Die Sprache der Trikots

Die letzten Spieltage der großen europäischen Ligen gaben uns die Möglichkeit, einen ersten Blick auf die Trikots der kommenden Saison zu werfen. Es ist fester Bestandteil der Merchandising-Industrie, jedes Jahr neue Designs einzuführen und die Fans zum Kauf derselben zu animieren. Ein Shirt wird mittlerweile von 70 bis 120 Euro gehandelt – die weltweiten Umsätze dürften enorm sein, bei den großen Klubs macht das Merchandising zwischen 25 und 50% der Gesamteinnahmen aus – wir sprechen hier von hunderten Millionen. Ein neues, hochwertiges und attraktives Trikot anzubieten – genau genommen sind es drei verschiedene: Heim, Auswärts und drittes – ist ein wesentliches Ereignis, Star-Designer werden engagiert, Ausstatter gewechselt, um immer nahe am Bedarf zu sein.

Bei den diesjährigen Kollektionen der Top-Klubs scheint es jedoch einen Trend zu geben, der mehr als nur ästhetische Überlegungen offenbart. Nachdem es vor zwei Monaten für die Athleten Pflicht und vielen sicher auch Bedürfnis war, das Knie vor der „Black Lives Matter“-Bewegung zu beugen, darf man vielleicht die These eines Zusammenhanges aufstellen. Aber auch, wenn es diesen unmittelbaren Konnex nicht geben sollte – die langen Planungszeiten sprechen wohl dagegen –, so sagen einige der Neuerungen doch viel über den Zeitgeist aus.

Bei Manchester Citys Oberhemd wird es direkt ausgesprochen: diversity – dieses Wort muß jetzt überall rein.

© imago images © Kicker

Das neue Mosaik-Trikot wurde heiß diskutiert und unter den Fans – soweit ich sehen kann – nur mit gedämpfter Begeisterung aufgenommen. Es soll, laut Club-statement, etwas symbolisieren: “Art, industry, football, music, fashion, noise, and colour are Manchester’s DNA and the mosaics displayed in the city are a celebration of this diverse culture.” Noch vor wenigen Jahren wurde ein Shirt mit der Melodie des Stadiongesangs geschmückt – ein Tribut an die Fans – jetzt aber hört man ihnen nicht mehr zu, sondern will sie auch noch belehren. In einem kleinen Filmchen basteln Pep und seine diverse Gruppe ein vergleichbares Mosaik. Im Auswärts-Trikot kann man sogar arabische Ornamente – oder zumindest Anspielungen darauf – erkennen. Hier dürfte sich der verdienstvolle Besitzer des Klubs bemerkbar gemacht haben. Offiziell wird das Ornament ganz anders begründet: es soll die Castlefield Bridge darstellen, ein altes Industriemonument in Manchester und damit an die lange lokale Geschichte erinnern. Eine Feinheit, die den Fans auf der Arabischen Halbinsel vermutlich entgehen wird.

Auch Arsenal versucht aus der Einfarbigkeit herauszukommen. Das Heim-Shirt noch in den typischen Farben wird von einem Pfeil-Wirrwarr belebt. Noch dramatischer das Auswärts-Hemd, das Fans mit einem Eisbecher verglichen oder einem blutbespritzen Laken.

© imago images © Kicker

Fucking United geht einen ähnlichen Weg, die bringen durch Strichelungen Bewegung in die klassisch rote Front.

Chelsea bleibt in der ersten Garnitur noch klassisch, wagt den Aufstand gegen die Tradition jedoch mit einem vergleichbaren Konzept bei den Auswärtsspielen.

Liverpool bringt Farbe ins Spiel, indem man das rote Trikot durch einen bläulich-grünen oder türkisenen Randstreifen absetzt. Auswärts allerdings will man ebenfalls den diversity – Gedanken vor sich hertragen.

Auch in Italien stehen Veränderungen an. Beim Branchenprimus Juventus Turin, das seit Menschengedenken in weißem Trikot mit kompakten schwarzen Längsstreifen auflief, hatte man bereits in der verflossenen Saison mit der Tradition gebrochen und ein zweigeteiltes Shirt angeboten, auf dem die schwarze von der weißen Hälfte durch einen rosa (!) Streifen getrennt wurde. In der kommenden Saison werden die massiven Streifen nun durch eine Art Pinselstrich ersetzt, der die durchgehenden Linien zerfetzt.

© imago images © Kicker

Auch Inter Mailand weicht vom Althergebrachten – schwarzen Längsstrichen auf blauem Grund – ab und überrascht mit Zickzacklinien.

imago images © Kicker

Und Real Madrid, das traditionell im royalen Weiß, kastilischem oder klerikalem Violett und edlem Gold aufläuft, bekennt sich nun auch zur rosanen Bewegung und geht einen Schritt auf den seit Jahren politisch korrekten Hauptkontrahenten Barcelona zu. Vor Jahren hatte bereits die Entscheidung, das Kreuz auf der Krone des Wappens in einigen Fällen zu beseitigen, um muslimische Fans nicht zu verärgern, für Aufregung gesorgt.

Das Spannende daran ist: die Fans wollen das meist eigentlich nicht. Sie wollen keine rosa Farbe, sie wollen keine permanente Revolution, sie wollen meist klare Verhältnisse, sie wollen an alte Erfolge, an große Helden des Klubs, an vergangene Schlachten erinnert werden, sie leben in der langen Tradition, sie sind in der Regel Puristen, Traditionalisten, sogar antiquiert, sie wollen das Klassische – wie dieser junge leidenschaftliche Inter-Fan auf unverwechselbare Weise unterstreicht (ab: 2:00 min).

Die Klubs aber sind höheren Werten verpflichtet. Sie wissen, daß der Strich, der Streifen eine Grenze, eine klare Grenzlinie und Schranke symbolisiert und daß die reine Farbfläche eine eindeutige Identität versinnbildlicht und sie wissen, daß dies nicht dem Zeitgeist entspricht, zumindest nicht dem Zeitgeist der Medienmacher, der Politiker und des woke capital – der mit dem Zeitempfinden der Fans wenig zu tun hat.

Sie bringen sich auch in eigene Schwierigkeiten, denn Innovationen können nur schlecht zurück genommen werden, man begibt sich auf einen Weg der permanenten Innovation, die letztlich den Identitätskern angreift.

2 Gedanken zu “Die Sprache der Trikots

  1. Christian Fragstein schreibt:

    Nicht zu vergessen das Trikot der Deutschen Nationalmannschaft – die weder deutsch, noch national noch mann ist – bei dem vor Jahren schon jedes Symbol getilgt wurde. Ich, der praktisch die ganze Kindheit im Stadion und auf dem Trainingsplatz „meiner“ Mannschaft verbrachte, habe schon vor Jahrzehnten jegliches Interesse am Profifußball verloren, spätestens als ich die Namen der Spieler nicht mehr aussprechen und ihre Herkunftsländer näher lokalisieren konnte. Fußball hatte für mich etwas mit Identität zu tun, „meine“ Spieler stammten aus meiner Region, oft aus meiner Stadt. In dem Augenblick, in dem dieser Aspekt auf dem Altar der Göttin der Diversity geopfert wurde, starb für mich der Fußball. Kein Interesse mehr vorhanden.

    Liken

  2. Werden wir uns doch darüber Klar, was hier seit 82 (Der „Machtergreifung“) passiert ist.
    Wer heutzutage zwischen 40-50 Lenze zählt, dem ist inzwischen klar, dass bis in 15 Jahren nach 40-50 Jahren nix mehr für Ihn übrigbleibt.

    Diese Generation erlebt gerade ihr „Desenchantee“. Ein eiskaltes und geradezu widerlich anmutendes Schauspiel. Die Renten werden an „Flüchtlinge“ verbraten,der eigene Lohn reicht mit Mühe und Not für die Familie (und Haus?), Kinder sind eh keine drin und perspektive bleibt einem in dem Alter auch nicht mehr.

    Seit ca 30 Jahren wird uns vorgebetet, das es der Wirtschaft gut gehen muss, Um jeden Preis. Jetzt müssen wir eben dafür „zahlen“ für dieses Stopfen der heiligen Gans. Wir haben uns seit ca 30 Jahren die Butter vom Brot stehlen lasen, mit der Story „Aber uns geht es doch gut !“

    Nun da die Zeche fällig wird, müssen viele feststellen , das Ihre Wünsche und Träume längst im Ausverkauf verscherbelt wurden.

    Unsere Generation müsste von Rechts wegen eigentlich Sturm gegen Berlin und die Lanmdeshauptstädte „reiten“. Aber was passiert ?`

    Geknickt,Geschlagen und Desillusioniert schauen wir wie das Kanichen auf die Schlange. Uns wurde beigebracht die Schnauze zu halten, und das tun wir jetzt eben.

    Es ist ein Trauerspiel mitansehen zu müssen, wie desillusioniert der Deutsche in den letzten 30 Jahren gemacht wurde. Aus einer einstmals Stolzen Nation wurden Hosenscheissende Duckmäußer die sich nur noch für den eigenen Vorteil interresieren.

    Was in Deutschland passieren muss, ist dan man den Bürgern (Wählern ?) wieder eine Hoffnung und Alternative geben muss. Und das geht eben nicht bei 1-Euro Jobs,“Leiharbeit“ und Lohndruck. Auch muss ein Schlussstrich bei der „Open-Borders“-Initiative unser heiligen Mutter gezogen werden.

    Es kann doch nicht angehen, das bei uns Rentner Müllkübel durchsuchen müssen und Arbeitende „HartzIV“ dazu bekommen müseen, während hunderttausende bei uns in „All-Inklusive-Care“ genommen werden.

    Aber all das ist von unserer Politik SO gewollt. Leute die sich um den nächsten Tag sorgen müssen, die sorgen sich nicht um ihre Politiker. Und so suhlt man sich als Politiker wunderbar im selbst verursachzen Dreck. Die gleichen Leute haben auch keine Illusionen darüber, was sie eigentlich erreichen könnten.
    Desillusioniert und geknickt wirtd eben alles nur noch abgenickt.

    Man wird bei den Rentnern sparen. Da ist noch viel zu holen.

    Auf keinen Fall wird es Abstriche bei der Ansiedlung und der All Inclusive Versorgung von Neubürgern geben.

    Liken

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.