischen Vibrato in der Stimme gesprochenen Nachrichtensendungen zu konsumieren oder für voll zu nehmen? Ich finde jedenfalls den Zwang der „repressiven Toleranz“ und ähnlicher Dinge immer noch erträglicher als die nackte Gewalt des brennenden Scheiterhaufens.

        „war die Beherrschung der Schrift ursprünglich […] den Priestern vorbehalten, nämlich Köpfen, die durch Veranlagung und Schicksal für diese Dinge geschaffen waren.“ ― (Lacht zur Seite.)

        „Umgekehrt wurde dem Massenmenschen (der vielmehr ein entwurzelter Bauer ist) die Möglichkeit gegeben, seine minderwertigen Ideen in die Welt zu posaunen.“ ― Wie verträgt sich das mit Ihrem vorgehenden Lob der einfachen Menschen?

        „Davon zeugen nicht nur die Mengen unnützer Unterhaltungs- und Schundliteratur“ ― Die werden doch eher von diesen Menschen nur konsumiert und nicht etwa produziert.

        „populäre[n] Dummheiten wie Nibiru & Co“ ― ?

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        • Bernd Lauert schreibt:

          Hallo!

          Menschen können sich mittels „Technik“ und dergleichen zwar an so ziemlich
          alles anpassen, was immer wieder zur Bildung von Megametropolen
          (Indikator für die nachkulturelle Phase der Zivilisation) führt,
          jedoch sterben sie dort mitsamt den Metropolen aus, weil sie eben
          Menschen (!) sind – weil unsere Biologie und Seele (!) mit anonymer Massenmenschhaltung
          inkompatibel ist: Da wird vor überquellenden Gratisfuttertrögen und Dauerzirkus
          ganz wunderbar angepaßt kollabiert und weggestorben, daß es nur eine wahre Freude ist.
          Bei gleichzeitig:
          – Frauenwahlrecht
          – Grundeinkommen für alle
          – Stolzparaden sexuell Abartiger
          – Sterilität der Frauen
          – angeworbene Ausländer in der Söldnerarmee
          – Verfolgung Andersdenkender
          – Kinderwahlrecht
          – Pädophilie
          – massenhaft Ehescheidungen
          – verwahrloste Kinder in Singlehaushalten
          – Jugendkriminalität
          – leere Kirchenbänke
          – vollgeschissen Unterhosen als Kunstwerke prämiert
          – Kriegsdienstverweigerer als Verteidigungsminister (so in den Niederlanden)
          – 50% Steuern und Abgaben
          – und was derlei mehr ist ….

          Was ihnen wenig bringt, weil deren Fortgepflanzte
          nämlich den Kollaps nicht überleben und verrecken.
          Und die paar, die (aus welchen wundersamen Gründen vielleicht)
          den Kollaps „überleben“, die können die vorher bestandene
          Zivilisation nicht aufrecht erhalten.
          Nämlich bewerkstelligen:
          – Fensterglas
          – Streichhölzer
          – Einmachgläser
          – Blinddarmoperationen
          – Fahrräder
          – Straßenpflaster
          – Regenrinnen
          – Zahnfüllungen
          – Wahlplakate
          – Benzin
          – Tempotaschentücher
          – Pockenschutzimpfung
          – Nylonstrümpfe
          – Versicherungspolicen
          – Geigen bauen
          – Fußballturniere
          – Schmerztabletten
          – Wanderstiefel
          – Spaten
          – Sämereien
          – Dachziegel
          – Pumpen
          – etc. => schier endlos

          Ein klein bischen Kollaps, den gibt es nicht.
          Mit 120 über die Klippe, das stärkt rein gar nicht.

          Kulturen können so ziemlich alles überstehen.
          Die deutsche beispielsweise die Pestemedemien des Mittelalters,
          den Dreißigjährigen Krieg, die „Franzosenkriege“ Ludwig XIV.
          und Napoleons, und Napoleons III.
          Sogar die beiden Angloamerikanischen Vernichtungskriege
          des 20. Jahrhunderts, obgleich dann bereits in der
          nachkulturellen Phase der Zivilisation.

          Und zur Zeit werden die Deutschen stückweise aber stetig
          „ersetzt“ durch kulturfremde Zuzüglinge (!) aus aller Welt,
          denen man etwas erzählt hat von wegen Sozialhilfe
          und einem Justizsystem, das Opfer diskriminiert und Täter hätschelt.
          Wenn (temporal) das abgeschlossen sein wird, dann haben wir
          hier in Europa keine andere, eine „ersetzte“ Kultur,
          sondern überhaupt keine.
          Das ist nämlich bereits der Fall seit etwa 1871.

          Nach Kulturende kommt und ist dort auch nichts mehr,
          weil die Kulturträger in der Zivilisation ausgestorben sind und dort irgendwelche
          „Fremde“ sich haben breit machen können.
          Die haben jedoch keine Arbeitsstelle in Wolfsburg bei VW am Fließband
          oder einen Dönerimbiß am Frankfurter Flughafen, sondern wühlen abgehärmt
          in den Mülldeponien der ausgestorbenen Städte.

          In Sumer, Babylonien, Ägypten, Griechenland, in Italien (Römer), Mittelamerika,
          leben heute zwar irgendwelche „Menschen“, jedoch haben die rein nichts
          mehr zu tun mit den dortigen vorherigen Kulturvölkern.

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  4. Bernd Lauert schreibt:

    Hallo!

    Daß die EU bzw. das kapitalistisch-demokratische System derzeit, in seiner Endphase sozialistische Tendenzen annimmt, liegt nicht an Unterwanderung durch einen angeblich noch existierenden Kommunismus, sondern schlicht an der inneren Logik dieses Systems, das ähnlich wie der Kommunismus mit natürlichen Gesetzmäßigkeiten in Konflikt gerät. Sobald diese Phase eintritt, muß ein kapitalistisches oder kommunistisches System innerhalb der materialistisch-rationalistischen Dialektik Züge der jeweiligen Gegenseite annehmen.

    +Als die Ideologie der völligen Vergemeinschaftung und Planbarkeit der Gesellschaft und des Lebens an den Grundtatsachen scheiterte, daß Pläne stets mit Unvorhersehbarkeiten kollidieren (und die menschliche Leistungsfähigkeit ohne Eigentum und selbsterwirtschafteten Lohn aus eigener Arbeit weit unter das Niveau fällt, das sie haben könnte), mußte sich der Sozialismus liberalisieren, was zur erzwungenen Selbstauflösung des Systems führte.
    +Nun gerät die kapitalistische/debitistische Funktionsweise des Antriebs der Wirtschaft durch Geldschöpfung aus dem Nichts und daraus resultierendem Wachstumszwange allmählich mit den natürlichen „Grenzen des Wachstums“ in Konflikt, was dazu führt, daß die bislang liberalen Märkte durch zunehmende Eingriffe („Helikoptergeld“, Nullzinspolitik, Abschaffung des Insolvenzrechts,…) bei der Stange gehalten werden müssen, weil die Marktteilnehmer durch Flucht aus dem Geld das Hamsterrad zum Einsturz bringen würden. Es etabliert sich immer mehr eine Staatswirtschaft, die durch direkte oder indirekte Eingriffe die Menschen zu Arbeit/Produktion und Konsum zwingt (etwa durch Geldgeschenke, die dann irgendwie investiert werden müssen). Gleichzeitig wird Kritik am System durch moralisierende Einengung des Korridors des Denkbaren sowie sanfter oder offener Gewalt eingehegt.
    +Das ist kein reiner Sozialismus, sondern sozialismusartig, vermutlich ohne daß es den meisten der Funktionseliten bewußt werden würde. Für den reinen Sozialismus fehlt eine große, vereinheitlichende Ideologie und eine Revolution, die im Nachgang mythologisch glorifiziert werden kann. Was hier passiert, ist kein proklamierter Fortschritt zu einer besseren Welt durch Überwindung des Alten (mehr), sondern die mit ausufernden Zwangsmaßnahmen versuchte Bewältigung einer Dauerkrise, in die wir über Jahre und Jahrzehnte langsam und zuletzt immer schneller hineingeraten sind.

    Man könnte nun spekulieren, daß nach einem künftigen bürgerkriegsartigen und von Unruhen geplagten Zusammenbruche des Systems sich ein „reiner Sozialismus“ etablieren und der Westen tatsächlich „kommunistisch“ werden könnte. Allerdings scheinen mir hierfür die Voraussetzungen zu fehlen. Während der Sowjetkommunismus über Jahrzehnte eigentlich starke Völker mit funktionierender Wirtschaft allmählich herabwirtschaften konnte, liegt die westliche Zivilisation materiell, gesellschaftlich und geistig völlig am Boden. Die Erosion hat hier auch rund 120 Jahre früher angesetzt als in Rußland, nämlich mit den französischen und amerikanischen Revolutionen und der anhebenden Industrialisierung.

    +Die Rohstoffe: aufgebraucht.
    +Die Industrie: abgebaut und ausgelagert.
    +Das Arbeitsethos: durch Beseitigung der meisten Lebenshärten, eine selbstbezogene Geisteshaltung, die Aufopferung für Höheres nicht kennt und die Etablierung eines Dauervergnügungsparks mit Rundumversorgung bis zum Lebensende untergraben.
    +Die Familien: zerstört, die Individuen vereinzelt und in ihren sozialen Fähigkeiten verkrüppelt, die Geschlechtsidentitäten verflacht und verwaschen, so daß weitgehende Orientierungslosigkeit herrscht.
    +Die Wissenschaften: ausgehölt, um Glaubensdogmen und gesellschaftlich vorgegebene Wunschvorstellungen sophistisch zu bestätigen.
    +Die Demographie: völlig auf den Kopf gestellt, indem einer zu kleinen leistungsfähigen Jugend ein Übermaß an Alten gegenübersteht. Es gibt zu wenige Leistungsträger und zu viele Leistungsempfänger, zu denen auch die aus anderen, geistig nicht kompatiblen Kulturen stammenenden Zuwanderer gehören, welche die Lücken auffüllen sollen.

    Es ist keine Substanz mehr vorhanden, an der ein weiteres materialistisch-rationalistisches System nagen könnte. Kein denkbares System ist fähig, die Voraussetzungen der eigenen Existenz selbst zu schaffen. Sie zehren alle von älteren geistig-kulturellen Grundlagen, die sich über Jahrhunderte organisch entwickelt haben. Ein Staat kann diese Grundlagen allenfalls pflegen und erhalten. Er kann sie aber nicht per Dekret in die Welt setzen. Sie entwickeln sich bei Abwesenheit eines absoluten bzw. totalitären Staates, indem man den Menschen die Mögklichkeit gibt, ihr Leben selbst auf die Reihe zu bekommen. Erst nach Jahrhunderten organischen Wachstums in einer geistig-kulturellen (und religiös begründeten) Tradition sitzen Großstaaten dar vereinheitlichend auf und organisieren dieses Leben (letztlich zu Tode).
    In der Zivilisation hat sich nach inneren Kämpfen innerhalb des ideologischen Spektrums die eine oder andere Art der inneren Organisation durchgesetzt. Auf dieser Schiene laufen die Systeme, bis sie an ihren inneren Widersprüchen kollabieren und von einem bereits existierenden Alternativsystem geschluckt werden, bis dieses ebenfalls kollabiert. Der Sozialismus ist als erster gescheitert, die Ausscheidungen wurden vom Kapitalismus aufgenommen. Nach dessen Scheitern gibt es kein existierendes, organisatorisch bereits etabliertes Alternativsystem mehr, das energetisch relativ günstig in die entstandene Leere hineinströmen könnte. Es wäre nötig, ein solches System von Grund auf, mit immensem Arbeitsaufwande und Entbehrungen neu zu bauen. Hierfür ist aber, wie gesagt, keine Substanz mehr vorhanden, die aber auch organisatorisch nicht hergestellt werden kann. Es wird nicht dazu kommen, daß der Kommunismus nach über 30 Jahren einer kapitalistischen Maskerade die Hüllen fallen läßt, um dann aus dem Stande und von Null aufbauend ein neues planwirtschaftliches System mit kommunistischer Staatsreligion einzurichten, als ob das 20. Jahrhundert, als ob die Erosion der kommunistischen Ideologie ebenso wie die jahrhundertelange Erosion der Substanz der westlichen Nationen nie stattgefunden hätten.

    Das derzeitige System läuft seinem natürlichen Ende entgegen: Dem Scheitern seiner erklärten und impliziten weltanschaulichen Grundlagen sowie der Pläne und Vorhaben seiner Eliten. Aus den rauchenden Trümmern kann sich etwas neues entwickeln, wenn die Überlebenden gezwungen sind, nach Auflösung aller staatlichen Institutionen ihr Leben wieder selbstverantwortlich von unten her zu bewältigen. Bis dahin werden wir eine sozialismusartige Endphase erleben, die letztlich im Chaos endet, weil es mangels Substanz nicht möglich ist, ein neues System aufzubauen.

    +Ist Russland insgeheim kommunistisch?
    https://www.weltoktober.de/kommunistisch.html

    Rußland geht auf einem pragmatischen, weitgehend ideologiefreien Weg eines demokratisch getünchten Despotismus, der von einem starken Präsidenten ausgeht, an dem sich der Nachglanz der verlorenen Monarchie widerspiegelt. Es scheint der Notwendigkeit, organisatorisch nicht schaffbare geistig-kulturelle Substanz zu pflegen und zu erhalten, um lebensfähig zu bleiben, vergleichsweise nahe zu kommen.
    Es gibt nirgendwo auch nur das geringste Anzeichen eines fortdauernden Kommunismus. Gewisse Personaldeckungen des jetzigen Staates mit Behörden der Sowjetunion sind hierfür nicht ausreichend, da es unter diesen Personen ebenfalls keine Anzeichen einer Ideologietreue zum Marxismus gibt.
    Man muß schon sehr verblendet sein, um Indizien einer Langzeitstrategie zu erkennen. Der von Dir verlinkte Artikel strotzt vor unbelegten Behauptungen und Verbiegungen, um Ereignisse und Äußerungen in die Bestätigung der eigenen Weltsicht einzupassen. Dazu passend weist der Autor einen Duktus des Besserwissens mit Alleinvertretungsanspruch auf, wie es ins Fundamentalistische gekippten Weltanschauungen eignet.

    Dazu passend ein „Witz“ von 1935:
    „Spendet der Jude für das Winterhilfswerk, dann verstellt er sich.
    Spendet er nicht, dann zeigt er sein wahres Gesicht!“

    Und auf diesem erbärmlichen Zirkelschlußniveau bewegen sich die Anhänger der Langzeitstrategie. Man muß nur „Jude“ durch „Russe“ ersetzen.

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