*innen

Nur mal so im Vorbeifahren: Las diesen Satz im Parteiorgan „Frankfurter Rundschau“ über „Rassistische Polizeigewalt“:

„Trotz der Polizeiaktion harrten rund 50 Demonstrierende weiter aus. Sie riefen den Polizist*innen Begriffe wie „Mörder“ zu und forderten sie auf, ihren Dienst zu quittieren.“

In Wirklichkeit riefen sie natürlich den Polizisten Begriffe wie ,Mörder‘ zu, da sie aber eine andere Wirklichkeit erfinden und begründen wollen, hätten sie eigentlich „Mörder*innen“ rufen müssen. Mindestens aber hätte das Parteiblatt, das nun konsequent gendert und also gänzlich unlesbar wird, dies schreiben müssen, denn genauso wenig, wie die Polizisten Polizist*innen sind – auch wenn es den einen oder anderen * und ein paar …innen gegeben haben mag – sind die „Mörder“ alle männlich.

Die Frage, wie die Imperativformen dieser waghalsigen Konstruktion zu sprechen oder zu skandieren seien, ist noch nicht geklärt, auch wenn man mittlerweile in den Medien beginnt, den Glottisschlag zu üben. Die korrekte Beschimpfung von Polizisten als Mörder wäre dann ein zweisilbiger Vers: Mörder – Pause – Innen, Mörder – Pause – Innen. Bei mehrsilbigen Vokabeln, wie etwa „Faschisten“, „Rassisten“ oder „Rechtsextremisten“ wird es ohne musikalische Ausbildung schwierig.

Da bietet sich die allgemein bekannte Verallgemeinerung in Modifikation an: Bull*innen, Schwein*innen etc.

4 Gedanken zu “*innen

  1. JJA schreibt:

    Dieser Doppelstandard findet sich öfter. Richtig unterhaltsam fand ich den Johannesprolog der „Bibel in gerechter Sprache“: Zunächst wird aus dem Logos „die Weisheit“ (weil feminin, vermute ich), der zentrale Vers 14 ist so dümmlich übersetzt wie nur möglich: „Und die Weisheit wurde Materie und wohnte unter uns, und wir sahen ihren Glanz, einen Glanz wie den eines einzigen indes von Mutter und Vater voller Gnade und Wahrheit.“ (Die „Mutter“ ist albern, aber dass aus sarx „Materie“ wird, ist schon sprachlich um ein vielfaches schwächer.)

    Aber Vers 13: „die nicht aus Blut und nicht aus irdischem Bestreben und nicht aus dem Willen eines *Mannes*, sondern aus Gott geboren sind.“ (Auch hier wieder das Fleisch herausgenommen!)

    Das ist nur noch unterhaltsam. Oder die Übersetzer*innen wurden hier von einem letzten Rest Realitätssinn überwältigt.

    Seidwalk: Hier wird es ernst, wo ich noch ein bißchen Spaß gemacht hatte.

    Es wäre eine Überlegung wert, die Alternativgeschichte des Christentums – als kulturelle Grundlage der Geschichte Europas – zu entwerfen, wenn die Heilige Schrift von Anfang an feministisch oder „gerecht“ gelesen, verstanden, übersetzt worden wäre.

    Liken

    • Pérégrinateur schreibt:

      @Seidwalk: Eine nur kurze Geschichte braucht auch eine nur kurze Überlegung.

      Schon im dritten Jahrhundert triumphieren Kirchenväter über die große Zahl der Christen im Heer. Ein „gerechtes“, „von weiblichen Werten geprägtes“ Christentum wäre völlig irenistisch gewesen und also auch keine mögliche Machtbasis für Typen wie diesen Konstantin. Ohne Hahnenschrei auch keine politischen Prämien und Bestallungen für Chrysostomosse. Und ohne Schreihälse mit staatlichen Flüstertüten verlieren sich auch die Schäflein recht schnell.

      Liken

  2. Natürlich finde auch ich es empörend, den Anspruch der Mörderinnen, extra genannt zu werden, zu ignorieren. Aber ein anderer Aspekt ist für mich noch viel verstörender: Dass man bei den neuen Anreden „Polizistinnen und Polizisten“ die „Diversen“ skrupellos übergeht. Männlein und Weiblein werden genannt – und was ist mit der Minderheit von etwa 50 bis 51 anderen Geschlechtern?!? Beim guten alten Sammelbegriff „Polizist“ oder „Mörder“ konnten sich alle Geschlechter angesprochen fühlen. Das neue, mitleidlose Übergehen der Transgender*innen ist ein Skandal. Ich habe mir jedenfalls vorgenommen, mir unter den vielen diversen Geschlechtern mal eins auszusuchen, um dann bei passender Gelegenheit lautstark zu protestieren. Diskriminierende Anreden wie „Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer“ oder „Liebe Mitgliederinnen und Mitglieder“ lasse ich nicht mehr durchgehen. Die Ausgrenzung der „Diversen“ aus unserer Gesellschaft muss endlich aufhören!!

    Liken

  3. Pérégrinateur schreibt:

    Man sollte heute Texte wohl besser immer auf diese Weise verfassen:

    *innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen*innen

    Um der Regel, bei jedem Thema, ob es dort nun einschlägig ist oder wie meist eher nicht, das oder die minder vertretene oder vertretenen Geschlecht oder Geschlechter gleichwohl in gerechter Weise sichtbar zu machen, habe ich mich entschlossen, am Anfang, also an gewiss prominenter Stelle, eine gemessen an der Länge meines Textes sicher hinreichende Zahl der Sichtbarmachungsaffixe vorab zu nennen, damit dem legitimen Gerechtigkeitsanspruch völlig genügt werde. Ich fahre nun in gewöhnlicher und verständlicher Sprache fort.

    […]

    Diesen Text finden sie auch digitalisiert auf meiner Website http://www.gerechterhans.de zum Download, und zwar in drei Fassungen, die wohl jeder Art des Interesses an seinem Thema gerecht werden:

    1. Umfassender Text: X.um.pdf
    2. Nur den Gerechtigkeitsvorspann: X.in.pdf
    3. Ohne den Gerechtigkeitsvorspann: X.pdf

    Gewarnt durch Erfahrungen mit anderen Downloadangeboten, bitte ich das Publikum darum, die beiden ersten Versionen ebenfalls in angemessener Zahl herunterzuladen, da ich mich nicht dem Verdacht der Diskriminierung aussetzen will. Solange jeweils die ersten beiden Versionen zusammen weniger oft heruntergeladen wurden als die dritte, wird deshalb mein Server den Download der letzten blockieren. Ich bitte, dies zu berücksichtigen. Wenn Sie zur Entsperrung deshalb zuerst die zweite Version herunterladen sollten, bitte ich, diese anschließend nicht einfach zu löschen, sondern selbige zur Bewahrung des gerechten Geschlechtergleichgewichts im Datenraum stattdessen der oder den Gleichstellungsbeauftragten Ihrer Einrichtung per Email zuzusenden, der oder denen dies als sehr erwünschter Erfolgsnachweis dienen kann.

    Liken

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.