Das Dilemma der AfD

Ganz persönlich: in der Führungsriege der AfD gibt es nur einen Politiker, den ich als komplett integer und als Sympathieträger empfinde: Alexander Gauland. Alle anderen sind mir auf die eine oder andere Art suspekt, haben sich durch Wort und Tat diskreditiert oder zeigen einen Habitus, der wenig vertrauenserweckend war. Die derzeitigen innerparteilichen Kämpfe bringen diese Eigenschaften verstärkt hervor.

Wenn Gauland nun scheinbar resigniert vom drohenden Zerbrechen der Partei spricht, dann hat das tragische Züge. Nicht nur für ihn, sondern auch für die Partei und das Land, das eine wirkliche Opposition dringend benötigt. Die Rede von der „letzten evolutionären Chance“ ist zwar hochgradig pathetisch und von daher vielleicht schon wieder unklug, sie enthält aber einen Wahrheitskern.

Sollte die AfD scheitern, dann dürfte es auf lange Sicht keine konservative Partei von politischer Bedeutung in Deutschland geben, dann würde das Unbehagen mit und der Protest an den jetzigen Zuständen – den die AfD bisher gebündelt und kanalisiert hat – diffundieren und das mit unabsehbaren Folgen. Es könnte ein praktisches Verschwinden des Protestes in der Öffentlichkeit bedeuten, der sich erst mühsam wieder neu sammeln und organisieren müßte, es könnte aber auch zu einer schnellen Radikalisierung einiger Teile und vieler Individuen führen, die den politischen Diskurs bald mit extremen und nichtsprachlichen Mitteln weiterführen werden.

In beiden Fällen – und auch in denen dazwischen – dürfte uns eine weitere Entwicklung hin zu Meinungsdiktatur und Tugendterror bevorstehen: Existenzen werden zerstört werden, Verlage werden schließen, Webseiten werden verschwinden, Konten werden geschlossen werden und: Politik wird am Leitfaden der Ideologie und nicht der Rationalität und dem nationalen Interesse entscheiden und es wird keine Stimme geben – weder in den Parlamenten noch in den Presseorganen – die diese Entwicklungen thematisieren werden.

Viele der politischen Gegner der AfD, denen es mit Sicherheit vor derartigen Szenarien graut, verstehen diese Zusammenhänge nicht oder wollen sie nicht wahrnehmen. Die AfD ist – ganz unabhängig von ihrer jetzigen Verfassung und ihrem oft zweifelhaften Personal – eine historische Notwendigkeit, die letzte parlamentarische, die letzte politische Hürde vor der Gleichschaltung. Zu ihrem bisher größten Verdienst zählt, die wahren Intentionen der anderen Parteien bis zur selbstentblößenden Kenntlichkeit deutlich gemacht zu haben.

Aber Gauland hat recht: die Partei hat sich in eine Position hinein manövriert, aus der es kaum noch einen Ausweg geben wird, sofern nicht eine der Streitparteien im Interesse der Gesamtpartei einen freiwilligen Rückzug vollzieht. Passiert dies nicht, wird sie an folgenden Dilemmata zugrunde gehen.

Der Urkonflikt ist die eigene Unentschiedenheit, was man eigentlich sein will. Die AfD war von Beginn an und ist noch immer ein Imaginationssammelbecken und ihr Geburtsfehler ist, daß sie sich nie der Arbeit gestellt hat, einen bestimmten Teil der Phantasien auszuschließen, einem Teil ihrer Anhänger zu sagen, daß sie einem Irrtum unterliegen, sich irrigerweise um die Partei versammeln. Stattdessen hat sie das Spiel der Ambiguität bewußt vorangetrieben, um eine möglichst große Zahl an Anhängern und Wählern zu gewinnen. Der unmittelbare, der taktische Erfolg, das Schnellwachstum war ihr wichtiger als die Strategie, über die sie in wesentlichen Punkten auch sieben Jahre nach ihrer Gründung und mehreren Häutungen noch immer nicht verfügt.

Für diese Schwierigkeit gibt es freilich objektive, d.h. historische Gründe – sie liegen u.a. in der Spaltung des Landes in Ost und West, in den unterschiedlichen Lebens- und Politikerfahrungen der Menschen. Das ist auch ein Konflikt – in der Fläche – zwischen Intellekt und Emotion. Es steht außer Zweifel, daß die Westdeutschen im Durchschnitt politisch besser gebildet sind, aber das bedeutet auch, daß sie viel tiefgründiger – im bundesdeutschen Politikverständnis – indoktriniert worden sind. Sie haben die Demokratieidee tief verinnerlicht, allerdings als Sofa-Idee, als etwas Weiches, Warmes, Angenehmes, fett und zufrieden Machendes. Ihre Politikerriege ist aalglatt, rhetorisch versiert, hat die Kunst des Nichtssagens perfektioniert – diese Menschen sind jederzeit überall einsetzbar, weil sie weitgehend entindividualisierte Vollstrecker eines Politikprogramms geworden sind. Abweichung – das hat sich ins Gedächtnis eingefressen –, Eigenständigkeit, Querdenken, Andersartigkeit, Widerrede etc. führen zum Karriereende, also hat man sich in einem jahrzehntelangen Lernprozeß angepaßt, kann dafür aber das Grundgesetz oder den administrativen Aufbau aller EU-Gremien herunterleiern und verfügt ohne Schamempfinden über das gesamte humanitaristische Vokabular – Worte wie „Freiheit“, „Gerechtigkeit“, „Frieden“, „Gleichheit“ gehen ihnen ohne Stocken und ohne einen ehrfürchtigen, einschüchternden Gedanken routiniert über die Lippen.

Diese Fähigkeiten haben längst noch nicht alle Ostdeutschen. Diese sind deutlich gefühlsstärker geblieben – sie spüren aus ihrer historischen Erfahrung heraus (und oftmals auch aus ihrer historisch bedingten regionalen Mentalität), wenn Unrecht geschieht, wenn „etwas nicht paßt“, nicht in Ordnung, nicht stimmig ist, wenn ihre bisherige Existenz bedroht wird. Vielen fehlt die Sprache, diese Emotionen auszusprechen – an der Wahrheit der Empfindungen ändert das nichts. Ihre Sprache ist vielmehr direkt, grob und derb, sie lassen sich den Mund nicht verbieten und sagen mit großer Selbstverständlichkeit Dinge, die den Sofa-Deutschen westlich der Elbe und südlich des Mains als Affront erscheinen müssen. Vielleicht ist das auch der Grund, weshalb in den ostdeutschen Verbänden der AfD westdeutsch sozialisierte Politiker das Sagen haben.

Der sogenannte „Flügel“ in der AfD hat vor allem im Osten seine Anhängerschaft. Hier ist das nationale Empfinden aus verschiedenen Gründen – die an dieser Stelle nicht diskutiert werden können – weit deutlicher ausgeprägt. Die Ostdeutschen fühlen sich im Schnitt viel mehr noch zusammengehörend als die  stärker individualisierten Westdeutschen. Begriffe wie „Heimat“, „Volk“, „Vaterland“ oder „Grenze“ haben hier noch einen vollen Klang, sind vor allem emotional aufgeladen, werden empfunden. Diesbezüglich stehen die Ostdeutschen den Ungarn, Polen, Tschechen und Russen näher als ihren westdeutschen Landsleuten, die sie dennoch ins Heimatgebet und -gebiet mit aufnehmen.

Zwar erreicht die AfD in den östlichen Ländern weit mehr Menschen als im Westen, da der Osten aber nur 20% der Gesamtbevölkerung stellt, sind die westdeutschen Wahlanteile für die Gesamtpartei bedeutender. Der „Flügel“ hat dort aber einen schweren Stand: würde er sich gesamtparteilich durchsetzen, verschwände die Partei im Westen wohl als relevante Größe, würde überall unter die 5%-Hürde rutschen und damit gesamtgesellschaftlich marginalisiert. Sie würde zur reinen Ostpartei werden, der „Linken“ vergleichbar, die aus den gleichen historischen Gründen heraus, mit dem gleichen Menschenschlag, nur im Osten überleben konnte. Vermutlich würde der gesamtgesellschaftliche Bedeutungsverlust auch im Osten zu Resignation führen – die Partei wäre zwar nicht im Bestand gefährdet, würde vermutlich aber auch dort an Stimmen verlieren.

Wahlstrategisch – programmstrategisches Denken ist in der Mediengesellschaft und der Vierjahresdemokratie leider kaum noch möglich – kann die AfD bundesweit nur als Meuthen-Partei bestehen, also als liberalkonservative Rechtsverschiebung von der CDU/CSU. Sie würde dann vom Politmoloch zwangsläufig verdaut werden, sie würde im Laufe der Jahre Teil des Politestablishments werden, immer weniger Akzente setzen, dafür aber lukrative Posten sichern und bald auch ins Lobbysystem integriert werden. Aber sie hätte Erfolg – wenn man dies als Erfolg sehen will. Sie könnte verändern, wenn auch nur wenig und sicher nicht prinzipiell. Bleibt der wirtschaftsliberale Teil Sieger, wird die Partei in die Ununterscheidbarkeit verschwinden. Egal, wie sie sich in diesem Konflikt entscheidet: sie wird als genuine politische Kraft sich verflüchtigen.

Sollte sich der „Flügel“ durchsetzen, wird sie eine ostdeutsche Krawallpartei werden, die in erster Linie als Gegnerfolie und als Skandalmaschine dienen wird – letztlich also ebenfalls dem Systemerhalt, denn das Politsystem braucht die medienwirksame Absetzung vom Rand, vom „Narrensaum“, es braucht den „Nazi“ als systemstabilisierenden Faktor, als Feind und Sündenbock und schließlich auch zur Ablenkung der Aufmerksamkeit. Die Rolle der Medien ist von entscheidender Bedeutung.

Der wirtschaftsliberale Flügel wird einen langen Prozeß der Anbiederung durchlaufen, um die apriorische Haßspirale zu durchbrechen, aber es gibt in fast jedem Medium von Belang bereits ein, zwei Alibistimmen, die dann wohl auch bereit wäre, lauter zu werden. Mit der sukzessiven Anpassung der Partei werden sich diese Stimmen mehren. In einem quasi-evolutionären Prozeß werden neue, telegenere, unverbrauchtere, weniger vorbelastete Gesichter die Partei repräsentieren – die alte Garde, die man immer wieder mit Aussagen aus der Vergangenheit konfrontieren wird und kann (Kyffhäusertreffen, Loyalitätsbekundungen etc.), wird Opfer ihrer eigenen Trennungsbestrebungen sein. Die kommenden Günstlinge werden schnell lernen, daß in einer Mediengesellschaft Politik nur mit telegenen und aalglatten, gut vernetzten Repräsentanten zu machen ist.

Rechts der Elbe wird dieser Prozeß wohl länger dauern. Man hatte dort mehrere Jahre Zeit gehabt, zu lernen, daß Leute wie Höcke oder Kalbitz zuallererst mediale Projektionsflächen sind. Unabhängig von ihren politischen Ideen oder ihrer persönlichen Integrität wird man mit ihnen landesweit keinen Blumentopf gewinnen. Wenn ihnen die Sache, wenn ihnen die Partei oder Deutschland am Herzen liegt, dann müssen sie sich mit dem Gedanken eines freiwilligen Rückzugs beschäftigen.

Zugegeben, auch das wirft neue unlösbare Dilemmata auf. Zum einen haben sie sich vor allem im Osten einen Widerstandsbonus erkämpft, der viele ihrer Anhänger bindet. Verschwänden sie aus der Parteiführung – ob nun freiwillig oder durch innerparteiliche Reinigung – könnten Teile dieser Anhängerschaft, die eine persönliche ist, verloren gehen. Selbstverständlich liefe dann auch ihre politische Programmatik Gefahr, nach und nach zu verschwinden. Damit wiederum stünde der Wiedervereinigung mit dem Westen weit weniger im Wege …

Man kann es drehen und wenden, wie man will, es will keine wirkliche Alternative erscheinen. Jedes valides Argument kennt ein ebenso valides Gegenargument – das ist das Signum des Dilemmas: man kommt da ohne Verluste nicht heraus.

Es ist letztlich der alte Gegensatz zwischen Fundis und Realos, zwischen dem, was zu tun wäre, und dem, was unter den gegeben Umständen machbar ist. Die Geschichte lehrt, daß die Fundis anfänglich oft recht haben, aber die Realos sich meist durchsetzen. Ein Dilemma läßt sich nur in der Ausgangsprämisse lösen.

Gibt es einen Ausweg? Vermutlich ist es zu spät dafür, aber es hätte einen gegeben und der ist meines Erachtens nicht im politischen Inhalt, sondern im Politikstil zu suchen, im Ton, in der Kultur.

Die Partei hätte von Anfang an darauf achten müssen, weniger Projektionsfläche zu sein und zwar im Sinne eines erhöhten Niveaus. Zivilisierte Kommunikation ist nur in einem Klima der Offenheit, der Angstfreiheit, dem gegenseitigen Interesse, der Achtung möglich. Dies kann man über Stil und Niveau langfristig durchsetzen – dieser Blog ist ein (so viel Arroganz sei erlaubt) kleines Beispiel dafür. Zu laute, zu aggressive, zu dominante Stimmen müssen sanft gelenkt werden, Leute, die ihre Position nur durchsetzen wollen, ohne noch auf Bedenken zu hören, müssen gemaßregelt werden, reinen Provokateuren darf man nach ausreichend Erfahrung auch das Wort entziehen, Diffamierungen werden nicht geduldet. Ist der Diskurs von Anfang an ein gepflegter, tendieren die teilnehmenden Stimmen dazu, den Grundton zu übernehmen, empfinden zumindest das Störende des zu Dominanten.

Meinungsfreiheit ist eher eine Frage des Tons als der Meinung. Dazu gehört auch die apriorische Allergie auf alles Absolute: Stimmen, die eine komplexe Welt aus einem archimedischen Punkt heraus erklären wollen, sind zu regulieren – so hätte die AfD von Anfang an den gesamten Komplex „Antisemitismus“, „Verschwörungstheorie“ oder „Extremismus“ vermeiden können.

Die Partei hätte versuchen sollen, Projektionsfläche für Niveau und Qualität zu sein. Volksnähe wäre dadurch nicht gefährdet – dazu bedarf es zwar einfacher Worte, aber keiner vulgären.

Die Erziehung seiner Anhänger zur Kultur und Kultiviertheit muß freilich im Anfangsimpuls stecken. Es ist wie mit schlecht erzogenen oder traumatisierten Kindern – die frühen Erziehungsfehler sind kaum noch zu bereinigen und wenn, dann nur über einen langwierigen, kräfteraubenden Prozeß. Es bedürfte zuerst eines geeigneten Erziehers an der Spitze und in der AfD fällt mir nur einer ein: Alexander Gauland[1].

[1] Vielleicht noch Marc Jongen

siehe auch: Ist die AfD eine PFGFIDSDG?

Der AfD schwerste Stunde u.a.

11 Gedanken zu “Das Dilemma der AfD

  1. deutschlandssterne schreibt:

    Das Problem der „Part“eien ist daß sie die Volksgemeinschaft nicht einen sondern spalten. Der eine ist in der AfD, der andere in der NPD, der dritte beim III. Weg, der vierte bei der Rechten usw. Der Witz mit dem Röhmputsch entbehrt nicht einer gewissen Tragik. Ernst Röhm wollte aus der nationalen Revolution eine nationalsozialistische machen, also den linken Flügel in der NSDAP (Strasser) bedienen. Zudem wollte er die SA, deren Personal ehrenamtlich tätig und aus Fitneßstudios und Boxclubs rekrutiert wurde, auf eine Stufe mit der Wehrmacht stellen oder noch darüber. So sehr die SA in den Kampfjahren auch ihre Berechtigung hatte kann man sie nie und nimmer mit der Elitetruppe SS vergleichen. Aus diesem Grund war die Idee einer solchen Aufwertung irrwitzig von Anfang an. Röhm wollte aber wie heute Meuthen und Weidel seine Vorstellungen verwirklichen auch wenn es die Bewegung zerstört hätte. Meuthen und Weidel zerstören die AfD, da sie keine Alternative mehr ist sondern eine weitere Systempartei!
    Mutig wäre gewesen Gedeon zum Parteivorsitzenden zu wählen!

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  2. Kalblitz soll aus der Partei bestimmt nicht, weil er besonders rechtsradikal sei. Als Außenstehender muss ich sagen, dass ich auf dem Gebiet keinen Unterschied zu Meuthen sehe. Nicht nur ich, eigentlich niemand. Wenn ich die Kommentare lese, die Peergroup auch nicht so recht. Nichts, aber auch gar nichts an Kalblitz, rechtfertigt seine Entfernung aus einem demokratischen Diskurs, geschweige denn den Rauswurf aus einer rechten Partei.
    Mein Tipp: Es ist die Wirtschaftsordnung. Meuthen strebt politisch auch eine ethnische Säuberung an, er akzeptiert aber das Primat des Bimbes. Die Ayatollah-Hayek Bruderschaft. Er garantiert, dass alles so bleibt, wenn Dinge sich ändern. Um in die unterste Schublade zu greifen: das hier ist ein Vorgezogener Röhm-Putsch, wenn ein geschmackloser Witz zu der späten Stunde noch erlaubt ist. Wer auf kontrollierte industrielle Abrüstung und geistige Erhöhung setzt, wird sie bei Meuthen nicht finden.

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  3. In der Analyse kann man Ihnen da im wesentlichen nur zustimmen; und gerade, wenn man der AfD grundsätzlich doch positiv gegenübersteht, könnte man mitunter an dem Agieren des Personals, aber eben auch an der programmatischen Uneindeutigkeit bzw. Widersprüchlichkeit verzweifeln. Als typische Protestpartei, die sich zuerst mit liberalem Impetus gegen die Euro- und EU-Politik gerichtet hat, dann aber 2015 auch den legitimen, aber eher konservativ-„völkischen“ Protest gegen die Einwanderungspolitik aufgenommen hat, definiert sie sich eben mehr über heterogenes Abgelehnte als über ein positives Eigenes (da sind ihr z. B. Grüne und Linke voraus).
    Dennoch gebe ich dem Herrn Pérégrinateur recht insofern, als die Probleme, zu denen die die AfD die Fragen stellt, und auf die zu antworten die Altparteien sich beharrlich weigern, ja nicht verschwinden. Einen Nukleus der Opposition (traurig, daß es eigentlich nur diesen gibt), einen „Reflexionswert“ (Luhmann) auch weiterhin in den Parlamenten bereitzuhalten, das scheint mir so wichtig, daß ich noch einige Kröten zu schlucken bereit bin.

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  4. Anklamer schreibt:

    Auch im Osten (Thüringen in meinem Fall) gibt es jede Menge Wähler, die der AfD keinesfalls ihre Stimme geben würden – und zwar Wähler, von denen man es hinsichtlich Herkunft, Milieu, Weltsicht, Sprache usw grundsätzlich durchaus erwarten könnte. „Der Höcke …!“ Ob ihm damit „Unrecht getan“ wird oder nicht, weil die Person völlig von der dämonisierten Medienfigur verschlungen wird, ist erstmal nicht relevant. Jedenfalls sieht die AfD weitenteils keinen Stich. Klar, das Dauerfeuer der Propaganda, auch im Osten … Der Druck verlangt schon fast eine Dissidentenmentalität (siehe Sellner, kann Schule machen). Kriegt man das hin, wenn man sich als gutbürgerlich versteht? – Vielleicht ist eine Spaltung dieser Partei tatsächlich unvermeidlich, wenn sie wenigstens teilweise eine gewisse Chance behalten will; der momentane Lagerkampf droht jedenfalls alles zu vergiften und zu ersticken.

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  5. otto schreibt:

    Jede auch noch so gute Analyse der AfD greift zu kurz, die die Realitäten der Besatzung und des Wirkens von Geheimdiensten nicht berücksichtigt. Das die Parteien die Instrumente der politischen Willensbildung sind, bleibt unwidersprochen. Mär ist nur, daß sie die Willensbildung des Volkes betreiben. An der AfD kann man exemplarisch studieren, wie ein ganzes Volk systematisch umerzogen wird, einfach indem man ein Auffangbecken für (von den Mächtigen) nicht mehr gewollte „Einstellungen“ aufstellt, und regelmäßig medial diese nicht mehr gewollten Einstellung in die Nähe des sorgsam konstruierten „Gott-sei-bei-uns“ rückt. Genau so funktioniert die AfD. Ob der eine oder andere kein Agent provokateur ist, oder anderweitig Gelder kassiert, oder, – auch sowas soll es geben -, den ehrlichen Makler macht – spielt eigentlich keine Rolle mehr.

    Seidwalk: Bis zu einem gewissen Punkt, teile ich Ihre Meinung – genau genommen bis hierher: „Jede auch noch so gute Analyse der AfD greift zu kurz“ – ich wüßte nicht, wie das zu ändern sein soll.

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  6. Werner von Braun schreibt:

    Gauland der im Rotary Club Mitglied ist, so ein Text kann nur von einem Boomer kommen.

    Seidwalk: Was hat das eine mit dem anderen und beides mit dem Dritten zu tun?

    Werner von Braun: Oh Mann, Seidwalk kennt den Rotary Club nicht.

    Seidwalk: Oh Mann, WvB versteht einen einfachen Satz nicht.
    Warum sollte ich den Rotary Club nicht kennen? Ich habe Freunde, die sind dort auch dabei. Sie haben nur zwei Verbindungen zwischen drei Entitäten aufgemacht, deren Zusammenhang nicht zu erschließen ist.

    Werner von Braun: Sie sind wirklich naiv. Ich habe übrigens Freunde die beim BRD Geheimdienst die Klos putzen. Mit Euch Boomern wird das alles nichts mehr.

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  7. Zweifler schreibt:

    Obwohl der Artikel Gauland verbal hebt, stellt er sich zumindest nicht an seine Seite. Das ist einerseits verständlich, weil hier keine Parteipolitik gemacht wird. Andererseits empfand und empfinde ich Gaulands Ansatz eines „Gärigen Haufen“ für gut beschreibend. Gauland war und ist integrativ. Er sieht die Notwendigkeit des Prozesses. Was soll man dem Merkelschen Postulat des „Wir schaffen das“ anderes entgegensetzen, als Klarheit der Ablehnung dieser These, wenn man sie denn ablehnt. Diese Ablehnung aber ist es, was die AfD in den Augen der Mächtigen als anzugreifen unabdingbar macht. Diese Ablehnung wird im Land und von den AfD-Granden im Westen kaum verbreitet, da diese Ablehnung das ist, was vermeintlich der Grund aller Ablehnung der AfD bei den Sofa-Demokraten ist. Letztere Ablehnung wird dagegen unablässig und überall verbreitet. Was der Wolf in Hamburg eigentlich zu sagen hat, weiß also keiner, er selbst sagt es nicht deutlich, die anderen haben keine Veranlassung etwas zu sagen. So spielt er und seine Partei in Hamburg schlicht keine Rolle – 5 % reichen kaum über die Tischkante. Wenigstens etwas darüber sollte man schon kommen, um zeigen zu können, was da so alles auf dem Tisch steht. Wenn das nicht geschafft wird, reicht öffentlich-mediale Ignoranz zur Erledigung des Ganzen. Es bräuchte klare Worte und kein Gemurmel.

    Eine weiterer Denkansatz ist aus meiner Sicht demnach durchaus beachtenswert, nämlich der, daß es im Westen längst keine AfD mehr gäbe, wenn nicht zwischendurch deutlichere Töne zu vernehmen wären. Allerdings ist auch hier die Frage, woher diese denn überhaupt vernommen werden. Höcke und Kalbitz oder natürlich vor allem (wegen der vom Autor angesprochenen Qualitäten) auch Gauland werden ja nicht über AfD-freundliche Medien bekannt gemacht, sondern über die Leute in den Redaktionsstuben. Gerade Gauland wird da totgeschwiegen oder einfach nur als alter weißer Mann mit dem „Vogelschiß“ stigmatisiert. Was sie eigentlich gesagt haben, weiß daher kaum jemand. Gerade im Westen, im Heimatland der „Alpenprawda“ , erfolgt Ernährung nach wie vor aus dieser zur Schnabeltasse verkommenen Filteranlage. Im Osten gibt es auch nichts anderes an den Kiosken, als im Sofa-Land, allerdings reden die Leute wohl noch offen, können das auch dank der schieren Stärke der AfD dort auch offener tun, gehen die Leute in die Veranstaltungen, gibt es in gewisser Hinsicht Aktivitäten auch außerhalb der AfD, die da für etwas Beleuchtung sorgen. Der Beschreibung des Autors habe ich da wenig hinzuzufügen.

    Für jede Bewegung gibt es eine Grundfrage, die die Leute antreibt. Eine Frage, die das Bindeglied ist. Bei der AfD ist dies schon lange nicht mehr der Euro. Es ist schlicht „Das Migrationsproblem“, von Seehofer vor dem diesbezüglich erneuten Kentern seines Bootes einmal richtig als die Mutter aller Probleme bezeichnet. Sieferles gleichnamiges Buch von 2016 ist da maßgeblich-vielleicht hatte Seehofer es ja sogar gelesen. (Übrigens hat der Autor dieses Blogs darüber eine wunderbare Rezension verfaßt-ich bin im Verlinken ein Anfänger, kann da bei der lohnenden Suche also nicht helfen). Dabei ist es auch vollkommen egal, von wem diese Grundfrage benannt wird, wie diese vom Verbreiter selbst beantwortet wird.

    Wenn keiner mehr darüber redet, stirbt alles (Orwell 1984). Wenn schlecht darüber geredet wird, kann das Hoffnung geben, eben weil offensichtlich ein Grund besteht. Es wird diskutiert (werden).

    Es gibt also einen Grund die Spannungen auszuhalten, im Gespräch zu bleiben, durchzuhalten. Es sollte dem Vorstand gelingen zu begreifen, daß das Land gespalten ist und daß es lohnt, sich um alle zu kümmern-sich zu reiben statt sich zu diffamieren. Man sollte Schluß machen mit der Unberechenbarkeit. Beispiel: Vor ca. einem Jahr hat Meuthen die Untadeligkeit von Kalbitz noch ausdrücklich herausgestellt, heute verteufelt er ihn als Rechtsaußen und beruft sich formell auf einen Fehler im Aufnahmeprozeß. Sonst kommt da keinerlei Begründung. Das ist gelinde gesagt armselig und natürlich unanständig. Das ist keinen Deut besser als das Ergebnis aus der oben genannten Filteranlage. Ich halte es für absolut wesentlich, berechenbar zu bleiben, sich anständig zu verhalten.

    Ich entschuldige mich für die Länge.

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    • Leonore schreibt:

      Als Antwort auf Zweifler

      Meuthen zum Vorwurf zu machen, daß er Kalbitz gegenüber Journalisten als „untadelig“ in Schutz genommen hat (!), finde ich erstaunlich. Man kann halt Dinge und Menschen immer nur insoweit beurteilen, als man sie kennt. Wenn man neue Erkenntnisse gewinnt, die eine andere Beurteilung erzwingen, dann kann man nicht einfach aus falsch verstandener „Festigkeit“ an der falschen Beurteilung festhalten. Die Frage nach dem anständigen Verhalten sollte lieber demjenigen gestellt werden, der sich unter Verschweigen wesentlicher Tatsachen in die AfD gemogelt hat.

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      • Zweifler schreibt:

        Als Antwort auf Leonore:

        Ich gäbe Ihnen natürlich vollkommen recht mit Ihrer Anmerkung, wenn es sich denn so verhielte, wie Sie voraussetzen. Was ich allerdings meinte, habe ich geschrieben. Es geht eben darum, daß sich inhaltlich nichts geändert hatte an den Positionen von Kalbitz. Als neue Erkenntnis (die Sie nun für maßgeblich halten) kann man wohl nur die (noch nicht einmal bewiesene) Behauptung der Nichtangabe von Mitgliedschaften festhalten-wovon auch nur eine dieser relevant wäre. Wenn sich Herr Meuthen also darauf beschränkte, würde es ja noch angehen, gäbe es meine Anmerkung dazu nicht. Er äußert sich jedoch ohne weitere Angaben (und darauf kommt es eben an) nunmehr (abgrenzend, fallen lassend) derart, daß Herr Kalbitz rechtsextremer Gesinnung sei, diese nie abgelegt habe. Das wiederum begründet er nicht mit neuen inhaltlichen Erkenntnissen-wenn Ihnen derartiges bekannt ist-ich bin gespannt.

        Natürlich ist die eigentliche Begründung für den Rauswurf die, daß da die vom Autor des Blogs angesprochene „Meuthen-Partei“ entstehen soll-ohne Zeitverlust, kompromißlos gegenüber den innerparteilichen Gegnern, dabei die moralische Richtigkeit reklamierend und damit vermeintlich verbindend wirkend, in jedem Fall auch die Gunst der Stunde nutzend. Angesichts dieser Rigorosität sieht sich Gauland nun offenbar einem Scherbenhaufen gegenüber und Kamann muß gar nichts mehr selbst beisteuern. Letzteres ist besonders bitter.

        Es ist nach Auffassung von Meuthen und den seinen offenbar erforderlich, sich vor allem inhaltlich deutlich, erkennbar und öffentlichkeitswirksam nach rechts abzugrenzen. Dazu hätte der breiten öffentlichen und veröffentlichten Meinung die formelle Begründung der Nichtangabe früherer Mitgliedschaften nicht gereicht, auch wäre es kein hinlängliches Signal nach innen gewesen. Eine nur mit dem angeblichen formellen Verstoß begründete Trennung von einem angeblichen Rechtsaußen hätte für die Entwicklung zu einer Meuthen-Partei nichts beigetragen. Nun denn, sowas nennt man landläufig auch „Bauernopfer“-wobei Kalbitz mit seinen Stimmengewinnen in Brandenburg eben kein solches ist-was es einerseits schwer macht, andererseits auch lohnend, wenn es denn geschafft wird (aus der Sicht der Meuthen-Anhänger).

        Es ändert jedoch nichts an der angesprochenen Unanständigkeit, Unberechenbarkeit. Aus meiner Sicht wird dieses Vorgehen, wenn es denn eine Meuthen-AfD tatsächlich geben sollte, für diese eine zusätzliche schwere Hypothek werden. Innerparteiliche Auseinandersetzung muß anders erfolgen-wobei ich eben durchaus unterstelle, daß das Mittel bewußt so gewählt worden ist, um Gauland und die seinen sichtbar abzuschieben. Das Vorgehen in Bezug auf Kalbitz ist dabei wiederum aber nichts anderes als ein Spiegel der derzeitigen Gesamtgesellschaft. Da werden ständig neue Opfer sowie die dazugehörigen Täter gesucht und gefunden-warum? -um sich selbst als etwas besseres abzugrenzen, wobei den Betreibern derartigen Vorgehens entgeht, daß es ja immer noch einen besseren/eine bessere geben wird. Mit einer „Alternative“ hat das nichts zu tun.

        Wenn man es also ernst meint mit einer wirklichen und ernstzunehmenden Alternative, muß man sich zunächst mal selbst entsprechend verhalten-sowohl nach außen als auch nach innen. Selbst wenn der vom Autor des Blogs angesprochene Zeitpunkt vermeintlich oder tatsächlich erforderlicher Weichenstellungen bereits objektiv verpaßt ist (was keiner weiß), sollte dennoch sachlich, kulturvoll, berechenbar und moralisch anständig vorgegangen werden. Ein Vorgehen wie in der causa Kalbitz wird, das ist auch meine Meinung, so oder so zerstörerisch, zerreißend wirken. Die Folgen diesbezüglich hat der Autor des Blogs beschrieben.

        Abschließend bitte ich Sie, meine Gedanken nicht zu verdrehen, wenn Sie sie schon nicht logisch nachvollziehen wollen (s.o.). Ich mache Herrn Meuthen keinen Vorwurf daraus, Herrn Kalbitz verteidigt zu haben (wie man meinen Beitrag so lesen kann verstehe ich gelinde gesagt nicht), sondern weil er sich nachfolgend auf die beschriebene Weise von ihm abgegrenzt hat.

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        • Leonore schreibt:

          Als Antwort auf Zweifler

          Es liegt mir fern, Ihre Gedanken verdrehen zu wollen! Mir scheint aber, Sie wollten offenbar nicht „logisch nachvollziehen“, was Sie selbst geschrieben haben.

          Sie haben Meuthen „Unberechenbarkeit“ unterstellt und diese als Gegensatz zu anständigem Verhalten bezeichnet:
          „Man sollte Schluß machen mit der Unberechenbarkeit. Beispiel: Vor ca. einem Jahr hat Meuthen die Untadeligkeit von Kalbitz noch ausdrücklich herausgestellt, heute verteufelt er ihn als Rechtsaußen und beruft sich formell auf einen Fehler im Aufnahmeprozeß. Sonst kommt da keinerlei Begründung. Das ist gelinde gesagt armselig und natürlich unanständig. Das ist keinen Deut besser als das Ergebnis aus der oben genannten Filteranlage. Ich halte es für absolut wesentlich, berechenbar zu bleiben, sich anständig zu verhalten.“

          So wie er da steht bezieht sich Ihr Vorwurf also auf die Diskrepanz zwischen den beiden Beurteilungen. Daraus könnte man folgern, daß Sie Meuthen weder Unberechenbarkeit noch unanständiges Verhalten vorwerfen würden, wenn er schon zu einer Zeit, als dieser zwar von Medien und dem politischen Gegner als Neonazi beschimpft wurde, aber noch keine Beweise dafür vorlagen, klein beigegeben und seine Beurteilung von Kalbitz dem Mainstream angepaßt hätte.(Was ich wiederum verwerflich gefunden hätte.) Oder daß Sie – ganz gleich, was einer sich schon alles geleistet hat und wie sehr das dem Gegner Knüppel in die Hand drückt – Nibelungentreue fordern nach der Art von „Right or wrong – my country“. Oder eben „ – my buddy“.

          Das können Sie machen. Und bei anderen Parteien als der AfD könnten Sie mit solchen Forderungen sogar erfolgreich sein, wie das die Karriere eines Johannes K., seines Zeichens Ex-Strippenzieher bei der SPD, beweist, der mit nächtlichen Drohanrufen eine junge innerparteiliche Konkurrentin hatte einschüchtern wollen 1), was in der SPD irgendwie sportlich genommen wurde. Aus der Politik zurückgezogen hat er sich jetzt erst, vermutlich weil seine Reaktion auf einen Fake-Anruf von Youtuber Oli nahezulegen scheint, daß er sein juristisches Examen von jemand anders hat schreiben lassen 2)3). Aber wenn die AfD genauso prinzipienlos wäre, dann wäre sie überflüssig.

          Sie irren gleich mehrfach, wenn Sie schreiben: „Als neue Erkenntnis (die Sie nun für maßgeblich halten) kann man wohl nur die (noch nicht einmal bewiesene) Behauptung der Nichtangabe von Mitgliedschaften festhalten-wovon auch nur eine dieser relevant wäre“.
          Sie irren, wenn Sie glauben, daß Meuthen sich im Fall Kalbitz lediglich auf „einen Fehler im Aufnahmeprozeß“ berufen würde. Übrigens wurde auch von linken Journalisten perfiderweise insinuiert, die AfD störe es nicht, daß Kalbitz Rechtsextremist sei, sondern nur, daß er es nicht angegeben habe. Dabei hat Kalbitz seine Vormitgliedschaften (mutmaßlich) genau aus dem Grund nicht angegeben, weil er wußte, daß sie die AfD dermaßen stören würden, daß er nicht aufgenommen würde.
          Und weil er wegen der HDJ-Mitgliedschaft nicht aufgenommen worden wäre, wenn er sie angegeben hätte, ist die Nicht-Angabe quasi faktisch bewiesen durch die Tatsache, daß er aufgenommen worden ist.
          Weiterer Irrtum: Daß nur die Mitgliedschaft in der HDJ, nicht aber die bei den Republikanern relevant wäre, stimmt nicht. Zwar schließt eine Vormitgliedschaft bei den Republikanern nicht grundsätzlich eine Aufnahme in die AfD aus, aber sie muß auf jeden Fall im Aufnahmeantragsformular angegeben werden. Denn dann erfolgt ein persönliches Gespräch, in dem dem Beitrittswilligen auf den Zahn gefühlt wird. Hat er dieses Aufnahmegespräch erfolgreich überstanden, kann er selbstverständlich immer und überall zu seiner Vormitgliedschaft bei den Republikanern stehen. Denn jedes AfD-Mitglied weiß: Wäre er ein Radikalinski, dann wäre er nicht aufgenommen worden.
          Genau deshalb weil das so ist, irrt auch Gauland in seiner Annahme, daß die „Offenheit“, mit der Kalbitz in der Partei zu seiner REP-Vergangenheit stand, das Verschweigen bei der Aufnahme heilen könnte.
          Weiterer Irrtum: Daß von Meuthen sonst „keinerlei Begründung“ gekommen wäre, ist ebenfalls nicht richtig. Tatsache ist, daß Meuthen erwähnt hat, daß es eine Fülle von Fakten gibt, die inzwischen ans Licht gekommen sind, und Wahlkampf-Äußerungen von Kalbitz, die ihn nachdenklich gemacht haben. Daß jede Wiederholung von geschmacklosen Sprüchen und die Beschreibung der skandalösem Vorgänge, in die Kalbitz verwickelt war, die AfD (leider nicht Kalbitz allein!) beim Fernsehzuschauer erneut und immer verfestigter in die „Todeszone“ rückt, erklärt wohl zur Genüge, warum er da nicht ausführlich und umfassend alles Befremdliche und Peinliche aufgezählt hat.
          Hier sei es nun trotzdem nochmal aufgezählt: Wer beim Abfassen eines Drehbuchs für einen Film über Hitlers Heldentaten im 1. Weltkrieg behilflich ist, wer mit einer praktisch ausschließlich aus NPD-Mitgliedern bestehenden Reisegruppe nach Athen fährt, die dann aus dem Hotelzimmerfenster eine Hakenkreuz-Flagge hängt, wer über sehr viele Jahre hinweg bei der HDJ mitmacht und nicht nur sich, sondern auch gleich noch die ganze Familie dort anmeldet (also ganz offensichtlich NICHT sich das nur mal „angeschaut“ hat), wer bis 2015, also überlappend mit seiner Mitgliedschaft in der AfD, Vorsitzender eines rechtsextremistischen Vereins ist, der gehört einfach nicht in die AfD. Und der ist – meine Meinung – wahrscheinlich auch nur deshalb in die AfD eingetreten, weil er sich dort größere Chancen auf politischen Einfluß in seinem Sinne, vielleicht sogar auch einfach die Rettung aus desolaten finanziellen Verhältnissen (aber an die „Futtertröge“ streben ja immer nur die anderen, nicht wahr?) ausgerechnet haben könnte.
          Zu Ihrer aberwitzigen Unterstellung, Kalbitz sei „mit seinen Stimmengewinnen in Brandenburg“ einem angestrebten Umbau der AfD zu einer „Meuthen-Partei“ im Weg gewesen:
          1. Die Stimmen hat die AfD gewonnen, nicht Kalbitz.
          2. Daß in den „neuen“ Bundesländern die AfD mehr Stimmen gewinnt, liegt nicht an den (meist aus dem Westen zugereisten, das hiesige heißere Pflaster anscheinend scheuenden) Flügel-Akteuren dort, sondern an der politisch erfahreneren und weniger leicht hinter die Fichte zu führenden Bevölkerung.
          3. Es war nicht Meuthen, der beschlossen hat, Kalbitz „rauszuwerfen“, sondern der Bundesvorstand (inzwischen vom Bundesschiedsgericht bestätigt).
          4. Zum angeblich angestrebten Umbau der AfD: Im Lichte des eben Dargelegten ist es doch sehr fraglich, wer hier die AfD umbauen wollte… Kalbitz war nicht einfach ein engagiertes Mitglied. Auch nicht einfach ein fleißiger Kreisvorsitzender. Nicht mal „nur“ ein Landesvorsitzender. Er war ein Strippenzieher im Hintergrund, der bestimmte, wer gewählt wurde und wer nicht.
          5. Meuthen ist genauso Patriot wie jeder andere in der AfD auch. Die Angriffe gegen ihn und die Unterstellungen sind – auch nach ein paar blassen Interviews – unverständlich (sofern es nicht darum geht, daß manch einer mehr sozialistische Elemente in die Programmatik der AfD einbauen möchte, was mit einem Marktwirtschaftler wie Meuthen natürlich nicht zu machen wäre).
          Womöglich wäre ein Gottfried Curio oder (der durch seinen Werdegang bei der Polizei auch im Umgang mit Menschen und Personalführung beschlagenere) Martin Hess wirklich ein besserer Spitzenkandidat der AfD. Aber dazu genügte eine Wahlentscheidung. Eine Demontage von Meuthen zum jetzigen Zeitpunkt ist eine völlig unnötige Beschädigung der AfD.

          1) https://www.achgut.com/artikel/fundstueck_naechtlicher_telefonterror_beim_politischen_gegner

          2) https://www.nzz.ch/international/der-spd-abgeordnete-johannes-kahrs-tritt-von-allen-aemtern-zurueck-ld.1555152
          3) https://www.youtube.com/watch?v=r00PJGjq9nA

          Zweifler (27.8.) : Als Antwort auf Leonore.

          q.e.d.

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  8. Pérégrinateur schreibt:

    Gauland sehe ich ganz wie Sie, doch er ist leider schon recht alt. Höckes nationalromantische Motivationen teile ich nicht, könnte aber damit leben. Gegenüber Meuthens Anpassungsbedürfnis an die westdeutsche Mehrheitsmeinung und die vieler westdeutscher AfDler bin ich viel skeptischer. Wenn der politische Ertrag der AfD nur ist, ein weiteres Schwein an den Trog zu bringen, ist sie unnütz.

    Sie sollten aber eine Möglichkeit nicht vernachlässigen. Der deutschen Gesellschaft wurde Hypothek um Hypothek aufgeladen, und diese werden irgendwann platzen: Hafungsrisiken zur Euro-Bewahrung, Energiewende ins Nichts, Demontage der eigenen Industrien, Verlust der internationalen Konkurrenzfähigkeit durch eta auch die Bildungskatastrophe, Unruhen durch nicht saturierte Zuwanderer usw. Wenn die wohlstandsverwahrlosten Gören im Winter einmal in der kalten Wohnung sitzen, keine Stelle mehr finden, weil die ertragreichen Industrien abgeschafft wurden und auch keine mehr im nicht mehr zu tragenden Ideologiegewerbe finden, sich nicht mehr vor die Tür trauen werden wegen der Bereicherung, dann könnte der Wind drehen. Natürlich setzt auch in der Lage eine Wende voraus, dass sie überhaupt noch eine Erinnerung an das Vorher haben werden und dass die Radikalisierungsspirale („Kein Strom? – „Liegt nur daran, dass man nicht genügend Windmühlen aufgestellt hat!“, „Keine Mietwohnungen mehr?“– „Liegt nur an den böswilligen Immobilienkapitalisten!“ usw.) nicht schnell genug gedreht werden kann. Es geht also um den Ausgang des Wettlaufs zwischen Verblödung und Verelendung. Den halte ich auch langfristig für offen.

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