Trump ist schuld!

Der “Focus” beglückt uns mit einer aufschlußreichen “repräsentativen Umfrage”, durchgeführt vom Institut Civey.

„Auch in Deutschland schlägt das Thema hohe Wellen. In der Frage, wer die Schuld daran trägt, dass die Unruhen in den USA nicht abebben, haben die Deutschen eine klare Haltung. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage des Institutes Civey hervor.

Bürger überwiegend einig: Trump trägt die Hauptschuld

74 Prozent der Befragten sind einer Meinung, dass US-Präsident Donald Trump die Hauptschuld an den anhalten (sic!) Protesten in den USA trägt. Nur 20,4 Prozent sehen in dem 73-Jährigen nicht den Hauptverantwortlichen für das anhaltende Chaos.“

Denkt man eine Sekunde darüber nach und schaut man hinter die Kulissen, dann zeigt sich das altbekannte Bild, dann lassen sich interessante Lehren ziehen – nicht aus der Umfrage an sich, sondern aus der Art und Weise, wie sie durchgeführt und eingesetzt wurde. Leider nehmen sich die meisten Menschen in einer Klick-Kultur diese Zeit nicht, hasten weiter und es bleibt – vielleicht bald schon vergessen und nur noch im Unterbewußtsein präsent – die Grundbotschaft hängen. Ziel erreicht.

Die Umfrage selbst ist schon wegen ihrer suggestiven Frage wertlos: „Trägt US-Präsident Donald Trump Ihrer Meinung nach die Hauptschuld dafür, daß die Proteste gegen Rassismus in den USA nicht zur Ruhe kommen?“ Mit dieser Begriffsfolge hätte man etwa auch folgende unsinnige Umfrage starten können: „Trägt Bundeskanzlerin Angela Merkel Ihrer Meinung nach die Hauptschuld dafür, daß in den ersten drei Quartalen des Jahres 2019 261 Straftaten gegen das Leben registriert wurden, bei denen mindestens ein Zuwanderer als Tatverdächtiger ermittelt wurde?“

Die Erhebung könnte aus anderer Perspektive dennoch aufschlußreich sein. Zum einen könnte sie zeigen, daß die allumfassende Propaganda aus allen Kanonen wirkt, zum anderen könnten die nahezu deckungsgleichen Zahlen unter Anhängern von CDU, SPD, Grünen und Linken auf die Tatsache hinweisen, daß wir es in der Realpolitik mit einem Blockparteien-Phänomen zu tun haben, vielleicht der DDR vergleichbar, wo es neben der SED noch vier weitere Parteien gab, die zwar nominell „Alternativen“ darstellten, de facto aber nahezu identische Politik abwinkten.

Wer heutzutage in der Bundesrepublik alternativ wählen will, der müßte demnach – wenn er es nur ein bißchen sein möchte – FDP oder – falls er wirklich alternativ ist – AfD wählen.

Das sind keine Wahlempfehlungen, das sind nur Rückschlüsse aus obiger Umfrage und die Kritik an ihr bezieht auch keine Position zu Trump.

Leider sind aber auch diese Schlüsse Makulatur. Das läßt sich leicht erkennen, wenn man nach der Quelle forscht. Diese sogenannten Umfragen des Civey-Institutes sind Online-Umfragen, „wobei sich“ – wie Wiki informiert – „die Umfrageteilnehmer selbst rekrutieren“. Es sind also keine repräsentativen Umfragen, sondern Umfragen unter jenen Menschen und Maschinen, die gerade Lust haben oder dazu „angeregt“ wurden, daran teilzunehmen.

Mehr noch, diese konkrete Umfrage wurde sogar vom „Focus“ selbst durchgeführt. Es haben hier also „Focus“-Leser, ein ganz bestimmtes Klientel, abgestimmt, und zwar nur jene, die sich – aus welchem Grund auch immer – veranlaßt gesehen haben, an dieser schon durch die Frage kompromittierten Befragung teilzunehmen. Sie war von Beginn nichts anderes als ein Kampffeld. Ihr Ergebnis ist komplett wertlos, ganz unabhängig davon, wie nahe es der Wahrheit kommt.

Lernen läßt sich aus ihr also nur eines: Unsere Presse – hier der „Focus“ – scheut vor Tricksereien und Manipulationen nicht zurück, um die allseits beliebten Narrative immer und immer wieder durchzudrücken und dabei auch „Volkes Stimme“ zu imitieren, zu manipulieren und zu mißbrauchen; hier hat man sich die Nachricht, die man gern senden möchte, selber geschrieben.

Umgekehrt ziehen wir daraus die Lehre: Traue ihnen nicht!

5 Gedanken zu “Trump ist schuld!

  1. Stefanie schreibt:

    Deformation demokratique: Mehrheit = Wahrheit.
    Oder: „Wenn wir die Mehrheit gewinnen – oder es wenigstens simulieren- haben wir automatisch recht“.

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  2. Kopfrechner schreibt:

    Civey?
    Schon das Ignorieren ist zuviel der Ehre!

    Ihrer Darstellung und den Schlussfolgerungen ist natürlich voll zuzustimmen. Das alles zeigt allerdings nur, w i e sehr die sog. Sozialforschung und die Journaille auf den Hund gekommen sind.

    Bitte verschwenden Sie Ihre kluge analytische Kraft nicht an unwürdigen Objekten!

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  3. Ihre Schlüsse sind wahrlich beachtlich: eine durchgängig eindeutige Mehrheit bei Parteigängern unterschiedlichster Parteien äußert sich übereinstimmend zu einer Frage, nur die Parteigänger einer einzigen Partei äußern sich mehrheitlich gegenteilig – Ihrer Ansicht nach eben „alternativ“. Das kritisieren Sie und folgern, die anderen seien Blockparteien. Irgendwie kommt mir das so vor, als sei eine Mehrheit der Leute davon überzeugt, dass die Erde eine ungefähre Kugel sei, aber die Parteigänger einer Partei sagen klar: eine Scheibe. Weil: wir brauchen eine Alternative! Und: sieht man doch, wenn man aus dem Fenster schaut. Die anderen sind Opfer von NASA-Propaganda.
    Die Fragestellung, inhaltlich wie methodisch, ist völlig wurscht, interessant ist lediglich das Antwortverhalten einer bestimmten Gruppe, das sich immer ähneln wird, egal wie methodisch sauber („wissenschaftlich – oh Gott“) die Frage gestellt wird – sie sondiert vorher: wie wird die Mehrheit sich wohl äußern? Also sagen wir: alternativ. Und meinen: anti. Anti-faktisch beispielsweise. An diesem Punkt sind wir bei Trump, so geht seine Methodik. Und Sie fallen drauf rein.

    @ Stefanie

    Beschreiben Sie hier etwa Ihre Rolle in diesem Blog-Kommentarbereich?

    @ Lynx

    Ja, ich bin „alternativ“, gehöre zur krassen Minderheit der Checker.

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    • Test Bild schreibt:

      Die Gegenprobe macht das Leben. Wenn Trump weg ist (inshallah, alles ist vergänglich) und die Probleme noch da sind, haben wohl ziemlich viele Leute den Kopf in den Sand gesteckt, inklusive derjenigen die glaubten, Trump sei eine Alternative.

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  4. Skeptiker schreibt:

    Es muss um 1981 gewesen sein, als ich in Berlin einen Vortrag über Sinn und Unsinn von Umfragen gehört habe. Redner war das grandiose akademische Schandmaul Alphons Silbermann, dessen mimetische Fähigkeiten beim Referieren falscher und methodisch abseitiger angeblicher Forschungsresultat man einfach miterlebt haben muss. Angesichts der von Ihnen vorgestellten Civey-Umfrage kann ich mir nur ein permanent verzerrtes Gesicht des alten Herren vorstellen. Damals ging es um die manipulierbaren Umfragen, die die Häufigkeit des Antisemitismus betrafen und die faszinierende Möglichkeit Beliebiges unter allen Umständen zu erzeugen. Es macht zwar einen Unterschied, ob man fragt „Mögen Sie Juden?“ oder „Sie sind doch nicht etwa Antisemit?“ – aber die zweite Frage wird lieber beantwortet, da sie sich in den Konformitätsdruck besser einfügt und die Frage der Sympathie elegant umgeht. Ich glaube, dass keiner zugibt Trump zu mögen. Anders kann ich mir die Pflichtübung nicht erklären, mit der jedermann auf den „schlechten“ Charakter des amerikanischen Präsidenten verweist, obwohl ich zugestehen muss, dass in mir der gelackte Herr Macron schon rein optisch Widerwillen erzeugt: aber reicht das aus, politische Entscheidungen zu bewerten? So wäre die Frage: „Sie sind doch nicht etwa für Trump?“ eine faszinierende Möglichkeit immer eine Mehrheit zu generieren – auch und gerade unter der Wählermasse, die wohl überhaupt keine politische Meinung hat, aber dank der Möglichkeit den „Charakter“ eines Politikers mit verurteilen zu können sich für politisch aufgeklärt hält. Die Civey-Umfrage ist wie viele dieser Umfrage eine Persiflage auf seriöse empirische Forschung. Sie leistet nicht, was sie offensichtlich zu leisten beansprucht: Messung von Meinung. Sie leistet unter dem Deckmantel der Wissenschaftlichkeit einen Beitrag zur Meinungsmanipulation (was man heute so feinsinnig „Nudging“ nennt) Insofern ist es notwendig, ab und zu auf solche Blüten einer fragwürdigen Sozialwissenschaft hingewiesen zu werden, die großmäulig Erkenntnis vorgibt, aber den Anspruch von Kritik und Aufklärung längst aufgegeben hat.

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