Denkanstöße – Sloterdijk

Jedes Zeitalter hat seinen eigenen Stil, mit der Welt unzufrieden zu sein, und eine selbstbewußt gewordene Unzufriedenheit mit der Welt trägt den Keim einer Kultur in sich. Ohne Zweifel zeigt die heutige Unzufriedenheit mit der Welt panische Züge. Wer nicht panisch ist, ist nicht auf dem laufenden – er lebt im Abseits von der Epoche, in irgendwelchen Höhlen der Ungleichzeitigkeit, verschont, sich schonend. Um sich von der Panik fernzuhalten, müßte man fähig sein, an einem kleinen Glück zu bauen und sich durch naheliegende Sorgen von den globalen Problemen ablenken zu lassen. Aber Immunität gegen Panik ist selten geworden: so selten wie authentische Weltfremdheit. Wer auf der Höhe der Zeit lebt, ist vom Schrecken kontaminiert.

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